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Carl Spitzweg. Reisen und Wandern in Europa und der Glückliche Winkel im Haus der Kunst in München

Nur Reisen ist Leben, wie umgekehrt das Leben Reisen ist



Carl Spitzweg, Der Kaktusliebhaber

Carl Spitzweg, Der Kaktusliebhaber

War es für die Künstler und Humanisten früherer Jahrhunderte ein einmaliges Unterfangen, auf die „Grand Tour“ - die obligatorische Bildungsreise - zu gehen, so wurde das Reisen und Wandern für Carl Spitzweg zum bestimmenden Moment seines Œuvres. Unter diesem Aspekt wird sein Werk im Münchener Haus der Kunst mit rund 200 Gemälden und 80 Zeichnungen präsentiert, wobei erstmalig amerikanische Sammler mit einbezogen werden. Zahlreiche bisher unbekannte Exponate sowie neu aufgefundene Briefe und Tagebucheintragungen haben zu einer Neubewertung geführt. Ein umfangreiches Werkverzeichnis liegt nun vor.



Ob ins Münchner Umland, nach Süddeutschland oder nach Österreich, in die Schweiz, nach Italien oder in Großstädte wie Paris, London und Brüssel: Immer wieder packte Carl Spitzweg das Reisefieber, das er sich als wohlhabender Sohn eines Großkaufmanns und später mit seinen Auftragsarbeiten auch leisten konnte. Obwohl er sein Pharmaziestudium 1832 mit Auszeichnung absolvierte, entschloss er sich bereits ein Jahr später Maler zu werden. Fortan durchwanderte er in Tagestouren Süddeutschland, Oberbayern und die Frankenländer. Längere Touren führten ihn bis nach Rom und Neapel. Besonders begeistert war er von Venedig, das er insgesamt 16 Mal besuchte.

Meist war er allein unterwegs, reiste aber auch gern in Gesellschaft, wie in zahlreichen Tagebucheinträgen, Briefen und den Notizen in seinen Skizzenbüchern zu lesen ist. Mit seinem Bruder durchwanderte er die Schweiz, mit dem Malerfreund Eduard Schleich dem Älteren reiste er durch Italien, nach Pommersfelden, Leipzig, Dresden, Berlin; mit beiden zusammen reiste er zur Industrieausstellung 1851 nach Paris.

Als bevorzugtes Transportmittel nutzte der Maler die Postkutsche, zwischen 1852 und 1860 fast durchgängig. Liebevoll wird sie von ihm als Symbol der „guten alten Zeit“ verklärt. Motivisch spiegelt sich dieser Hang zur Nostalgie in den Bildern „Abschied“, „Ankunft der Postkutsche“ und „Ein Wiedersehen“ wieder.

Wie sehr das Reisen und Wandern das gesamte Werk Carl Spitzwegs dominiert, ist in elf Pavillons der Ausstellung nachzuvollziehen, in denen der Besucher auf Spitzwegs Pfaden „wandern“ kann: Originalkarten mit eingezeichneten Routen dokumentieren die große Abenteuerlust des künstlerischen Autodidakten, der seine Anregungen und Bildthemen unterwegs fand und in Skizzen festhielt. Diese dienten ihm später als Vorlage für Gemälde, wobei er die Motive häufig variierte und die Themen über Jahre hinweg weiterentwickelte. So z. B. bei dem Motiv Der ewige Hochzeiter, das Carl Spitzweg während seiner Bernreise in verschiedenen Ausschnitten festhielt, zehn Jahre später in veränderter Form wieder aufgriff.

Immer wieder sind es Momente des Alltags, die von Spitzweg liebenswürdig verklärt wurden: waren es in der Schweiz zahlreiche Einsiedler, die ihn für über 40 Jahre motivisch anregten, so waren es in Italien das Alltagsleben auf den Straßen und die Landschaft, die ihn faszinierten. Venezianische Straßensänger wurden in einer flüchtigen Situation spontan gezeichnet, der typische Moment einer Zollkontrolle, Burgruinen, arkadische Landschaften, badende Frauen, Gebirgsschluchten und Sennerinnen: all dies spiegelt die ungebremste Reiselust Spitzwegs wider. In dem Themenzyklus „Fahrendes Volk“ werden Zigeuner und Marketenderinnen im malerischen Stil der Schule von Barbizon vorgestellt; in den italienischen Landschaftsbildern ist der Einfluss französischer Meister wie Francois Millet und Nicolas Poussin an der Komposition und Farbgebung abzulesen. Und auch was die Technik anbelangt, ließ sich Carl Spitzweg von französischen Landschaftsmalern, die er in Rom kennengelernt hatte, inspirieren.

Obschon unermüdlich auf Reisen, beobachtete Carl Spitzweg die politische Situation in Europa sehr genau. Die durch die Revolution in Frankreich bedingte Machtverschiebung spiegelte sich in den Kleinstaaten Europas wider und führte zu unzähligen „Privatarmeen“, die über Städte und Dörfer Wache hielten und viele Motive boten. So sind zahlreiche Reisen zu Festungen belegt, die Carl Spitzweg separat oder mit anderen Reisen zusammen plante, wie z. B. die Bastion Rothenberg vor Nürnberg, die Festungen Ingolstadt, Regensburg, Kelheim, Burghausen, Prag, Salzburg, Triest, Kufstein, Verona, Freiburg und Würzburg.

In seinen Skizzenbüchern finden sich Anregungen für den Bildzyklus „Friede im Lande“, der 1836 durch innen- und außenpolitische Entwicklungen motiviert war. Der Fliegen fangende, strickende, schnupfende oder gähnende Landwächter erscheint bei Spitzweg als Sonderling, als isolierter Einsiedler-Soldat, als „Kriegswitwer“ oder bewaffneter Idylliker.

Ausgehend vom Fernweh der Romantik näherte sich Carl Spitzweg zunehmend den Bildthemen des Biedermeier. Mit zunehmendem Alter und eingeschränkter Mobilität fand er letztlich seinen „Glücklichen Winkel“, ein verborgenes, über drei Treppen zu erklimmendes Domizil in der Münchener Innenstadt. Von hier aus beobachtete er nun mit abgeklärtem Blick und ausgewogener Ironie das Treiben seiner städtischen Zeitgenossen frei nach dem Lebensmotto der von ihm so oft gemalten Eremiten: „Gut lebt, wer im Verborgenen lebt“.

Die Ausstellung „Carl Spitzweg. Reisen und Wandern in Europa und der Glückliche Winkel“ ist im Haus der Kunst in München täglich von 10 bis 22 Uhr bis zum 18. Mai zu sehen. Der Eintritt kostet 7 Euro, ermäßigt 5 Euro. Der Katalog koste 34,80 Euro, das im Belser Verlag erschienene Werkverzeichnis 368 Euro.

Kontakt:

Haus der Kunst

Prinzregentenstraße 1

DE-80538 München

Telefon:+49 (089) 21 12 70

Telefax:+49 (089) 21 12 71 57



20.03.2003

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Beate Noeke
Die Autorin ist Kunsthistorikerin und freie Journalistin in München

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Variabilder:

Carl Spitzweg, Der Kaktusliebhaber
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Variabilder:

Carl Spitzweg, Felsige Landschaft mit Kamelreiter und Begleitung, um
 1860
Carl Spitzweg, Felsige Landschaft mit Kamelreiter und Begleitung, um 1860

Variabilder:

Carl Spitzweg, Selbstbildnis Carl Spitzweg,um 1835
Carl Spitzweg, Selbstbildnis Carl Spitzweg,um 1835

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Carl Spitzweg, Mädchen im Gebirge (Sennerin mit Kopflast - Sennerin
 in der Waldschlucht - Heimkehr von der Alm), um 1860/65
Carl Spitzweg, Mädchen im Gebirge (Sennerin mit Kopflast - Sennerin in der Waldschlucht - Heimkehr von der Alm), um 1860/65

Künstler:


Carl Spitzweg







Carl Spitzweg, Felsige Landschaft mit Kamelreiter und Begleitung, um 1860

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Carl Spitzweg, Selbstbildnis Carl Spitzweg,um 1835

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Carl Spitzweg, Mädchen im Gebirge (Sennerin mit Kopflast - Sennerin in der Waldschlucht - Heimkehr von der Alm), um 1860/65

Carl Spitzweg, Mädchen im Gebirge (Sennerin mit Kopflast - Sennerin in der Waldschlucht - Heimkehr von der Alm), um 1860/65




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