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Zum Tod von Tom Wesselmann

Zu kalt, um erotisch zu sein



Tom Wesselmann, California Nude No. 3, 1981

Tom Wesselmann, California Nude No. 3, 1981

Als Väter der Pop Art können die beiden Künstler der Klassischen Moderne Marcel Duchamp und Fernand Léger angesehen werden. So bereitet Duchamp mit seinen Readymades und Léger mit seinem Interesse für die Maschine das Feld für die Verwendung von Gegenständen der amerikanischen Alltagskultur in der Kunst. Als „kommunistisch“ wurde die heute Pop Art benannte Strömung der 1960er Jahre in den USA kritisiert, die zunächst unter dem Titel des „Neuen Realismus“ in Erscheinung trat. Den Begriff Pop Art prägte neben Lawrence Alloway auch Lucy Lippard, die damit zunächst die Verwendung von Dingen aus der Massenkultur meinte.



„I remember Warhol's work was just surfacing then, too, and I felt sorry for Warhol because he was such an underdog“, äußerte Tom Wesselmann. Wesselmann wurde zu den „Neuen Realisten“ gezählt, wollte jedoch durch den Begriff nicht mit einer europäischen Tradition in Verbindung gebracht werden. In der Tradition der abstrakten Expressionisten sah er die Kunst Europas als etwas, was die amerikanischen Künstler überwunden hatten. Die abstrakte Kunst, die zur gleichen Zeit in Europa entstand, erschien ihm als drittklassige Kopie, der zwar von Europäern, wie de Kooning „eingeführten“, aber nun von dem Amerikanern weiterentwickelten Abstraktion: „What they were trying to do in Europe increasingly was a kind of a copy of it - I thought third-rate kind of imitative sort of the gestural guys and all that sort of stuff.“

Der 1931 geborene Tom Wesselmann studierte zunächst ein paar Semester Psychologie in seiner Heimatstadt Cincinnati, Ohio, bevor er sich in die Kunstakademie einschrieb. Im Jahr 1956 wechselte er an die New Yorker Cooper Union. Dort studierte er bei dem modernistischen, die Figur abstrahierenden Maler Nicholas Marsicano. In einem Interview mit Irving Sandler sagt Wesselmann, dass die Qualität der Cooper Union darin bestanden habe, nicht sehr viel zu lehren, aber die Schüler dazu zu bringen, zu arbeiten.

Der an der Kunstschule vorherrschende Stil war zu jener Zeit eine von Kandinsky ausgehende Abstraktion. Wesselmann selbst interessierte sich zunächst für den Abstrakten Expressionismus, war beeindruckt von den Arbeiten Willem de Koonings, Jackson Pollocks, Franz Klines, Robert Motherwells und Barnett Newmans. Vor allem de Kooning, dessen Arbeiten er um 1957 in der Janis Gallery gesehen hatte, berührten ihn. War er doch fasziniert von der zwischen Ungegenständlichkeit, Landschaft und abstrahierter Frauendarstellung oszillierenden Malerei.

Begeistert für die Arbeit de Koonings, versuchte Wesselmann, sich dessen Methode neben Aktstudien in der Akademie anzunähern: „It was in the third year, '58 to '59. First of all, I didn't know what else to paint except nudes. I didn't know how else to paint because I had no historical relationship to art.“ Von dem Vorbild de Kooning ausgehend malte Wesselmann zunächst abstrakt, nach eigener Aussage mehr in Richtung Kandinsky. Auf Anraten seines Lehrers Marsicano begann er, sich von der Nachahmung seiner Vorbilder zu lösen, und suchte nach seinem eigenen Weg, der in der Ausformulierung des Gegensatzes lag: „De Kooning worked big; I’d work small; de Kooning - also Dine and all the guys I knew worked sloppy; I’d work neat.“

Als Antipode zu der Geste der abstrakten Expressionisten wandte Wesselmann sich der Collage zu: „I introduced collage, I think, mainly because I was impatient, terribly impatient, and I had no point of view about painting.“ Damit wiederholte Wesselmann nicht zuletzt eine Möglichkeit der Bildproduktion, die der von ihm verehrte Matisse bereits angewandt hatte. „You couldn't look at a Matisse without feeling some kind of excitement.“ Die Collagen wurden in den „Still Lifes“ oder den „Bathtubs“ zu raumgreifenden „Assamblagen“ erweitert. In diesen setzte er Dinge des täglichen Gebrauchs in Verbindung mit gemalten Bildern. Oft kommt es in seinen Bild-Objekten zu einer Verbindung von Zitaten aus der Kunstgeschichte und der Werbewelt, wie bereits in dem „Still Life #20“, in dem er das Zitat eines Mondrian-Gemäldes mit Abbildern der amerikanischen Warenwelt vereinte. Seine Arbeiten verstand Wesselmann als „amerikanisch“, jedoch nicht als sozialen Kommentar oder Gesellschaftssatire.

