Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Auktionsanzeige

Am 14.04.2021 Auktion 400: Kunsthandwerk, Antiquitäten und Schmuck

© Neumeister Münchener Kunstauktionshaus

Anzeige

Nautiluspokal / Franz von  Stuck

Nautiluspokal / Franz von Stuck
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Anzeige

ohne Titel / Günther Uecker

ohne Titel / Günther Uecker
© Galerie Luther


Anzeige

Sauwetter am Stachus mit Nornenbrunnen im winterlichen München / Otto Pippel

Sauwetter am Stachus mit Nornenbrunnen im winterlichen München / Otto Pippel
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Anzeige

Ohne Titel - Chromatische Konstellation, 2015 / Heinz Mack

Ohne Titel - Chromatische Konstellation, 2015 / Heinz Mack
© Galerie Neher - Essen


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Ausstellungen

Aktuellzum Archiv:Ausstellung

In der Ausstellungen „Fragile Schöpfung“ behandelt das Dom Museum Wien das Verhältnis von Natur und Mensch und geht dem vielgestaltigen Beziehungsgeflecht durch die Jahrhunderte nach

Die Erde halten



Lois Weinberger, Die Erde halten, 2010

Lois Weinberger, Die Erde halten, 2010

Das Wiener Dom Museum hat sich in den letzten Jahren zu einer bemerkenswerten Kunstinstitution entwickelt. Aus dem wenig bekannten Erzbischöflichen Dom- und Diözesanmuseum erstand im Oktober 2017 nach mehrjährigem Umbau durch den Architekten Boris Podrecca das neue Dom Museum, das zwei vollkommen unterschiedliche Sammlungen beherbergt: den alten Domschatz, der seit der Gründung des Museums im Jahr 1933 hier versammelt worden war und die Otto Mauer-Sammlung österreichischer Nachkriegsavantgarde, die erst nach dem Tod von Monsignore Mauer durch einen Schenkungsvertrag an das Museum kam, aber lange Zeit weitgehend unsichtbar blieb. Sakrale und profane Kunst, historische Werke sowie neuzeitliche und aktuelle Arbeiten werden sowohl in der Dauerausstellung als auch in jährlich wechselnden Präsentationen, wie zuletzt „Zeig mir deine Wunde“ oder „Family Matters“, kontextualisiert. Gesellschaftlich Relevantes behandelnd, begreift sich das Haus, das vergangenes Jahr den Österreichischen Museumspreis erhielt, als Ort aktueller Diskurse.


Die aktuelle Schau ist von der gotischen Buchmalerei über barocke Stillleben und romantische Landschaften eines Alessandro Magnasco oder Caspar David Friedrich bis in die Gegenwart angelegt und trägt den Titel „Fragile Schöpfung“. Was sich als Leitgedanke durch acht Jahrhunderte Menschheitsgeschichte zieht, ist angesichts der derzeitigen Gesundheits- und Wirtschaftskrise hochaktuell. Gezeigt werden aber keineswegs nur Endzeitutopien. Stattdessen führt die Ausstellung divergente Vorstellungen von Natur vor Augen und fragt nach dem Ort, den der Mensch sich darin einräumt. Zwischen Zuwendung und Ausbeutung, Bedrohung und Faszination erweist sich das Verhältnis von Mensch und Umwelt als Thema, das in der Kunst bereits lange vor den gegenwärtigen brennenden Fragen von existenzieller Wichtigkeit war.

Mit Themenblöcken wie „Kontemplation und Inszenierung“, „Geist und Natur“, „Ausbeutung und Verantwortung“, „Bedrohung und Faszination“ und „Ordnung der Liebe“ fokussiert die Ausstellung auf fünf Aspekte der Mensch-Umwelt-Beziehung: ein barockes, mit bunten Blumen besticktes Priestergewand lobpreist die Schöpfung ebenso wie ein Wabenobjekt, das Timm Ulrichs unter Mithilfe von Bienen erschaffen ließ. Ein Madonnengemälde aus der Renaissancezeit von Alessandro Araldi feiert Wachstum ebenso wie der danebenstehende Kinderwagen „Nursery“ von Mark Dion aus dem Jahr 2007, aus dem grüne Pflanzen sprießen. Für seine Aktion „Baumfest“ schnürte Lois Weinberger bereits 1977 gefundenen Plastikmüll provokant an einen Baum. Von dem 2020 verstorbenen Österreicher stammt auch ein weiteres Foto, das mit ihrem Titel „Die Erde halten“ unmissverständlich Weinbergers Leitmotiv visualisiert: die Interaktion mit der Natur, die der Hauptaspekt seiner lebenslangen soziokulturellen Suche war. Auf der 2010 entstandenen Aufnahme hält eine mit einem weißen Hemd bekleidete Person einen Haufen Erde in Hand und Armbeuge, zärtlich und schützend, als wäre er der Körper eines kleinen Kindes.

Blickfang im größten Raum sind drei Bespiele aus Betty Beiers „Erdschollenarchiv“. Seit 1996 widmet sich die deutsche Künstlerin und Umweltaktivistin der künstlerischen Dokumentation dieser Formen, um in 100 auf 100 Zentimeter großen Abdrücken von Bodenoberflächen die einschneidenden ökologischen Entwicklungen zu verdeutlichen und kulturelle Verluste durch ausbeuterische Konsumverhalten zu thematisieren. Eine Videoarbeit der ecuadorianischen Künstlerin Estefanía Peñafiel Loaiza erinnert an die Artenvielfalt Lateinamerikas. Relikt einer Kunstaktion ist das verschmutzte Rheinwasser, das Joseph Beuys gemeinsam mit dem argentinischen Maler, Architekt und Umweltkünstler Nicolás García Uriburu 1981 als Vorbild heutiger Ökologiebewegung in Flaschen zur Kunstedition einschloss.

In unmittelbarer Nachbarschaft zu den filigranen Pflanzenzeichnungen von Marcellus Stoppel aus dem 19. Jahrhundert, eine Leihgabe der Stiftsbibliothek Klosterneuburg, hängt hier Regula Dettwilers „Narzisse Made in China Vösendorf 2007“. Erst auf den zweiten Blick erkennt man, dass ihre aquarellierte Naturgeschichte in Wirklichkeit eine Auseinandersetzung mit der artifiziellen Welt ist. Wie bei einer tatsächlichen botanischen Untersuchung löst die Künstlerin die Pflanzen in ihre Bestandteile auf und versieht sie mit Namen und Herkunftsort. Aber bereits diese verweisen auf ihre Gemachtheit: Sie sind „Made in Taiwan“ und somit aus Kunststoff hergestellt. Durch die behutsame Auseinandersetzung mit den gekauften Kunststoffpflanzen verleiht Dettwiler den Plastikblumen einen ähnlichen Stellenwert, wie ihn historisch die exotischen und seltenen Originale innehatten. Die Künstlerin verweist auf die Bedeutung von Natur in einer globalisierten Welt, in der kein Platz für natürliche Schwankungen ist. Die perfekt auf heutige Konsumanforderungen zugeschnittene Naturkopie ist immer und überall gleich frisch und wohlgeformt; dennoch bleibt die Sehnsucht nach dem Seltenen und Einzigartigen.

Ganz dem Themenkreis Ausbeutung und Marginalisierung von Natur und Mensch ist der dritte Teil der Schau gewidmet. Videos, Fotos, Objekte und Gemälde, etwa der „Ausbruch des Vesuv“ von Albert Bierstadt aus dem Jahr 1899, zeigen eine historische Verortung der Bedrohung durch Naturgewalten, aber auch deren große Faszination. Als Bezug zur Gegenwart konfrontiert Shonah Trescott die erhabene Ästhetik der Romantik mit realen Katastrophen wie australischen Buschfeuern.

Als versöhnliches Auswegszenario dient ein zeitgenössisches Memento Mori des 1968 in Kempten geborenen Künstlers Mathias Kessler: für seine Installation „Nowhere to be found“ von 2010 positionierte er in einem Meereswasseraquarium einen menschlichen Schädel, an dem sich im Laufe der Ausstellungsmonate Korallen ansiedeln, die den Totenkopf mehr und mehr überwuchern. Im letzten Teil der Ausstellung zieht die 2006 entstandene Installation „Game Bird Group (Tar and Feathers)“ von Mark Dion viel Aufmerksamkeit auf sich: in Teer getränkte, ausgestopfte Vögel hängen kopfunter von den Zweigen eines abgestorbenen Baumes. Es ist ein Gegenbild zu Dions eingangs präsentiertem, grün bepflanztem Kinderwagen.

