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Bundeskunsthalle widmet sich zum zweiten Mal der Kunstliebe der Päpste

Pracht und Politik im barocken Vatikan



Carlo Maratta, Madonna mit segnendem Christusknaben, 1693-1695

Carlo Maratta, Madonna mit segnendem Christusknaben, 1693-1695

Würde, Allansichtigkeit und Monumentalität verbinden sich seit der Antike mit der Bauform der Kuppel. Diese Charakteristika prädestinieren sie an ehesten für Architektur von hohem Bedeutungsgehalt. Bei der römischen Peterskirche markiert diese vornehmste aller Überwölbungsmöglichkeiten genau über dem Grab Petri zugleich den Eintritt in die Neuzeit mit anschließendem Siegeszug. Mit 42 Metern Durchmesser übertrifft sie die Kuppel des Pantheons um zweieinhalb Meter. Der von Papst Sixtus V. mit der Ausführung der Kuppelbaupläne Michelangelos beauftragte Architekt Giacomo della Porta erhöhte sie leicht, formte steiler und spannte sie dynamischer. Von zwölf auf sechszehn Rippen erweitert, wird sie von der grandiosen Laterne wie federnd unter Druck gehalten. Folglich integriert die Kuppel ihre Präsenz im Stadtpanorama Roms weitaus wirkungsvoller, als es bei der mehr in sich ruhenden Konzeption Michelangelos der Fall gewesen wäre.



Die Kuppel von St. Peter gilt als zentrales Emblem des römischen Barock. Magisch zieht der szenische Effekt nicht nur das Original in Rom, sondern auch die Miniaturausgabe als Hauptausstellungsstück der Bonner Schau den Besucher an. Dort zeigt die Bundeskunsthalle die Verschmelzung von Religion, Kunst und Wissenschaft im Gesamtkunstwerk der Peterskirche. Um dem Meister Michelangelo endlich definitive Vorstellungen zu entlocken, wurde zwischen 1558 bis 1561 das fünf Meter hohe Lindenholzmodell angefertigt, das nun Mittelpunkt der Ausstellung ist. Giacomo della Porta überformte das Modell dann um 1585 nach seinen realisierten Plänen außenschalig mit steil aufsteigender Kontur und schmaleren Rippen.

Bogenförmig um den grandiosen Nachbau angeordnet, erschließen sich dem Besucher die wichtigsten Bauphasen des fulminanten Gesamtprojektes von St. Peter. Die direkt neben einem Zirkus des Kaisers Nero gelegenen Reste einer Gräberstraße bilden 64 n. Chr. den Ausgangspunkt. Rund 1.100 Jahre erhob sich hier die verbaute, nicht sehr repräsentative altchristliche Basilika als Grabeskirche des Apostelfürsten Petrus. Nach der Rückkehr der Päpste von Avignon nach Rom setzt mit Papst Julius II. und seinem Architekten Donato Bramante im Jahr 1506 die Geschichte des bestehenden Neubaus ein, der die alte Basilika vollständig ersetzt. Nur das Apostelgrab bleibt unberührt. Vor genau 500 Jahren, am 18. April 1506, wird der Grundstein gelegt.

Was nun folgt, erinnert an so manches Bauprojekt der Jetztzeit. 40 Architekten und dazu 40 Päpste als Bauherrn sind bestrebt, über die 166 Baujahre hinweg mitzureden. Eine Bauphase hebt die nächste auf. Neue Pontifikate beginnen mit anderen Personen, Streitereien und Eitelkeiten. Zahlreiche Studien, Entwürfe, Pläne bedeutender Baumeister und Künstler umrahmen das Kuppelmodell. Von den Anfängen der Grundidee Bramantes mit einem Zentralbau samt fünf Kuppeln, den Abwendungen und der Rückkehr zu dieser Grundidee bis zur Verbindung des hohen, zentralen Kuppelbaus Michelangelos mit einem Langhaus sprühen die präsentierten barocken Papierarbeiten voller Ideen und Details. Erst 1612 wird die Fassade nach Plänen Gian Lorenzo Berninis, 1615 der gesamte Bau und 1672 der querovale, kolonnadengerahmte Vorplatz gleichfalls nach Berninis Plänen vollendet.

Wer bei den vielen Plänen und Stichen der komplexen Baufolgen den Zusammenhängen nicht folgen kann, dem helfen Computersimulationen weiter. Unter großem technischem Aufwand wurde aus den vielen Informationen ein verständliches wie prägnantes Gesamtbild jeder Bauphase erarbeitet, das direkt neben den zugehörigen Originalexponaten angeordnet ist. Am Ausstellungsende kann man sich die Gesamtabfolge der Animation anschauen. Kaum jemals gab es eine so sorgfältig pädagogisch und detailliert nachvollziehbar konzipierte Präsentation. Dazu gibt es immer wieder viel Neues zu entdecken, etwa die Probleme mit der Harmonie durch die Verlängerung des Zentralbaus durch das Langhaus, die bewusste Distanzhaltung zur Stadtbebauung durch eine genial konzipierte Platzanlage oder die Probleme mit den nie realisierten Glockentürmen.

Wie ein Strahlenkranz sind die Pontifikate zur Zeit der wesentlichen Bauepochen des 16. und 17. Jahrhunderts um das Kuppelmodell in einem zweiten Umgang angeordnet. Eingehend vorgestellt werden die Auswirkungen päpstlicher Kunstpatronage, Kunstpolitik und die besonderen Zeitumstände in enger Korrespondenz zum Baufortschritt und der weiteren Ausgestaltung und Nutzung von St. Peter während der sieben maßgeblichen Pontifikate von Gregor XIII. (1572-1585) bis Clemens X. (1670-1676). In barockem Überschwang verdeutlichen dies rund 350 Exponate, nicht nur aus den Vatikanischen Museen, sondern auch aus bedeutenden Sammlungen aus Deutschland, London oder Wien.

Viele Werke werden erstmals öffentlich ausgestellt, wie beispielsweise eine Prozessionsglocke des Kapitels von St. Peter aus dem 17. Jahrhundert. Andere Kunstwerke sind öffentlich sonst nie zu sehen, wie die im 18. Jahrhundert durch Mosaike ersetzten Altargemälde, die nun Sakristeien schmücken. Zu den herausragenden Gemälden dieser Gruppe zählt „Das Martyrium des heiligen Erasmus“, gemalt 1629 von Nicolas Poussin. Viele weitere Gemälde von Andrea Sacchi, Giovanni Antonio Gallo, genannt Spadarino, Girolamo Muziano, Pietro da Cortona, Diego Velázquez, Giovanni Battista Gaulli, genannt il Baciccio, Carlo Maratta und weitere bedeutende Maler bereichern die Schau ebenso wie Tapisserien, liturgische Gerätschaften, Münzen, Skulpturen, Möbel, Gefäße, Paramente.

Alles ist durchsetzt von einer Omnipräsenz der Studien Berninis, denn die Innenausgestaltung bildet neben der Außenarchitektur einen weiteren Schwerpunkt. Nach der Fassadenvollendung 1612 galt nun die ganze Aufmerksamkeit dem grandiosen Inneren. Während viele an der allgemeinen Baugestalt mitgewirkt haben, oblag die Innengestaltung und Dekoration samt Platzgestaltung einem Künstler: Gian Lorenzo Bernini. Unter Urban VIII., der ab 1623 die Kathedra einnahm, zahlte sich Berninis enge Bekanntschaft zu dem vormaligen Kardinal namens Maffeo Barberini aus. Der neue Papst wollte insbesondere der Vierung seinen Stempel aufdrücken und beauftragte Bernini mit der Gestaltung des Hochaltarziboriums. Der Pontifex begeisterte sich sofort für die Entwürfe des Künstlers, deren vielfältige Variationen zu bestaunen sind. Für die Ausführung des 28 Meter hohen Bronzebaldachins mit den charakteristischen Schraubensäulen und aufgesetzter Volutenpyramide durfte Bernini sogar das antike Bronzegebälk des Pantheons einschmelzen. Aber auch die extrem hohen Kosten sorgten für viel Spott, der jedoch nach der Einweihung am 29. Juni 1633 allgemeiner Begeisterung wich.

