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Eberhard Havekost im Kunstmuseum Wolfsburg

Die Umkehrung aller Farbwerte



Die neue deutsche Malerei spaltet ihr Publikum. Während sie von den einen, insbesondere gut betuchten amerikanischen Sammlern, geradezu euphorisch gefeiert und auf Auktionen zu immer spektakuläreren Preisrekorden getrieben wird, löst sie gerade bei den Großmeistern der deutschen Kritik Skepsis und Ablehnung aus. Als allzu neoromantisch und erzählerisch, DDR-nostalgisch und inhaltsleer werden ihre Produkte beschimpft. Als eitel, selbstverliebt und medienversessen deren malende Produzenten.



Einer, dem es gelungen ist, sich innerhalb des Spektrums neuer deutscher Malerei so etwas wie einen autonomen „Denkraum der Besonderheit“ zu erobern, ist der 1967 in Dresden geborene Eberhard Havekost. Eine Ausstellung im Kunstmuseum Wolfsburg unter dem selbstverständlich ironischen Titel „Harmonie“ zeigt jetzt erstmals in einem Museum eine große Auswahl seiner Arbeiten der letzten sieben Jahre. Und die waren offensichtlich äußerst produktiv. Rund 100, teils großformatige Einzelwerke vermitteln einen umfassenden Einblick in das Werk dieses häufig in Serien arbeitenden Malers.

Havekost ist nicht daran interessiert, Geschichten zu erfinden, Mythen aufzuwärmen oder die Tristesse ostdeutscher Großstädte zu betrauern. Er bevorzugt den distanzierten Blick. Ihm geht es um den Reiz der Oberfläche, aber auch um das, was sich hinter den gestylten Fassaden und Außenhüllen von Gebäuden, Verkehrsmitteln oder auch Menschen verbirgt. „Malerei“, so sagt er, „ist heute ein Mittel, der Wirklichkeit näher zu kommen. Der vom Augenschein losgelösten Wirklichkeit, der Gegenwelt, der Denkwelt.“ Coole Oberflächen, verfremdete Realitäten und verschwommene Konturen sind dabei seine Markenzeichen.

Seine Motive fand er zunächst auf den Hochglanzseiten von Magazinen und zwischen den Bleiwüsten der Tageszeitungen. Seit einiger Zeit jedoch verzichtet Havekost auf die Vorlagen medial vermittelter Bilder und macht sich selbst mit der Digitalkamera auf die Suche nach seltsamen Orten und übersehenen Kuriositäten. So bereiste er im Januar dieses Jahres den Westen der Vereinigten Staaten und brachte von dort rund 500 Digitalaufnahmen mit, die ein Amerika jenseits der touristischen Sehenswürdigkeiten und des amerikanischen Traums zeigen: Autofriedhöfe, bröckelnde Mauern und ausweglose Sackgassen.

Fotografische Vorlagen dieser Art sind der Rohstoff seiner Malerei. Am Computer entfernt er ablenkende Störelemente und reduziert sein Material auf einige wenige, klar definierte Motive. Was dabei herauskommt, ist ein in virtuose Malerei umgesetztes bildnerisches Konzentrat der Wirklichkeit. Seine filtrierende Vorgehensweise begründet Havekost so: „Malerei ist die attraktivste Form der Entfernung von Realität.“ Annelie Lütgens, die Kuratorin der Schau, benutzt dafür den Begriff „Photoshop-Realismus“.

Ein Markenzeichen der Havekostschen Malerei sind die extremen Auf-, Unter- und Nahsichten, die steilen Blickachsen und das extreme Stauchen und Verzerren der Motive. Zugwaggons und Wohnwagen, Segelflugzeuge oder Autowracks, aber auch standardisierte Hausfassaden sollen laut Havekost so den Eindruck vermitteln, „als raste der Betrachter gerade im Schnellzug an ihnen vorbei“. Die Glasflächen sind opak und gewähren keine Einblicke. Alles scheint flüchtig, in die Länge gezogen und irreal. Rasender Stillstand und alltägliche Langeweile werden in Havekosts Malerei fein ausbalanciert.

Neben den uns allen zugänglichen öffentlichen Bildern gewährt Havekost aber auch Einblicke in seinen ganz privaten Bilderkosmos: Bilder seiner Freundin, seiner kleinen Tochter oder Details aus seiner Küche wie die Bio-Abfalltonne oder die weiße Resopaloberfläche des Küchenschranks offenbaren das alltägliche Eingezwängtsein in industrielle Standards. Seine Serie „PC“ beschäftigt sich mit den fragwürdigen Schönheitsidealen der plastischen Chirurgie. Havekost kontrastiert hier das natürliche Gesicht mit dem chirurgisch modifizierten. Vorher und nachher jedoch sind nicht bezeichnet. Der Betrachter ist aufgefordert, genau hinzusehen.

Was ist die Wirklichkeit? Die Bilder „Sport dunkel“ von 2002 und „Sport hell“ von 2003 zeigen jeweils das gleiche Motiv: Die Rückenansicht dreier Snowboarder im Hightech-Outfit, die sich anschicken, einen steilen Hang hinabzufahren. Ausgeführt in schokoladigen Erdtönen einerseits und in metallischen Weißabstufungen andererseits, hinterfragen diese beiden Versionen ein und desselben Motivs auf subtile Art unsere Wahrnehmung. Die Umkehrung der Farbwerte ist am Computer eine Angelegenheit von wenigen Mausklicks. Im Zeitalter von Photoshop ist die Wirklichkeit so zur willfährigen Manövriermasse geworden. Und genau darum geht es Havekost: „Zu fragen, mit welchen Filtern wir wahrnehmen, damit wir erkennen, wie wir unsere Eindrücke mit der Wirklichkeit verwechseln.“

Die Ausstellung „Eberhard Havekost: Harmonie - Bilder 1998-2005“ ist noch bis zum 19. Februar 2006 zu sehen. Das Kunstmuseum Wolfsburg hat täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr, dienstags zusätzlich bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 6 Euro, ermäßigt 3 Euro. Der 128seitige Katalog, erschienen im Hatje Cantz Verlag, kostet im Museum 24 Euro.

Kontakt:

Kunstmuseum Wolfsburg

Hollerplatz 1

DE-38440 Wolfsburg

Telefon:+49 (05361) 26 690

Telefax:+49 (05361) 26 69 66



19.12.2005

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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Weitere Inhalte:

Veranstaltung vom:


05.11.2005, Eberhard Havekost: Harmonie. Gemälde 1998 bis 2005

Bei:


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Bericht:


Eberhard Havekost in der Duisburger Küppersmühle

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Futter für die Netzhaut

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Eberhard Havekost gestorben

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Blick in die Ausstellung „Eberhard Havekost: Harmonie“
Blick in die Ausstellung „Eberhard Havekost: Harmonie“

Variabilder:

Eberhard Havekost, links: Benutzeroberfläche 6, 2002
Eberhard Havekost, links: Benutzeroberfläche 6, 2002

Künstler:

Eberhard Havekost







Blick in die Ausstellung „Eberhard Havekost: Harmonie“

Blick in die Ausstellung „Eberhard Havekost: Harmonie“

Eberhard Havekost, links: Benutzeroberfläche 6, 2002

Eberhard Havekost, links: Benutzeroberfläche 6, 2002




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