Auch die Ausstellung selbst versucht, die Naturressourcen möglichst zu schonen. Die historischen Kunstwerke für diese Schau stammen überwiegend aus heimischen Museen, Stiften oder der eigenen Sammlung. Auf internationale Leihgaben haben die Kuratoren Johanna Schwanberg und Klaus Speidel weitgehend verzichtet, um lange Transportwege zu vermeiden. Darüber hinaus wurden zahlreiche Werke angekauft, um Künstlerinnen und Künstler, die von der Corona-Krise besonders betroffen sind, direkt zu unterstützen.

Die Ausstellung „Fragile Schöpfung“ ist bis zum 3. Oktober unter den geltenden Hygiene- und Abstandsregeln zu sehen. Das Dom Museum Wien hat mittwochs bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 7 Euro, für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre 3 Euro. Vom 1. bis zum 11. April bleiben alle Museen in Wien wegen der Corona-Pandemie geschlossen. Das Dom Museum öffnet voraussichtlich wieder am 14. April und bietet in der Zwischenzeit unter dem Link dommuseum.at/fragile_360_rundgang einen virtuellen Rundgang durch die Ausstellung an.

Kontakt:

Dom Museum Wien

Stephansplatz 6

AT-1010 Wien

Telefon:+43 (01) 51552 5300



07.04.2021

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Gesamt Treffer 19

Seiten: 1  •  2  •  3

Events (1)Adressen (1)Stilrichtungen (4)Variabilder (13)

Veranstaltung vom:


01.10.2020, Fragile Schöpfung

Bei:


Dom Museum Wien

Stilrichtung:


Neuere Meister

Stilrichtung:


Renaissance

Stilrichtung:


Barock

Stilrichtung:


Zeitgenössische Kunst

Variabilder:

Lois Weinberger, Baumfest, 1977
Lois Weinberger, Baumfest, 1977

Variabilder:

Chorherr Marcellus Stoppel, Blumenstudie Nr. 85
Chorherr Marcellus Stoppel, Blumenstudie Nr. 85

Variabilder:

Oliver Ressler, Arctic permafrost is less
 permanent than its name suggests, 2019
Oliver Ressler, Arctic permafrost is less permanent than its name suggests, 2019







Lois Weinberger, Baumfest, 1977

Lois Weinberger, Baumfest, 1977

Chorherr Marcellus Stoppel, Blumenstudie Nr. 85

Chorherr Marcellus Stoppel, Blumenstudie Nr. 85

Oliver Ressler, Arctic permafrost is less permanent than its name suggests, 2019

Oliver Ressler, Arctic permafrost is less permanent than its name suggests, 2019

Bonaventura Peeters, Stürmische See, um 1640

Bonaventura Peeters, Stürmische See, um 1640

Mathias Kessler, Nowhere to Be Found, 2010

Mathias Kessler, Nowhere to Be Found, 2010

Jenny Kendler, Camouflage II (Disguise for Endangered Bird), 2012

Jenny Kendler, Camouflage II (Disguise for Endangered Bird), 2012

Caspar David Friedrich, Uttewalder Grund, um 1825

Caspar David Friedrich, Uttewalder Grund, um 1825

Mark Dion, Nursery, 2007

Mark Dion, Nursery, 2007

Regula Dettwiler, Narzisse magenta/grün made in China Vösendorf 2007

Regula Dettwiler, Narzisse magenta/grün made in China Vösendorf 2007

Günter Brus und Arnulf Rainer, Geschichten aus dem Wienerwald, 1984

Günter Brus und Arnulf Rainer, Geschichten aus dem Wienerwald, 1984

Albert Bierstadt, Ausbruch des Vesuvs, 1899

Albert Bierstadt, Ausbruch des Vesuvs, 1899

Die Fassade des Dom Museums Wien zu Ausstellung „Fragile Schöpfung“

Die Fassade des Dom Museums Wien zu Ausstellung „Fragile Schöpfung“




Copyright © '99-'2021
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce