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Bundeskunsthalle zeigt eine Retrospektive zu Georg Baselitz

Kopfstände eines Querkopfs



Seine erste Einzelausstellung ist ein Skandal. 1963 werden in der Berliner Galerie Werner & Katz zwei Bilder von Georg Baselitz von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt, darunter "Die große Nacht im Eimer" mit einem onanierenden Knaben. Zudem wird die Präsentation polizeilich geschlossen. Seitdem haftet dem gebürtigen Sachsen der Ruf eines Aufmüpfigen an. Als Achtzehnjähriger wird er 1956 wegen gesellschaftspolitischer Unreife von der Ostberliner Hochschule verwiesen. 1958 siedelt er nach Westberlin über. Heute zählt Baselitz zu den bedeutendsten und bekanntesten deutschen Künstlern. Sein Werkschaffen komprimiert zu zeigen und seine Bedeutung für jüngere Künstler hervorzuheben, bildet den konzeptionellen Ausgangspunkt einer repräsentativen Werkauswahl aus etwa 100 Gemälden und 30 Skulpturen unter ausdrücklichem Ausschluss des grafischen Werkschaffens, die derzeit in der Bonner Bundeskunsthalle zu sehen ist.



Die sein Werk unverwechselbar gestaltende Idee kam Baselitz 1969. "Der Wald auf dem Kopf" nach einer Landschaft des Dresdner Malers Louis-Ferdinand von Rayski war sein erstes auf dem Kopf stehendes Gemälde. Eine Porträtgruppe von Freunden folgt im gleichen Stil. Ob Akte, Stilleben, Landschaften oder Porträts, die Bilder aus einer "verkehrten Welt" erscheinen wie eine Mischung aus Provokation, Marotte und innerer Notwendigkeit. Das Verfahren des "Auf-den-Kopf-Stellens" half dem Künstler bei seinem Bedürfnis, einerseits das Sichtbare als Auslöser seiner Kunst zu benutzen, andererseits doch freie Malerei zu betreiben. Zwar dominiert das Motiv, aber die verselbständigte Malerei geht eigene Wege. Befreit vom Symbolischen, sollen ungewöhnliche Blickmöglichkeiten aufgespürt werden. Baselitz malt diese Arbeiten tatsächlich auf dem Kopf.

Die Auswahl demonstriert eine facettenreiche Entwicklung des 1938 als Hans-Georg Kern im sächsischen Deutschbaselitz geborenen Künstlers, der sich in Anlehnung an seinen Geburtsort seit 1962 Georg Baselitz nennt. Die Ausstellung visualisiert ein weites Spektrum von frühen, teils selten gezeigten Arbeiten über die sogenannten "Heldenbilder" aus der Zeit um 1966, die Frakturbilder, die ersten "Kopfstandbilder" bis hin zu den "Fingermalereien" von der Mitte der 1970er Jahre. Als Reaktion auf die wieder akzeptierte expressive Gegenständlichkeit folgen zu Anfang der 1980er Jahre die "Orangenesser", die im großen Malerbild gipfeln sowie die großformatigen "Bildeinsgemälde".

Zu den mehr romantischen Arbeiten der großen Melancholie-Werke gehören auch zwei für die südliche Eingangshalle des Berliner Reichstags geschaffenen Auftragsarbeiten, die thematisch auf Holzschnitte von Caspar David Friedrich anspielen und dort seit 1999 für Furore sorgen. Ihren retrospektiven Charakter unterstreicht die Ausstellung weiter durch neue Werke aus 2002 bis 2004, darunter Beispiele aus der aktuellen Serie der Pferdebilder.

Baselitz malt heftig; seine teils riesigen Ölbilder zeigen sich unbeirrt von Strömungen der Zeit. Befrachtet sind sie immer wieder mit kunsthistorischen Traditionen. Eine handschriftlich bestimmte Malweise löst beim Betrachter Unruhe aus. Viele Körper erscheinen ausschnitthaft. Kräftiges und Zartes, Hartes und Weiches, Klares und Diffuses fügen sich zu einem Gebilde zusammen. Sie alle offenbaren Baselitz’ Auseinadersetzung mit der abstrakten Malerei, dem abstrakten Expressionismus, vor allem dem in den USA der 1940er Jahre. Die vehement gemalten Motive treten in einer unglaublichen Präsenz und Unmittelbarkeit dem Betrachter entgegen. Gepaart mit einer großen Vitalität und Extrovertiertheit können sie in der großen Halle der Bundeskunsthalle ihre ganze Wirkung entfalten. Die sich bietenden Möglichkeiten der elf Meter hohen Wände werden mittels einer exzellenten, teils übereinander organisierten Hängung voll ausgespielt.

Ungeschönte, roh behauene Lindenholzskulpturen, die offen ihre Bearbeitungsspuren zeigen, ergänzen die Ölgemälde. Die überlebensgroßen Köpfe und Figuren rufen Erinnerungen an expressionistische Plastiken oder an afrikanische Stammeskünste wach. Strenge Frontalität sowie ihre Betonung durch partielle farbliche Fassungen demonstrieren nicht nur die Nähe zur Malerei, sondern können auch als Gesten der Selbstbehauptung des seit 1975 ländlich abgeschieden auf Schloss Derneburg bei Hildesheim lebenden und arbeitenden Meisters verstanden werden.

Als weitere Ergänzung werden im Kabinett der Bundeskunsthalle 80 Porträtfotos des Künstlers aus den letzten 25 Jahren präsentiert. Die Aufnahmen des in Antwerpen geborenen und in Köln lebenden Fotografen Benjamin Katz gewähren Einblicke in den Privatbereich und den Schaffensprozess und sollen den Künstler und Menschen Baselitz in der Form flüchtiger, normalerweise verborgener Augenblicke näher bringen. Zu Hinterfragen bleibt in diesem Teil jedoch, ob der allzu große Narzissmus nicht völlig fehl am Platze ist und eine nötige objektiv-distanziertere Auseinandersetzung mit den Künsten erschwert.

Die Ausstellung "Georg Baselitz: Bilder, die den Kopf verdrehen. Eine Retrospektive. Bilder und Skulpturen von 1959 bis 2004" ist noch bis zum 8. August zu besichtigen. Geöffnet ist täglich außer montags von 10 bis 21 Uhr, donnerstags bis sonntags bis 19 Uhr. Der Eintritt beträgt 7 Euro, ermäßigt 3,5 Euro. Der umgangreiche, 320 Seiten starke Katalog zur Ausstellung kostet 25 Euro.



20.04.2004

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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