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Das Vitra Design Museum stellt unbekannte Seiten des Bauhausmeisters vor

Architektur und Design Marcel Breuers



Marcel Breuer, Saint John's Abtei und Universitätskomplex, Collegeville, Minnesota, ca. 1961

Marcel Breuer, Saint John's Abtei und Universitätskomplex, Collegeville, Minnesota, ca. 1961

Für den Kunstinteressierten beginnt die erste Begegnung mit dem Architekten Marcel Breuer meist in New York. Erstaunt mag so mancher Museumstourist feststellen, dass das Whitney Museum of American Art von einem Mann geplant wurde, der in Europa als Möbeldesigner und "Erfinder des Stahlrohrmöbels", nicht aber als Baumeister breite Reputation genießt. In den USA wiederum ist Breuer als Designer nahezu unbekannt. Hier gilt er als einer der ganz großen Architekten der 1950er, 1960er und 1970er Jahre.



Erst recht nach dem Aufspüren und dem Erwerb des Breuer-Archivs von seinem einstigen Geschäftspartner Anton Lorenz durch die Firma Vitra lag es nahe, im Rahmen einer Ausstellung erstmals gleichberechtigt Architektur und Design des weltweit agierenden Künstlers zu präsentieren. Neben der Würdigung der Gesamtleistung sollte auch der Stellenwert beider Disziplinen sowie Verknüpfungen und Korrespondenzen analysiert werden. Herausgekommen bei einem solch anspruchsvollen Vorhaben ist eine hochkarätige Ausstellung, die sich nicht nur durch einen hohen wissenschaftlichen Anspruch nebst exzellenter didaktischer Präsentation auszeichnet. Unter Vermeidung jeglicher Überfrachtung und in Abkehr üblicher Detailversessenheit bringt sie das Werk präzis in seinen wesentlichen Facetten und Entwicklungsstadien anhand instruktiver, neu angefertigter Pläne, Modelle und Fotos eindrucksvoll auf den Punkt. Wohl noch nie war im komplizierten Gehry-Bau in Weil am Rhein eine so maßgeschneiderte wie erkenntnisreiche Ausstellung zu sehen, die ein Genuss für jeden Besucher sein dürfte.

Die Ausstellung beginnt im Obergeschoss mit der Vorstellung der vier von Marcel Breuer entworfenen Kirchen. In St. John’s, seinem ersten Kirchenbau aus den Jahren 1953 bis 1968 in Minnesota, nutzte er den Vorteil von gefalteten Betonwänden, um einen gewaltigen Raum stützenfrei zu überspannen. In den beiden nachfolgenden Kirchen St. Mary in North Dakota und St. Francis de Sales in Michigan beanspruchte er die komplexe räumliche Figur des hyperbolischen Paraboloids (konkav-konvexer Schalenkonstruktionen). Die letzte, zum Kloster Baldegg in der Schweiz gehörende Kirche aus den Jahren 1968 bis 1972, wirkt mit ihrem aus kräftigen Betonbalken gefertigten Raumtragwerk fast schon konventionell.

Allen mit jeweils anderen Konstruktionsformen überspannten Gottesdiensträumen ist eine monumentale Körperhaftigkeit zu eigen, die zur Entwicklung einer starken Präsenz der Kirchen führt. Mit ihren Aushöhlungen, Einschnitten oder Überstülpungen stellen sie zudem scharfkantige Solitäre dar. Die geschlossenen Volumina überzeugen durch ihre Proportionen und funktionalen Qualitäten. Dies gilt auch für die vier weiteren im Obergeschoss exemplarisch präsentierten voluminösen Großbauten mit ihren skulpturalen Qualitäten. Auch das 1955 bis 1957 erbaute Bijenkorf-Kaufhaus im niederländischen Rotterdam, der Vorlesungssaal "Begrisch Hall" der New Yorker Universität von 1959 bis 1961, das schon erwähnte Whitney Museum of American Art in New York von 1964 bis 1966, sowie die Central Public Library in Atlanta, die als Objekt aus den Jahren 1977 bis 1980 schon zum Spätwerk zählt.

Das Whitney Museum zählt jedoch zu seinen markantesten Bauwerken und markiert den Höhepunkt seiner internationalen Architektenkarriere. Der skulpturale Umgang mit Beton entwickelte sich zu seinem Markenzeichen, das Breuer wegen seiner Formbarkeit und Massivität schätzte. Das Auffallende am Museum ist die dreifach nach unten gestufte Hauptfassade, durch die Raum für den unter Straßenniveau liegenden Skulpturenhof geschaffen wird. Da alle insgesamt zwölf vorgestellten Bauten in neu angefertigten, maßstabgerechten Modellen und Plänen präsentiert werden, ist eine präzise Vergleichbarkeit gewährleistet. Weitere bekannte Werke Breuers, darunter die Unesco-Zentrale in Paris (1952-58), die ihm zum internationalen Durchbruch verhalf, oder das IBM-Forschungszentrum im französischen La Gaude (1960-62) konnten aus Platzgründen nicht behandelt werden.

Der zweite Raum ist den Einfamilienhäusern gewidmet. Sie gelten heute als der wichtigste Beitrag Breuers zur Architektur. Mit Sicherheit hat er sich dieser Bauaufgabe so intensiv wie kaum ein anderer bedeutender Architekt der Moderne gewidmet. Bereits seine ersten architektonischen Arbeiten noch während der Zeit am Bauhaus galten dem Thema Wohnhaus. Auch sein erster realisierter Bau gehört in diese Kategorie. Aus der kaum noch zu überbietenden Fülle der Einfamilienhäuser können vier Grundtypen isoliert werden, denen sich ein überwiegender Teil seiner Arbeiten auf diesem Sektors mehr oder minder eindeutig zuordnen lässt. Zwei der präsentierten Objekte hat Breuer für sich selbst entworfen. Sein erstes, 1938 bis 1939 in Lincoln errichtetes Heim gehört zum Typus der Mehrebenenhäuser, bei dem die Wohnräume auf verschiedenen Ebenen platziert sind und miteinander in Verbindung stehen.

Breuers zweites eigenes Privathaus erbaute er 1947 bis 1948 in New Canaan, Connecticut. Es gehört zum Typus der Einboxenhäuser und stellt ein Langhaus mit einer auffällig linearen Grundrisslösung dar. Zum Typus des Zweizellenhauses zählt wiederum das 1946 bis 1948 in Williamsborn, Massachusetts, errichtete Anwesen, dessen Kennzeichen die Zweiteilung des Grundrisses in einen öffentlichen Bereich mit Wohnräumen und Küche sowie einen privaten Bereich mit Schlafzimmern und Bädern ist. Ein komplexes, vielfältiges Raumprogramm bieten die großen Villen für ein wohlhabendes Klientel. Zu diesen späten Villen gehört das Haus Staehelin, das 1956 bis 1959 in der Nähe von Zürich realisiert wurde. Neben den von Breuer speziell entwickelten Grundrisslösungen zählen die Materialwahl und die Überlegungen zum Verhältnis von Innen- und Außenraum zu den bemerkenswertesten Eigenschaften, mit denen er sich im Gegensatz zu anderen Meistern der Moderne deutlich abgrenzte. Seine Häuser wirken intim, sind wenig repräsentativ, stellen den architektonischen Gestaltungsvillen nicht über die Bedürfnisse der Bewohner und besitzen einen informellen Charakter. Formelle Klarheit und Konsequenz gehen aber nie auf Kosten der Wohnlichkeit. Dies mag ihre Wirkung und Beliebtheit erklären.

Im dritten Abschnitt gelangt man zum Möbeldesigner Breuer. Dieses Metier stand zu Beginn der Laufbahn des am 22. Mai 1902 in Ungarn geborenen Juden Marcel Lajos Breuer im Zentrum des Schaffens. Nach dem Abitur und einem Praktikum in einem Wiener Architekturbüro bewarb er sich beim Weimarer Bauhaus. Hier absolvierte er 1920 bis 1923 eine Ausbildung in der Tischlerei. Während dieser Zeit entstanden zahlreiche Entwürfe, darunter Möbel für das Haus Sommerfeld und der berühmte Holzlattenstuhl im Jahr 1922. Ein Jahr später ist Breuer mit einigen Möbeln an der Bauhausausstellung "Haus am Horn" in Weimar vertreten. Dazu steuert er sein Gesellenstück bei, einen Toilettentisch, der nach seiner fragmentarischen Wiederauffindung im Jahr 2002 erstmals wieder gezeigt wird. Diese anmutige konstruktivistische Kleinarchitektur weist ebenso enge stilistische Verbindungen zur niederländischen de Stijl-Bewegung auf wie sein berühmter Lattenstuhl.

Breuers zentraler Beitrag zur Designgeschichte aber bleibt die Erfindung des Stahlrohrmöbels. Die epochale Bedeutung seiner Idee, dieses Material für die Möbelherstellung zu nutzen, lässt sich kaum überschätzen. Stahlrohr wurde im Möbeldesign zum Material der Moderne schlechthin. Perfekt entsprach es der in den 1920er Jahren zum Leitbild der Gestaltung ausgerufenen Maschinenästhetik. Es stand für Technik, Industrie, Serie, Standart, Funktionalität und Hygiene - für zentrale Begriffe und Werte der internationalen modernen Bewegung. Die ersten Stahlrohrmöbel, darunter der heute als "Wassily" bekannte Clubsessel B 3 und der Hocker B 9 fertigte Breuer um 1925 in Zusammenhang mit dem Auftrag zur Ausstattung des neuen Bauhausgebäudes in Dessau.

Die im letzten Raum präsentierten Aluminiummöbel aus den Jahren 1933 bis 1934 wurden, kommerziell betrachtet, ein Misserfolg. Im Jahre 1935, nach der Übersiedlung nach England, begann er seine Arbeit mit gebogenem Schichtholz. Die organisch fließenden Linienführungen stellen eine Nähe zu den Möbeln von Alvar Aalto her, mit dem Breuer in intensiven fachlichen Diskussionen stand. Die Schichtholzmöbel sind auch ein Beweis für die innovative Experimentierfreude des Künstlers sowie seine Fähigkeit, die konstruktiven Möglichkeiten, die einem bestimmten Material innewohnen, zu erkennen und nach umsetzbaren Lösungen zu suchen. Konstruktionen und Materialien fanden immer Breuers Interesse. Sein Gespür hierfür findet sich sowohl bei seinen Möbel- als auch den Architekturentwürfen. Eine zweite Klammer zwischen Design und Bauen stellen die Motive dar, wobei sein Faible für Auskragungen überall offensichtlich wird. Ähnliches lässt sich auch von horizontalen Bändern beziehungsweise liegenden Rechtecken sagen, die als markantes Gestaltungselement sowohl für Möbel, Interieurs als auch für Gebäude prägend und charakteristisch sind. Auch die Texturen nutzte Breuer überall, um große Flächen zu gliedern und zu beleben. Er griff in der Regel auf einfache, geometrisch bestimmte Muster zurück. Streifenmuster ziehen sich durch sein gesamtes Schaffen. Die kubistische, kristalline Formensprache seiner Betonbauten entwickelte er erst in den 1950er Jahren.

Von England emigrierte er 1937 in die USA und betrieb bis 1941 mit Walter Gropius ein Architekturbüro. Dieser verschaffte Breuer auch eine Professur an der Harvard University. Nach der Aufgabe der Lehre 1946 widmete sich Breuer nun ganz der Architektur. 1948/49 organisierte das Museum of Modern Art in New York eine Wanderausstellung über Breuer, der im Museumsgarten ein Musterhaus aufstellte. Die Schau lockte mehrere zehntausend Besucher an.

Breuer hatte im Designsektor das Glück, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Die Zeit für neue Ideen und Experimente war günstig. Gänzlich unbelastet von Traditionen und Vorbildern ging der 23jährige ans Werk und schuf die ersten Stahlrohrmöbel, die den Zeitgeist artikulierten. Im Bereich der Architektur jedoch kam er zu spät. Als er 1932 mit dem Haus Harnischmacher in Wiesbaden endlich seinen lang ersehnten ersten Bau realisieren konnte, waren Ikonen der Moderne wie der Barcelona-Pavillon oder die Villa Savoye schon erbaut. Ihre im Vergleich zu Breuer eine Generation älteren Schöpfer hatten sich bereits als Meister der modernen Architektur etabliert. Diesen Nachteil konnte Breuer nie ausgleichen. Er schuf keinen Bau von so epochaler Bedeutung, wie es sein "Wassily"-Sessel war. In der Baukunst zählt er lediglich zu den Meistern der Nachkriegsmoderne. 1976 zog er sich krankheitsbedingt aus dem Berufsleben zurück. Am 1. Juli 1981 starb er in New York.

Die Ausstellung "Marcel Breuer - Design und Architektur" ist noch bis zum 25. April 2004 zu besichtigen. Geöffnet ist Dienstag bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr. Der Eintritt beträgt 5,50 Euro, ermäßigt 4 Euro. Der umfangreiche und fundierte Katalog, dem leider nur ein Register fehlt, hat 448 Seiten und kostet 39,90 Euro.

Kontakt:

Vitra Design Museum

Charles-Eames-Straße 1

DE-79576 Weil am Rhein

Telefax:+49 (07621) 702 35 90

Telefon:+49 (07621) 702 32 00

E-Mail: info@vitra.com



22.09.2003

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Marcel Breuer im Wassily-Sessel (B3), ca. 1926
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Marcel Breuer, Saint John's Abtei und
 Universitätskomplex, Collegeville, Minnesota, ca. 1961
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Marcel Breuer, Musterwohnung in der Schweizer Werkbundsiedlung "Neubühl", Zürich, um 1934

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Marcel Breuer, Lattenstuhl ti 1a, 1924
Marcel Breuer, Lattenstuhl ti 1a, 1924

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Marcel Breuer, Haus Staehelin, Feldmeilen, Schweiz, 1957-58
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Marcel Breuer, Haus Breuer II, New Canaan, Connecticut, 1947-48
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Marcel Breuer, Einrichtung des Wohnzimmers im Haus am Horn, Weimar, 1923
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Marcel Breuer im Wassily-Sessel (B3), ca. 1926

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Marcel Breuer, Einrichtung des Wohnzimmers im Haus am Horn, Weimar, 1923

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Marcel Breuer, Kirche St. Francis de Sales, Muskegon, Michigan, 1964-66

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Marcel Breuer, Begrisch Hall auf dem Campus

Marcel Breuer, Begrisch Hall auf dem Campus 'University Heights' der New York University, New York, 1967-70

Marcel Breuer, Atlanta Central Public Library, Atlanta, Georgia, 1977-80

Marcel Breuer, Atlanta Central Public Library, Atlanta, Georgia, 1977-80

Marcel Breuer, Annunciation Priory of the sisters of St. Benedict, Bismarck, North Dakota, 1961-63

Marcel Breuer, Annunciation Priory of the sisters of St. Benedict, Bismarck, North Dakota, 1961-63

Marcel Breuer, Whitney Museum of American Art, New York, New York,1964-66

Marcel Breuer, Whitney Museum of American Art, New York, New York,1964-66




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