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Porträt des Kunstsammlers Rik Reinking

Die Sammlung als Plattform



Eine bescheidene Zweizimmerwohnung im Hamburger Stadtteil Winterhude, ein Treppenhaus mit Altbaucharme, der Blick vom Balkon geht auf grüne Baumkronen und ein schmuckloses Apartmentgebäude gegenüber. Hier wohnt der aus dem niedersächsischen Oldenburg stammende Kunstsammler Rik Reinking. 29 Jahre ist er alt, ein so genannter Jungsammler, der mit 16 Jahren seine erste Horst Janssen-Grafik vom Taschengeld kaufte und der seine Schätze in Museen und Ausstellungen von Leipzig über Kiel bis hin nach Istanbul verleiht. Rik Reinking hat es verstanden, durch intensives Schauen an den richtigen Orten, durch mutigen, frühen Kauf auch unbekannter Namen und eine gute Vernetzung im engmaschigen Kunstbetrieb eine beachtliche Sammlung überwiegend zeitgenössischer Kunst aufzubauen. „Mir geht es nicht um den Moment des Besitzens, sondern ich verstehe die Sammlung als eine Plattform“, betont der gelernte Jurist und Kunsthistoriker, der lieber mit Künstlerfreunden schnell eine Pizza isst, als mit Galeristen und Sammlerkollegen zum Gala-Dinner zu gehen. Vernissagen meidet er wie der Teufel das Weihwasser: „Wenn die anderen kommen, bin ich schon wieder weg.“



Der kalkuliert bescheidene Lebensstil und der weitgehende Verzicht auf ein glamouröses Jet-Set-Leben sind eine Grundhaltung des sammelnden Hamburgers. Ihm geht es um Kommunikation, um das Präsentieren und Zur-Diskussion-Stellen seiner Sammlung, die er bei den verschiedensten Gelegenheiten öffentlich präsentiert. Zur Zeit in der Kunsthalle zu Kiel bei „Der private Blick“, in der Leipziger Baumwollspinnerei noch bis zum 2. Oktober in der Stiftung Federkiel und im Herbst unter dem Titel „Schon vergeben“ als Sonderschau auf der Art Cologne, der größten deutschen Kunstmesse.

Rik Reinking ist nicht der Typ gesättigter Sammler, der auf große Namen setzt und im richtigen Moment nur das Scheckbuch zücken muss, um eine Arbeit zu erwerben, deren Wertsteigerung bereits absehbar ist. Solche Leute kaufen Kunst wie andere Aktien. Reinking geht es um etwas anderes. Werke, die ihn interessieren, sollen in die Sammlung Reinking passen, die auf Konzeptkunst und Minimal Art der 1960er Jahre basiert und darauf fußend bis in die ganz aktuelle Gegenwart hineinreicht. Sie ist geprägt durch internationale, junge Positionen noch nicht etablierter Künstler, die Reinking auf den Jahresausstellungen der Kunsthochschulen entdeckt und oftmals erwirbt, bevor überhaupt die Galeristen ihre Hand nach dem Künstler ausstrecken. „Mir geht es um die Arbeit“, sagt der Spürhund Reinking, der nebenbei im Theaterzentrum Kampnagel Ausstellungen organisiert, Kataloge zu seiner Sammlung publiziert und von einem Kunstevent zum nächsten reist. „Ich bekenne mich dazu und stelle die Sache zur Diskussion.“ Aber er stellt auch klar: „So persönlich eine Sammlung sein darf, so unbedingt darf sie ihr Konzept nicht verlieren.“

Also keine unsystematische Anhäufung, keine Trophäenjagd aus eitlen Motiven, kein neidgeschwängertes Messen mit dollarschweren Großsammlern und kein eleganter Stadtpalast, in dem die Kunstschätze präsentiert werden. Statt dessen ein trockener Lagerraum irgendwo in Hamburg, eine umfangreiche Sammlung von Gemälden, Skulpturen und konzeptuellen Ideen, die Rik Reinking (noch) allein verwaltet, und deren gefragteste Stücke als Leihgaben unterwegs sind. Zu Hause arrangiert er einige Stücke in Probehängung. Ein mit Teer überzogener Bärenschädel von Mark Dion, ein minimalistisches Gemälde aus den 1960er Jahren von Konrad Lueg, eine glasierte Tonskulptur von Manfred Pernice auf einem Eileen Gray-Tisch, ein freches Bild der Durchstarter Os Gemeos, der Graffiti-Zwillinge aus Brasilien.

Die Pfunde, mit denen Reinking wuchern kann, sind seine Unbekümmertheit, seine Gelassenheit und seine Jugend. Misstrauischen Blicken gesetzter Altsammler begegnet er mit selbstbewusster Lockerheit. „Wenn alles gut geht, kann ich noch eine ganze Weile weitersammeln“, schmunzelt er. „Andere sind Geldmillionäre. Ich bin Zeitmillionär.“ Es zählt die Gegenwart, alles andere ist Zukunftsmusik. Denn wie sagte schon Nam June Paik: „Der Ewigkeitskult ist die älteste Krankheit der Menschen.“



01.09.2005

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing

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