Nach dem Tod von Urban VIII. fiel Bernini in Ungnade. Der Nachfolger, Innozenz X. versah vornehmlich seinen Lieblingsarchitekten Francesco Borromini mit Aufträgen. So wurde Borromini, Berninis ärgster Konkurrent, mit der Renovierung der Lateranskirche oder der Umgestaltung der Piazza Navona beauftragt, während Bernini mit fehlgeplanten Türmen an St. Peter sein Waterloo erlebte. Aufgrund überlasteter Fundamente mussten die teilausgeführten Fragmente wieder abgerissen werden. Doch mit dem nachfolgenden Papst Alexander VII. änderte sich ab 1655 abermals die Lage und Bernini war wieder gefragt. Er konnte nun mit einer neuen Meisterleistung glänzen, nämlich der berühmten Kolonnadenfassung des Petersplatzes. Mittels dieser genialen Konzeption, von der lediglich die Abschlusskolonnaden nie ausgeführt wurden, erreichte Bernini geschickt die Milderung der missratenen Proportionen der Kirchenfassade. Die Rivalität und langen Auseinandersetzungen mit Borromini erledigten sich durch dessen Selbstmord 1667 von alleine.

Die Ausstellung verdeutlicht eindrucksvoll, welch gewaltige Rolle die Kunst zur Legitimierung von Macht und Ansehen im Zeitalter des Barock in Rom spielte. Bedingt durch die Wahlmonarchie wurden die Machtverhältnisse zwischen Papst, Kardinälen, Adel, Ordensgemeinschaften und Künstlern immer wieder neu justiert. Um die eigene Macht zu sichern und zu demonstrieren, war die Förderung von Kunst und Wissenschaft ein probates, gerne angewandtes Mittel.

Aber auch das zeitliche Umfeld wird anhand zweier Aspekte besonders beleuchtet. Zwei angrenzende Säle widmen sich ergänzend den Themenfeldern „Orden und Heilige“ sowie der „Wissenschaft in Rom“. Galileo Galilei (1564-1642) erschütterte das Weltbild durch die Bestätigung der Erkenntnisse von Kopernikus, die die Erde als um die Sonne wandernde Kugel und nicht als Scheibe deuten. Gerade aus der Wissenschaft speisten sich die gegenreformatorischen Tendenzen, die lediglich durch die Verurteilung Galileos im Jahre 1633 einen Rückschlag erlitten. Hier wird deutlich, wie sehr die Kugel der Peterskuppel die Zeichen der Zeit reflektiert. Zudem soll sie ganz bewusst den weltweiten Machtanspruch der Kirche demonstrieren. Das 17. Jahrhundert war auch ein Jahrhundert der Globalisierung. Mit den missionierenden Orden dringt die Kirche in alle Regionen der Welt vor. Vornehmlich die 1540 gegründeten Jesuiten leisteten herzu einen wichtigen Beitrag, der die Erneuerung der katholischen Kirche nach der Reformation vorantrieb und ihre Vormachtstellung sicherte. Nicht zuletzt deshalb wird behauptet, dass das Barock in Rom anfängt und in Gelsenkirchen aufhört.

Die Ausstellung „Barock im Vatikan. Kunst und Kultur im Rom der Päpste II“ ist noch bis zum 19. März 2006 zu sehen. Geöffnet ist täglich außer montags von 10 bis 19 Uhr, dienstags und mittwochs bis 21 Uhr. Der Eintritt beträgt 7,50 Euro, ermäßigt 4 Euro. Das gebundene und umfangreiche, opulent ausgestattete Katalogbuch kostet an der Museumskasse 29 Euro.

Kontakt:

Kunst - und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland

Friedrich-Ebert-Allee 4

DE-53113 Bonn

Telefon:+49 (0228) 91 71 200

Telefax:+49 (0228) 91 71 209

E-Mail: info@kah-bonn.de



26.12.2005

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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