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Bilder von Bernhard Heisig in K20

Im Fadenkreuz von Krieg und System



Geschickt gewählt war die Eröffnung dieser Ausstellung im Schatten des venezianischen Biennalebeginns. Verglichen mit den vielen großartigen Präsentationen der Kunstsammlung NRW am Düsseldorfer Grabbeplatz fällt diese Schau stark aus dem Rahmen. Sie zeigt auf, dass Museen auch die Aufgabe haben, den Blick des Betrachters für die Qualitäten eines Kunstwerks zu schärfen. Selten war nämlich die qualitative Differenz zwischen den Arbeiten der ständigen Sammlung und den Exponaten einer Ausstellung so exorbitant. Die etwas über 70 Gemälde und 60 grafischen Arbeiten aus den wichtigsten Zyklen des ostdeutschen Malers Bernhard Heisig bieten nicht den anspruchsvollen Level, den man vom Pantheon der rheinischen Kunst gemeinhin erwartet.



Das Werkschaffen Bernhard Heisigs ist in extremer Weise den Umständen seiner Biografie geschuldet. Der 1925 in Breslau geborene Heisig beginnt nach der Mittleren Reife eine Ausbildung zum Gebrauchsgrafiker. Nach dem zweiten Semester greift das HJ-Mitglied Heisig 1942 als Kämpfer der Waffen-SS in das Kriegsgeschehen ein. Der Zweite Weltkrieg treibt ihn in die Rolle des Opfers und Täters zugleich. Tragischerweise setzt sich dieser Part auch nach dem Krieg fort. In Leipzig an der Hochschule für Grafik und Buchkunst wirkt er als Student, Dozent und dann als Rektor. Von 1947 bis 1989 Mitglied in der SED, wird Heisig im Umkreis der Mächtigen der DDR und ihren Organen zum hoch geehrten und vielfach ausgezeichneten Systemvertreter. Seine malerischen Normen werden Richtschnur für die stilbildende, staatsoffizielle Kunst. Pluralismus von künstlerischen Haltungen oder Kritikfähigkeit am Pogramm des sozialistischen Realismus waren kaum seine Sache. Als Mitglied der in den 1970er Jahren etablierten Leipziger Schule pflegt er zusammen mit Wolfgang Mattheuer, Werner Tübke und Willi Sitte eine figürliche Malerei, die ausgehend von expressiven und neusachlichen Traditionen eine gewisse Unverwechselbarkeit erreicht. Das individuelle wird mit dem Allgemeinen, das aktuelle mit dem Historischen verknüpft.

Das Kernthema seines Werkschaffens ist der erlebte Krieg, der ihm lebenslang keine Ruhe lässt. Aufgewühlte Schlachtfelder, zerstörte, brennende Städte erscheinen in dramatischer Unruhe durch verschachtelte, ineinander greifende Sujets in rotbraunen, violetten und dotter- bis buttergelben Farben in pastosem Auftrag. Die Geschehnisse liegen zeitlich teils weit auseinander, werden variiert, verdichtet und immer wieder kombiniert. Dabei stellt Heisig seine eigenen Erlebnisse in einen größeren geschichtlichen Zusammenhang. Die so genannten Preußenbilder, Porträts vom Alten Fritz, der sich durch brutale Kriegskunst hervortat, sind Teil von Heisigs Auseinandersetzung mit dem eigenen Kriegstrauma. Seine Christusbilder resultieren aus der Parole junger Wehrmachtssoldaten: „Gott mit uns.“

Alle Zyklen und Serien, die in dieser Ausstellung exemplarisch präsentiert werden, darunter „Faschistische Albträume“, „Weihnachtsträume unbelehrbarer Soldaten“, „Preußischer Totentanz“, „Weltlandschaften und Weltbilder“, „Panoramen der Erinnerung“, zeichnen sich durch eine aufgebauschte Dramatik aus, die an Arbeiten von Otto Dix, Oskar Kokoschka oder Max Beckmann anknüpft, aber weit hinter jene zurückfällt. Heisig verharrt noch in der Zeit der 1920er Jahre und entwickelt sich sein ganzes Malerbelen nicht weiter. Die theatralischen Kompositionen verbreiten die Aura von Bühnenbildern, unter denen die Atelierbilder mit ihren Ansammlungen diverser Requisiten oder die marionettentheaterhaften großen Panoramen gruselige, pessimistische Wirkungen entfalten. In schwer durchschaubaren Geschichtsballaden oder historischen Panoramen spielt Heisig die Gestalten gegeneinander aus oder zieht sie zusammen, wie es das Panorama „Zeit und Leben“ in der Cafeteria des Berliner Reichstages aus dem Jahr 1999 zeigt.

In all den Bildern bleibt vieles im Unklaren und rätselhaft beunruhigend. Geradezu narzisstisch taucht Heisigs Selbstporträt häufig an zentraler Stelle auf. Der Künstler hat es nicht vermocht, sich losgelöst vom Schwelgen in träumerischer Wut der Erinnerung auf das zu konzentrieren, was er gut beherrscht. Seine Lithografien und Bleistiftzeichnungen vorwiegend mit Revolutions- und Umsturzszenen, Kämpfen und Aufständen gehören künstlerisch ebenso zu den sehenswerten Arbeiten wie die Porträts. Zahlreiche Selbstporträts, Mutterporträts und solche historischer Persönlichkeiten sind ausgestellt. Dieses Genre bringt ihm Erfolge und Anerkennung auch im Westen ein. Souverän beherrscht er die einst so mächtige Gattung und verarbeitet grandios sowie alle Experimente meidend die Bildstoffe zur „peinture parlante“. Bekanntestes Werk ist das vierfach ausgeführte und variierte Porträt von Helmut Schmidt aus dem Jahr 1986. Der Altkanzler wählte Heisig, da ihm seine Malweise am ehesten zusagte.

Das Werkschaffen Bernhard Heisigs offenbart wirkungsvolle, aber dennoch angepasste Ausdrucksformen von kulturpolitischem Gewicht. Obwohl ihm die SED mangelnde Verlässlichkeit und Eindeutigkeit vorwarf, lief er mit, diente dem System und ließ sich willig interpretieren. Mit dem „Ikarus“ zierte er sogar die Galerie im Palast der Republik. Erst als der SED-Staat unterging und seine Organe nicht mehr existierten und ihm nicht mehr helfen konnten, gibt Heisig alle hohen Auszeichnungen zurück. Das abermalige marktorientierte Anpassen und Mitlaufen lässt fragen, wo seine gesellschaftliche Verantwortung bleibt, die er beschwörend bei der Darstellung sozialer, moralisierender Aspekte in seinen Bildern einfordert.

Heisigs einfache Ausdruckskunst bedarf in Museen besonderer pädagogischer Aufarbeitung, wenn die Ausstellungshäuser ihre Funktion als Orte der Ausbildung von Urteilsfähigkeit und klarer Positionsbestimmung erst nehmen. Wahre Kunst erschließt sich nicht über historisch-politische Botschaften in virtuosen Fassungen und überholten Formen, sondern orientiert sich über das Zusammenspiel von Farben, Linienführungen, Inszenierungen von Menschen und Gegenständen.

Die Ausstellung „Bernhard Heisig. Die Wut der Bilder“ ist noch bis zum 25. September in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen K20 zu besichtigen. Geöffnet ist dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, samstags, sonntags und feiertags von 11 Uhr an. Der Eintritt kostet 6,50 Euro, ermäßigt 4,50 Euro. Der Katalog zur Ausstellung kann für 24 Euro im Museumsshop erworben werden.

Kontakt:

K20 - Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen

Grabbeplatz 5

DE-40213 Düsseldorf

Telefon:+49 (0211) 83 81 0

Telefax:+49 (0211) 83 81 201

E-Mail: info@kunstsammlung.de



05.08.2005

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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