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Journal

Farbenrausch im winterlichen New York. Christo und Jeanne-Claudes „The Gates“

Christo-Mania im Central Park



Christo und Jeanne-Claude, The Gates, Central Park, New York 2005

Christo und Jeanne-Claude, The Gates, Central Park, New York 2005

Vergangener Samstagmorgen, 8 Uhr. Die südöstliche Ecke des Central Parks an der Kreuzung von Fifth Avenue und 59. Straße beginnt sich langsam zu füllen. Aus allen Richtungen strömen Schaulustige herbei. Die ersten Schlittschuhläufer drehen bereits auf der Kunsteisbahn ihre Pirouetten, Jogger absolvieren ihr Morgenpensum, und lässige Up-Town-Hundebesitzer führen ihre extravaganten Vierbeiner an der Leine aus. Über der ganzen Szenerie kreisen lautstark die Hubschrauber der großen amerikanischen TV-Networks. Für das Künstlerpaar Christo und Jeanne-Claude (beide *1935) geht an diesem kühlen und sonnigen Vormittag ein Traum in Erfüllung, auf dessen Verwirklichung sie 29 Jahre lang hingearbeitet haben. „The Gates“, das 19. realisierte Projekt der beiden Konzeptkünstler, war vielleicht auch das hürdenreichste. Und es ist ihre erste realisierte Arbeit in ihrer Heimatstadt New York, wo sie seit 41 Jahren in einem Loft in Soho leben und arbeiten.



Auf einem insgesamt 36,8 Kilometer, fast marathonverdächtig langen, Wegegeflecht quer durch alle Zonen des Central Parks haben Christo, Jeanne-Claude und ihre 640 Helfer in den letzten Wochen über 7.500 rechteckige und orange lackierte Tore aufgestellt. Ein gigantisches Unterfangen, allein die verarbeitete Stahlmenge entspricht zwei Dritteln des Pariser Eiffelturms. Wer bereits in den letzten Tagen im winterlichen Central Park unterwegs war, konnte den stets gut gelaunten und vom Bauarbeiter bis zum Psychologieprofessor bunt zusammen gewürfelten Aufbau-Teams über die Schulter gucken. Einem exakt ausgearbeiteten Masterplan folgend, errichteten die in Achtergruppen aufgeteilten, teils weit angereisten The Gates-Aktivisten die 4,87 Meter hohen und je nach Wegesbreite zwischen 1,68 Meter und 5,48 Meter variierenden Tore.

Doch zurück an die Südostecke des Central Parks. Nach und nach treffen jetzt auch die an ihren grauen, von Christo gestalteten The Gates-Westen erkennbaren Helfer ein, ausgerüstet mit langen, an Enterhaken erinnernden Teleskopstangen. Noch ruhen die safranfarbenen Stoffbahnen in ihren kokonartigen Hüllen unterhalb der horizontalen Torstangen. Umjubelt von hunderten Parkbesuchern in entspannter Wochenendlaune, beginnen die Teams mit dem Entrollen der Stoffbahnen. Ein entschlossenes Reißen an der Schlaufe genügt, und das 2,13 Meter lange, vorhangartige Gewebe flattert frei im Wind. Die herunterfallenden Schutzhüllen und Papprollen werden ebenso schnell entsorgt. Wie in einer etwas chaotischen Prozession bewegt sich die Menge jetzt durch den Park, und wie in einer Art Domino-Effekt entfaltet sich Stoffbahn für Stoffbahn. Bereits nach wenigen Minuten beginnen die ersten Touristen damit, sich vor „The Gates“ zu fotografieren, Gray Lines schickt die ersten Stadtrundfahrten durch den Park, und auch die Merchandising-Stände beginnen mit dem Verkauf von T-Shirts, Mini-Thermoskannen, Schlüsselanhängern, safranfarbenen Taschen und Armbanduhren mit dem Schriftzug von „The Gates“. Christo und Jeanne-Claude jedoch profitieren nicht von diesen Einnahmen. Der Erlös aus dem Souvenirverkauf kommt allein der Parkverwaltung zu Gute.

Auf einer Pressekonferenz vor der symbolträchtigen Kulisse des Nubier-Tempels von Dendur im Metropolitan Museum betonten das Künstlerpaar und New Yorks Bürgermeister Michael R. Bloomberg die ausschließlich private Finanzierung des Projektes. Christo und Jeanne-Claude haben das Budget von rund 21 Millionen US-Dollar vorfinanziert und hoffen nun, durch den Verkauf von Zeichnungen, Fotografien und signierten Plakaten, die Summe wieder zu erwirtschaften. In Bloomberg, der im Übrigen aufgrund massiver Kürzungen im Kulturhaushalt in der New Yorker Kunstszene nicht besonders beliebt ist, fand das für seine Hartnäckigkeit und Beharrlichkeit bekannte Künstlerpaar erstmals einen Fürsprecher in der New Yorker Stadtverwaltung. Die City Hall verspricht sich von „The Gates“ eine nachhaltige Belebung des Tourismus und ein schlagkräftiges Argument für die Olympia-Bewerbung 2012. Eine Delegation des IOC hat sich bereits für die nächste Woche angemeldet.

Mittlerweile sind fast alle Stoffbahnen entrollt, und bei vielen Parkbesuchern und Christo-Fans stellt sich der Déjà-vu-Effekt ein. „The Gates“ sieht tatsächlich so aus wie auf Christos Zeichnungen - die Umsetzung ist absolut perfekt. Der safranfarbene Stoff ist transparent, schimmert je nach Licht- und Schattensituation in den unterschiedlichsten Farbtönen, er flattert frei im Wind, wirft Falten, bläht sich wie ein Segel auf. „The Gates“ windet sich wie ein organisches Gebilde durch den Park: über Hügel und Brücken hinweg, vorbei an Wasserflächen, durch stille Winkel und entlang beliebter Laufstrecken. Das brillante Licht der Februarsonne schärft die Konturen und betont die Farbkontraste. „The Gates“ braucht die Neutralität der grauen winterlichen Parklandschaft.

Fragen nach der tieferen Bedeutung ihrer Arbeit beantworten die beiden internationalen Kunststars allerdings mit ausweichend-stereotypen Statements. „Wir schaffen Kunstwerke voller Freude und Schönheit. Sie sind absolut zweckfrei, sie haben keinen Symbolcharakter, transportieren keine Botschaft. Es sind reine Kunstwerke“, lässt Jeanne-Claude in praktisch jedem Interview verlauten. Und Christo selbst ruft nach dem Motto „Don’t talk, just walk“ - nicht reden, sondern laufen - zum bewussten Spazierengehen als Schule der Wahrnehmung auf. Wer hinterher Hunger bekommt, für den bieten findige New Yorker Chefköche bereits „The Gates“-inspirierte Menüs an. Wie wär’s zum Beispiel mit sautierten Prince-Edward-Muscheln in Safransoße?

Das Projekt „The Gates“ ist vom 12. bis zum 27. Februar jeweils von 6 Uhr morgens bis 1 Uhr nachts im Central Park, New York City, zu besuchen. Zwei Kataloge stehen zur Verfügung: „On the way to the Gates“ mit 212 Seiten für 29,95 US-Dollar, erschienen bei The Metropolitan Museum of Art, Yale University Press und „Christo & Jeanne-Claude - The Gates, 1979-2005“ mit 128 Seiten für 14,99 Euro im Taschen Verlag. Ab Dezember 2005 zeigt die Neue Nationalgalerie in Berlin eine Ausstellung zum The Gates Projekt.

Ein paar Zahlen zu „The Gates“:

  • Anzahl der Tore: 7532

  • Maße der Tore: Höhe: 4,87 Meter, Breite variiert je nach Wegesbreite von 1,68 Meter bis 5,48 Meter. Der Stoff hängt bis zu einer Höhe von 2,13 Meter herab.

  • Länge der Fußwege: 36,8 Kilometer

  • Stahl: 5290 Tonnen Stahl

  • Stoff: rund 100.000 Quadratmeter Nylonstoff, fabriziert im westfälischen Emsdetten von der Industrieplanweberei J. Schilgen und vernäht im sächsischen Taucha von der Firma Bieri-Zeltaplan

  • Aufbauteam: 640 bezahlte Aufbauhelfer

  • Monitore: 340 The Gates-Botschafter, die Fragen rund um das Projekt beantworten

  • Gesamtkosten: Die veranschlagten Gesamtkosten betragen 20 Millionen US-Dollar. Durch den Blizzard vor zwei Wochen erhöhen sie sich um rund 1 weitere Million US-Dollar. Zum Vergleich: Die Reichstagsverhüllung 1995 kostete 13 Millionen US-Dollar.

  • New York-Tourismus: Die Stadt New York rechnet mit rund 100.000 bis 200.000 zusätzlichen Übernachtungen und mehr als 80 Millionen US-Dollar indirekten Einnahmen durch The Gates-Besucher.

  • www.christojeanneclaude.net



    14.02.2005

    Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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