Zu der ersten Ausstellung Wesselmanns verhalf ihm 1961 der am Metropolitan Museum of Art tätige Henry Geldzahler. Geldzahler, den er bei einem Happening Claes Oldenburgs kennen gelernt hatte, knüpfte einen Kontakt zwischen dem zu dieser Zeit dem abstrakten Expressionismus verpflichteten Alex Katz und Wesselmann. Alex Katz, dessen spätere Entwicklung in Richtung Pop Art Wesselmann bedauern sollte, bot diesem eine Ausstellung in der Tanager Gallery an.

Im Folgejahr 1962 begann Wesselmann mit seiner Serie „Great American Nudes“, die ihn schlagartig bekannt machte. Diese Arbeiten enthielten Telefone, Radios und eingeschaltete Fernsehapparate. Damit befanden sich die Bilder in permanentem Wandel, abhängig von dem, was sie gerade aus der Medienwirklichkeit übertrugen. Im Gegensatz zu den dreidimensionalen „wirklichen“ Gegenständen waren die von Wesselmann gestalteten Elemente flach, sie simulierten keine perspektivischen Tiefenräume. Tiefe entsteht durch die tatsächliche Reihung der hintereinander aufgestellten Leinwände.

Zeitgleich hatten sich auch andere Künstler der Alltagswelt als Ausgangsmaterial für ihre Kunst zugewandt. So wurden auch Roy Lichtenstein, James Rosenquist und Andy Warhol in der Öffentlichkeit präsentiert. Mit Jim Dine hatte Wesselman persönlichen Kontakt: „The first living artist to set eyes on them was Jimmy Dine who came down one day. He said ‘You may be one of America's great painters’.“ Die Künstlerkollegen interessierten Wesselmann nur zwecks Austausch über die Arbeit, privat hatte er mit ihnen wenig Kontakt. So hatte er die „Factory“ von Andy Warhol nur einmal besucht. In den kommenden Jahren stellte Wesselmann regelmäßig in der Green Gallery aus, bis er 1966 in die Janis Gallery wechselte. Die plötzliche Anerkennung kam für den Künstler unerwartet: „I was amazed. First of all, every time we sold a painting, I bought my girlfriend a dress.“

Für seine unpersönlichen, jeder Menschlichkeit beraubten Akte ist Wesselmann sicher am ehesten bekannt. Jedoch spielt für ihn die Wahl des Sujets eine untergeordnete Rolle hinter der Idee als solcher. Die Aktdarstellungen rangieren in diesem Sinne gleichrangig neben Stillleben. Die Akte wurden in natürlicher oder überdimensionierter Größe ausgeführt und jegliche individuellen Merkmale ausgelassen. Im Vergleich mit den Akten oder Stilleben bis zur Moderne sieht Wesselmann in seiner Arbeit weniger vorgetäuschte Realität, als dies bei kleinformatigen „naturalistischen“ Darstellungen der Fall war. Von Erotik könne man bei einer solchen Darstellungen nicht sprechen: „And I realize a twelve foot nude has no erotic meaning, no erotic appeal whatsoever. And it becomes something almost dangerously thin. It is almost like a big blow-up from one of those Italian movies.“

Im Gegensatz zu den anderen Vertretern der Pop Art bediente Wesselmann sich nicht ausschließlich des in den Alltagsmedien vorgefundenen Materials. So war Claire Selley, die er 1963 geheiratet hatte, das Modell für seine „Great American Nudes“. Dennoch wollte er keine spezifisch individuellen Merkmale in seinen Darstellungen stehen lassen. Damit unterscheidet er sich nicht zuletzt auch von den Pin Up-Darstellungen eines Mel Ramos.

Tom Wesselmann verstarb am 17. Dezember in New York in Folge von Komplikationen bei einer Herzoperation.



22.12.2004

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Sabine Boehl

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Tom Wesselmann







Tom Wesselmann, Tulip

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Tom Wesselmann, Landscape No. 2, 1964

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Tom Wesselmann, Still Life #20, 1962

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