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Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz

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Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

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Die Finalisten des Hugo-Boss-Prize: Koo Jeong-a

Kunst betrachten, heißt Kunst erschaffen



Koo Jeong-a, South, 2000

Koo Jeong-a, South, 2000

Koo Jeong-a, 1967 geboren und aufgewachsen in der hektischen Millionenstadt Seoul, lebt und arbeitet heute in der Seine-Metropole Paris. Vielleicht sind gerade deshalb ihre Kunstwerke kleine Inseln der Ruhe, wohltuend unspektakulär und alles andere als pompöse, grell farbige Großstadt-Kunst.



Eine dieser fast schon intimen Arbeiten ist die Installation "Oslo" aus dem Jahr 1998. Zunächst betritt der Besucher einen dunklen Raum, auf den erste Blick eine Sackgasse: von Kunst keine Spur. Man muss schon sehr genau hinsehen, um in der äußersten Ecke des Raumes den kleinen weißen Hügel zu entdecken. Wer sich nicht die Mühe macht und auf den Boden kniet, der findet nichts anderes als eine zu feinem Pulver zermahlene Kopfschmerztablette, die mit diffusem blauem Licht angestrahlt wird. Viele kluge Interpretationen werden dem wortgewandten, kunstsinnigen Großstädter auf der Zunge liegen: Aha, ein Konsumprodukt wird zu Kunst - kennen wir ja schon.

Wer sich jetzt umdreht und den dunklen Raum verlässt, der hat ein atemberaubendes Panorama verpasst, obwohl es direkt vor seinen Füßen lag. Bücken muss man sich, und schon wird aus dem kleinen Häufchen Pulver eine faszinierende Gletscherlandschaft - fast meint man feine Eiskristalle im bläulich schimmernden Schnee ausmachen zu können.

Koo Jeong-a spielt gekonnt mit den Erwartungen, die eine Gesellschaft, in der größer gleich besser auch für die ästhetische Wahrnehmung gilt, an Kunstobjekte stellt. So ist ihre im Jahr 2000 entstanden Installation "South" zunächst eine Backstube: In einem aufgeheizten Raum steht ein Tisch, darauf verteilt ist rote Erde wie bereits portionierter Keksteig. Einzige Irritation in der heimeligen Szene ist der Titel der Arbeit. Ein kluger Schachzug der Künstlerin, denn nichts irritiert den Kunstbetrachter mehr, als eine Beschreibung, die so gar nicht zu der eigenen Wahrnehmung passen will. Man muss den Tisch von oben betrachten, dann wird aus der Tischplatte eine weite Ebene, und aus dem Teig ein kleines afrikanisches Dorf mit roten Lehmhütten.

Dass Kunstwerke erst durch die Wahrnehmung des Betrachters entstehen, hat die Künstlerin während der Gruppenausstellung "Unfinished History", die 1998 im Walter Center in Minneapolis stattfand, bewiesen. Verborgen unter einer kleinen Hütte in einer Ecke der Galerie verbrachte sie fast die gesamte Ausstellung. Gegen Ende der Schau baute sie ihr Quartier wieder ab. Die Ecke war fast so leer wie zuvor. Aber eben nur fast: Den schmalen Spalt zwischen Boden und Wand hatte sie mit einem Streifen Pappmache ausgefüllt.

Auch hier greift das ständiges Spiel der Künstlerin mit der Wahrnehmung. Für schnell vorbei eilende Galeriebesucher ist der Streifen eine kaum zu beachtende Kleinigkeit, für Putzfrauen zu beseitigender Schmutz. Für Koo Jeong-a ist er hingegen der Beweis ihrer Anwesenheit. Eine Hinterlassenschaft wie die jener Steinzeitmenschen, die für uns unverständliche Zeichen auf den rauen Fels malten. So sind Koo Jeong-as Arbeiten auf den Betrachter angewiesen. Erst durch seine Wahrnehmung werden sie zu Kunstobjekten mit ständig wechselnder Bedeutung - oder eben auch nicht.

www.hugobossprize.com



16.10.2002

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Sonja Hausmanns

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Variabilder:

Koo Jeong-a, South,
 2000
Koo Jeong-a, South, 2000

Variabilder:

Koo Jeong-a, Oslo,
 1998
Koo Jeong-a, Oslo, 1998

Künstler:

Koo Jeong-a







Koo Jeong-a, Oslo, 1998

Koo Jeong-a, Oslo, 1998




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