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Mona Hatoum in der Hamburger Kunsthalle

Kunst auf Messers Schneide



Mona Hatoum, Lookout, 2004

Mona Hatoum, Lookout, 2004

Big Brother is watching you. Wer zur Zeit den Kuppelsaal der Hamburger Kunsthalle betritt, fühlt sich ins Zentrum einer gigantischen Überwachungszentrale versetzt. Im völlig abgedunkelten Rundbau sind triptychonartig drei groß projizierte Live-Bilder aus der unmittelbaren Umgebung des Museums zu sehen: links die Gleisanlagen mit vorüberfahrenden Fernzügen und S-Bahnen, rechts der viel befahrene Glockengiesserwall und die Alster und im Zentrum das wilhelminische Hauptbahnhofsgebäude mit dem Taxistand im Vordergrund. Über allem dröhnt ein ohrenbetäubender Verkehrslärm.



Die Urheberin dieser unmittelbar körperlich erfahrbaren Installation ist die 1952 als Kind palästinensischer Eltern in Beirut geborene britische Künstlerin Mona Hatoum. Die Hamburger Kunsthalle widmet der seit 1975 in London lebenden mehrfachen Biennaleteilnehmerin eine von Christoph Heinrich kuratierte umfassende Überblicksschau mit Arbeiten von den frühen 1980er Jahren bis hin zu unmittelbar für die Ausstellung geschaffenen Werken. Einem breiteren deutschen Publikum bekannt geworden ist Hatoum zuletzt mit ihrer aus verkabelten Haushaltsgegenständen bestehenden Installation „Homebound“ auf der Documenta 11 in Kassel, die jetzt ebenfalls in Hamburg zu sehen ist. Doch Vorsicht: Hochspannung!

Zurück zur eingangs erwähnten Installation „Lookout“ – übersetzt etwa mit „Ausguck“ oder „Pass auf!“. Hatoum hat zwei schwenkbare Kameras, die im 120 Grad Winkel permanent die Umgebung absuchen, mit einer starren Kamera und drei Mikrofonen kombiniert und so eine Arbeit geschaffen, die gerade in Zeiten heranrückender terroristischer Bedrohung beim Betrachter unmittelbare Ängste freisetzt: vor Anschlägen, aber auch vor systematischer staatlicher Überwachung bis in den Privatbereich.

Doch genau um die Herstellung dieses verstörenden Klimas diffuser Ängste, alptraumhafter Bedrohungsszenarien, repressiver Kontrollmechanismen, brutaler Straf-, Folter- und letztlich auch tödlicher Auslöschungsmaschinerien geht es in den Arbeiten Mona Hatoums. Die Künstlerin als artistische Unruhestifterin also, die ihren Finger in die offenen Wunden ihrer eigenen Biografie, individueller und kollektiver Traumata legt. „Als erstes erlebt man ein Kunstwerk körperlich“, betont Hatoum, „Ich mag es, wenn Werke sich sowohl auf der sinnlichen, als auch auf der intellektuellen Ebene auswirken. Bedeutungen, Konnotationen und Assoziationen entstehen erst nach der unmittelbaren körperlichen Erfahrung.“ Ein Rollstuhl, dessen Handgriffe durch schneidend scharfe Messerklingen ersetzt sind, ein metallenes Kinderbett, dessen Liegefläche aus straff gespannten Drähten - wie bei Eierschneidern üblich - besteht, und ein an menschlichen Proportionen orientierter Paravent aus überdimensionalen Gemüsehobeln und Käsereiben gemahnen den Betrachter an seine eigene Verletzlichkeit und Sterblichkeit.

Angefangen hat Mona Hatoum 1980 mit ersten Performances, in denen sie teilweise radikal die Grenzen und die Belastbarkeit ihres eigenen Körpers auslotete. So verharrte sie während der als Tableau vivant angelegten Aufführung von „The Negotiating Table“ von 1983 mit Blut und rohem Fleisch bedeckt und in Folie eingewickelt für drei Stunden reglos auf einem Tisch. Im Hintergrund waren Politikerstatements und Nachrichtenberichte zum Bürgerkrieg im Libanon zu hören. Doch derart politisch explizite und kommentierende Arbeiten empfand Hatoum schnell selbst als zu direkt.

Die letzten Performances entstanden 1988. Seitdem arbeitet Hatoum mit einem viel distanzierten, häufig an Arbeiten der Minimal Art und der Konzeptkunst erinnernden Vokabular. Die formale Reduktion, der Gebrauch vorfabrizierter Elemente und die Ästhetik des Readymade werden aber keineswegs bloß selbstreflexiv oder kunstimmanent eingesetzt. Auch äußerst reduzierte Arbeiten wie die minimalistisch gestapelten Gefängnisbetten „Quarters“ von 1996 stellen kritische Bezüge zur Wirklichkeit her.

Und dass es jenseits der messerscharfen „Razorblade“-Ästhetik auch noch eine äußerst sensible und poetisch agierende Mona Hatoum gibt, beweist sie mit Arbeiten wie „+ and -“ (1994/2004), einem 420 cm großen Sandkreis, der nach dem Prinzip der sich selbst auslöschenden Zeichnung von einem zugleich furchenden und glättenden Rotor permanent geformt und wieder zerstört wird. Und „Marbles Carpet“ von 1995, eine aus Tausenden von Glasmurmeln bestehende imaginäre Landschaft, übrigens aus dem Besitz der kunstsinnigen italienischen Fashion-Queen Miuccia Prada, verführt geradezu zur meditativ-kontemplativen Versenkung.

Die Ausstellung „Mona Hatoum - Ein Werküberblick mit neuen Arbeiten“ ist bis zum 31. Mai zu sehen. Die Hamburger Kunsthalle hat Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr geöffnet, donnerstags zusätzlich bis 21 Uhr und am 1. Mai von 13 bis 18 Uhr. Am 4. Mai spricht Mona Hatoum um 19 Uhr in der Reihe „Reden über Kunst“ über ihre Arbeiten. Der Eintritt beträgt 6 Euro, ermäßigt 4 Euro. Der 114seitige Katalog kostet 19 Euro.

Kontakt:

Hamburger Kunsthalle

Glockengiesserwall

DE-20095 Hamburg

Telefon:+49 (040) 428 131 200

Telefax:+49 (040) 428 543 409



16.04.2004

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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26.03.2004, Mona Hatoum

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Mona Hatoum,
 Lookout, 2004
Mona Hatoum, Lookout, 2004

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Mona Hatoum, + and -,
 1994-2004
Mona Hatoum, + and -, 1994-2004

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Mona
 Hatoum, Cage-à-deux, 2002
Mona Hatoum, Cage-à-deux, 2002







Mona Hatoum, + and -, 1994-2004

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Mona Hatoum, Cage-à-deux, 2002

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Mona Hatoum, Homebound, 2000

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Mona Hatoum, Performance Still, 1985-1995

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Mona Hatoum, Deep Throat, 1996

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Mona Hatoum, Untitled (Wheelchair), 1998

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