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Stilleben mit Äpfeln in weißer Schale mit blauem Glas, 1925 / Otto  Modersohn

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Die Hamburger Kunsthalle widmet sich im Dritten Reich verfemter und vergessener Künstler

Malen ohne Perspektive



Es ist wirklich an der Zeit für diese Ausstellung. Eines der dunkelsten und unangenehmsten Kapitel der Kunstgeschichte, die ideologisch motivierte Ausgrenzung von verfemten Künstlern während der Zeit des Nationalsozialismus, harrt immer noch seiner Aufarbeitung. Erste Schritte dazu unternimmt jetzt die Hamburger Kunsthalle mit einer sorgfältig zusammengetragenen Präsentation unter dem Titel „Ausgegrenzt. Kunst in Hamburg 1933-1945“. Dem Engagement und dem Forschungsdrang der Hamburger Kunsthistorikerin Maike Bruhns und der umsichtigen Auswahl ihres Kollegen Helmut R. Leppien ist es zu verdanken, dass jetzt teils in Vergessenheit geratene Gemälde, Zeichnungen und Druckgrafiken von 47 Hamburger Künstlerinnen und Künstlern zusammengetragen wurden. Zum Teil stammen sie aus Frau Bruhns eigener Sammlung.



Kurz nach der Machtübernahme 1933 wurden in Hamburg wie in fast jeder anderen deutschen Stadt die Künstler ihrer Freiheiten beraubt. Ausstellungen wurden geschlossen, Bilder beschlagnahmt, politisch andersdenkende, jüdische oder allzu avantgardistische Künstler zur Emigration gezwungen, deportiert oder im schlimmsten Fall in den Selbstmord getrieben. Gefällige Malerei von adretten Familien, pflügenden Bauern oder harmlosem Heimatidyll waren staatlich gefordert anstelle der gesellschaftskritischen und formal experimentelleren Bilder der künstlerischen Vorkämpfer. Bohemiens, Idealisten und „Abweichler“ bekamen den Druck der Machthaber zu spüren und zerbrachen zum Teil daran.

Die Hamburger Ausstellung gliedert sich chronologisch und thematisch in neun Kapitel. Bereits im ersten, mit der Überschrift „Drohende Gefahren“ übertitelten Raum des Hamburger Gangs vermitteln schlichte Landschaftsbilder das unbehagliche Empfinden und die sensible Vorahnung der Maler. Gretchen Wohlfahrts „Elbufer“ von 1937 ist ein düster-melancholisches Sinnbild für traurige Ernüchterung, Kälte und Angst. In den Winterbildern im folgenden Raum spiegeln sich die Erstarrung und Bewegungslosigkeit einer an den Rand gedrängten Avantgarde. Die Malerin Alma del Banco, deren Gemälde „Winterlandschaft“ von 1942 noch den Blick auf ein hoffnungsfroh schimmerndes, orangefarbenes Haus im Wald freigibt, beging später Selbstmord.

Selbstbildnisse verfemter Maler zeigen nachdenkliche Männer in entschlossen-trotziger Haltung wie das 1937 entstandene Selbstporträt von Karl Kluth. Oder aber sie sind Ausdruck einer tiefen Verzweiflung über das Mundtot-Machen und ein staatlich verordnetes Ausradieren jeglicher künstlerischen Freiheit. So zeigt das „Selbstbildnis“ von Fritz Flinte den Maler mit weggewischtem Mund und geschlossenen Augen. Hoffnung und Ablenkung bot nur der Blick aus dem Fenster. Maler, die die innere Emigration gewählt hatten, benutzten häufig das Motiv des Fensterblicks auf das Meer oder die stille Stadtkulisse. Eduard Bargheers „Stillleben mit toter Meise“ von 1939 zeigt im Vordergrund ein Pinselglas und einen toten Vogel auf einem Holztisch vor dem Fenster. Doch der heitere Blick auf Ziegeldächer und Kirchturm ist trügerisch. Die tote Meise ist ein unverkennbares Zeichen des Unheils.

Die brutale Grausamkeit des Krieges findet ihren Widerhall in drastischen Gemälden vom der großen Hamburger Brandnacht 1943, die Maler wie Heinrich Stegemann als Augenzeugen erlebten. Aber es gab auch den Weg des stillen Widerstands. Die bestechenden Linolschnitte von Franz Kammigan entstanden nach seiner Entlassung aus der Haftanstalt Fuhlsbüttel. Der ausgezehrte, riesenhafte Kofferträger oder der als tölpelhafter Geist durch die Straßen stolpernde, ungelenke Blinde sind Symbolfiguren für das unterdrückte Deutschland im Jahre 1935. Kammigan präsentierte diese Blätter niemals öffentlich, sondern behielt sie im Verborgenen in seinem Atelier.

Nach Kriegsende traten auch bei den Hamburger Malern große Ernüchterung, Schmerz und Nachwehen ein. Ihre Karrieren waren brutal beendet worden. Manche, die Krieg und Verfolgung überlebt hatten, gaben die Kunst ganz auf und wurden Landwirt. Eduard Hopfs Gemälde „Das alte Paar“ von 1949 zeigt noch einmal die verhärmten, ausgezehrten Gestalten, die sich qualvoll winkend aneinanderklammern. Nur ein einsamer Phoenix aus der Asche auf einem Gemälde von Arnold Fiedler verkündet den Aufbruch in die neue Zeit.

Die Ausstellung „Ausgegrenzt. Kunst in Hamburg 1933-1945“ ist bis zum 13. November zu sehen. Die Hamburger Kunsthalle hat dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 6 Euro, ermäßigt 4 Euro. Der Ausstellungskatalog mit 112 Seiten ist im Hauschild Verlag Bremen erschienen und kostet 14,80 Euro.

Kontakt:

Hamburger Kunsthalle

Glockengiesserwall

DE-20095 Hamburg

Telefon:+49 (040) 428 131 200

Telefax:+49 (040) 428 543 409



23.08.2005

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing

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