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Gironcolis frühe Arbeiten in der Wiener Akademie

Bildhauer des Absurden und der Entfremdung



Selten hatte man bisher die Gelegenheit, den frühen Werken von Bruno Gironcoli in einer umfangreichen Ausstellung zu begegnen. Das lag zum einen daran, dass sich Präsentationsmöglichkeiten für die stets voluminösen Skulpturen und Installationen erst in den letzten Jahren in überschaubaren zeitlichen Abständen boten. Zum anderen deshalb, weil Gironcoli Versatzstücke aus älteren Werke stets auch als Fundus für Neues begriffen hat. Sein Atelier in der Wiener Böcklinstraße, das er 1977 samt Meisterklasse von Fritz Wotruba übernommen hatte, diente ihm als Magazin und Ersatzteillager zugleich, das immer wieder Material für neue Konstruktionen bot. Eine weitere Ursache für die seltene Präsentation der frühen Arbeiten ist jedoch auch in Gironcolis Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und seiner Verwendung faschistischer Symbole zu suchen. Der Tabubruch von damals hat dazu geführt, dass Gironcolis frühe Werke sehr selten oder gar nicht gezeigt wurden.



Zu Ehren ihres im letzten Jahr emeritierten Professors widmet der Akademie der bildenden Künste Wien Bruno Gironcoli nun eine Ausstellung. Sie zeigt Arbeiten von 1964 bis zu seiner Ernennung zum Professor im Jahr 1977. Gironcolis Werk entwickelt sich dabei aus dem zeichnerischen Portrait und dem Versuch, einen von Giacometti inspirierten Zeichengestus in räumliche Strukturen zu übersetzen. Einige auf minimale Formen reduzierte „Köpfe“ aus den Jahren 1964 und 1965, erscheinen als Konsequenz aus diesen ersten Versuchen und bilden den Einstieg in die Ausstellung.

1967 gibt Gironcoli diese abstrahierende Darstellungsmethode auf. Es entstehen die ersten voluminösen Assemblagen aus Fundstücken und Gebrauchsgegenständen, die einen spielerisch-theatralischen Charakter haben. Das in diesen Jahren entstandene Objekt „Mutter/Vater“ von 1967/78, das seit 20 Jahren nicht mehr gezeigt und für die Wiener Präsentation restauriert wurde, ist ein nachdrückliches Beispiel für den inszenatorischen Charakter dieser Werkphase. Es besteht aus einer Vielzahl von Einzelteilen und verbindet diese metaphorisch durch einen Fluss elektrischen Stromes. Hier zeigt sich Gironcoli bereits als der Bildhauer des Absurden, der Entfremdung, der Abgründe der Dingwelt, der sich mit dem Verhältnis von Mann und Frau, mit Themen der Sexualität wie der Familie insistierend auseinandersetzt.

1968 entwickelt Gironcoli ein Modell, das er nach dem gleichnamigen Roman von Samuel Beckett „Murphy“ nennt. „Immer wieder“, so wird er später schreiben, „bin ich auf dieses Modell in seiner Form gestoßen und habe auch in der Zähigkeit dieses Verfolgens immer wieder neue Dimensionen menschlicher Kategorien oder Darstellungskategorien entwickeln können. Diese Form ist nicht konstant und nicht dieselbe geblieben, obzwar der Grundkontext nach wie vor derselbe ist. Ich mache heute noch solche Figuren, sie haben immer denselben Grundkontext.“ Die Ausstellung präsentiert einen frühen Ahnherrn der „Murphyfamilie“, ein monumentales Polyestergebilde, das einem gebückten Torso gleicht. Gironcolis Auseinandersetzung mit dem Existentialismus hinterlässt Spuren. Es entstehen mehrere Werke, in denen Themen wie die Ausgesetztheit des Menschen und dessen Bedrohtsein variiert werden.

Ende der 1960er Jahre zeichnet sich eine starke Veränderung im Skulpturenbegriffs Gironcolis ab. Er wendet sich von den Darstellungsmöglichkeiten des menschlichen Abbilds ab zugunsten von vielteiligen Objektarrangements. In diesen Inszenierungen verbindet Gironcoli unterschiedlichste Gegenstände zu rätselhaften Assemblagen: Gegenstände des täglichen Lebens wie Putzutensilien, Teller, Besteck, Schuhe werden kombiniert mit Holzstücken, Metallteilen und ausgestopften Tieren und verkabelt mit Steckdosen und elektrischen Geräten. Es entstehen undurchschaubare Systeme, denen der Betrachter meist ratlos gegenübersteht. Ein in den Jahren 1975/76 entstandenes und später überarbeitetes Objekt, das mittels einer gelben Lackierung eine Vielzahl an Fundstücken mit einer Madonnenfigur zu einer monochromen Installation vereint, ist ein beredtes Beispiel für die monumentalen Szenerien dieser Jahre, die dem Betrachter in ihrer theatralischen Prächtigkeit, eher ehrfurchtsheischend als beunruhigend gegenüberstehen.

Eine gegenüber früheren Ausstellungen erfreuliche Tatsache ist, dass man dieses Mal nicht auf die Präsentation von Papierarbeiten verzichtet hat. Angesichts der raren Hinweise zu den Werken, bieten die grafischen Blätter, die zeitgleich mit den installativen Arbeiten entstanden sind, die Möglichkeit, Gironcolis Kosmos aus verstörenden Metaphern, sadomasochistischen Energien und brutalem Fetischismus und Faschismuszitaten konzentriert zu begegnen. In einer Zeit der hektischen Suche nach neuen Reizen und Impulsen, die den Kunstbetrieb auf Trab hält, bietet die Ausstellung mit ihrem seltenen Einblick in das Frühwerk, die Gelegenheit, Gironcoli „vor“ Gironcoli kennenzulernen und damit auch manchem zu begegnen, das in der Vergangenheit aus dem Blickfeld geraten ist.

Irritierend bleibt jedoch Gironcolis kommentarlose Verwendung faschistischer Symbolik. Immer wieder trifft man in der Ausstellung auf das Zeichen des Sonnenkreuzes, besser bekannt in seiner spiegelverkehrten Form und unter dem Namen Hakenkreuz. Ihrem im Pressetext formulierten Anliegen, „diese verdrängten Aspekte in der Entwicklung von Gironcolis Werk wieder zum Thema zu machen, ohne die Ambivalenz, die mit der künstlerischen Verwendung dieses Symbols eines verbrecherischen Regimes und des organisierten Massenmordens entstehen lässt, zu verdrängen“, kann die Ausstellung leider nicht gerecht werden.

Die Ausstellung „Bruno Gironcoli. Frühe Arbeiten“ ist noch bis zum 11. Dezember in der Aula und den Ausstellungsräume der Akademie zu besichtigen. Geöffnet ist täglich von 11 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei. Alle Abbildungen: courtesy Galerie Hofstätter, Wien.

Kontakt:

Akademie der bildenden Künste Wien

Schillerplatz 3

AT-1010 Wien

Telefon:+43 (01) 588 160

Telefax:+43 (01) 588 16 137



17.11.2005

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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