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Aktuellzum Archiv:Ausstellung

Viel zu kurz war die Ausstellung zu Thomas Ruff vor Ort in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen sichtbar. Mit zwei Gesprächsrunden über das Werk des renommierten Fotokünstlers verabschiedet sich jetzt die Schau

Das Bild im Blick



Thomas Ruff, tableau chinois_03, 2019

Thomas Ruff, tableau chinois_03, 2019

Thomas Ruff gilt als einer der bedeutendsten deutschen Fotokünstler, der mit seinen seriellen Experimenten die Grenzen der Fotografie verschoben hat. Ausstellungsrezensenten überschlagen sich gern in Lobeshymen, und selten fehlt der Hinweis auf die Kunstmarkttauglichkeit seiner Werke. Seine Ausstellung, die derzeit in K20 in Düsseldorf zu sehen ist, bestätigt einmal mehr, dass der ehemalige Schüler von Bernd und Hilla Becher die Strategie der Überwältigung in Vollendung beherrscht. Gemeinsam mit dem Kunsthistoriker und Kurator Falk Wolf hat Thomas Ruff für seine Präsentation in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen eine Übersicht zusammengestellt, die ausdrücklich keine Retrospektive ist. Beispiele aus insgesamt 13 Werkserien der letzten 30 Jahren haben die beiden in einer zeitlich unchronologischen, räumlich klar strukturierten Abfolge arrangiert.


Die aktuelle Schau mit rund 150 Werken ist vor allem eine solide Bestandaufnahme der bisherigen künstlerischen Produktion, die eindrucksvoll dokumentiert, mit welcher Virtuosität Thomas Ruff die Klaviatur digitaler Möglichkeiten beherrscht. Die Art und Weise, wie er mit seinem gigantischen Bilderfundus arbeitet, fügt sich zu einem bildtheoretischen Kommentar über das Sehen im Allgemeinen. In seinen Werken reflektiert Ruff mit Fotografie über Fotografie. Motivisch und technisch lässt er sich hierbei – und das dokumentiert die Düsseldorfer Schau anhand eindrucksvoller Eckpunkte – stets in neue Richtungen treiben. Ruff, der seit Jahren kaum mehr selbst fotografiert, versteht sein Vorgehen als Arbeiten mit vorhandenen Bildern und als Auseinandersetzung mit dem digitalen Bild in der Fotografie. Ausgehend von real existierenden Fotos verwandelt er diese durch Größe, Duplizierung, Pixel, Farbe und Ausschnitt in konzeptuelle Arbeiten.

Das Spektrum der Bildquellen reicht von der Expeditionsfotografien, die Captain Linnaeus Tripe ab 1855 in Indien und in Burma im Auftrag der British East India Company machte, über die Industriefotografie der 1920er Jahre bis zu Dokumentationen von Museumsausstellungen, Porno- und Katastrophenbilder aus dem Internet. Es sind Bilder, die schon gemacht wurden und die in anderen, größtenteils nicht-künstlerischen Zusammenhängen bereits verbreitet und für bestimmte Zwecke optimiert wurden. Die Heterogenität seiner Themen verklammert Thomas Ruff durch Untersuchungen des Nahen und des Fernen, von Oberflächen und Tiefen.

Ruff sieht sich als einen Künstler, der in seinen seriellen Erforschungen die technischen Bedingungen von Fotografie erkundet. Zugleich nimmt er das Nachleben der Bilder in Publikationen, Archiven, Datenbanken und im Internet in den Blick. Die Aneignung fremden Materials ist zum prägnantesten Kennzeichen seiner Arbeitsweise geworden. Fotografie begreift er als eine Konstruktion von Wirklichkeit, und sein gleichzeitiger Versuch der Dekonstruktion ist immer auch der Versuch, sich der allgemeinen Bilderflut entgegenzustellen. Es ist die bereits fotografierte Welt, die den Künstler Thomas Ruff interessiert und aufgrund derer er auch „Historiker des Fotografischen“ (Herta Wolf) genannt worden ist.

Für seine Serie „Zeitungsfotos“ sammelte und bearbeitete Ruff Fotos aus Publikationen, um die Vertrautheit mit den Motiven und ihre Zuverlässigkeit als Informationsträger zu überprüfen. Die ausgewählten Sujets aus Politik, Wirtschaft, Sport, Kultur, Wissenschaft, Technik, Geschichte oder Zeitgeschehen spiegeln einen Ausschnitt kollektiver Bilderwelt einer bestimmten Generation wider. Allerdings ließ Thomas Ruff die Bilder ohne die erklärenden Bildunterschriften reproduzieren und in doppelter Spaltenbreite abziehen, um sie in dieser neuen Dimension als neues Bild darzustellen. In der 2015 entstandenen Serie „press++“ zeigt er Vermerke und Arbeitsspuren, die von Redakteuren auf den Vorder- und Rückseiten der Fotos angebracht wurden, auf einer Ebene mit den Bildern, die extra für eine Verwendung in Zeitungen aufgenommen wurden. Ruff scannte beide Seiten dieser Archivabzüge und überlagerte das jeweilige Foto mit diesen Spuren der Bildverwaltung und -verarbeitung, um sie anschließend in monumentaler Größe zu produzieren.

Eine vergleichbare Strategie wandte Thomas Ruff bereits Ende der 1990er Jahre bei den „nudes“ und ab 2004 bei den „jpegs“ an. Für beide Reihen verwendete er Bilder, die er als Thumbnails aus dem Internet heruntergeladen hatte. Für „nudes“ vergrößerte Ruff diese pornografischen Vorschaubilder in hoher Komprimierung um ein Vielfaches – ein Vorgehen, das zum einen die Unschärfe erhöhte, andererseits aber die Bildinformation erweiterte. Anstatt als Dokumente einer bestimmten Situation dokumentieren sie vielmehr das Medium ihrer Verbreitung. Auch die „jpegs“ lassen sich in diesem Zusammenhang verstehen. Ruff begann die Serie 2004. Er war selbst Zeuge des Anschlags auf das World Trade Center am 11. September 2001 in New York gewesen. Nachdem eigene Fotografien verloren gegangen waren, durchsuchte er das Internet nach Bildern der Katastrophe und wurde beim Heranzoomen auf Details aufmerksam, die typisch für hohe JPEG-Kompressionen sind: die Gruppierung der Pixel zu erkennbaren quadratischen Clustern. Dieses Muster machte er zum Bauprinzip der Serie. Später folgten Bilder von Naturkatastrophen, wie der Ausbruch des Mount St. Helens von 1980 und vermeintlich idyllische Landschaften, die aber Umweltverschmutzung und Naturzerstörung offenbaren. Hier wird die Pixelstruktur zum zentralen kompositorischen Element.

Nicht in der Düsseldorfer Schau vertreten ist die frühe Serie der „Portraits“. Mit der sachlichen und minutiösen Darstellung der Gesichter von ihm nahestehenden Menschen wurde Thomas Ruff Anfang der 1980er Jahre bekannt. Die Portraits zeigen Gesichter von Freunden und Kommilitonen, die den Fotografen und damit auch den Betrachter direkt und mit ausschließlich ernstem Blick fixieren. Die Positionen von Beobachter und Betrachtetem scheinen austauschbar. Allerdings ermöglicht die parallel zur Ruff-Schau veranstaltete Ausstellung „Technology Transformation“, die anhand einer Auswahl von fotografisch-filmischen Werken aus der hauseigenen Sammlung Formen der künstlerischen Transformation beleuchtet, auch den direkten Vergleich mit diesen frühen Werken des Künstlers. Und das ist durchaus lohnenswert. Denn die Provokation, die Ruffs in seinen kühl inszenierten Kopfbildern scheinbar beliebiger junger Menschen auf monumentalen Formaten entfaltet, kann man in der aktuellen Serie der „Tableaux chinois“ nur noch erahnen.

Für diese neue, in K20 zum ersten Mal präsentierte Serie griff Ruff unter anderem auf Fotografien aus chinesischen Propagandabüchern und -magazinen zurück. Diese inszenierten Bilder, die zum Teil auch in für das Ausland produzierten Zeitschriften veröffentlicht wurden, scannte Thomas Ruff und verpixelte sie nachträglich partiell. Bereits 1996 hatte er mit der Werkreihe „Plakate“ ikonografisch an die politischen Plakate von John Heartfield und russischer Avantgardekünstler aus den 1920er und 1930er Jahren angeknüpft. Die einzelnen Affichen, digitale Collagen aus vorhandenem Bildmaterial, referieren lakonisch auf politische Themen, die Mitte der 1990er Jahre in den Medien diskutiert wurden, etwa die Abschiebepolitik des damaligen Innenministers Manfred Kanther. Anders als die auf die Übermittlung einer eindeutigen Botschaft abzielenden Vorbilder widersetzten sich Ruffs „Plakate“ durch nicht sofort zuzuordnende Motive, durch verdrehte Buchstaben, kyrillische oder chinesische Schriftzeichen einer einfachen Lesbarkeit. Zur politischen Botschaft gesellt sich die der Form und der Historizität.

Für seine 2019 entstandene Serie „Tableaux chinois“ scannte Ruff den Offset-Druck der Vorlagen und legte eine erste und zweite Pixelstruktur über die reproduzierten Drucke. Das Ergebnis ist eine Symbiose von Farben, Unschärfen und verpixelten Details, mittels derer er den Motiven – Bildern von Mao Zedong, Soldatinnen, Landschaften, Kampfjets und marschierenden und Fahnen tragenden Athleten – eine irritierende Ebene hinzufügt: werden landschaftliche oder städtische Details, Kennzeichen und Gesichter auf Bildern und in Videos häufig zum Schutz von privaten Informationen und Identitäten unkenntlich gemacht, verändert Ruff die Bilddaten, indem er die Gesichter der Portraitierten in photoshopgeschönter Ebenmäßigkeit zeigt, stattdessen aber Details der Hintergründe, wie Himmel und Landschaften, von Kleidung und Accessoires unkenntlich macht. Die Privacy-Preserving Photo Sharing-Methode, die jedes Bild in ein geheimes Bild und ein öffentliches teilt, das keine sensiblen Informationen mehr enthält, nutzt Ruff für seine eigenen Zwecke. Ihm geht es allerdings nicht um den Hinweis auf das Vermögen künstlicher neuronaler Netzwerke, die Daten erkennen, die das menschliche Auge nicht mehr verarbeiten kann. Ihn interessiert vielmehr die Überlagerung der analogen mit der digitalen Sphäre, und in dieser sichtbaren Interferenz verbindet der Künstler das Bild des heutigen, hoch digitalisierten China mit dem chinesischen Staatsverständnis der 1960er Jahre und seiner manipulativen, propagandistischen Bildpolitik.

Eine innovative politische Inszenierung gelingt Thomas Ruff mit dieser Werkreihe jedoch nicht. Insbesondere chinesische Künstler haben in den vergangenen Jahren beweisen, wie sich vor dem Hintergrund von Globalisierung, wirtschaftlichem Wandel, zunehmendem Konsumdenken und verstärkter Urbanisierung Themen wie Stadt, Urbanität, die Änderungen im städtischen Gefüge und die damit verbundenen, nicht nur gesellschaftlichen Transformationen auch in der zeitgenössischen Fotografie widerspiegeln. Dagegen wirkt Ruffs China-Kritik ziemlich banal. Auf dem Kunstmarkt hingegen wird Ruff aber gewiss auch mit diesen Arbeiten reüssieren.

Die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen kann aufgrund der nachfolgenden Beuys-Schau die Ausstellung zu Thomas Ruff nicht verlängern. Daher endet sie nun am 7. Februar. Doch zur Finissage am kommenden Sonntag lädt das Düsseldorfer Museum noch zu zwei digitalen Gesprächsrunden ein. Los geht es am 7. Februar um 15 Uhr mit einer kurzen Einführung. Um 15:15 Uhr unterhält sich Thomas Ruff mit dem Fotospezialisten Florian Ebner vom Centre Pompidou über eine „Eine andere Geschichte der Fotografie“. Um 16 Uhr folgt das Thema „Fotografie über Fotografie“, zu dem sich Esther Ruelfs vom Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg, Thomas Seelig vom Museum Folkwang in Essen und Falk Wolf von der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen unterhalten. Im Anschluss haben die Zuseher die Möglichkeit, Fragen über die Chatfunktion an die Gesprächspartner zu stellen.

Kontakt:

K20 - Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen

Grabbeplatz 5

DE-40213 Düsseldorf

Telefon:+49 (0211) 83 81 0

Telefax:+49 (0211) 83 81 201



05.02.2021

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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Veranstaltung vom:


12.09.2020, Thomas Ruff

Bei:


Kunstsammlung NRW

Kunstsparte:


Fotografie

Stilrichtung:


Fotokunst

Stilrichtung:


Zeitgenössische Kunst

Bericht:


Bildwelten der deutschen Supergehirne

Bericht:


Substrate einer Bilderflut

Bericht:


Manipuliertes Sehen

Variabilder:

in der Ausstellung „Thomas Ruff“
in der Ausstellung „Thomas Ruff“







in der Ausstellung „Thomas Ruff“

in der Ausstellung „Thomas Ruff“

in der Ausstellung „Thomas Ruff“

in der Ausstellung „Thomas Ruff“

in der Ausstellung „Thomas Ruff“

in der Ausstellung „Thomas Ruff“

in der Ausstellung „Thomas Ruff“

in der Ausstellung „Thomas Ruff“

in der Ausstellung „Thomas Ruff“

in der Ausstellung „Thomas Ruff“

in der Ausstellung „Thomas Ruff“

in der Ausstellung „Thomas Ruff“

in der Ausstellung „Thomas Ruff“

in der Ausstellung „Thomas Ruff“

Thomas Ruff, tripe_12 Seeringham. Munduppum inside gateway, 2018

Thomas Ruff, tripe_12 Seeringham. Munduppum inside gateway, 2018

Thomas Ruff, Retusche 03, 1995

Thomas Ruff, Retusche 03, 1995

Thomas Ruff, press++21.11, 2016

Thomas Ruff, press++21.11, 2016

Thomas Ruff, nudes pea10, 1999

Thomas Ruff, nudes pea10, 1999

Thomas Ruff, m.n.o.p.01, 2013

Thomas Ruff, m.n.o.p.01, 2013




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