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Auch Österreich feiert den 100. Geburtstag von Joseph Beuys, und das Belvedere 21 in Wien müht sich an dem universellen Kunstbegriff des Totalkünstlers ab

Ohne Kraft und Zauber



in der Ausstellung „Joseph Beuys. Denken. Handeln. Vermitteln.“

in der Ausstellung „Joseph Beuys. Denken. Handeln. Vermitteln.“

Rund um den Globus widmen sich in diesem Jahr Kunst- und Kultureinrichtungen dem Lebenswerk von Joseph Beuys. Ausstellungen, Aktionen und Performances, Theater-, Musik- und Lehrveranstaltungen erkunden anlässlich des 100. Geburtstags die faszinierenden, provozierenden und umstrittenen Ideen eines der weltweit einflussreichsten bildenden Künstler nach 1945 und laden dazu ein, seine Bedeutung für die internationale Kunst wie für die Gesellschaft zu ergründen. 1921 wurde der Künstler in Krefeld geboren. Zwei Dutzend Ausstellungen und zahlreiche begleitende Veranstaltungen drehen sich allein in Deutschland in den kommenden Monaten um sein Schaffen. Noch bevor ab Ende März eine große Beuys-Ausstellung in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf anläuft, hat das Wiener Belvedere 21 nun eine umfangreiche Werkschau eröffnet, die mit rund 60 Arbeiten sowie zahlreichen Multiples, Dokumentationen und Filmen einen Einblick in Beuys’ Lebenswerk gibt. Die Schau nimmt vor allem seine Beziehung zu Wien in den Blick, fragt nach der Aktualität seines Werks und stellt sich einmal mehr der schwierigen Aufgabe: Wie zeigt man Beuys ohne Beuys?


Kurator Harald Krejci stellt die Präsentation im Belvedere 21 unter das Motto „Denken. Handeln. Vermitteln.“ und betont mit dieser Trilogie Beuys’ Versuch, durch künstlerische Arbeit „ein Handeln auszulösen, aus dem etwas Neues, Besseres entsteht“. Die Kunst – so Beuys’ Leitgedanke – solle auf der sozialen, politischen, geistigen und wissenschaftlichen Ebene wirksam werden und damit integraler Bestandteil unseres Denkens und Handelns sein. In Anbetracht der Corona-Pandemie, deren globale Auswirkungen sich derzeit nicht einmal ansatzweise überschauen lassen, kommen solche Fragestellungen verknüpft mit den radikalen Positionen eines Joseph Beuys für viele sicherlich zum richtigen Zeitpunkt. Aber kann man von Kunst Heilung erwarten?

Auf einen einfachen Nenner gebracht, kann Beuys’ gesellschaftstheoretisches Konzept umrissen werden als der Entwurf einer Idealgesellschaft auf der Basis freier, kreativer und autonomer Individuen, in der sich der Mensch vom Diktat technischer und ökonomischer Rationalität befreit und im Rückgriff bzw. in der Rückbesinnung auf archaische und mythische Denkinhalte und Verhaltensweisen seine „wahre Natur“ verwirklicht. Das Medium, durch das dieses Ziel allein zu erreichen sei, ist für Beuys die Kunst.

Beuys’ gesellschaftspolitische Manifeste und seine ästhetischen Manifestationen auf einen Nenner zu bringen, ist allerdings ein kühner Anspruch. Die Wiener Schau versucht zunächst einmal das zu zeigen, was man gemeinhin mit Beuys verknüpft: Die schönen zarten frühen grafischen Papierarbeiten werden ebenso präsentieret wie der legendäre „Filzanzug“ von 1979, Objekte, wie das „Objekt zum Schmieren und Drehen“ von 1972, Multiples, etwa „Wechselstrom Aggregat“ von 1968 oder „Gib mir Honig“ von 1979. Auf Stellwände projizierte Filmaufnahmen geben Beuys bei verschiedenen Aktionen wieder: „Wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt“ von 1965 oder „I like America and America likes Me“, eine Aktion, die 1974 in der Galerie von René Block in New York stattfand. Mit seinen Arbeiten schuf Beuys einen eigenen Kosmos, wie man ihn kein zweites Mal findet: Filzdecken, Fetthaufen, Holzschlitte, Kupferbleche, Goldstaub, Honig und Kreide-Materialien, die vom Wunsch nach Wärme, Energie, Schutz und Konservierung zeugen.

Das Hauptwerk der Ausstellung, die „Honigpumpe am Arbeitsplatz“ von 1974/77, die schon 1977 auf der Documenta 6 für Furore sorgte und als Leihgabe des Louisiana Museums in Humlebæk nach Wien kam, steht sinnbildlich für Joseph Beuys’ Credo der Veränderung der Gesellschaft aus der Kunst heraus. Im gegenüberliegenden Eck hat Krejci die zweite große Installation mit dem Titel „Hirschdenkmäler“ von 1958/82 inszeniert, passend zur Zeit als Appell für den Neuanfang einer zerrütteten Gesellschaft. 1982 brachte Beuys die einzelnen Elemente im Rahmen der Ausstellung „Zeitgeist“ im Martin-Gropius-Bau unweit der Berliner Mauer erstmals zusammen. In Wien ist von der Kraft und den Potentialen der elementaren Materialien, die damals die Haupthalle des Neorenaissance-Baus durchströmten, jedoch nur wenig zu spüren.

Die bedrohliche Grundstimmung der Installation, die nur wenige Jahre vor der Explosion des Atomkraftwerks Tschernobyl konzipiert wurde, steht in Zusammenhang mit realen Ängsten der frühen 1980er Jahre: von Profitgier angetriebene Waldrodungen und der Zusammenbruch ganzer Ökosysteme wie auch die Debatte um die Stationierung atomarer Langstreckenwaffen im damaligen Westeuropa in der letzten Phase des Kalten Kriegs bestimmten den öffentlichen Diskurs. Während Interpreten wie Damian Lentini die „Hirschdenkmäler“ aber als „Höhepunkt der Versuche des Künstlers“ deuteten, „den mythischen Symbolismus der germanischen Tradition einer neuen Verwendung zuzuführen, um es so einer traumatisierten Nation zu ermöglichen, sich von dem rationalisierten Albtraum zu erholen, den ihr die Nationalsozialisten beschert hatten“, betont die Autorin Lisa Moravec in ihrem Katalogbeitrag zur Wiener Ausstellung vor allem die Ähnlichkeit der Beuys’schen Lehmklumpen mit den gegenständlichen Tierskulpturen von Ewald Mataré, bei dem Beuys an der Düsseldorfer Akademie studiert hatte, und fasst die Tierobjekte als „animalisierte Waren“ auf.

Joseph Beuys ging es darum, dem Lebendigen eine adäquate, dass meint offene Form zu verleihen. Was die Wiener Schau allerdings zeigt, sind Reliquien in abgegrenzten Räumen, didaktisch arrangierte Arbeitsbeispiele, in Kästen und Rahmen konserviert und wohlfeil ausgeleuchtet. Am besten gelingt es noch den Filmen, einiges von der Rauheit und dem provisorischen Aspekt in Beuys’ Werk zu retten.

Harald Krejci forciert in der Ausstellung Beuys’ Vorreiterrolle für aktuelle (Kunst-) Diskurse rund um Klimawandel und Partizipation. Er lenkt den Blick auf dessen ökologisches Verständnis, den Aspekt der Partizipation sowie seinen Anspruch, ein uneingeschränkt breites Publikum zu erreichen. Das Bestreben von Joseph Beuys war es aber, zu provozieren. Er wollte nicht etwas Verständliches machen. Ihm ging es darum einen Anstoß zu geben, um die Leute zu stimulieren, Fragen zu stellen. Die Schocktechnik, mit der Beuys sein einstiges Publikum aufstachelte und auch amüsierte, lässt sich jedoch nicht durch Zeit und Raum transportieren. Zu didaktisch versucht die Schau, den Kosmos Beuys nach den Kriterien „Denken. Handeln. Vermitteln.“ zu sortieren.

Lohnender ist Krejcis Versuch, dem Wirken des Künstlers in Wien nachzuspüren. Joseph Beuys war in der Stadt mit Ausstellungen, Aktionen und Vorträgen präsent, vor allem in der Galerie nächst St. Stephan. Bereits 1966 präsentierten Monsignore Otto Mauer, Leiter der Galerie, und Oswald Oberhuber seine Zeichnungen erstmals in Wien. Ein Jahr später führte Beuys gemeinsam mit dem dänischen Fluxus-Komponisten Henning Christiansen seine Aktion „Eurasienstab 82 min fluxorum organum op. 39“ in der Wiener Galerie auf. Die Performance, die er selbst als eine seiner wichtigsten bezeichnete, kam in der Stadt der Wiener Aktionisten einer künstlerischen Eruption gleich. Mit dem kupfernen „Eurasienstab“, einem Hirtenstab ähnlich, sollte spirituelle Kraft weitergeleitet werden.

1979 folgte die Aktion „Basisraum Nasse Wäsche“. Das Arrangement war die Reaktion von Joseph Beuys auf Diskussionen anlässlich der Wahl des barocken Palais Liechtenstein als Standort für ein in Wien dringend benötigtes Museum für moderne und zeitgenössische Kunst. Beuys verwirklichte seine Kritik abermals in der Galerie nächst St. Stephan. Weitere Bezugspunkte zu Wien waren seine Zusammenarbeit mit Oswald Oberhuber und der Hochschule für angewandte Kunst, an der er 1980 als Gastdozent unterrichtete.

Für Beuys war Kunst eng mit Konzepten von Politik und Bildung verknüpft. Als Professor an der Kunstakademie in Düsseldorf engagierte er sich in den 1960er und 1970er Jahren in der Studentenpolitik. 1979 kandidierte er in der Partei der Grünen für das Europaparlament, 1980 für den Deutschen Bundestag. Auch in Wien – das belegt die Ausstellung mit Filmaufzeichnungen, Fotografien, Plakaten und Zeitungsausschnitten – begab sich Beuys in das politische Umfeld, diskutierte 1983 an der Hochschule für angewandte Kunst mit den Politikern Josef Cap (SPÖ) und Erhard Busek (ÖVP) und traf im selben Jahr den damaligen Bundeskanzler Bruno Kreisky (SPÖ). Nach diesem Treffen legte Beuys in der legendären Fernsehsendung „Club 2“ seine ästhetischen und politischen Ansichten dar, und eine seiner Äußerungen bleibt in besonderer Erinnerung: „Wir können uns sicherlich darum bemühen“, erklärte er damals, „den Menschen... verständlich zu sein. Es wird sich allerdings zeigen, dass es unumgänglich ist, Gedankenwege zu gehen, die nicht den Denkgewohnheiten dieser Menschen entsprechen,... es unerlässlich ist, für alle Probleme neue Denkwege zu suchen.“

Das Belvedere setzt auf Joseph Beuys als den Aktivisten, den politischen Agitator, dessen Denk-Ansätze so gut zur Zeit passen, der mit seinen Aktionen und Handlungen die Grenzen dessen, was man Plastik nennt, radikal erweiterte und von Kunst nicht mehr das Herstellen von ästhetischen Objekten forderte, sondern die Umformung der Gesellschaft. „Wir wollen Sonne statt Reagan“, sang er 1982 in seinem Protest-Song, in dem er die Politik des damaligen US-amerikanischen Präsidenten anprangerte und einen neue, gewaltfreie Gesellschaft propagierte. Dass der ehemalige Hitlerjunge und Berufssoldat sich aber noch in den 1970er Jahren beim Kameradschaftsabend der nationalsozialistischen Sturzkampfbomber-Flieger fotografieren ließ, passt nicht in dieses Bild.

Joseph Beuys vereinnahmte den Zweiten Weltkrieg, das Dritte Reich und Auschwitz als Gleichnis und Metapher und verlagerte damit die Frage nach der eigenen Verantwortung auf eine übergeordnete spirituelle Ebene. Zwar war seine bereits 1956 entstandene „Auschwitz Demonstration“ nach eigenen Aussagen der „Versuch, eine Medizin aufzubereiten, um zu erinnern“ und dies zu einer Zeit, in der das Thema noch weitgehend verdrängt wurde. Gleichzeitig machte Beuys, gelinde gesagt, befremdliche Aussagen und bezeichnete beispielsweise 1967 anlässlich eines Ringgesprächs in der Düsseldorfer Kunstakademie eine Gesellschaft, die die „plastischen Fähigkeiten“ der Menschen verkümmern lasse, als „letztlich noch schlimmer, als das Dritte Reich“. Über seine Jugend als Nationalsozialist, woraus er nie einen Hehl machte, erfährt man in der Wiener Schau ebenso wenig, wie über die nachträgliche Interpretation seines Absturzes mit einem Flugzeug und die Rettung durch Tartaren, die ihn mit Filz und Fett behandelt hätten – eine Geschichte, die immer wieder als Erklärung für Beuys’ Bevorzugung dieser Materialien herhalten musste.

