Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Auktionsanzeige

Am 18.09.2017 Auktionswoche A182: Schmuck, Silber & Porzellan, Möbel & Skulpturen, Gemälde Alter Meister und des 19. Jahrhunderts, Teppiche, Bücher

© Koller Auktionen AG

Anzeige

Blumenstrauß mit Plastik vor Fenster, 1925 / Ernst Ludwig Kirchner

Blumenstrauß mit Plastik vor Fenster, 1925 / Ernst Ludwig Kirchner
© Galerie Neher - Essen


Anzeige

Leda mit dem Schwan / Eduard Veith

Leda mit dem Schwan / Eduard Veith
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Anzeige

Ohne Titel, 2013 / Heinz Mack

Ohne Titel, 2013 / Heinz Mack
© Galerie Neher - Essen


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Ausstellungen

Aktuellzum Archiv:Ausstellung

Katharina Sieverding in den Berliner Kunst-Werken

Transformationen des Ego



Sie war die coole, attraktive Kommilitonin von Imi Knoebel und Blinky Palermo in der legendären Beuys-Klasse an der Düsseldorfer Kunsthochschule. Sie war die geheimnisvolle, androgyne Schönheit Karl in den Düsseldorfer Nachtclubs Ende der 1960er. Sie war bei Harald Szeemanns Documenta 1972 dabei und vertrat Deutschland auf der Biennale in Venedig 1997, sie ist seit 1992 eine der anerkanntesten und begehrtesten Hochschulprofessorinnen an der Universität der Künste in Berlin und hat nebenbei noch drei Kinder großgezogen: Die Rede ist von der deutschen Fotokünstlerin Katharina Sieverding, Jahrgang 1944.



Wenn „La Sieverding“ sich in der Kunstszene blicken lässt, drehen sich die Köpfe. Ihre auffällige Erscheinung im dunklen Gewand mit strenger, rotgefärbter Haartracht und ihr selbstbewusstes Auftreten ziehen die Blicke auf sich. Doch die stets sonnenbrillenbewehrte Katharina Sieverding schaut durch alle hindurch. Scheinbar zumindest. In den Kunst-Werken in Berlin ist das einprägsame Konterfei der Kunst-Diva jetzt hundertfach in der Ausstellung „Close up“ zu sehen. Konzipiert am P.S. 1, Zentrum für Gegenwartskunst, in New York, versammelt die umfangreiche Einzelpräsentation zentrale großformatige Fotoserien und frühe China-Filme der Beuys-Schülerin. Außerdem wird in einem Archivraum die wilde Aufbruchzeit im Düsseldorf der 1960er und 1970er Jahre dokumentiert.

Damals war Katharina Sieverding von Joseph Beuys höchstpersönlich in seine Klasse an der Düsseldorfer Akademie gelockt worden. Vorher hatte die als Tochter eines Röntgenarztes und einer Goldschmiedin in Prag geborene Sieverding sich in Hamburg für Medizin und Kunst eingeschrieben und gleichzeitig ein Volontariat als Kostümbildnerin am Theater begonnen. Geprägt von Beuys’ bahnbrechender Lehre, wählte die vampartige, ehrgeizige Studentin Medien, über die der Meister und etliche ihrer coolen männlichen Kunstkollegen verächtlich den Kopf schüttelten: Die künstlerische Fotografie, die Dia-Projektion und den Film.

Ihre jetzt in einem katakombenartigen Kellerraum der Kunst-Werke projizierte dreißigminütige Filmarbeit „Life-Death, Berlin“ von 1969 zeigt unter anderem die Rückenansicht einer offenbar an den Händen gefesselten und sich windenden Frau im grellroten Umhang. Und sie zeigt auch, wie weit die damals 25jährige ihrer Zeit voraus war: Stilmittel wie der Einsatz extremer Slow-Motion bei minimaler Handlung, intensive Farbigkeit und loopartige Endloswiederholung waren damals praktisch unbekannt.

Während die Fotografie aus dem heutigen Kunstbetrieb nicht mehr wegzudenken ist, war Katharina Sieverding mit ihren chemisch manipulierten, verfremdeten, überbelichteten und solarisierten Großaufnahmen eine Vorreiterin. Stets interessierten sie politische und existenzielle Themen. In dem Zyklus „Die Sonne um Mitternacht schauen“ von 1973 begegnen wir 40mal dem göttinnenhaft angestrahlten Gesicht der Künstlerin. In maskenhafter Schönheit, den Blick aus den üppig geschminkten Augen haarscharf am Betrachter vorbeigerichtet, mit ideal geformten, plastischen Lippen und streng gescheitelter Frisur. Das Close-Up einer Hollywood-Diva, narzisstisch, entrückt, überlegen und schön.

