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Maria Lassnig in der Sammlung Essl

Körperbewusstsein materialisiert in Malerei



„Ich steh jetzt oben auf dem Berg der Reife und schau herab aufs lange Lebenstal, doch fühle ich mich jetzt mehr vorsichtig als weise, das Leben gibt dir keine andre Wahl.“ Als Maria Lassnig diese Zeilen als zwölfte Strophe ihres 1992 entstandenen Filmwerkes „Kantate“ schrieb, mit dem sie ein Jahr später Österreich bei der Berlinale vertreten sollte, war die Malerin 73 Jahre alt, ausgezeichnet mit vielen Ehrungen und stand kurz vor der ihr gebührenden internationalen Anerkennung, als eine der herausragenden Künstlerinnen ihrer Generation. Ende April wurde in Anwesenheit der „Grande Dame der österreichischen Kunstszene“ eine umfangreiche Personale eröffnet, die ihr die Sammlung Essl mit der Kuratorin Christine Humpl im Klosterneuburger Kunstdomizil ausgerichtet hat. Einmal mehr wird sich Maria Lassnig an diesem Abend von obigem Liedtext bestätigt finden. Hat doch ihr langjähriger Sammler eine Chance vertan, wenn er die Werke der von ihm seit langem geschätzten Malerin in einer spannungslos arrangierten Schau präsentiert, die wenig von der Ironie und Sprödigkeit, von der subversiven Macht und künstlerischen Manie Lassnigs zu vermitteln vermag.



Sicherlich gehört Karlheinz Essl zu den kauffreudigsten Sammlern, die sich in den vergangenen Jahrzehnten für das eigenwillige und sperrige Œuvre von Lassnig begeistern konnten. Seit Mitte der 1980er Jahre erwirbt der Baustoffmagnat Gemälde der gebürtigen Kärntnerin und kann angesichts einer Kollektion von 46 Ölbildern und circa 40 Papierarbeiten, darunter der 32teilige Zyklus „Landleute“, mit respektablem Stolz auf die umfangreichste Kollektion von Werken der letzten drei Jahrzehnte verweisen. Gleichzeitig ehrt ihn der Vorsatz, der geschätzten Malerin im Jahr ihres 86. Geburtstages eine Personale auszurichten.

Die Organisatoren sehen die von ihnen konzipierte Schau zwar in einer kontinuierlichen Weiterführung der großen Personalausstellungen, mit denen Maria Lassnig bereits 1985 und 1999 im Museum Moderner Kunst in Wien geehrt wurde. Die Erinnerung an diese fundierten und nachhaltig inspirierenden Ausstellungen ist noch präsent. Die aktuelle Präsentation hingegen kann sich schwerlich gegen ihre Vorgängerinnen behaupten, noch gelingt es ihr, einen neuen Blick auf das Œuvre von Maria Lassnig zu eröffnen.

Die in der „Belle Etage“ der Sammlung Essl präsentierte Schau leitet im sogenannten „Kleinen Saal“ mit fünf großformatigen Werken in die Themen ein, denen die Ausstellung ihren Titel verdankt: „body. fiction. nature“. „Woman Power“ aus dem Jahre 1979 steht stellvertretend für die umfangreiche Serie der „Körpererlebnisbilder“, die aus einer konzentrierten Auseinandersetzung mit eigenen Körperempfindungen entstanden sind und in denen Lassnig auch vor künstlerisch gefassten Selbstentblößungen nicht zurückschreckt. Das Gemälde, das noch während ihres mehrjährigen Aufenthaltes in New York und kurz vor ihrer Rückkehr nach Österreich entstand, zeigt ihren überlebensgroß dargestellten nackten, kraftvollen Körper, der selbstbewusst über die Metropole schreitet - eine Gegenüberstellung der physisch erforschten Empfindungswelt mit der von außen gesehenen Welt.

Mit dem großen Diptychon „Science Fiction“ aus dem Jahr 1988 knüpft Maria Lassnig an die Werkgruppe der Metamorphosen und Verschmelzungen von Körpern mit leblosen Objekten an, eine Thematik, die sie bereits in den frühen 1960er Jahren beschäftigt hatte und in den 1990er Jahren erneut aufgreifen wird. Beispielhaft für Lassnigs aktuelle Arbeiten zeigt das Gemälde „Insektenforscher I“ von 2003 eine den Bildraum einnehmende männliche Gestalt, auf deren Arm ein überdimensionales Insekt sitzt. Das Werk gehört stilistisch zu einer Gruppe von Gemälden, in denen die Figuren nicht mehr in den Bildraum eingebettet werden, sondern vor farblich reduzierten Malgründen agieren.

In den großzügig proportionierten Bilderkojen der großen Ausstellungshalle versuchen die Kuratoren, die vorgestellten Themen wieder aufzugreifen und durch weitere, wie die zwischen 1984 und 1987 entstandene Werkgruppe „Innerhalb und außerhalb der Leinwand“, zu ergänzen. Man begegnet starken Bildern, von denen einige bereits in anderen wichtigen Ausstellungen zu sehen waren. Aber die Klosterneuburger Zusammenstellung wirkt bemüht in dem Bestreben, die Werkbeispiele in thematische Zusammenhänge zu pferchen. Eine den Bildern entsprechendere Art wäre sicherlich eine offene Form der Präsentation gewesen, die allein einem zeitlichen Kontinuum folgt. Eine solche hätte allerdings auch die Fehlstellen transparent gemacht. Denn die ohne Zweifel respektable Sammlung kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass wichtige Werkphasen vollkommen ausgeklammert bleiben. Diesen Vorwurf hätte man durch die Einbeziehung weiterer Gemälde sicherlich mildern können. Allein, es wurde kein einziges sammlungsfremdes Objekt erbeten, auf Leihgaben vollkommen verzichtet. So bleibt das Frühwerk von Maria Lassnig nahezu ungestreift. Auch verwundert es, dass andere wichtige Abschnitte, wie die Serie der „Beziehungsbilder“, die Mitte der 1990er Jahren entstanden, in den Bestand der Sammlung Essl keine Aufnahme fanden.

Zu den besten Ausstellungsmomenten gehört sicherlich die Zusammenschau einzelner Werke, wie „Erdsamen“ von 1986, „Mann sich entzweischneidend“ aus dem selbem Jahr und „Manpower“ von 1983, die sich kritisch und ironisierend mit der Dominanz des Mannes in der Gesellschaft beschäftigen. Nachhaltig in Erinnerung bleibt auch die scheinbar zufällige Begegnung einzelner Bildern aus den 1980er und 1990er Jahren, wie „Die Atommütter“ von 1984 und „Country Selbstportrait“ von 1993. Befremdlich liest sich hier jedoch der Begleittext, der von der Malerin behauptet: „Maria Lassnig vertritt in ihren Arbeiten grundsätzlich keine gesellschaftskritischen Anliegen, wenn sie sich in den 1980er Jahren vermehrt Themen der Außenwelt, insbesondere dem Naturschutz und den Folgen von Katastrophen zuwendet“.

Irritierend wirkt auch die Erklärung, Maria Lassnig sähe sich nicht „als programmatisch feministische Künstlerin“, die einer Suite von Zeichentrickfilmen vorangestellt wird, die ihr filmisches Schaffen zwischen den 1970er und den 1990er Jahren dokumentiert. Sicherlich gehört Maria Lassnig zu den Künstlerinnen, die sich als Malerin durch das Prädikat „Feministin“ nicht vereinnahmen lassen wollten. Doch die zusammenhangslos zitierte Äußerung aberkennt die nachhaltige Vorbildsposition, die Lassnig zweifellos für eine ganze Generation von Malerinnen hatte und die ihr bis heute gebührt. Ihre Arbeiten entstehen aus einer explizit selbstreflexiven, weiblichen Position, aus dem eigenen Körperbewusstsein heraus und werden gerade darüber erst zugänglich, lesbar und verstehbar.

Als aktuellstes Werk präsentiert die Ausstellung ein großes Selbstportrait: in dem 2003 entstandenen Gemälde „Die Trauer“ beklagt die Künstlerin, mit weit aufgerissenen Augen und erhobener Hand, eine in ihrem Schoß liegende Gestalt. Von ihr abgewendet haben sich drei sparsam skizzierte Figuren, von denen zwei mit Stöcken versehen sind. Sie sind vermutlich die Verursacher des Leids und tauchen im Vergleich zum farbig angelegten Körper der Trauernden, im Hintergrund nur mehr als Schemen auf. Es ist ein eindrückliches Bild, in dem „Innen“ und „Außen“ überzeugend zur Deckung kommen und das Lassnigs Konzentration auf ihr großes Thema - die Frau in ihrer Leibhaftigkeit - abermals eindrücklich vor Augen führt.

Die Ausstellung „Maria Lassnig - body. fiction. nature“ ist noch bis zum 28. August zu sehen. Die Sammlung Essl hat Dienstag bis Sonntag von 10 bis 19 Uhr, am Mittwoch zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 6 Euro, ermäßigt 4,50 Euro. Der Ausstellungskatalog kostet 27 Euro.

Kontakt:

Essl Museum

An der Donau - Au 1

AT-3400 Klosterneuburg

Telefax:+43 (2243) 370 50 22

Telefon:+43 (0800) 232 800



04.05.2005

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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