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Turner-Preis 2003

Schimmel-Kunst und Gummipuppen



Jake and Dinos Chapman, Insult to Injury 2003, Sex 2003, Death 2003

Jake and Dinos Chapman, Insult to Injury 2003, Sex 2003, Death 2003

Wie jedes Jahr, so sorgt auch die diesjährige Ausstellung der nominierten Werke für den Turner-Preis in der Londoner Tate Gallery für ein enormes öffentliches Aufsehen. Der Namensgeber dieser Kunst-Prämierung, der englische Landschaftsmaler Joseph Mallord William Turner, galt zwar mit seiner innovativen Malerei seinerzeit als ungewöhnlich und provokativ. Weitere Bezüge zur derzeit dargebotenen Kunst wird man jedoch vergeblich suchen. Der mit 20.000 Pfund dotierte Turner-Preis wird nun schon seit 20 Jahren verliehen und gilt als die wichtigste britische Auszeichnung für Zeitgenössische Kunst. Dieses Jahr sind die vier Künstler Anya Gallaccio, Willie Doherty, Jake & Dinos Chapman und Grayson Perry vertreten.



Das Interesse für zeitgenössische Kunst, oder besser: Das Interesse für eine kostenpflichtige Besichtigung der nominierten Werke in der Tate Gallery wird jährlich durch medial inszenierte öffentliche Diskurse belebt. Zum einen können die Besucher selbst abstimmen, welches Kunstwerk sie prämieren würden, in Foren darüber diskutieren oder ihre Eindrücke auf den Internetseiten der Tate verewigen. Zum anderen sorgen die Massenmedien, die derzeit rege über die Ausstellung berichten, dafür, dass nahezu ausschließlich die zwei aufblasbaren Sex-Dolls beim Oralverkehr mit dem Titel „Death“ der Gebrüder Chapman Erwähnung finden, während die ergreifende Video-Installation des Künstlers Willie Doherty viel zu kurz kommt.

Bereits der Hinweis am Eingang der Ausstellung „nicht für Jugendliche unter 16 Jahren geeignet“ sorgt schon im Vorfeld des Besuchs für wilde Spekulationen und voyeuristische Schaulust. So ist es kein Wunder, dass gerade die besonders skandalträchtigen Werke das Geschäft mit der Kunst beleben. Die Provokation kulminiert in Jakes Chapmans Kritik an der Tate Modern, einer Dependance des Mutterhauses Tate Britain sowie der Saatchi-Galerie, denen er letztendlich seinen künstlerischen Durchbruch verdankt.

Neben der etwas infantil anmutenden Gummipuppen-Installation haben Jake & Dinos Chapman an die 80 Kupferstiche des spanischen Künstlers Francisco de Goya aus der Serie „Los Desastros de la Guerra“ partiell koloriert und ein Motiv daraus in ein plastisches Gebilde mit dem Titel „Insult to Injury“ transformiert. Was sich sonst dem Blick verwehrt, nämlich der Verwesungsprozess von Leichen, das wird hier in einem Horrorszenario verbildlicht. Nichts für zartbesaitete Gemüter sind die mit Maden, Fliegen, Würmern, Spinnen und sonstigen Getier drapierten Skelettreste, Augäpfel und Hautfetzen.

Eine Auseinandersetzung mit der Vergänglichkeit thematisiert auch die Künstlerin Anya Gallaccio, aber auf eine subtilere Weise. Sie verwendet organische Materialien wie Äpfel oder Blumen, die durch ihren natürlichen Verwesungsprozess das jeweilige Kunstwerk in optischer wie auch olfaktorischer Weise stetig verändern. Nach nun vierwöchiger Ausstellungsdauer ist ihre Installation „Because nothing has changed“ von einem zarten Schimmelschleier überzogen, begleitet von einem süßlich-bitteren Geruch der Verwesung.

Bei der Video-Installation „Re-Run“ von Willie Doherty wird der Besucher in einen verdunkelten Raum zwischen zwei gegenüberstehende saalgroße Bildschirme geführt und auf aufwühlende Weise optisch und akustisch mit den Themen Angst, Isolation und menschliche Instinkte konfrontiert. Die zwei unterschiedlichen Video-Loops erinnern an eine Alptraumsequenz, in der man versucht davonzulaufen, ohne aber von der Stelle zu kommen.

Im letzten Saal der Ausstellung befinden sich auf klassischen Museumspodesten zahlreiche figurativ bemalte Keramikvasen, die einen Hauch historisch wertvollen Kulturguts suggerieren. Es handelt sich um die Werke von Grayson Perry, dem man ebenfalls gute Chancen auf den Sieg einräumt. Das dekorativ anmutende Kunsthandwerk trügt, denn bei näherer Betrachtung der einzelnen Motive und Titel, wie „We’ve found the body of your child“ oder „Village of Penians“ verfliegt der dekorative Charakter zugunsten einer gesellschaftskritischen Reflexionsebene, die die Abgründe menschlichen Seins offen legt.

Weiterhin spannend bleibt, welcher Künstler am 7. Dezember mit der Turner-Auszeichnung geehrt werden wird und ob die gezeigten Werke als Kulturgut von überdauernder oder von nur ephemerer Bedeutung sein werden. Die Ausstellung ist noch bis zum 18. Januar 2004 täglich von 10 bis 17:40 Uhr zum Preis von 4 Pfund zu sehen.

Tate Britain
Millbank
UK-London SW1P 4RG

Telefon: +44 (0)20 - 78 87 80 00
Telefax: +44 (0)20 - 78 87 80 08

Kontakt:

Tate Modern

Bankside

GB- London SE1 9TG

Telefon:+44 (020 ) 7887 8008



30.11.2003

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Dubravka Vivoda

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Grayson Perry, Golden Ghosts, 2001
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Jake and Dinos Chapman, Insult to Injury 2003, Sex 2003, Death 2003
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Anya Gallaccio, preserve ‘beauty’,  1991-2003
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Willie
 Doherty, Re-Run, 2002
Willie Doherty, Re-Run, 2002

Künstler:

Willie Doherty

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Dinos Chapman

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Grayson Perry, Golden Ghosts, 2001

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Anya Gallaccio, preserve ‘beauty’,  1991-2003

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Willie Doherty, Re-Run, 2002

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