Der erweiterte Kunstbegriff führte Joseph Beuys, beeinflusst von Fluxus und Situationismus, zur Theorie der „Sozialen Plastik“. Das eigentliche Werk war für ihn nicht mehr das Objekt im Museum, sondern der eigene Auftritt, die Körper-Erfahrung und die soziale Performance. Die Relikte seiner Aktionen, die nun zum 100. Geburtstag von Joseph Beuys in Wien arrangiert wurden, wirken wie Bruchstücke aus einem großen Ganzen, das nicht mehr da ist. Die Magie löst sich auf.

Die Ausstellung „Joseph Beuys. Denken. Handeln. Vermitteln.“ ist bis zum 13. Juni zu sehen. Das Belvedere 21 hat täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Vom 1. bis zum 11. April bleiben die Museen in Wien wegen der Corona-Pandemie geschlossen. Der Eintritt beträgt 9 Euro, ermäßigt 7 Euro. Für Kinder und Jugendliche unter 19 Jahren ist er frei. Der Katalog aus dem Verlag der Buchhandlung Walther und Franz König kostet im Museum 29 Euro.

Kontakt:

Belvedere 21 - Museum für zeitgenössische Kunst

Arsenalstraße 1

AT-1030 Wien

Telefon:+43 (01) 795 577 00

Telefax:+43 (01) 79 557 136



05.04.2021

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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Veranstaltung vom:


04.03.2021, Joseph Beuys. Denken. Handeln. Vermitteln.

Bei:


Österreichische Galerie Belvedere

Kunstsparte:


Multiples

Kunstsparte:


Zeichnung

Kunstsparte:


Installationskunst

Kunstsparte:


Skulptur

Kunstsparte:


Aktionskunst und Performance

Stilrichtung:


Nachkriegskunst

Bericht:


Vereinigung von Genie und Bürgerschreck







Joseph Beuys, Das Erdtelefon, 1968

Joseph Beuys, Das Erdtelefon, 1968

Joseph Beuys, Ohne Titel (Friedrichshof), 1983

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Joseph Beuys, Gib mir Honig, 1979

Joseph Beuys, Gib mir Honig, 1979

Joseph Beuys, Hirschkuh / Dreibein frisst Gras, 1979

Joseph Beuys, Hirschkuh / Dreibein frisst Gras, 1979

Joseph Beuys während seines Vortrags in der Galerie nächst St. Stephan am 4. April 1979

Joseph Beuys während seines Vortrags in der Galerie nächst St. Stephan am 4. April 1979

Joseph Beuys, Katalog Museum Mönchengladbach, 1967

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Joseph Beuys, Baumbepflanzung im Garten und vor der Hochschule für angewandte Kunst, 1983

Joseph Beuys, Baumbepflanzung im Garten und vor der Hochschule für angewandte Kunst, 1983

in der Ausstellung „Joseph Beuys. Denken. Handeln. Vermitteln.“

in der Ausstellung „Joseph Beuys. Denken. Handeln. Vermitteln.“

in der Ausstellung „Joseph Beuys. Denken. Handeln. Vermitteln.“

in der Ausstellung „Joseph Beuys. Denken. Handeln. Vermitteln.“

in der Ausstellung „Joseph Beuys. Denken. Handeln. Vermitteln.“

in der Ausstellung „Joseph Beuys. Denken. Handeln. Vermitteln.“

in der Ausstellung „Joseph Beuys. Denken. Handeln. Vermitteln.“

in der Ausstellung „Joseph Beuys. Denken. Handeln. Vermitteln.“

in der Ausstellung „Joseph Beuys. Denken. Handeln. Vermitteln.“

in der Ausstellung „Joseph Beuys. Denken. Handeln. Vermitteln.“




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