Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Auktionsanzeige

Am 01.06.2018 Auktion 1109: Photographie

© Kunsthaus Lempertz

Anzeige

Bei Wangen, 1945 / Erich Heckel

Bei Wangen, 1945 / Erich Heckel
© Galerie Neher - Essen


Anzeige

Orange-Blau-Orange, 2004 / Kuno Gonschior

Orange-Blau-Orange, 2004 / Kuno Gonschior
© Galerie Neher - Essen


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Ausstellungen

Aktuellzum Archiv:Ausstellung

Jonathan Meeses Welt in der Schirn

Kunst muss extremer als pubertär sein, sie muss vorpubertär sein



Jonathan Meese, Schach

Jonathan Meese, Schach

Hermetik oder Hermeneutik? Auch Jonathan Meeses Äußerungen zu seiner Kunst erschließen sich nicht unbedingt auf Anhieb: „Meine Kunst ist nur eine natürliche Konsequenz von dem, was ich ohnehin mache. Im Grunde genommen sind das alles Grabkammern für sich, für eine bestimmte Figur, für ein bestimmtes Wort und es existiert dort nichts anderes als die Sache selbst.“ Und doch werfen sie ein bezeichnendes - und erhellendes - Licht auf seine Installation „Képi blanc, nackt“, die sich in Frankfurts Schirn Kunsthalle dem Betrachter zunächst als eine Folge von disparaten Räumen darbietet.


Das darin versammelte merkwürdige Material stammt aus dem Nachlass des Vaters von Meeses Sammler Harald Falckenberg. „In dieser Sammlung ist alles drin, sie umspannt das ganze Jahrhundert – Kriege, Krönungen, Könige.“ Zweifellos übt das eine Faszination aus, die der Künstler an den Betrachter weiterzugeben sucht. Und das gelingt, handelt es sich doch laut Meese um ein „Über-Archiv, ein Gott-Archiv, ein Archiv von jedem Menschen“, das folglich uns alle angeht. In dichter Fülle treffen in Fotos, Zeitungsausschnitten, Wortkreationen, Gemälden und Skulpturen Personen und Weltbilder aufeinander.

Stanley Kubrick begegnet Richard Wagner, Stalin Zardoz. Heidegger, Klaus Kinski, Hitler, Marquis de Sade, Balthuse und Rommy Schneider setzen den Reigen personfizierter Weltanschauungen fort. Popkult stellt sich neben Politik, Gewalt neben Frieden – dies alles eingesponnen in ein dichtes Vokabular aus Schrift- und Bildzeichen, die größtenteils einer von Meese geschaffenen Geheimsprache entstammen.

Ihren Anfang nimmt die Installation in der Schirn mit einem von altmodischem Mobiliar angefüllten Zimmer. Dessen Bestimmung als „La chambre secrète de Baltys par Jonathan Meese“ erschließt sich aus diversen Beschriftungen, vor allem aber über eine gesichtlose Portraitbüste. Denn unmittelbar vor dem Durchgang platziert, verrät eine Inschrift, dass die „ultimative Maske“ Balthus darstellt. Die nostalgische Ausstrahlung des Raumes wird gebrochen durch grossformatige Gemälde, deren reduzierte Form- und Farbgebung sich ebenso wenig ins bürgerliche Milieu fügt wie die an germanische Kriegsszenerie erinnernden Inhalte. „Erntegott“ ist ein Beispiel dafür oder auch „Die Erzkinder“, hinter denen sich ein Selbstportrait des Künstlers mit Balthus verbirgt.

„Casino Royal (Goldenes Skelett)“, unmittelbar gegenüber des Balthus-Raumes, hingegen zeigt ein von mehreren Liegen und zahllosen bunt durcheinander gewürfelten Gegenständen überfrachtetes Ambiente. Der erste Eindruck von zufällig Abgestelltem wird durch Schaufensterpuppen aufgefangen, die in eine so ausdrucksvolle Haltung gebracht sind, dass sie sinnhaftes Tun vorspiegeln. Dennoch kann man sich eines zwiespältiger Eindrucks nicht erwehren, der für Meese charakteristisch ist.

Klarer strukturiert - aber keineswegs leichter fassbar - empfängt der „Staatssatanismus I - IV“ den Besucher. Die unbestimmte Vorstellung einer Spindkammer stellt sich ein. Eine Kaserne oder der Waschraum einer Erziehungsanstalt werden assoziiert. Dominierend ist eine lange Reihe von Waschbecken, die sich durch den Raum zieht. Der Gedanke an eine mögliche Benutzung unterbindet jegliche Form von Intimität. Die Spindtüren wiederum sind mit Fotos durchaus privater Natur beklebt. Unter anderem blickt uns die Mutter des Künstlers entgegen. In den halboffenen Spinden zeigen sich Relikte des Überflüssigen und Aufgegebenen, wie auch der sich in den Waschbecken ablagernde Staub verrät, dass hier kein Nutzer erwartet wird. Der Raum ist die unmittelbare Reaktion Meeses auf eine vorgefundene Situation: ein altes Pumpenhaus in Hamburg, in dem im Zweiten Weltkrieg Zwangsarbeiter untergebracht waren. Die Silhouette eines Fremdenlegionärs an der Wand, versehen mit der für diesen typischen weißen Kappe spiegelt diese Konstellation.

Der „Vaterraum Daddy“ erweist sich als zwischen „Casino Royal“ und „Staatssatanismus“ vermittelndes Glied – zumindest was seine Ordnungsstruktur angeht. Weniger chaotisch als der von Puppen und Liegen dominierte Raum mutet er gleichwohl weniger geordnet an, als der von Spind- und Waschbeckenreihung strukturierte „Staatssatanismus“. Mit Büchern, Zeitschriften und Erinnerungsgegenständen aus dem Archiv des Vaters von Falckenberg hat Meese hier eine „Grabkammer“ geschaffen. Der Ausdruck „Grabkammer“ stammt vom Künstler selbst und ist bezeichnend für dessen mythischen, von geheimen Zeichen und Begriffen bestimmten Kunstbegriff.

Nicht zuletzt löste das von Seiten der Kunstkritik den Vorwurf aus, Meeses Kunst sei pubertär. So negativ das auch gemeint war, ist damit doch ein wesentlicher und vom Künstler durchaus intendierter Zug erfasst: „Kunst muss sogar noch extremer als pubertär sein, sie muss vorpubertär sein“, bestätigt Meese und verweist auf Philosophen und Staatsmänner, die wie alles Bedeutende in Kunst und Literatur vorpubertär gewesen seien.

Ein weiteres in seiner Weise verblüffendes Element ist die aus Tonobjekten bestehende Galerie. Die unverkennbar Spuren der modellierenden Hand aufweisende, teilweise farbig glasierte Ansammlung von Büsten stellt verschiedene Ausformungen von „Soldier of Fortune“ und „Schädel“ vor. Gebilde wie „Archeopteryx“ oder „Flash Gordon“ vervollständigen das grotesk-anmutige Ensemble.

Mit Malerei, Plastik und Raumkonzept vermittelt „Képi blanc, nackt“ einen umfassenden Eindruck vom Oeuvres Jonathan Meeses. „Képi blanc, nackt“ ist der verdinglichte Kunstbegriff Meeses. Das metaphernreiche, von Mythologie und Mystik geprägte Werk erschließt sich aus der Zusammenführung der einzelnen Objekte, die in ihrer Verschiedenartigkeit den Schlüssel zum Verständnis des Ganzen liefern.

Jonathan Meeses Installationen "Képi blanc, nackt“ sind in der Schirn Kunsthalle, Frankfurt am Main, noch bis zum 12. April 2004 dienstags bis sonntags von 10 bis 19 Uhr zu sehen. Der Eintritt kostet 7 Euro, ermäßigt 5 Euro. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen.

Kontakt:

Schirn Kunsthalle Frankfurt

Am Römerberg

DE-60311 Frankfurt am Main

Telefon:+49 (069) 2998820

Telefax:+49 (069) 29988240

E-Mail: schirn@schirn.de



20.02.2004

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Viola Hildebrand-Schat

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Bei:


Schirn Kunsthalle Frankfurt

Bericht:


Jonathan Meese entwirft Schau im Dortmunder „U“

Variabilder:

Jonathan Meese,
 Schach
Jonathan Meese, Schach

Variabilder:

Jonathan Meese, Selbstportrait
Jonathan Meese, Selbstportrait

Variabilder:

Jonathan Meese, Casino Royal
Jonathan Meese, Casino Royal

Variabilder:

Jonathan
 Meese, Der Baltys-Raum
Jonathan Meese, Der Baltys-Raum







Jonathan Meese, Selbstportrait

Jonathan Meese, Selbstportrait

Jonathan Meese, Casino Royal

Jonathan Meese, Casino Royal

Jonathan Meese, Der Baltys-Raum

Jonathan Meese, Der Baltys-Raum




Copyright © '99-'2018
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce