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Stilleben mit Äpfeln in weißer Schale mit blauem Glas, 1925 / Otto  Modersohn

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Ohne Titel, 2012 / Heinz Mack

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Hintergründige Bildbetrachtungen in der Hamburger Kunsthalle

Wie sieht ein Rembrandt von hinten aus?



Robert Delaunay, Fenster-Bild, 1911/1912

Robert Delaunay, Fenster-Bild, 1911/1912

Wie sieht ein echter Rembrandt eigentlich von hinten aus? Und wie muss man sich die Rückseite eines vor maskuliner Kraftentfaltung nur so strotzenden Nagelbildes von Günther Uecker vorstellen? Regelmäßige Museumsbesucher sind es gewohnt, auf ihrem Parcours durch die Sammlung sorgfältig restaurierte Bilder zu betrachten, kleine Schildchen mit Hinweisen auf den Künstler, den Titel des Bildes und sein Entstehungsjahr zu lesen und so einen guten Überblick über eine Epoche oder ein Sujet zu erhalten. Doch mancher hat sich vielleicht auch schon einmal gefragt, was sich eigentlich hinter der schmucken Bildvorderseite verbirgt.



Die Hamburger Kunsthalle hat diesen Gedanken aufgegriffen und bietet ihren Besuchern in der neuen Reihe „Parcours“ einen Rundgang durch die Sammlung an, auf dem einzelne Werke erstmals auch mit der Rückseite präsentiert werden. Ute Haug, die am Hause hauptsächlich für die Provenienzforschung, also die oftmals schwierige Zuordnung in der NS-Zeit beschlagnahmter Kunst und die Rückgabe an deren rechtmäßige Besitzer oder Erben, zuständig ist, hat diesen Parcours zusammengestellt. Im Rahmen ihrer Recherchen hat sie dabei einige interessante Entdeckungen zu Datierung, Herkunft und künstlerischen Arbeitsweisen gemacht. Aus Kunstgeschichte werden plötzlich spannende Kunstgeschichten.

So präsentiert die Hamburger Kunsthalle bei den Alten Meistern das Rembrandt-Gemälde „Simeon und Hanna im Tempel“ von 1627/28 in einer Glasvitrine. Das Trägermaterial des Ölgemäldes lässt sich schnell als Eichenholztafel aus einem Stück identifizieren. Einige Aufkleber, Stempel, Beschriftungen und Siegel lassen Rückschlüsse auf die zahlreichen Besitzerwechsel des Bildes zu. So verrät ein relativ frisch wirkendes, rotes, gräfliches Wachssiegel, dass der Rembrandt einst in der Sammlung Hohenzollern seinen Platz fand. Für Irritation sorgt ein schlichter Aufkleber mit dem Namenszug „Paul Rembrandt“. Der falsche Vorname des dem heutigen Publikum als Rembrandt Harmensz. van Rijn bekannten niederländischen Meisters der spannenden Hell-Dunkelkontraste, könnte ein Hinweis darauf sein, dass Rembrandt über Jahrhunderte ein nahezu unbekannter Künstler war und ihm daher schlicht ein falscher Vorname zugeordnet wurde. Ein Beispiel dafür, dass Bildrückseiten auch Rezeptionsgeschichte abbilden können.

Auch im Bereich der Handzeichnung kam es häufig vor, dass Vorder- und Rückseite benutzt wurden. Papier war lange Zeit ein teures Gut. Außerdem wurden Skizzenbücher bis auf die letzte Blankoseite voll gezeichnet, so dass eine beidseitige Präsentationsweise, wie zur Zeit in Hamburg zu sehen, eigentlich nur konsequent ist. Die Rückseite des Anselm Feuerbach-Gemäldes „Die Gefangennahme Simsons“, entstanden um 1848, gibt Hinweise auf den Verbleib des Bildes während des Dritten Reiches. Ein rechteckiges Etikett mit der Inventarnummer 1990 belegt, dass es einst für den Bestand des so genannten „Führermuseums“ in Linz vorgesehen war. Hingegen gibt eine mit blauer Fettkreide geschriebene Zahl auf dem Zierrahmen einen Hinweis darauf, dass das Gemälde nach dem Krieg vom „Collecting Point München“ der Alliierten erfasst wurde. Heute hängt es in der Hamburger Kunsthalle. Viele Kunstwerke, deren Rückgabe an die Erben eventuell noch erfolgen muss, sind in deutschen Museen untergebracht, bis das Bundesamt zur Regelung offener Vermögensfragen eine Entscheidung getroffen hat.

Ein Maler, der häufig Vorder- und Rückseite nahezu gleichberechtigt bearbeitet hat, ist der Brücke-Künstler Ernst Ludwig Kirchner. Seine Bilder werden schon lange in Museen beidseitig präsentiert. Und es lassen sich auch hier verschiedene Stilentwicklungen und Motivverwerfungen ablesen. Auch der im Frühjahr verstorbene Leipziger Maler Werner Tübke kombiniert auf einem beidseitig bemalten Panoramagemälde praktisch zwei Spielarten seiner Malerei. Eine Seite zeigt eine Studie zu dem Gemälde „Arbeiterklasse und Intelligenz“, sozusagen die offizielle Seite des Malers im sozialrealistischen Staatsstil der DDR. Auf der anderen Seite lebt sich der Privatmann Tübke als Liebhaber der italienischen Renaissance aus und malt eine liebliche Strandszene mit muskulösen Körpern - entstanden nach einer Italienreise in den 1970er Jahren.

Die Spitzen der groben Stahlnägel, die Günther Uecker in seinem Bild „Poesie der Destruktion“ von 1983 mit Brachialgewalt in die Leinwand hämmerte, kommen auf der Rückseite teilweise wieder zum Vorschein. Sicherheitshalber verleimte Uecker diese Durchbrechungen, um ein weiteres Aufreißen zu verhindern. Außerdem gibt der Künstler mit einem schwarzen Pfeil einen Hinweis darauf, wie herum das Bild denn zu hängen sei. Der Titel und der Zusatz „Verletztes Feld“ sind ebenfalls handschriftlich auf der Rückseite vermerkt. Eine sehr aufschlussreiche Gegenüberstellung: Die vom Vordergrund vermittelte Rohheit wird nämlich auf der Rückseite durch die geradezu hypersensible Fürsorglichkeit des Künstlers nahezu wieder aufgehoben.

Die Ausstellung „Parcours - Die Rücken der Bilder“ hat noch bis zum 17. April 2005 täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 6 Euro, ermäßigt 4 Euro. Die Begleitpublikation erscheint innerhalb der „Kleinen Reihe“ mit 48 Seiten für 8 Euro.

Kontakt:

Hamburger Kunsthalle

Glockengiesserwall

DE-20095 Hamburg

Telefon:+49 (040) 428 131 200

Telefax:+49 (040) 428 543 409



02.11.2004

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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Veranstaltung vom:


15.10.2004, Parcours: Die Rücken der Bilder

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Hamburger Kunsthalle

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Balthasar Denner, Drei Kinder des Ratsherrn Barthold Hinrich
 Brockes, um 1724
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Sigmar Polke, Wachturm in der Eifel, 1987
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 Unvollendete Studie zu „Arbeiterklasse und Intelligenz“, um 1971
Ute Haug vor Werner Tübke - verso Unvollendete Studie zu „Arbeiterklasse und Intelligenz“, um 1971

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Arnold Böcklin, Heiliger Hain, 1886
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Balthasar Denner, Drei Kinder des Ratsherrn Barthold Hinrich Brockes, um 1724

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Ute Haug vor Werner Tübke - verso Unvollendete Studie zu „Arbeiterklasse und Intelligenz“, um 1971

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