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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Nicht alles, was das Dorotheum in Wien an Gemälden Alter Meister aufgefahren hatte, traf den Nerv der Sammler. Doch waren sie auch für einige gewinnbringende Überraschungen gut

Biblischer Inzest



Giovanni Francesco Guerrieri, Lot und seine Töchter

Giovanni Francesco Guerrieri, Lot und seine Töchter

Es ist schon eine seltsame Geschichte, die uns der Verfasser des Buches Genesis überliefert. Beim Gottesgericht über die Stadt Sodom bleibt Lot als einziger Gerechter übrig. Um der Strafe Gottes zu entgehen, flieht er mit seiner Familie aus dem brennenden Sodom, verliert dabei seine Ehefrau, weil sie gegen das Verbot der Engel zurückblickt und zur Salzsäule erstarrt, und bleibt allein mit seinen Töchtern im Gebirge zurück. Da kein weiterer Mann vorhanden ist, machen sie ihren Vater trunken, legen sich zu ihm und werden schwanger. Aus dieser Verbindung entspringen die Söhne Moab und Ben-Ammi, die Stammväter der Völker der Moabiter und Ammoniter. Nach der historisch-kritischen Exegese ist dies eine polemische Herkunftssage zu den beiden mit den Israeliten verfeindeten Nachbarvölkern. Vor allem die Szene mit Lots Töchtern hat die Künstler seit dem Mittelalter zu bildlichen Darstellungen beflügelt, so auch Giovanni Francesco Guerrieri in den ersten Jahrzehnten des 17. Jahrhunderts. Er hat daraus ein Nachtstück gemacht, in dem die beiden jungen, kostspielig gekleideten Frauen Wein in eine Schale gießen und sie ihrem Vater reichen. Geschickt hat Guerrieri nur eine Öllampe als Lichtquelle am Boden aufgestellt, die das Trio effektvoll mit Schlaglicht erleuchtet und große Schattenpartien ausweist. Die Qualität der Malerei erkannten die Käufer im Dorotheum, verdoppelten den Wert von Guerrieris Gemälde auf 380.000 Euro und verhalfen ihm so zum Rekordpreis.


Bei der Auktion mit Gemälden Alter Meister des Wiener Versteigerers waren weitere Bilder mit starker Hell-Dunkel-Kontrastierung à la Caravaggio gefragt, etwa Domenico Fiasellas nur von einer Kerze erhellte „Verspottung Christi“ für 60.000 Euro oder Jusepe de Riberas vor dunklem Fond hell und fahl aufscheinender „Ecce Homo“ für 100.000 Euro jeweils an der unteren Schätzgrenze. Mehr Interesse rief Riberas etwas gemäßigtere Heiligendarstellung „Der heilige Franz von Paola“ hervor, die mit 160.000 Euro ihre Wertvorstellungen um 10.000 Euro übertraf. Eine wichtige oberitalienische Stiftung konnte sich Artemisia Gentileschis energische „Judith und ihre Dienerin mit dem Haupt des Holofernes“ aus den späten 1630er Jahren schon bei 280.000 Euro sichern (Taxe 300.000 bis 400.000 EUR). Mehr Kauflaune weckte da Nicolas Régnier mit seinem vornehmen „Brustbild eines Edelmanns als Aeneas“ mit einem goldenen Lorbeerzweig und rotem Umhang bei 190.000 Euro (Taxe 120.000 bis 180.000 EUR).

Doch nicht alle Caravaggisten fanden im Dorotheum den Absprung. Dazu gehörten etwa Mattia Pretis „Apostel“ mit Stab und Buch im verlorenen Profil (Taxe 200.000 bis 300.000 EUR) oder Simon Vouets büßende Maria Magdalena in ungesunder, fast grüner Hautfarbe (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR). Weitere hohe Ausfälle am 8. Juni waren Luca Giordanos barock bewegter „Raub der Proserpina“ um 1688/90 (Taxe 180.000 bis 220.000 EUR) oder Giovanni Francesco Barbieris verzwickte Liebesgeschichte von „Rinaldo und Armida“ nach Torquato Tassos Heldenepos „La Gerusalemme liberata“. Die Leinwand aus den späten 1650er Jahren brachte 2010 im Dorotheum schon einmal 900.000 Euro, jetzt fiel sie bei 400.000 bis 600.000 Euro durch. Das selektive Kaufverhalten spiegelt sich auch in der Verkaufsrate nach Losen wider: Bei der Versteigerung ging nur die Hälfte der Gemälde weg, erst mit dem Nachverkauf erhöhte sich die Rate auf gute 60 Prozent.

Auf der anderen Seite gab es einige Überraschungen, so für ein figurenreiches Triptychon mit dem zentralen Jüngsten Gericht, der Verkündigung und der Geburt Christi samt Stiftern auf den inneren Seitenflügeln und den heiligen Bischöfen Cornelius und Hubertus auf der Außenseite. Das kleine Altarbild, das um 1500 in den südlichen Niederlanden oder am Niederrhein entstand, schnellte von 80.000 Euro auf 220.000 Euro. Gar von 60.000 Euro auf diesen Zuschlag legte das ganzfigurige Porträt Philipps II. von Spanien, den nach dem Tod des Monarchen ein Habsburger Hofmaler um 1600 in Rüstung und mit dem Orden vom Goldenen Vlies lebensgroß auf der Leinwand wieder aufleben ließ. Nicht ganz so rasant war mit 30.000 Euro auf 85.000 Euro der Anstieg für eine liebevolle Madonna mit Kind des Florentiner Renaissance-Meisters Davide Ghirlandaio oder von gleicher Basis auf 45.000 Euro für einen noch auf Goldgrund gemalten heiligen Papst Gregor den Großen seines eine Generation jüngeren Kollegen Defendente Ferrari.

Mit einem sechsstelligen Wert von 300.000 Euro behauptete sich das manieristische Ovalbild „Entführung der Helena“ des Raffael-Schülers Luca Penni, der vor allem am Hof in Fontainebleau tätig war und nur einen schmales Œuvre hinterlassen hat (Taxe 300.000 bis 400.000 EUR), gefolgt von Roelant Saverys feinem, voll erblühtem sowie symbolträchtigem Blumenstrauß in einer Nische um 1612 ebenfalls an der unteren Taxgrenze von 200.000 Euro. In der Mitte des Schätzrahmens platzierte sich Salvator Rosas erzählerisch angelegte „Predigt Johannes’ des Täufers“ um 1636/38 bei 100.000 Euro. Mit Abschlägen machten sich Pieter Breughels d.J. Genre-Tondo „Der dicke Bauer und der Händler“ bei 90.000 Euro (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR) und die „Zankenden Bauern beim Kartenspiel“ aus der Werkstatt Peter Paul Rubens’ bei 160.000 Euro zu ihren neuen Besitzern auf (Taxe 200.000 bis 300.000 EUR).

Von Jan Breughel d.J. reüssierte nur die vom blaugrünen Wasser dominierte Flusslandschaft mit Fähr- und Segelbooten bei 80.000 Euro (Taxe 35.000 bis 45.000 EUR), sein Stillleben mit duftigen Rosen in einer hellen Steingutvase und bunten Blumen in einer vergoldeten Tazza, die seit etwa 1620 einen Blütenkranz rahmen, rückte nicht vom Fleck (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR). Ebenso erging es Jan Baptist van Fornenburghs kargem Arrangement mit Silbertazza samt weißen Pfirsichen und einigen Hasel- und Walnüssen (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR). Jacob van Loos unterschwellig erotisches Gemälde mit einer jungen, tief dekolletierten Frau ein, die einen Korb mit prallen reifen Früchten schützt, während ein schelmischer Junge ihr und ihrem Papagei eine Traversflöte entgegenstreckt, durfte sich über 180.000 Euro freuen (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR). Auch Werke, die nicht einem Künstler zuzuordnen sind, waren gesucht: Bei dem Antwerpener Bildnis einer neben einem Stuhl stehenden vornehmen Dame mit großer Halskrause aus dem frühen 17. Jahrhundert überzeugte die feine Malweise zu 65.000 Euro (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR), bei dem Porträt eines schwarzen afrikanischen Gesandten in aufwändigem Kostüm, das wohl ein in Frankreich tätiger Flame zu verantworten hat, das exotische Motiv zu 85.000 Euro (Taxe 30.000 bis 50.000 EUR).

Am Ende der Auktion kamen noch einige Werke aus Absolutismus, Klassizismus und Aufklärung zum Zug, darunter das Staatsportrait des Landgrafen Wilhelm VIII. von Hessen-Kassel aus der Hand Johann Heinrich Tischbeins d.Ä. für 40.000 Euro (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR) oder Anton von Marons anrührende Heilige Familie im Oval für 80.000 Euro (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR). Während Gaspar van Wittels Blick auf das monumentale Kolosseum in Rom und der ruhige Tag am Arno in Florenz mit dem Ponte Santa Trinità von Thomas Patch liegenblieben (Taxe je 100.000 bis 150.000 EUR), wurde wenigstens Bernardo Canals Vedute mit den Pantheon in Rom während der Auktion für 55.000 Euro übernommen (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR). Erst im Nachverkauf langte ein Sammler bei Francesco Guardis melancholischer Venedig-Ansicht des Canal Grande und der Rialtobrücke mit der Riva del Vin bei 150.000 Euro zu (Taxe 200.000 bis 300.000 EUR).

Mit einer losbezogenen Zuschlagsquote von 48,8 Prozent, die im Nachgang der Versteigerung noch um zehn Prozentpunkte zulegte, pickten sich die Kunden auch bei der Tagesauktion gezielt ihre Lieblinge heraus, darunter für 28.000 Euro das eindrucksvolle Portrait von Antonius Triest, dem Bischof von Gent und Brügge, den Pieter Thijs 1650 als alten Mann, aber mit wachen Augen auf die Leinwand bannte (Taxe 12.000 bis 18.000 EUR). Der Maestro della Fertilità dell’Uovo, der an Skurrilität in der Barockzeit kaum zu überbieten ist, hat immer seine Anhänger, so auch diesmal bei seiner nun 55.000 Euro teuren, humoristischen Allegorie auf häusliche Ehestreitigkeiten, die von karikaturhaften Figuren, Tieren, zoomorphischen Wesen und vor allem seinen namensgebenden Eiern nur so strotzt (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR). Johann Baptist Drechslers dicht gesteckter Blumenstrauß mit Tulpen, Narzissen, Rosen und andere Blumen in einer Vase auf einem Steinsims mit Schmetterlingen und einem Vogelnest brachte 38.000 Euro auf die Waage (Taxe 15.000 bis 25.000 EUR). Und schließlich bezauberte noch die junge Frau, die keck mit einer schwarzen venezianischen Maske ihr Gesicht halb bedeckt und dem Betrachter verschmitzt einen Fruchtbarkeit symbolisierenden Granatapfel hinhält. Dieser ansprechende von Pietro Antonio Rotaris zahlreichen Charakterköpfen, mit denen er den unterschiedlichen Gefühlen der Dargestellten Ausdruck verlieh, war mit 65.000 Euro der preisliche Höhepunkt dieses Auktionsteils.

Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Dorotheum

Dorotheergasse 17

AT-1010 Wien

Telefon:+43 (01) 515 60 0

Telefax:+43 (01) 515 60 443

E-Mail: client.services@dorotheum.at



22.07.2021

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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