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Stilleben mit Äpfeln in weißer Schale mit blauem Glas, 1925 / Otto  Modersohn

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Ohne Titel, 2012 / Heinz Mack

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Die Albertina in Wien zeigt Piet Mondrian

Je älter, desto radikaler



Der Künstler erscheint als hagere Person, meist in den mittleren Jahren fotografiert; das dunkle Haar straff zurückgekämmt, stets gepflegt gekleidet und manchmal sogar knapp lächelnd. Er visualisiert den Idealtyp einer einsamen, nur dem eigenen Werk verschriebenen Existenz. Nachrichten von Frauen in seinem Leben sind rar. Künstler, Kritiker, Förderer finden sich im Freundeskreis. Das private Leben von Piet Mondrian gibt nicht viel Stoff her, ganz anders als bei den zwei anderen Größen der niederländischen Kunstgeschichte, Vincent van Gogh und Rembrandt. War letztgenannter für das 17. Jahrhundert die prägende Gestalt sowie van Gogh für das späte 19. Jahrhundert und die Geburt der Moderne, spielt der 1872 in Amersfoort geborene Mondrian eine ähnliche Rolle für das 20. Jahrhundert. Die internationale Popularität seiner klassisch-abstrakten Motive aus linearen Gitterwerken und darin eingeschobenen Flächen in den Primärfarben Rot, Blau und Gelb sind längst zeitlose Signale für alle möglichen Designobjekte geworden. Dabei lassen sie vergessen, dass Mondrians Anfänge als Maler in der gegenstandsorientierten Landschaftsmalerei liegen. Eine retrospektiv angelegte Schau in der Wiener Albertina geht mit Gemälden und Zeichnungen seinen Schaffensweg nach.



Als Mondrian nach einer Ausbildung zum Zeichenlehrer im Jahr 1892 an der Amsterdamer Reichsakademie für bildende Künste sein Studium aufnahm, war van Gogh gerade zwei Jahre tot. Um 1900 stellen Bauernhöfe, Mühlen oder Landschaften entlang des Flüsschens Het Gein südlich von Amsterdam begehrte Motive in der Auseinandersetzung mit dem Naturalismus der Haager Schule sowie mit jüngsten Bewegungen der Stilkunst dar. Spiegeleffekte sind dabei wichtige Bestandteile der Bilder Mondrians. Die Unmittelbarkeit der Ölskizzen, das Rücken von Flächen und Formen in den Mittelpunkt bemühen schon früh eine Formensprache und Interpretationsweise, die ihn später in die abstrakte Kunst bringen sollte. Die Befreiung von Fesseln der Objektivität der realen Welt und die Darstellung von Fantasien oder Magien fußen auf symbolistischen Tendenzen. Die angestrebte Zeitlosigkeit und Transzendenz mündet bei Mondrian in leuchtenden hellen Farben und pointillistisch-expressiven Richtungen, wie der „Rote Baum“ aus den Jahren 1908-10.

Das klare Licht und die entspannte Atmosphäre im Seebad Domburg, wo sich Mondrian 1909 für längere Zeit aufhält, hellen seine Farbpalette auf. Die Motive ohne räumliche Tiefe, mal linear, mal pointillistisch aufgetragen, werden mit der Zeit geometrisch fester aufgebaut und weisen mit Pinselstrichen ausgefüllte Formen auf. So nähert sich der Künstler subtil den Pariser Kubisten an. 1911 übersiedelt Mondrian in die französische Metropole. Erstmals sieht er Werke von Paul Cézanne und Georges Braque, stellt mit Fernand Léger aus. Aus der intensiven Auseinandersetzung mit Picassos analytischen Kubismus entsteht nach einem ähnlichen Stillleben als Vorstufe im Jahr 1912 das „Stillleben mit Ingwertopf 2“, das als Vorbote zur Abstraktion einen Wendepunkt markiert.

Zuvor entwickelte stilistische Merkmale wie hellsatte Farben oder zusammengefügte Kompositionen sind verschwunden. Mittels schwarzer Umrisse, einem Geflecht aus horizontalen und vertikalen Linien werden Gefäße beidseitig des türkisfarbenen, mittig angeordneten Ingwertopfes angedeutet. Die drei Grundfarben Blau, Gelb und Rot werden durch Beimischungen ins Graublaue abgetönt. Wenige diagonale und abgerundete Linien erinnern an Deckel, rechtwinklig vordergründig aufgebaute Flächen suggerieren Kästchen. Der Bildgegenstand ist mit einer strengen Gitterstruktur überzogen, ausgenommen der Ingwertopf, der unverknüpft mit dem Grund eine andere, unvereinbare Welt verkörpert und die Unsicherheit des Künstlers durchblicken lässt.

Mondrian ist fast 40 Jahre alt und gilt als erfolgreicher Landschaftsmaler der Niederlande. Zwar hat er sich in Paris einen Überblick über die Entwicklungen geschaffen, doch wie sollen sich die nächsten Schritte gestalten? Anhand vertrauter Sujets wie Meer oder Dünen wird deutlich, wie sehr ihn die organischen Strukturen fesseln. Virtuose Linien oder Schraffuren beherrschen Bäume und Häuser. Ab 1913 verfügen die Bilder über keine Tiefenwirkung und keinen Grund mehr. In Gegensatz zu den Kubisten hält Mondrian aber an der rechteckigen Bildfläche fest. Linear gerasterte Kompositionen erscheinen immer flächiger, klarer, unzugänglicher in trüb abgedunkeltem bis metallisch gehaltenem Kolorit. Den letzten Schritt zur Abstraktion vollzieht Mondrian nach 1916, als Kompositionen aus rechteckigen, in Farbe und Form differenzierten Farbfeldern die Bilder beherrschen, die richtungslos über die Fläche schweben. Ist hier noch die Farbe das bestimmende Element, erreicht Mondrian durch Hinzufügung von Gittern oder Rauten, die Linie gegenüber der Farbe als vollwertiges Gegenstück aufzuwerten. Prägnanz und Artikuliertheit fesseln nun den Blick.

1917 gründet Mondrian zusammen mit Theo van Doesburg und Georges Vantongerloo die Bewegung des Neoplastizismus, an dessen Konzept er maßgeblich mitarbeitet. 1924 muss die De-Stijl-Bewegung auf die Gefolgschaft Mondrians verzichten. Der Streit wurde ausgelöst über die von Theo van Doesburg bevorzugte Dynamik und Kontrastierung mittels Huldigung von Diagonalen. Dies lehnte Piet Mondrian als Rückschlag ab. Er bevorzugte das konstruktive Gleichgewicht eines strengen Rechtecksystems in den Unfarben Schwarz, Weiß, Grau und in den Primärfarben Blau, Rot und Gelb.

Ab 1920/21, im Alter von fast 50 Jahren, als der numerisch größte Teil seines Schaffens bereits hinter ihm liegt, tritt er in seinen entscheidenden, letzten großen Schaffensabschnitt ein, der gemeinhin seinen Ruf begründet. Zahlreiche große Ausstellungen präsentieren Mondrians Werke in den späten dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts als bedeutenden Maler der internationalen abstrakten Kunst. Bis in die USA florierte der Verkauf seiner Arbeiten. Zwischen 1936 und 1938 vollendet er eine große Anzahl von Gemälden, in denen er die rhythmischen Möglichkeiten der Linienstruktur gegen die Wirkung einer einzigen Farbe ausspielte. Am 3. Oktober 1940 erreicht er nach einer zweiwöchigen Schiffsreise das New Yorker Exil, in das er sich aufgrund der kriegerischen Auseinandersetzungen in Europa begeben muss. In Amerika werden die schwarzen Linien durch farbige ersetzt und meist eng parallele Linien geführt. Der leidenschaftliche Jazz-Tänzer Mondrian entwickelte bildnerische Noten und Straßensysteme im Klang der Zeit in einer neuen Welt. 1943 verkauft er „Broadway Boogie Woogie“ an das Museum of Modern Art in New York, von wo es heute aus restoratorischen Gründen nicht mehr ausgeliehen werden kann.

Die als Retrospektive spannt einen Bogen vom naturalistischen Frühwerk ab 1900 bis hin zum Beginn des transatlantischen Spätwerkes. Zwischen 1940 und seinem Tod am 1. Februar 1944 in der Folge einer Lungenentzündung malt er nur noch drei Bilder. In einer einzigartigen und wunderbar gehängten Verdichtung verdeutlichen rund 90 Gemälde und großformatige Zeichnungen aus über 30 Sammlungen weltweit die einzelnen Phasen. Raum für Raum werden in erfrischender Klarheit die einzelnen Schritte zur Abstraktion anhand zentraler Werke sowie wesentlicher Motive herausgestellt. Die erste Retrospektive zu Piet Mondrian in Österreich ist ein grandioser Beitrag zum Verständnis der Moderne. Die Schau sollte man sich nicht entgehen lassen.

Die Ausstellung „Piet Mondrian“ ist noch bis zum 19. Juni täglich von 10 bis 18 Uhr, mittwochs bis 21 Uhr zu sehen. Der Eintritt beträgt 9 Euro, ermäßigt 7,50 Euro bzw. 6,50 Euro. Zur Ausstellung ist ein Katalog mit 324 Seiten erschienen, der für 29 Euro im Museumsshop erhältlich ist.



13.06.2005

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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