Doch es geht hier nicht nur um den egozentrischen Narzissmus einer selbstverliebten Künstlerin auf der Suche nach Identität. Die doppeldeutige Strahlkraft der gigantischen Fotoserie erreicht Katharina Sieverding durch die Überblendung mit den Bildern einer Sonneneruption. Energie und Kosmos, Leben und Tod, Schein und Sein verbinden sich zu einer ständig wiederkehrenden Ich-Erfahrung. Die im zentralen Ausstellungsraum der Kunst-Werke präsentierte suggestive Arbeit „Transformer“ aus dem Jahr 1973, eine Diaschau mit neun Projektoren, konfrontiert sie das Ich mit dem Anderen. Sieverding verschmilzt hier ihr eigenes Gesicht mit dem ihres Lebensgefährten Klaus Mettig zu einer androgynen Maske.

Persönliche, tiefgehende Einschnitte in ihrer Biografie wie die Krankheit ihres zweiten Sohnes Orson, das lange Sterben ihrer Eltern und ein eigener Zusammenbruch führten zu einer nochmaligen Überdenkung und Schärfung ihres fotografischen Werkes. In späteren Serien arbeitet die Sieverding mit Techniken, die aus der Medizin stammen. Radiologie, Bluttransfusion und das Bewusstsein für körpereigene Energien nehmen einen immer größeren Raum ein. Aber auch globale Themen wie die Auseinandersetzung mit Atomenergie, Rassismus und der deutschen Nation spielen in ihrem stets auch politisch motivierten Werk eine Rolle. Bekannt sind ihre Plakatkampagnen: 1993 platzierte sie den einer Überschrift aus der Wochenzeitung „Die Zeit“ entlehnten, provokanten Slogan „Deutschland wird deutscher“ im Berliner Stadtraum. Die fremdenfeindlichen Anschläge von Hoyerswerda, Mölln und Solingen hatten kurz zuvor die Grundfesten eines friedlichen Miteinanders im wiedervereinigten Deutschland erschüttert.

Auch für die aktuelle Ausstellung hat sich die Sieverding erneut eine Plakatkampagne einfallen lassen. Mehrere 100mal prangt im Berliner Stadtraum zwischen Werbemotiven für Edeldüfte und Luxuslimousinen der Schriftzug „Die Pleite“. Angeregt durch die gleichnamige Zeitschrift von George Grosz und John Heartfield aus den 1920er Jahren, simuliert Katharina Sieverding auf dem auffälligen Großplakat eine totale Sonnenfinsternis. Eine geradezu vernichtende Diagnose zur derzeitigen politisch-wirtschaftlichen Situation im Lande.

Als Hochschulprofessorin genießt sie den Ruf einer engagierten, motivierenden, fordernden, aber auch kämpferischen Person. Ihre pädagogischen Leitlinien sind sicherlich von Beuys geprägt, haben sich jedoch weiterentwickelt. Als Feministin will sich die aufrechte Lady nicht vereinnahmen lassen. Sie ist stets ihren eigenen Weg gegangen, und der war und ist erfolgreich. „Ich möchte nicht irgendwann mein Leben beschließen und sagen: Ich war Künstlerin des 20. Jahrhunderts und hab’ mich eigentlich um die Kernereignisse überhaupt nicht gekümmert“, sagt sie in einem Interview. Katharina Sieverding erforscht die Dinge eben gründlich. Bis zum Kern.

Die Ausstellung „Katharina Sieverding: Close up“ ist noch bis zum 27. November zu sehen. Geöffnet hat sie täglich außer montags von 12 bis 19 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 21 Uhr. Der Katalog mit seinen 550 Seiten kostet 39,95 Euro.



26.10.2005

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Veranstaltung vom:


01.10.2005, Katharina Sieverding: Close Up

Bericht:


Eine Ausstellung mit Gesicht

Bericht:


Rotierende Raster

Künstler:

Katharina Sieverding










Copyright © '99-'2017
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce