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K21 zeigt "Typologien industrieller Bauten" von Bernd und Hilla Becher

Ästhetik ohne ästhetische Absicht



Können kalte, technoide Gebilde faszinieren? Welche ästhetischen Reize sind ihnen zu entlocken? Ist es der Industrieschrott wert, beachtet zu werden? Viele Künstler ganz unterschiedlicher Sparten, vom Lichtdesigner bis zum Vertreter der Land Art haben sich mit Industriebrachen künstlerisch auseinandergesetzt. Doch niemand tat dies über vier Jahrzehnte hinweg so konsequent und erfolgreich wie Bernd und Hilla Becher. Heute gehört das Fotografenpaar zu den weltweit am meisten beachteten deutschen Künstlern. Beherrschendes Thema ihrer Arbeiten ist die ästhetische Sicht auf Zeugnisse der Industrie, die selber ohne ästhetische Absichten entstanden sind. In den Fotos gleichen sie anonymen Skulpturen.



Hinter ihren Fotografien - vornehmlich von Industrieanlagen, die von Zerstörung und Verfall bedroht sind wie Wassertürme, Gasbehälter, Fördertürme, Zechen, Kohlebunker, Kühltürme, Fabrikhallen, Silos oder Hochöfen - steht ein ganz stringentes Konzept. Ihre Aufnahmen entfalten durch Freistellung der bis in alle Details gestochen scharf aufs Papier fixierten Objekte und ihre frontal und rahmenfüllend ins Bild gerückten Baulichkeiten eine einzigartige Prägnanz. Die Bechers isolieren die Bauten aus ihren Funktionszusammenhängen und unterwerfen sie einem quasi objektiven Blick. Doch nicht allein die stereotype Einstellung und die spezifische Sichtweise führt zur Dominanz des Motivs. Dieses heben die Bechers ebenfalls durch Negierung ablenkender Elemente wie Tages- oder Jahreszeit, Menschen, Schatten, Wolken oder Rauch hervor. Mittels erhöhter Positionierung der Kamera vermeiden sie perspektivische Verzerrungen und Überschneidungen der Horizontallinie.

Gleichmäßig gerahmt, in Typologien bis zu 30 Fotografien zu einem Tableau vereint, bringen die Grandseigneurs der deutschen Fotokunst Bauten von prinzipiell gleichen Funktionen zusammen. Diese Ordnung ermöglicht Vergleiche innerhalb einer Gattung, die plötzlich eine Vielzahl von unterschiedlichen Formen offenbart. Genau hier liegt der ungeheure Reiz der Arbeiten von Bernd und Hilla Becher. Das serielle Vorgehen fördert das vergleichende Sehen, das die Spezifika einer Typologie vor Augen führt. Konsequentes Festhalten an der Schwarzweißfotografie, immer gleiche Bildfindungsmethoden sowie eine thematische Konzentration auf wenige ausgewählte Bautypen lassen den charakteristischen Zusammenhalt ihrer Serien entstehen. Bei wohl kaum einem anderen künstlerischen Œuvre dürfte es möglich sein, differenzierte Wahrnehmung besser zu lernen und zu praktizieren.

Das Werkschaffen der Bechers schwankt zwischen dokumentarischen Aspekten und ästhetischen Überlegungen. Bis heute entziehen sich ihre Arbeiten zwischen Dokumentation und Kunst klaren künstlerischen Zuordnungen, was Bernd und Hilla Becher selbst als spannendes wie begrüßenswertes Phänomen empfinden. Ihr Biennalebeitrag im Jahre 1990 wurde mit dem goldenen Löwen für Skulptur geehrt. Andere sprechen von Historienbildern, von Minimal-Art oder von Konzeptkunst.

Bernd und Hilla Becher fühlen sich dabei ganz unbeirrt dokumentarischen und fotografischen Interessen gleichermaßen verbunden. Ihr Sammeln von sachlich präzisen Bildern steht in der Nachfolge der neusachlichen Fotografie, der sich Meister wie Albert Renger-Patzsch, August Sander oder Eugéne Atget verpflichtet fühlten. Der 1931 in Siegen geborene Bernd Becher ließ sich von den Hütten und Bergwerken seiner Heimat inspirieren und versuchte zunächst malerisch, ab 1957 fotografisch die vom Abriss bedrohten Anlagen zu dokumentieren. Nach einer Ausbildung als Dekorationsmaler studierte er zunächst in Stuttgart und seit 1957 an der Düsseldorfer Kunstakademie, wo er der drei Jahre jüngeren Fotografin und Studentin Hilla Wobeser begegnete.

Nach dem Beginn ihrer Zusammenarbeit im Jahr 1959 und ihrer Heirat 1961 bereisten beide die Welt auf der Suche nach einschlägigen Motiven. Meistens konnten sie erst nach komplizierten und langwierigen Genehmigungsprozeduren ihre Fotografien anfertigen. 1976 zum Professor an der Düsseldorfer Kunstakademie berufen, leitete Bernd Becher bis 1996 die Klasse für künstlerische Fotografie, die inzwischen einen Weltruf besitzt. Heute international bekannte Fotografen wie Candida Höfer, Thomas Ruff, Thomas Struth, Andreas Gursky, Axel Hütte oder Petra Wunderlich gehörten zu ihren Schülern.

Die erste Museumsausstellung der Bechers fand 1967 in München statt. Folgeausstellungen, Biennale- und Documenta-Teilnahmen beförderten die zunehmend internationale Wertschätzung ihres Werkschaffens. Im Jahre 1969 wurden ihre Fotografien im Rahmen der Ausstellung "Anonyme Skulpturen" in der Kunsthalle Düsseldorf präsentiert. Nun, nach 34 Jahren wird das Werk der Bechers erneut im Rahmen einer großen Einzelausstellung in ihrer Heimatstadt präsentiert. Die Landesgalerie K21 im Ständehaus richtet die Schau mit rund 800 Fotografien aus. Fußend auf 142 Aufnahmen der Zeche Zollern 2 in Dortmund-Bovinghausen, die vom Ende der 1960er Jahre am Anfang ihres Schaffens stehen, entwickelt sich ein zweiter Teil. Dieser beinhaltet 56 Fotos von Industrielandschaften überwiegend aus Deutschland und den USA. Hieraus erwächst der dominierende Teil der Schau. Er gliedert sich in ein Dutzend Baugruppen, die in 58 Werkblöcken, den sogenannten Typologien, vorgestellt werden.

Abgeschottet in den großen Sälen unter dem Ständehaus, in einheitlicher Rahmung und neutralen Passepartouts sauber präsentiert, findet man die nötige Ruhe zum Sehen, Vergleichen und Meditieren. Für diejenigen, die aus dem nahen Kohlenpott hierher finden, scheint es wie eine in Kunst gegossene Konservierung einer Epoche zu sein, die fast vorüber ist.

Die Ausstellung "Bernd und Hilla Becher - Typologien industrieller Bauten" ist noch bis zum 12. April 2004 in K21 zu besichtigen. Geöffnet ist dienstags bis freitags 10 bis 18 Uhr, samstags, sonntags und feiertags von 11 bis 18 Uhr. Der Eintritt beträgt 6,50 Euro, ermäßigt 4,50 Euro. Der umfangreiche Katalog kostet an der Museumskasse 30 Euro.

Kontakt:

K21 - Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen

Ständehausstraße 1

DE-40217 Düsseldorf

Telefon:+49 (0211) 83 81 600

Telefax:+49 (0211) 83 81 601

E-Mail: info@kunstsammlung.de



05.01.2004

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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