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Die Selbstporträts Lovis Corinth in der Hamburger Kunsthalle

Zwischen Pathos und Melancholie



Lovis Corinth, Selbstbildnis mit Skelett, 1896

Lovis Corinth, Selbstbildnis mit Skelett, 1896

Wie kein anderes Motiv bietet das Selbstporträt dem Künstler die Möglichkeit, sich im Leben, in der Kunst und in der Gesellschaft zu verorten. Ob realistisch oder theatralisch idealisierend, gilt das Selbstporträt nachfolgenden Generationen vielleicht neben der Tagebuchaufzeichnung als zuverlässigste Quelle für die Analyse eines Künstlerlebens. Der Maler Lovis Corinth (1858-1925) schuf in seinem Leben 42 Selbstbildnisse. Vom akademisch-repräsentativen Ausfassung des 30jährigen bis hin zum zwei Wochen vor dem Tod entstandenen letzten Selbstbildnis des bereits von Krankheit Gezeichneten, zeigt die Hamburger Kunsthalle jetzt eine Auswahl von 30 Gemälden, die um zahlreiche Aquarelle, Zeichnungen und druckgrafische Blätter ergänzt werden. Eine gemalte Autobiographie vom frühen Realismus bis hin zur impressionistischen Form- und Konturauflösung.



Da Corinth die Gewohnheit pflegte, sich ungefähr einmal im Jahr anlässlich seines Geburtstages selbst zu malen, liefern die hinterlassenen Selbstporträts einen unvergleichlichen Einblick in jede seiner Lebensphasen. Da begegnet uns der äußerst selbstbewusste und berserkerhafte Malerfürst, wie er im Schwabinger Atelier, vor einem Skelett stehend, diesem die kalte Schulter zeigt, hinter sich die lebendige Stadt mit rauchenden Fabrikschloten. Das Skelett fungiert hier weniger als allegorisches Memento Mori, denn als bloße Atelierrequisite und wohl inszenierter Hinweis darauf, dass der Tod dem aufstrebenden Künstler (noch) nichts anhaben kann.

Vom Knochenmann zum lebenden Modell - Lovis Corinth exerzierte in den Folgejahren jegliche Form der Selbstdarstellung mit verschiedenen weiblichen Gegenparts durch. Die eher beschaulich-hausbackene Variante zeigt beide züchtig bekleidet in trauter Zweisamkeit, die Frau sich milde schmunzelnd auf die Schulter des Meisters stützend. Die dionysische Version zeigt Corinth dann frei nach dem Motto „Wein, Weib und Gesang“ mit dem nacktem Modell in Frontal- oder Rückenansicht oder in höchster Verzückung als freudig erregtes Bacchantenpaar. Weiterhin zu sehen sind immer wieder Selbstbildnisse, die Corinth entweder im weißen Kittel oder im dunklen Anzug bei der Arbeit vor der Staffelei zeigen sowie heldenhaft-patriotische Selbstinszenierungen in Ritterrüstung, die ihn als Personifikation des tugendhaft-wilhelminischen Monarchieanhängers ausweisen.

Der 12. Dezember 1911 markiert einen tiefen Einschnitt. Ein Schlaganfall, der eine linksseitige Lähmung zur Folge hat, wirft ihn zunächst aus der Bahn. Seine Frau Charlotte Berend-Corinth schrieb dazu später: „Nach dem Schlaganfall, nachdem er das metaphysische Grauen erlebt und (wie er im Tagebuch notierte „das Nichts gesehen“ hatte, schien er mehr zu erschauen, als das Spiegelglas ihm an visuell Wahrnehmbarem bot.“ Und tatsächlich vollzog sich im Werk des bis dahin maskulin-selbstbewussten Malers nach diesem einschneidenden Erlebnis ein deutlicher Wandel.

Nach einer dreimonatigen Zwangspause betritt Corinth wieder sein Atelier und malt sein „Selbstbildnis mit schwarzem Hut“ - eine schonungslose Selbstbeobachtung und ein ungeschöntes Abbild seines angeschlagenen, aber dennoch nicht vollständig gebrochenen Innersten. Diesmal keine üppige Selbstinszenierung, sondern vielmehr eine offene Selbstbefragung und eine künstlerische Neupositionierung. Im Angesicht der eigenen Verwundbarkeit und Zerbrechlichkeit, entstehen in den Folgejahren mehrere Selbstbildnisse als existenzielle Auseinandersetzung mit dem Ich und der eigenen Vergänglichkeit. „Ich, Lovis Corinth“, so der Titel der Hamburger Ausstellung, der dem Titel einer seiner Zeichnungen entnommen ist, ist als vielschichtige Konzentration auf das Selbst zu lesen, als erst eitel stilisierende dann aber schonungslose Bestandsaufnahme der eigenen Person.

Im Jahr seines Todes 1925 wich Lovis Corinth von seiner langjährigen Gewohnheit ab, das jährliche Selbstporträt anlässlich seines Geburtstages am 21. Juli zu malen. Sein letztes „Selbstbildnis vor Spiegel“ entstand bereits im Mai 1925 und zeigt noch einmal das gedoppelte Antlitz des melancholisch den Betrachter anschauenden Malers. Kurz danach bricht Corinth zu einer Hollandreise auf, um Frans Hals und Rembrandt zu studieren. In Zandvoort erkrankt er an Lungenentzündung und stirbt dort am 17. Juli 1925.

Die Ausstellung „Ich, Lovis Corinth - Die Selbstbildnisse“ läuft vom 19. November bis zum 6. Februar 2005. Geöffnet ist täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 21 Uhr. Am Heiligabend bleibt geschlossen. Dafür steht die Kunsthalle am 1. und 2. Weihnachtstag von 10 bis 18 Uhr und an Silvester und Neujahr von 12 bis 18 Uhr zum Besuch offen. Der 176seitige Katalog kostet 23 Euro. Zu dieser Ausstellung und zu der am 28. November beginnenden Schau „gegenwärtig: Selbst, inszeniert“ gibt es ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Vorträgen, Seminaren und thematischen Rundgängen. Näheres dazu im Internet oder unter Telefon +49 (0)40 – 428 543 215.

Kontakt:

Hamburger Kunsthalle

Glockengiesserwall

DE-20095 Hamburg

Telefon:+49 (040) 428 131 200

Telefax:+49 (040) 428 543 409



19.11.2004

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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Ich, Lovis Corinth - Die Selbstbildnisse: Blick in die Ausstellung
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Lovis Corinth, Bacchantenpaar (Selbstbildnis), 1908
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Lovis Corinth, Selbstbildnis im weißen Kittel, 1918
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Lovis Corinth, Selbstbildnis mit Skelett, 1896
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Lovis Corinth, Selbstbildnis vor Spiegel, 1925
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Ich, Lovis Corinth - Die Selbstbildnisse: Blick in die Ausstellung

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Lovis Corinth, Bacchantenpaar (Selbstbildnis), 1908

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Lovis Corinth, Selbstbildnis im weißen Kittel, 1918

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Lovis Corinth, Selbstbildnis vor Spiegel, 1925

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Lovis Corinth, Selbstbildnis am Walchensee, 1922

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