Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Auktionsanzeige

Am 27.10.2018 Auktion 49

© Auktionshaus Lehr

Anzeige

Stilleben mit Äpfeln in weißer Schale mit blauem Glas, 1925 / Otto  Modersohn

Stilleben mit Äpfeln in weißer Schale mit blauem Glas, 1925 / Otto Modersohn
© Galerie Neher - Essen


Anzeige

Ohne Titel, 2012 / Heinz Mack

Ohne Titel, 2012 / Heinz Mack
© Galerie Neher - Essen


Anzeige

Nature morte au crane / Pablo Picasso

Nature morte au crane / Pablo Picasso
© Galerie Weick


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Ausstellungen

Aktuellzum Archiv:Ausstellung

Wuppertal richtet eine einzigartige Schau mit Werken von Giorgio Morandi aus

Weit mehr als nur der "Vasenmaler"



Giorgio Morandi, Natura Morta, 1949

Giorgio Morandi, Natura Morta, 1949

Eine Gruppe verschiedener Gefäße steht nach einem Essen einfach irgendwo im Raum und entfaltet durch Formen, Farben, Lichteinfall sowie Schattenwurf Reize von ganz eigener Qualität. Jeder, der diese Situation bei sich zu Hause bewusst wahrgenommen hat, dürfte sicher aufgrund der Spiegelungen, Lichtreflexe oder der eigentümlichen Farb- und Formkombinationen einen Moment inne gehalten haben.



Auch der italienische Maler Giorgio Morandi begeisterte sich für derartige Konstellationen. Dies nahm zum Teil so starke Ausmaße an, dass er in der Abgeschiedenheit seines Ateliers Tage benötigte, um seine Objekte in Fensternähe so zu platzieren, bis eine perfekte Ordnung samt Beleuchtung erzielt schien. Der nachfolgende Vorgang des Malens dauerte dann meist nicht länger als eine gute Stunde. Anschließend begann das gleiche Spiel von vorne: Die selben Gegenstände wurden neu kombiniert. Flaschen, Vasen, Kannen, Tassen oder Dosen, die zum Teil weiß angemalt waren, fanden immer wieder Verwendung. Heute sind sie in Morandis ehemaligen Atelier zu bewundern, das ins Bologneser Morandi-Museum überbracht worden ist. Nun richtet ihm das Wuppertaler von der Heydt-Museum eine Ausstellung mit rund 130 Werken aus.

Künstler, die sich wiederholt mit den gleichen Motiven, Gegenständen und Materialien beschäftigen, sind in der jüngeren Kunstgeschichte häufig anzutreffen. So besessen, wie Morandi "Vasen" malte, konzentrieren sich beispielsweise Bernd und Hilla Becher auf das Fotografieren von Bauten der Industrie und Technik, Hanne Darboven auf das Schreiben von Buchstaben- und Zahlenkolonnen, Robert Indiana auf das Malen von Buchstaben oder Ziffern oder Günther Uecker auf die Verwendung von Nägeln. Doch wie auch bei Morandi ist die Kunst immer tiefgründiger und besteht aus weit mehr als nur einem einzigen Markenzeichen. Dies wird eindrucksvoll in der künstlerischen Genese des am 20. Juli 1890 in Bologna geborenen Kaufmannssohnes Giorgio Morandi deutlich, die anhand der streng chronologisch gehaltenen Ausstellung klar nachzuvollziehen ist.

Nach dem Studium an der Accademia delle Belle Arti in seiner Geburts- und Heimatstadt Bologna von 1907 bis 1913, das der Künstler mit dem Abschlussdiplom als Zeichenlehrer beendet, markiert um 1914 eine kubistische Phase den Beginn seines eigentlichen Werkschaffens. Zu den ersten ausgestellten Arbeiten gehört das 1914 entstandene Werk "Natura Morta", das offensichtlich beeinflusst ist von Georges Braque und Pablo Picasso, deren Bilder Morandi bis dahin lediglich von schwarz-weißen Aufnahmen kannte.

Der nächste, zeitlich in die Jahre zwischen 1918 bis 1922 fallende Schaffensabschnitt ist geprägt durch die Annäherung an die Bewegung der Valoria Plastici. So sehr aber der flüchtige Blick auf jene Arbeiten formale Korrespondenzen zu metaphysischen Kompositionen von Giorgio de Chirico oder Alberto Savinio offenbaren mag, so sehr unterscheiden sich Morandis Arbeiten inhaltlich. In ihrer ideologiefernen Ding- und Sachanordnung orientieren sie sich mehr auf die Moderne mit Picasso als Bezugsperson. Mythologische, literarische Referenzen bestehen nicht; immer wird das Objekt als solches betrachtet. Auch sein gleichfalls mit "Natura morta" betiteltes Bild aus dem Jahre 1919, das den Umschlag des umfangreichen Katalogbuches ziert, stammt aus dieser Epoche. Der Betrachter blickt in eine Leere. An die Wand gelehnte Bilderrahmen umfangen optisch eine auf dem Tisch davor stehende weiße Flasche, die links von einer vorgerückten Schneiderpuppe ergänzt wird. Das Bild stellt nichts anderes dar als ein verschlüsseltes Selbstporträt.

In Auseinandersetzung mit französischen Meistern, insbesondere Paul Cézanne und Camille Corot, entstehen ab zirka 1920 Stilleben mit Früchten oder Landschaften. Auch das zweifach variiert ausgeführte Selbstporträt von 1924/25 fällt in diesen Schaffensabschnitt und wird in beiden Varianten präsentiert. Neben Landsleuten wie Giotto erkundet Morandi auch spanische Meister wie Velázquez. Cézanne aber bleibt die Hauptsäule; Reproduktionen seiner Werke hängen an Morandis Atelierwänden. Während dieser Zeit arbeitet Morandi als Zeichenlehrer an Grundschulen, bevor er 1930 eine Professur für "Technik der Radierung" an der Kunstakademie in Bologna erhält, die er bis 1956 wahrnimmt.

Nach der mehr experimentellen Schaffensphase festigt sich bei ihm in den 1920er Jahren die Bildsprache. Mitte der 1930er Jahre beginnt die Arbeit an kleinformatigen Kompositionen aus gleichen, in erdfarbenen Pastelltönen gehaltenen Gefäßen. Eindrucksvoll dokumentiert die Ausstellung, wie von Bild zu Bild die selben Gefäße vom Künstler bei wechselnden Lichtverhältnissen neu inszeniert werden. Die zu Gruppen aus identischen Stücken zusammengestellten Motive strahlen unaufgeregte Alltäglichkeit und sensible Harmonie aus. Der vom Besucher abverlangte konzentrierte Blick wird beharrlich auf divergierende Details gelenkt. In Ruhe und Bescheidenheit wird die ganze Aufmerksamkeit auf den Raum, auf das Licht, auf Farben und Formen fokussiert.

In den 1940er Jahren entstehen dann Serien von Variationen. Im nachfolgenden Jahrzehnt beginnt die Reduktion der Form. Von der genauen dreidimensionalen Plastizität bewegt sich seine Malerei hin zu Abstraktion. Die letzten, in seinem Todesjahr 1964 gemalten Bilder bestehen fast nur aus Farbflecken. Die Gegenstände lösen sich beinahe auf, die Tiefe ist verschwunden. Als Giorgio Morandis am 28. Juni 1964 in seinem Atelier an Lungenkrebs stirbt, wird in Venedig eine große Pop-Art-Ausstellung eröffnet.

Wie sehr sich das Werkschaffen Morandis am Rande der großen seismografischen Hauptstränge der allgemeinen künstlerischen Entwicklung bewegt, jedoch keineswegs davon völlig losgelöst ist, wird in den einzigartigen, trotz mittlerweile sparsamster Ausleihbereitschaft führender öffentlicher und privater Sammlungen zusammengetragenen Ölgemälde und grafischen Blätter ergründet. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Werken aus den Jahren zwischen 1945 und 1964, einem Abschnitt, aus dem die Mehrzahl der insgesamt rund 1.300 bekannten Ölgemälde des Künstlers datieren.

Giorgo Morandi, der Zeit seines Lebens als Junggeselle in mönchischer Einfachheit zusammen mit seinen drei Schwestern in der Via Fondazza lebte und arbeitete, war wie sein Werk ein ruhender, von Kontinuität geprägter Pol in einer an Turbulenzen reichen Zeit. Unauffällig wie zeitentrückt ließ er sich auch von den gravierenden Einschnitten zweier Weltkriege nicht von seinem Weg abbringen. Abgesehen von einer einzigen Auslandsreise in die Schweiz im Jahre 1956 anlässlich einer Ausstellung seiner Werke in Winterthur, die ihn ferner nach Basel und Zürich führte, verließ er Italien niemals. Ausgenommen von Besuchen in Venedig, Florenz und Rom sowie in dem Bergdorf Grizzana in den Bologneser Appeninen, wo er in seinem Landhaus die Sommermonate verweilt, hielt er sich ausschließlich in seiner Heimatstadt auf. Unauffällig bewegt sich der Anti-Rebell mit seinen kleinformatigen Bildern in den Verflechtungen des Kunstbetriebes. Den internationalen Durchbruch erlangte er um 1957. Wichtige Ausstellungen, Ankäufe bekannter Sammler und Museen, Auszeichnungen und Preise, Teilnahmen an den ersten beiden Documenta-Ausstellungen 1955 und 1959 folgten. Ins Jahr 1965 datiert die letzte Ausstellung in Wuppertal; vor 15 Jahren wurden Morandis Arbeiten in Düsseldorf präsentiert. Nun wird er im Jahr seines 40. Todestages abermals in Wuppertal vorgestellt.

Noch zu analysieren bleiben die subtilen wie offensichtlichen Bezüge von Morandis feinen, ätherischen Stilleben. Die Einflüsse seines Schaffens auf die moderne Kunst lassen sich erahnen, wenn man Arbeiten von Bruno Goller, Ulrich Erben, Sean Scully bis hin zu Tony Cragg und Donald Judd mit denen von Morandi konfrontiert. Mit Worten wird die eigentliche Bedeutung Morandis kaum fassbar beschrieben werden können. Daher sollten sich Kunstliebhaber den Mühen der Konzentration und Meditation unterziehen, die die gedämpft gefassten, nach Ausgewogenheit und Harmonie strebenden Werke jedem abverlangen. In dieser einmaligen Zusammensetzung ist die eindrucksvolle Schau nur noch acht Wochen in Wuppertal zu bewundern. Eine weitere Station gibt es nicht.

Die Ausstellung "Giorgio Morandi. Natura Morta 1914-1964" ist noch bis zum 7. März im von der Heydt-Museum zu besichtigen. Die Öffnungszeiten sind dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr, donnerstags bis 20 Uhr. Der Katalog kostet im Museumsshop 39 Euro.

Kontakt:

Von der Heydt-Museum

Turmhof 8

DE-42103 Wuppertal

Telefon:+49 (0202) 56 36 23 1

Telefax:+49 (0202) 56 38 09 1

E-Mail: von-der-heydt-museum@stadt.wuppertal.de



15.01.2004

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Veranstaltung vom:


11.01.2004, Giorgio Morandi. Natura Morta 1914-1964

Bei:


Von der Heydt-Museum

Bericht:


Eine Faszination des Unaufgeregten

Variabilder:

Giorgio Morandi, Natura Morta, 1963
Giorgio Morandi, Natura Morta, 1963

Variabilder:

Giorgio Morandi, Natura Morta, 1960
Giorgio Morandi, Natura Morta, 1960

Variabilder:

Giorgio Morandi, Natura Morta, 1949
Giorgio Morandi, Natura Morta, 1949

Variabilder:

Giorgio Morandi, Natura Morta, 1914
Giorgio Morandi, Natura Morta, 1914

Künstler:


Giorgio Morandi







Giorgio Morandi, Natura Morta, 1963

Giorgio Morandi, Natura Morta, 1963

Giorgio Morandi, Natura Morta, 1960

Giorgio Morandi, Natura Morta, 1960

Giorgio Morandi, Natura Morta, 1914

Giorgio Morandi, Natura Morta, 1914




Copyright © '99-'2018
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce