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Am Badestrand / Otto Pippel

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Kentaur, 1891/93 / Franz von  Stuck

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© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


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Stehender Mädchenakt vor Rot, 1954 / Karl Hofer

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Resultate: Alte Kunst bei Lempertz

Trügerische Fülle



Ferdinand Brütt, An der Börse, 1888

Ferdinand Brütt, An der Börse, 1888

Der reichlich gedeckte Tisch, den die Magd vor den Augen des Betrachters drapiert, ist von einer trügerischen Fülle. Denn Georg Flegel hat in die Mitte seines Stilllebens mit Geflügel, Fisch, einer Gemüsetorte, Kirschen, Zitronenscheiben, Käse, Brot und Wein den Schädel eines toten Tiers platziert, der trotz des verlockenden Aufmarschs hervorragender Speisen an die Vergänglichkeit des Lebens gemahnt. Ähnliches wird auch Henrik Hanstein, Chef des Kölner Versteigerers Lempertz, nach seiner letzten Auktion mit „Alter Kunst“ verspürt haben. Ging doch der Flegel mit einer Schätzung von 350.000 bis 400.000 Euro als Highlight ins Rennen und wurde auf der Auktion unter Vorbehalt zugeschlagen. Doch Käufer und Verkäufer konnten sich über den Preis nicht einigen. Und die gemalte Fülle wurde nicht zu Geld gemacht.



Auch das übrige Ergebnis fiel nicht besser aus. Den Besitzer wechselten 202 der 519 Lose. Die Zuschlagsquote lag bei geringen 39 Prozent. Und wurden im vergangenen Frühjahr mit der Hälfte der angebotenen Positionen noch netto 1,86 Millionen Euro umgesetzt, kamen diesmal nur 1,75 Millionen Euro zusammen. Gerade in den höheren Preiskategorien gab es einige Ausfälle. Neben Flegels Stillleben fanden sich auf der Rückgangsliste vor allem die Alten Meister ein, darunter die „Mater Omnium“ des Florentiners Apollonio di Giovanni, ein Tondo mit der Muttergottes und einem fülligen Jesusknaben umgeben von zwei Engel (Taxe 100.000 bis 120.000 EUR), die Johannesschüssel von Aelbert Bouts aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhundert mit dem abgeschlagenen Haupt Johannes des Täufers (Taxe 80.000 bis 100.000 EUR) oder David Teniers „Versuchung des Hl. Antonius“ (Taxe 80.000 bis 100.000 EUR).

Auch Aert van der Neers „Weite Flusslandschaft bei Sonnenuntergang“ (Taxe 150.000 bis 200.000 EUR), Adam van Breens „Holländische Winterlandschaft mit Eisläufern und Kolfspielern“ von 1617 (Taxe 90.000 EUR), das mit weißen und blauen Blüten von Rosen, Schneeball, Lilie, Akelei und Mohn effektvoll beleuchtete „Blumenstillleben“ von Nicolaes van Veerendael (Taxe 80.000 bis 100.000 EUR), das Gemäldepaar einer weißen und einer braunen Kuh in idyllischer Landschaft von Jakob Philipp Hackert (Taxe 38.000 EUR) und das fein nuancierte Blumen- und Früchtestillleben von Emilie Preyer (Taxe 40.000 EUR) stießen auf keine Gegenliebe.

So nahm das dreiteilige Altarretabel mit zentraler „Anbetung der Könige“ und flankierender „Verkündigung“ und „Ruhe auf der Flucht“ des Antwerpeners Jan van Dornicke den ersten Platz auf der Ergebnisliste ein. Ein deutscher Sammler sicherte sich das Werk aus dem frühen 16. Jahrhundert zur unteren Schätzung von 120.000 Euro. Ein Telefonbieter lies sich von der „Jungen Frau mit Perlenschmuck“ des Ferdinand Bol verzaubern und gab dafür 54.000 Euro aus (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR). Einen weiten Sprung von 15.000 auf 36.000 Euro tat die von vielen Seiten umworbene „Götterversammlung“ des süddeutschen Barockmalers Johann Heiss, während sein „Tod der Dido“ sich bei 21.000 Euro festbiss (Taxe 30.000 EUR).

Um 1.000 Euro verbesserte sich die „Geburt Mariens“ eines süddeutschen Meisters vom Ende des 15. Jahrhunderts. Die Tafel mit Ansätzen einer Zentralperspektive kam auf 31.000 Euro. Die Szene mit der „Rast am Brunnen“ von Gérard de Lairesse, die wohl auf antike Poesie zurückgeht, brachte 29.000 Euro ein (Taxe 35.000 bis 40.000 EUR). Und Joost Cornelisz Droochsloots “Dorfprügelei” fand genau zur Schätzung von 25.000 Euro ein neues Heim.

Besser erging es den Skulpturen. Hier wurden 20 der 37 Positionen umgesetzt. Eine um 1470/80 in Wien gefertigte Hl. Barbara in der Nachfolge des Niclas Gerhaert van Leyden verfehlte mit 62.000 Euro knapp die Schätzung von 65.000 Euro, wurde aber dennoch das teuerste Los des Abschnitts. Ein Objekt, das in der Gunst der Bieter lag, war der hyperrealistisch geschnitzte „Geschundene Marsyas“. Die spanische Elfenbeinarbeit aus dem zweiten Drittel des 17. Jahrhunderts steigerte sich von 11.000 auf 24.000 Euro. Eine mittelrheinische „Pieta“ um 1450 aus gebranntem Ton und Holz mit Resten einer alten Fassung lag mit 22.000 Euro ebenso im Rahmen der Erwartung (Taxe 21.000 EUR) wie die „Madonna mit Kind“ um 1480/90 des Domenico da Tolmezzo aus Udine mit 18.000 Euro (Taxe 22.000 EUR).

Bei den Zeichnungen legte die Gouache mit dem Blick auf den Canale Grande mit der Rialtobrücke von Giacomo Guardi von 3.000 auf 8.800 Euro zu. Kurz zuvor kletterte schon der „Raub der Sabinerinnen“, ein Blatt mit schwarzer Feder, Kreide und grauer Lavierung eines französischen Künstlers um 1780, von 2.600 auf 4.200 Euro. Begehrt war auch eine Figurenstudie aus dem Umkreis des Jacopo Negretti, genannt Palma il Giovane, die die Bieter von 400 auf 4.600 Euro hochtrieben. In der Nähe ihrer Erwartungen platzierten sich die locker gezeichneten „Brigg und kleinere Boote bei Windstille, Willem van de Velde d.Ä. zugeschrieben, mit 6.500 Euro (Taxe 6.200 EUR) und Peter Birmanns „Eingang in die Villa des Maecenas“ mit 6.000 Euro (Taxe 6.500 EUR), während dessen eindrucksvollerer „Blick aus dem Nymphäum auf den Albanersee und den Monte Cavo“ bei taxierten 12.000 Euro ohne Beachtung blieb. Trotz lokalen Bezugs schaffte es der „Blick auf Köln vom Deutzer Ufer aus“, den Carl Rüdell in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als Aquarell festhielt, nur auf 8.500 Euro (Taxe 9.000 EUR). Dagegen stritten sich zwei Telefone um die reichlich ornamental gerahmte „Waldnymphe“ von Adolf Schroedter aus dem Jahr 1854 und verhalfen ihr schließlich zu 8.200 Euro (Taxe 2.600 EUR).

Bei den Gemälden Neuer Meister gab es trotz der niedrigen Zuschlagsquote von 36 Prozent einige schöne Ergebnisse. Star des Abschnitt wurde das Gemälde „An der Börse“ von Ferdinand Brütt, dem Gesellschaftsmaler der Gründerzeit. Das Bild stellt die im Krieg zerstörte Börse, den sogenannten Börsenbazar, in München dar. Als Sieger beim Bietgefecht im Saal und am Telefon ging ein westfälischer Sammler hervor, der das 1888 entstandene, mit 40.000 bis 50.000 Euro bewertete Werk bei 112.000 Euro übernahm und damit einen Auktionsrekord für Brütt aufstellte. Der letzte Rekord liegt weit abgeschlagen bei 14.000 Mark und wurde 1990 ebenfalls bei Lempertz erzielt. Hitzig ging es auch bei Franz von Defreggers „Zitherspielendem Mädchen“ zu, die schließlich bei 46.000 Euro, dem Dreifachen der Taxe, erlöst wurde. Und sein zweites Werk, die „Junge Bäuerin mit einem Bierkrug am Wirtshaustisch sitzend“, lockte bei gleicher Bewertung die Bieter auf 21.000 Euro.

Für 65.000 Euro übernahm ein süddeutscher Händler die „Schweizer Alpenlandschaft mit der Jungfrau“ von Johann Wilhelm Schirmer (Taxe 40.000 bis 45.000 EUR). Von Goethes Hymnus „Der Wanderer“ ließ sich Franz Ludwig Catel zu einer idealisierten, empfindsamen Darstellung des Golfs von Neapel hinreißen, die die im Katalog angeführten 50.000 Euro mit 48.000 Euro knapp verfehlte. Oswald Achenbachs heraufzeihendes Gewitter in der abendlichen Campagna ließ die Gebote von 30.000 auf 37.000 Euro klettern. Alexander Koesters typische „Acht ruhende Enten“ versprühten wieder einmal ihre Reize bei 42.000 Euro (Taxe 40.000 bis 50.000 EUR). „Das Dankopfer Noahs“ von Johann Michael Wittmer aus den 1840er Jahren, eine Wiederholung der Komposition seines Schwiegervaters und Lehrers Joseph Anton Koch, ließ sich nur mit 40.000 Euro umwerben (Taxe 50.000 EUR). Und auch Eduard von Grützners mit Verzückung gemalter „Hl. Ottmar von St. Gallen“ erreichte mit 27.000 Euro die in ihn gesetzten Hoffnungen nicht vollständig (Taxe 28.000 EUR). Dafür schnellte Hugo Mühligs geruhsame Szene „Nach der Herbstjagd“ von 20.000 auf 47.000 Euro.

Alle Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Kunsthaus Lempertz

Neumarkt 3

DE-50667 Köln

Telefon:+49 (0221) 92 57 290

Telefax:+49 (0221) 92 57 296

E-Mail: info@lempertz.com



30.07.2003

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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17.05.2003, Alte Kunst

Bei:


Kunsthaus Lempertz

Bericht:


Trügerische Fülle

Kunstwerk:

Franz von Defregger, Zitherspielendes Mädchen, 1894
Franz von Defregger, Zitherspielendes Mädchen, 1894

Kunstwerk:

Giacomo
 Guardi, Venezianische Vedute
Giacomo Guardi, Venezianische Vedute

Kunstwerk:

Nachfolge des Niclas Gerhaert von Leyden, Hl. Barbara, Wien, um 1470/80
Nachfolge des Niclas Gerhaert von Leyden, Hl. Barbara, Wien, um 1470/80

Kunstwerk:

Johann Heiss,
 Götterversammlung
Johann Heiss, Götterversammlung

Kunstwerk:

Jan van Dornicke, Triptychon
Jan van Dornicke, Triptychon

Kunstwerk:

Ferdinand Brütt, An der Börse, 1888
Ferdinand Brütt, An der Börse, 1888







Giacomo Guardi, Venezianische Vedute

Giacomo Guardi, Venezianische Vedute

Taxe: 3.000,- EURO

Zuschlag: 8.800,- EURO

Losnummer: 1226

Johann Wilhelm Schirmer, Schweizer Alpenlandschaft mit der Jungfrau

Johann Wilhelm Schirmer, Schweizer Alpenlandschaft mit der Jungfrau

Taxe: 40.000 - 45.000 EURO

Zuschlag: 65.000,- EURO

Losnummer: 1480

Franz von Defregger, Zitherspielendes Mädchen, 1894

Franz von Defregger, Zitherspielendes Mädchen, 1894

Taxe: 15.000,- EURO

Zuschlag: 46.000,- EURO

Losnummer: 1379

Jan van Dornicke, Triptychon

Jan van Dornicke, Triptychon

Taxe: 120.000 - 130.000 EURO

Zuschlag: 120.000,- EURO

Losnummer: 1079

Johann Heiss, Götterversammlung

Johann Heiss, Götterversammlung

Taxe: 15.000,- EURO

Zuschlag: 36.000,- EURO

Losnummer: 1060

Nachfolge des Niclas Gerhaert von Leyden, Hl. Barbara, Wien, um 1470/80

Nachfolge des Niclas Gerhaert von Leyden, Hl. Barbara, Wien, um 1470/80

Taxe: 65.000,- EURO

Zuschlag: 62.000,- EURO

Losnummer: 1173




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