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Francis Bacon in der Hamburger Kunsthalle

Bilder stummer Schreie



Für Margaret Thatcher, die Eiserne Lady, war er einfach nur „dieser Künstler, der immer die schrecklichen Bilder malt“. Gemeint ist mit dieser wenig schmeichelhaften Beschreibung der in Dublin geborene britische Maler Francis Bacon (1909-1992). Bacon ist bekannt für seine verzerrten Physiognomien, verrenkten Anatomien und die oftmals weit aufgerissenen und schmerzverzerrten Münder seiner Protagonisten. Bilder voller stummer Schreie, voller gequälter und geschundener Kreaturen und düsterer Visionen. Bacon legt durch Verzerrungen, Verwischungen und Fragmentierungen der Gesichter assoziative Persönlichkeitsschichten, verborgene Traumata und Ängste des Individuums frei, wie er sie im Moment des Malens empfindet. „Ich versuche lediglich Bilder zu machen, die so akkurat wie möglich meinem Nervensystem entnommen sind“, hat er einmal gesagt.



Die Hamburger Kunsthalle zeigt jetzt über 50 Porträts des Londoner Brachialkünstlers, der seine diffusen Zerrbilder der menschlichen Existenz schonungslos auf die Leinwand brachte. Acht thematische Gruppen aus den Jahren 1949 bis 1991 verdeutlichen unterschiedliche Phasen seiner Malerei. Die zusammen mit der Scottish National Gallery of Modern Art in Edinburgh entwickelte Ausstellung präsentiert aber neben den Gemälden auch einige aufschlussreiche Beispiele des umfangreichen Quellenmaterials aus dem Studio des Künstlers. Als Bacon 1992 auf einer Reise in Madrid starb, hinterließ er in seinem Atelier in Südkensington eine wahrhafte Ausgrabungsstätte für Kunsthistoriker. Der Atelierboden war etliche Zentimeter hoch bedeckt mit papierenen Sedimenten der Erinnerung und Inspiration aus mehreren Jahrzehnten: Magazine, Bücher, Fotos, Reproduktionen, Reste zerstörter Kunstwerke. Eine wahre Fundgrube für Interpreten seines Œuvres. Ein Team von Archäologen und Kunsthistorikern hat sein Atelier über mehrere Jahre archiviert und katalogisiert. In seiner ungeliebten Geburtsstadt Dublin - seine Eltern verstießen den 16jährigen wegen seiner Homosexualität - wurde anschließend alles originalgetreu wieder aufgebaut und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Auf Francis Bacons Porträts begegnen wir eher typologisch aufgefassten Päpsten oder anonymen Geschäftsleuten ebenso wie seinem engsten privaten Umfeld. Häufig zu sehen sind sein Lebensgefährte George Dyer, seine Künstlerkollegen Lucian Freud und Frank Auerbach und befreundete Malerinnen und Modelle wie Isabel Rawsthorne oder Henrietta Moraes. Daneben entstehen immer wieder wenig schmeichelhafte Selbstbildnisse des einst von seinen Mitschülern als „Pudding Face“ geschmähten Malers. Auf dem großartigen Gemälde „Portray of Isabel Rawsthorne Standing in a Street in Soho“ von 1967 steht eine markante Frauengestalt mit wulstartigen Verwerfungen im Gesicht auf einer runden sandfarbenen Fläche, einer Mischung aus Verkehrsinsel und Stierkampfarena. Dahinter sieht man ein altmodisches Automobil, dessen Karosserie mit den angedeuteten Umrissen eines Kampfstiers verschwimmt. Im flächigen Hintergrund angedeutet sind großstädtische Schaufenster und Markisen. Eine zusätzliche Aufladung erhält das Bild noch durch die markante Umrahmung der Figur in Form eines angedeuteten scharfkantigen Glaskastens oder eines Metallgestänges.

Bacon verwendet dieses Element der Binnenrahmung häufig, das die Porträtierten noch einmal zusätzlich isoliert und in einer Art Käfig oder einem Glaskasten zur Schau stellt. Handelt es sich um Päpste oder Businessmen, also Mitglieder herrschender Eliten, die der bekennende Atheist und Angehörige der Londoner Subkultur Bacon sicherlich nicht zu seinen engsten Freunden zählte, so bekommen die Bilder etwas Anklagendes. Panzerglaskästen werden schließlich auch bei Schauprozessen gegen Kriegsverbrecher oder Terroristen verwendet. Doch egal, ob Freund oder Feind: Bacons Porträtierte sind letztlich alle Gefangene zumindest ihrer eigenen Ängste und ihrer verzweifelten Zurückgeworfenheit auf sich selbst. Verzweiflung sei beim Malen ein nützlicher Begleiter, betonte Bacon, der als Autodidakt nie eine Kunstakademie besucht hat und trotzdem oder vielleicht gerade deshalb ebenso mutig wie einzelgängerisch gegen alle Schulen, Konventionen und Klischees angemalt hat.

Die Ausstellung „Francis Bacon. Die Porträts“ ist bis zum 15. Januar 2006 in der Galerie der Gegenwart zu sehen. Geöffnet ist täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags zusätzlich 21 Uhr. Der Eintritt beträgt 8,50 Euro, ermäßigt 5 Euro. Der Katalog kostet 23 Euro.

Kontakt:

Hamburger Kunsthalle

Glockengiesserwall

DE-20095 Hamburg

Telefon:+49 (040) 428 131 200

Telefax:+49 (040) 428 543 409



03.11.2005

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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