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Die Finalisten des "blueOrange 2004": Eija-Liisa Ahtila

Gefühlvolle Minidramen



Eija-Liisa Ahtila, The House, 2002

Eija-Liisa Ahtila, The House, 2002

Jung ist sie und hübsch, vielleicht von einer zerbrechlichen Schönheit. Wir begegnen ihr in einem Haus. Ohne einen weiteren Menschen zu sehen, hält sich die Frau trotz des warmen Sommerlichts in ihren blau-kühlen Räumen auf. Allein ist sie aber nicht. Sie hört Stimmen. Und diese Stimmen beeinträchtigen immer mehr ihre Wahrnehmung, beeinträchtigen die Zeit und den sie umgebenden Raum. Die Frau, deren Blick sich immer wieder in der Leere verliert, begibt sich in eine Isolation, um den Stimmen näher zu kommen. Sie verlässt die Realitäten um sich herum und tritt in die Welt der Stimmen ein, die nach ihren eigenen Gesetzen funktioniert.



„The House“ war Eija-Liisa Ahtilas Beitrag zur letzten Documenta in Kassel. Im dunklen Ausstellungsraum, auf drei Leinwände verteilt, verbreitete die DVD-Projektion eine sich verlierende und beklemmende Atmosphäre. Die 1959 im finnischen Hämeenlinna geborene Ahtila greift in der Geschichte der jungen Frau auf Gespräche mit Frauen zurück, die eine Psychose überwunden haben. Die Krankheit führte bei ihnen zu inkohärenten Zeit- und Raumerfahrungen, bis zu einem völligen Verlust jeglicher logischer Wahrnehmung. Eindrücklich setzt dies Ahtila in ihren auseinanderdriftenden, disparaten Videosequenzen um.

Seit Mitte der 1990er Jahre ist Ahtila mit ihren Zeit basierten visuellen Medien auf Filmfestival ebenso vertreten wie im Kunstbereich. Sie spielt mit den Genres Dokumentar- und Spielfilm oder Musikvideo und blendet ihre kurzen 90-Sekunden-Stories wie Werbespots schon einmal im Fernsehen ein. Auf eine Präsentationsform will sie sich dabei nicht festgelegen. In ihren Arbeiten untersucht Ahtila die Chancen, Wahrnehmung und Abbildbarkeit von Realitäten erzählerisch zu durchdringen. Dabei geht es ihr nie um formale Fragen allein.

Die Filme von Ahtila handeln von zerbrochenen Beziehungen und persönlichem Verlust, von Dingen, die Menschen auseinanderbringen und verzweifeln lassen. Inmitten der unspektakulären Realität des Alltags erzählen ihre Geschichten von scheinbar normalen Menschen. Plötzlich aber bricht die Situation und alles Vertraute wird über Bord geworfen. Fast immer haben diese Charaktere Visionen. Ihr Leben bewegt sich an den Grenzen zwischen Fantasie und Wirklichkeit und oftmals fällt es ihnen schwer, eine innere Verstörtheit unter Kontrolle zu halten. Es entwickelten sich Minidramen mit einer geballten Entladung der Gefühle.

Eija-Liisa Ahtilas Erzählungen fußen auf intensiven Recherchen und Dokumentationen. Aufzeichnungen von Gesprächen, Interviews oder Diskussionen bilden die Basis, während die empirischen Daten für die Umsetzung des Stoffes in quasidokumentarischen Fiktionen immer nur als konzeptionelle Ausgangsbasis und Dialogmaterial dienen. So lässt Ahtila in dem 1995 entstandenen Video „If 6 was 9“ Teenager aus Helsinki auf der Schwelle zum Erwachsenwerden über ihre sexuellen Erfahrungen und Wünsche reden. Auch in „Consolation Service“ von 1999 beschreibt sie Erlebnisse und Erfahrungen des Übergangs, hier ein junges Paar im Prozess der Trennung. Mit „Gray“ von 1993 greift Ahtila wieder ein Thema auf, das in Grenzsituationen angesiedelt ist: Wissenschaftlerinnen versuchen die Ausmaße einer nuklearen Katastrophe zu erfassen.

Die Geschichten bleiben immer etwas rätselhaft und werden mit Witz und Sensibilität beobachtet. Die Fragen, die sich die aus Ahtilas Umfeld rekrutierten Personen stellen, betreffen die Selbst- und Identitätsfindung. In kurzen, beschreibenden Sätzen werden Ängste, Wünsche, Wahnerlebnisse, Vorstellungen von Nähe, Distanz oder Erfüllung geäußert. Die Videoinstallation „The Wind“ von 2001 erzählt von den Emotionen einer Frau, die verlernt hat zu schreien, beim Anblick des Chaos’ in ihrem Zimmer, das eine hereinwehende Windböe verursacht hat, zusammenbricht und sich als Ersatz in die Hand beißt und das Bücherregal zu Boden wirft. Zur Entstehung dieser subjektiven Wahrnehmungen trägt die diskontinuierliche Erzählstrategie von Ahtila bei. Meist sind die Videoinstallationen auf mehrere Monitoren aufgeteilt, die zeitgleich laufen und zur Überlagerungen von Text und Bildern führen. Geschickt gliedern Wiederholungen die Sprachrhythmen und vermischen sich dabei. Und am Ende der Monologe haben die Protagonisten scheinbar unbemerkt Raum und Zeit gewechselt.

Eija-Liisa Ahtila ist eine der sieben Finalisten des „blueOrange“-Kunstpreises. Ausgelobt von den deutschen Volksbanken und Raiffeisenbaken ist er mit einem Preisgeld von 77.000 Euro die höchstdotierte deutsche Auszeichnung im Bereich bildende Kunst und soll alle zwei Jahre an Künstler gehen, die auf der Höhe ihres Schaffens stehen. Der Sieger wird am 19. Februar bekannt gegeben.



17.02.2004

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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