Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Auktionsanzeige

Am 07.05.2021 Mai-Auktion Schmuck und Uhren

© Auktionshaus Stahl

Anzeige

Nautiluspokal / Franz von  Stuck

Nautiluspokal / Franz von Stuck
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Anzeige

ohne Titel / Günther Uecker

ohne Titel / Günther Uecker
© Galerie Luther


Anzeige

Sauwetter am Stachus mit Nornenbrunnen im winterlichen München / Otto Pippel

Sauwetter am Stachus mit Nornenbrunnen im winterlichen München / Otto Pippel
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Anzeige

Ohne Titel - Chromatische Konstellation, 2015 / Heinz Mack

Ohne Titel - Chromatische Konstellation, 2015 / Heinz Mack
© Galerie Neher - Essen


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Ausstellungen

Aktuellzum Archiv:Ausstellung

Das Clemens-Sels-Museum in Neuss wirft ein Schlaglicht auf den wenig bekannten Künstler Helmut Hahn und zeigt die Quellen, aus denen er geschöpft hat

Im Sog wechselnder Inspirationen



Helmut Hahn, In der Nacht, die Schatten der Sonne, 1991

Helmut Hahn, In der Nacht, die Schatten der Sonne, 1991

Insbesondere auf Messen begegnet man oft anspruchsvollen Werken von weniger bis gar nicht bekannten Künstlern, die sich neben solchen namhafter Kollegen problemlos behaupten. Nicht selten erweisen sich dann die ruhmlosen Größen als Lehrer an Akademien, Kunstschulen oder Handwerkerlehranstalten. Die gesicherte berufliche Existenz hielt sie davon ab, ihre Werke zu verkaufen oder sich von Galerien vertreten zu lassen. Sie konnte es sich leisten, keinen populären Tendenzen nachzueifern, sprunghaft zu experimentieren oder Disziplinen zu wechseln. In diese Kategorie gehört auch Helmut Hahn. Das Clemens-Sels-Museum in Neuss stellt mit ihm einen am Niederrhein verorteten Künstler vor, der heute lediglich regionalen Kennern ein Begriff ist, was allerdings nichts über die Relevanz seines Kunstschaffens aussagt.


Schon der Auftakt der 130 Exponate lässt sich schwer in gängige Kategorien einordnen. Geradewegs steuert der Eintretende auf eine Robe mit dem geheimnisvollen Titel „Schwarzes Tabernakel – siebenmal Asche sein – Das Gewand“ aus dem Jahr 1984 zu. Aus einem stofflichen Mix in tiefschwarzer Finsternis, partiell durchzogen von zeichenhaften rötlichen und gelblichen Lagen, vermittelt sie den Anschein eines Zwitters zwischen Kunstwerk und Gebrauchstextil. Der Wandbehang brachte Helmut Hahn im Folgejahr den Staatspreis des Landes Nordrhein-Westfalens ein. Zugleich verweist er dezent auf die Haupttätigkeit seines Schöpfers als Professor an einer Studienstätte für Textilkunst. In der Nachfolge von Johannes Itten, Georg Muche und Elisabeth Kadow lehrte Hahn ab 1970 an der Krefelder Fachhochschule.

Ein Objektkasten, ein türkisfarbenes Acrylgemälde oder eine Grafik verweisen im Foyer zugleich auf die Schaffensbreite hin. „Helmut Hahn war ein Tausendsassa“, stellt im begleitenden Katalog sogleich die Kuratorin Romina Friedemann fest. Ansehnliche Werkgruppen lassen sich den Sparten Malerei, Fotografie, Tapetenentwürfe, Collage oder Zeichnung zurechnen. Sie legen Zeugnis davon ab, wie sich Hahn in wechselnden Lebensphasen verschiedener Ausdrucksmittel bediente, je nach Ort, Tätigkeit und Inspiration durch seine Lehrer. Bei alledem zeichnen sich durchgängig gewisse Neigungen ab. Das sind neben der Beschäftigung mit Natur und Landschaft vor allem Strukturen, Rhythmen, Makrokonstruktionen sowie das Austarieren von Licht und Schatten.

Entlang von Hahns Lebens- und Ausbildungsweg arrangiert, entfaltet sich dann im obersten Geschoss des Museums die Breite seines Œuvres. Dialogisch konfrontiert mit Werken seiner Impulsgeber, erschließt sich die stimulierend gruppierte Auswahl fast wie von selbst. Geboren 1928 in Mönchengladbach, wirkte Hahn ab 1945 als Assistent der Bühnen- und Kostümgestaltung am Städtischen Theater seiner Heimatstadt. Im Jahr 1948 wechselte er zum Studium bei Otto Coester an die Düsseldorfer Kunstakademie. Dessen wild wuchernde Landschaftssujets und ihre Überführung in künstliche, abstrahierende Formationen brachten Hahn dazu, sich gleichfalls der Natur zu widmen. Er interpretierte sie stark strukturiert und geometrisch.

Hahns flächenfüllende rhythmische Gefüge veranlassten Coester, ihn zur Textilgestalterin Elisabeth Kadow an die Krefelder Textilingenieurschule zu überweisen. Ihre Druckgestaltungen und Stoffmusterentwürfe für die Industrie bestechen kraft weicher Farbverläufe und -wechsel in rechteckigen wie auch organischen Zuständen. In den Übungsstunden leitete Hahn seine analogen Skizzen von vegetativen Objekten ab und weitete sie über die Fläche aus. Gegenständliches in räumliche Formen zu abstrahieren, war vor allem das Metier von Gerhard Kadow, den Ehemann seiner Lehrerin, der an der Krefelder Werkkunstschule lehrte. Dessen Einfluss lenkte Hahns Schaffen in streng geometrische kleinteilige Formationen, wie sie für das Bauhaus typisch waren. Immer mehr serielle Werke entstanden in verschiedenen Materialien.

Irgendwie zwangsläufig führte dies ab 1951 zum Studium der Schrift- und Typografiegestaltung an der Wuppertaler Werkkunstschule bei Heinrich Wehmeier. Nach vier Semestern schlossen sich Anstellungen als Werbegrafiker in der Industrie an. Doch schon Ende 1955 setzte Helmut Hahn seine Studien auf Anraten der Kadows bei Otto Steinert an der Saarbrücker Schule für Kunst und Handwerk fort. Steinerts Schwarz-Weiß-Fotografien von abstrakten grafischen Formen basierten auf extremen Licht-Schattenverhältnissen. Linien und Strukturen hinterließen bei Hahn beachtliche Spuren in der Form ähnlich vergröberter Gebilde.

Mithilfe der Vermittlung von Eva Stünke, Leiterin der Kölner Galerie „Der Spiegel“, kam Helmut Hahn in Kontakt zu Max Ernst. Bei einem Besuch Hahns auf dessen Landsitz Huismes entstanden anstelle eines avisierten Films 60 dokumentarische Fotografien. Die Kunst Max Ernsts regte Hahn zu Mustern an, die hölzernen Formationen, dem Wald und der Landschaft entsprangen und in Zeichnungen und Fotografien ihren Niederschlag fanden. So genannte Dendriten, also gepresste Muster mit verästelten, vegetabilen Organismen von 1964, aber auch Objektkästen aus den 1970er und 1980er Jahren sind zweifellos durch Max Ernst ermutigte Werkgruppen. Streifen von Wellpappe, Holzleisten oder -räder, Kugeln oder Buchseiten stellte Hahn hier zu Objektcollagen zusammen.

Nicht unerwähnt bleiben kann Hahns Freundschaft mit dem französischen Künstler René Laubiès, unter dessen Einfluss um 1960 erste Tuschezeichnungen mit spontan-gestischer Pinselführung im Sinne des Informel entstanden, wobei Reihungen und horizontale Linien weiter dominierten. Ein neues Kapitel begann 1970, als die Fachhochschule Niederrhein Krefeld den inzwischen 42jährigen Künstler zum Professor für Textil-Design ernannte. Um den für eine Professur nötigen Abschluss zu erlangen, absolvierte Hahn bis 1974 bei Rolf Sackenheim erneut ein Studium an der Düsseldorfer Kunstakademie. Zu dieser Zeit erlangte Hahns Werkschaffen eine Eigenständigkeit und Reife, die eher seinen Lehrer inspirierte, als umgekehrt. Ab 1970 dominierten Arbeiten mit Textilien. 1982 wurde Hahn von der Krefelder Fachhochschule zum Professor auf Lebenszeit ernannt. Ab 1989 schuf er dann fast ausschließlich Acrylgemälde, Aquarelle und Zeichnungen auf Papier.

Helmut Hahn setzte sich immer kritisch und produktiv mit vorgegebenen Diktionen auseinander und fand so zu individuellen Positionen und eigenständigen Bildwerken. Häufig vermachte er Konvolute beendeter Werkgruppen an Museen, insbesondere dem Kreismuseum Zons, dem Essener Museum Folkwang sowie dem Clemens-Sels-Museum in Neuss, dem er testamentarisch seinen Nachlass übereignete und als Erben seiner Vermögenswerte einsetzte. Nur würdigt das Haus den im Februar 2017 verstorbenen Künstler, dem an seiner Wirkungsstätte Krefeld kein Augenmerk galt, mit einer sehenswerten Reminiszenz.

Die Ausstellung „Inspiriert. Helmut Hahn im Dialog mit Max Ernst, Elisabeth Kadow und Otto Steinert“ ist bis zum 24. Mai zu sehen. Das Clemens-Sels-Museum hat dienstags bis samstags von 11 bis 17 Uhr, sonn- und feiertags bis 18 Uhr und jeden letzten Donnerstag im Monat bis 20 Uhr unter den jeweils geltenden Hygieneregeln geöffnet. Geschlossen bleibt an Karfreitag. Der Eintritt beträgt 5 Euro, ermäßigt 2,50 Euro, bis 21 Jahre ist er kostenlos. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, der im Museum 24,90 Euro kostet.

Kontakt:

Clemens-Sels-Museum

Am Obertor

DE-41460 Neuss

Telefon:+49 (02131) 90 41 41

Telefax:+49 (02131) 90 24 72

E-Mail: service@clemens-sels-museum-neuss.de



17.03.2021

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Gesamt Treffer 21

Seiten: 1  •  2  •  3

Events (1)Adressen (1)Kunstsparten (5)Stilrichtungen (3)Variabilder (10)Künstler (1)

Veranstaltung vom:


28.02.2021, Inspiriert! – Helmut Hahn im Dialog mit Max Ernst, Elisabeth Kadow und Otto Steinert

Bei:


Clemens-Sels-Museum

Kunstsparte:


Collage

Kunstsparte:


Fotografie

Kunstsparte:


Textilien

Kunstsparte:


Grafik

Kunstsparte:


Malerei

Stilrichtung:


Abstrakte Kunst

Stilrichtung:


Zeitgenössische Kunst







Helmut Hahn, o. T., 1958

Helmut Hahn, o. T., 1958

Helmut Hahn, o. T. (2014-X-4), 2014

Helmut Hahn, o. T. (2014-X-4), 2014

Otto Steinert, Renvoyés Dos à Dos, Paris, 1948/49

Otto Steinert, Renvoyés Dos à Dos, Paris, 1948/49

Kuratorin Romina Friedemann

Kuratorin Romina Friedemann

Helmut Hahn, Mykonos, 1958

Helmut Hahn, Mykonos, 1958

Elisabeth Kadow, Petit-Point (Rot-Blau), 1948

Elisabeth Kadow, Petit-Point (Rot-Blau), 1948

Helmut Hahn, Rendre hommage à M. E., 1972

Helmut Hahn, Rendre hommage à M. E., 1972

Helmut Hahn, Max Ernst beim Boulespiel III, Huismes, September 1957

Helmut Hahn, Max Ernst beim Boulespiel III, Huismes, September 1957

Max Ernst, Vue de ma fenêtre, 1960

Max Ernst, Vue de ma fenêtre, 1960




Copyright © '99-'2021
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce