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Christo und Jeanne-Claude: The Gates - Ein kritisches Resümee zum Abschluss des Projekts

Vom Winde verweht



Christo & Jeanne-Claude, The Gates, 2005

Christo & Jeanne-Claude, The Gates, 2005

Kunst als Wegwerfprodukt? 16 Tage lang vom 12. bis zum 27. Februar lockten sie jeden Tag Hunderttausende von Besuchern in den Central Park. Seit Montag nun werden „The Gates“, das jüngste Public Art Projekt des New Yorker Künstlerpaares Christo und Jeanne-Claude, sukzessive abgebaut, zerschreddert, eingeschmolzen und verschrottet. Für ein Kunstwerk ein ganz ungewöhnliches Schicksal. Die Debatte darüber, ob „The Gates“ nun zum Genialsten gehören, was das Künstlerpaar in seiner mehr als 40jährigen Karriere hervorgebracht hat oder aber nichts weiter waren als eine zugegebenermaßen sehr dekorative Stadtmöblierung mit Eventcharakter, wird sicher noch eine ganze Weile andauern. Kultautor Tom Wolfe brachte es gewissermaßen auf den Punkt: „Es gibt zwei verschiedene Lesarten von ‚The Gates’. Zunächst den Unterhaltungsaspekt. Was das betrifft, scheint es den Leuten wirklich gefallen zu haben. Und dann gibt es noch den konzeptuellen Aspekt. Wenn man das Konzept einmal begriffen hat, verflüchtigt es sich auch schon wieder.“



„The Gates“ sind pure Repetition. Christo & Jeanne Claude haben 7532mal einen rechteckigen Rahmen aufgestellt, an dessen Gestänge sich ein vorhangartiger Nylonstoff dekorativ im Wind bläht. Doch alles, was sie dazu zu sagen haben, kulminiert in dem gebetsmühlenartig vorgetragenen Satz: „Wir schaffen Kunstwerke voller Freude und Schönheit“ und in der Behauptung, der orangefarbene Stoff sei in Wirklichkeit safrangelb. Ein Risotto alla Milanese jedenfalls sieht anders aus. Zugegeben, „The Gates“ schmeicheln den Augen, sie säumen, einem serpentinenartigen Ornament gleich, das Wegegeflecht des Central Park, und sie lassen den Park zur Bühne werden für Spaziergänger, Touristen und Selbstdarsteller. Aber ist New York grüne Lunge das nicht sowieso schon?

Die formalen Qualitäten des Projekts sind eigentlich mehr als dürftig. „The Gates“ stehen auf bräunlich-rostfarbenen Stahlsockeln, unter die zur Abstützung Holzbrettchen gelegt sind. Die einzelnen Elemente sind handwerklich ordentlich miteinander verschraubt, und die Verschraubungen wiederum mit übergestülpten Kästchen notdürftig kaschiert. Beim genauen Hinsehen ähneln sie gigantischen Absperrgittern oder der Unterkonstruktion von Baugerüsten. Einen Kommentator der New York Times erinnerte das Ganze gar an eine „psychedelische Autowaschstraße“.

„The Gates“ haben weniger das ästhetisch überzeugende Gepräge eines Kunstwerkes, als vielmehr den Look eines mittelmäßig designten industriellen Massenprodukts oder einer technischen Vorrichtung und sie wirken letztendlich wie das Ergebnis einer genialen Stadtmarketingkampagne, die den Central Park wieder in die Aufmerksamkeit der New Yorker und der New York-Touristen hieven soll. Und zumindest für ihren größten Fürsprecher, den New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg, ist es auch genau das, was den Reiz des Gates-Projekts ausmacht. Doch was bleibt? Was ist der Erkenntnisgewinn, den die stets medienpräsenten und medienkritischen Christo und Jeanne-Claude ihrem Publikum vermittelt haben?

Anders als bei ihren früheren Projekten wie zum Beispiel „Valley Curtain von 1972 oder „Running Fence“ von 1976 begeben sich die Künstler diesmal nicht in die Weite und Unberührtheit der amerikanischen Landschaft mit allen damit verbundenen Risiken. Und anders als bei der symbolträchtigen Verhüllung von Kunstinstitutionen und historischen Monumenten, die 1995 in der Ver- und Enthüllung des Berliner Reichstagsgebäudes kulminierte, besetzen und überformen sie diesmal einen Ort, der in seiner eigenen Künstlichkeit kaum zu übertreffen ist. Die beiden Landschaftsarchitekten Frederick Law Olmstedt und Calvert Vaux nämlich sahen sich bei Baubeginn des Central Park im Jahr 1858 mit einem baumlosen Sumpfgelände konfrontiert. Der Central Park ist wunderschön, aber letztlich auch eine Landschaft aus der Retorte. Simulation pur.

Ein weiteres kommt hinzu. Geboren wurde die Idee für „The Gates“ gegen Ende der 1970er Jahre, sozusagen am Ende der Flower Power-Psychedelia-Hippie-Ära. Zwischen den ersten Entwürfen und der Realisierung liegen also ganze 26 Jahre mit diversen gesellschaftlichen und ästhetischen Paradigmenwechseln sowie einer Vielzahl sich gegenseitig ablösender Kunstdiskurse. „The Gates“ werfen einen retrospektiv-nostalgischen Blick zurück auf die späten 1970er Jahre. Und sie sind die 1:1-Umsetzung der unzähligen Entwurfszeichnungen, die Christo, der vielleicht genialste Faltenwurfmaler der jüngeren Kunstgeschichte, seit Jahrzehnten unters Sammlervolk bringt. Ein gewisser Déjà-vu-Effekt lässt sich daher nicht leugnen. Christo, dessen frühe innovative und konsumkritische Arbeiten aus der Zeit des Nouveau réalisme in Form eingepackter und verschnürter Gebrauchsgegenstände, gestapelter Ölfässer und verhängter Schaufensterfronten aus der Kunstgeschichte nicht mehr wegzudenken sind, ist mit „The Gates“ endgültig in der Entertainment-Branche angekommen.

www.christojeanne-claude.net



03.03.2005

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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Hund mit „safranfarbenem“
 Mäntelchen passenden zu „The Gates“ von Christo & Jeanne-Claude
Hund mit „safranfarbenem“ Mäntelchen passenden zu „The Gates“ von Christo & Jeanne-Claude

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Christo & Jeanne-Claude, The Gates, 2005
Christo & Jeanne-Claude, The Gates, 2005

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Christo & Jeanne-Claude, The Gates, 2005
Christo & Jeanne-Claude, The Gates, 2005

Variabilder:

Christo & Jeanne-Claude, The Gates, 2005
Christo & Jeanne-Claude, The Gates, 2005

Künstler:


Christo







Hund mit „safranfarbenem“ Mäntelchen passenden zu „The Gates“ von Christo & Jeanne-Claude

Hund mit „safranfarbenem“ Mäntelchen passenden zu „The Gates“ von Christo & Jeanne-Claude

Christo & Jeanne-Claude, The Gates, 2005

Christo & Jeanne-Claude, The Gates, 2005

Christo & Jeanne-Claude, The Gates, 2005

Christo & Jeanne-Claude, The Gates, 2005




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