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Frau und Sohn des Künstlers am Frühstücktisch, 1920 / Eugen Spiro

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Knieende(r), 1907/1908 / Ernst Barlach

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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Die Versteigerung für moderne Kunst von Bassenge kam mit einer hohen Verkaufsquote gut beim Publikum an – jedoch nicht immer zu den gewünschten Preisen. Die Werke des Symbolisten und Lebensreformers Fidus waren dagegen ausgesprochen gefragt

Gestutzter Schwan



Paul Klee, Landschafts scizze anlässlich einer Bestellung des Compagnie-Chefs, 1917

Paul Klee, Landschafts scizze anlässlich einer Bestellung des Compagnie-Chefs, 1917

Ob die Sonne nun auf- oder untergeht – in jedem Fall steht sie tief am Horizont und sendet ihre Strahlen über die mit Nadelbäumen bestandenen Hügel. Lässt man den Entstehungskontext der Skizze, die Paul Klee 1917 als Schreiber während seines Kriegsdienstes bei der Fliegerschule V im bayerischen Gersthofen mit Feder und Pinsel anfertigte, außer Acht, so scheint das Blatt die Stimmung eines klaren, sonnigen Tages zu vermitteln. Genauso strahlend lief die Auktion für moderne Kunst bei Bassenge an, in der über Dreiviertel der gut 360 Lose einen Abnehmer fanden. Das Berliner Haus lag mit vielen Einschätzungen richtig, die Bieter waren jedoch manchmal nicht so spendabel, wie erhofft. Zum Teil stiegen die Preise nicht bis an ihr Soll heran, wie auch die Sonne an einem schönen Wintertag tiefer am Horizont steht.


Die Ouvertüre der Versteigerung am 28. November mit einer süddeutschen Privatsammlung, zu der auch Klees Blatt gehörte, lief mit 85 Prozent verkaufter Objekte ungewöhnlich gut. Mit den beiden weiblichen amorphen Silhouetten „Deux Torses“ gestaltete Hans Arp 1950 den Übergang von der figürlichen zur abstrakten Kunst. Die Collagezeichnung auf blauem Velin erzielte statt der veranschlagten 6.000 Euro einen Zuschlag von 9.500 Euro. Max Ernsts Farbradierung mit verschlungenen Kreisformen über zwei ornamentalen Streifen wechselte für 2.200 Euro den Besitzer (Taxe 900 EUR). A.R. Pencks Drucke mit Strichfiguren übertrafen ihre Schätzungen von 600 Euro und 750 Euro: „Das rote Flugzeug“ von 1985 – rote Silhouetten nackter Personen, Tiere und Symbole vor einem gelben Hintergrund – hob für den dreifachen Betrag von 2.000 Euro ab. Das in eine rote und grüne Hälfte mit jeweils einer Person, Kreuzen und Kreisen geteilte Werk „Wir“ von 1990 kletterte immerhin auf 1.000 Euro. Die ebenfalls auf klaren Linien basierenden Drucke „Mykene“ von Willi Baumeister aus dem Jahr 1954 und „Flowers laid“ von Markus Lüpertz kamen dagegen untertourig für jeweils 400 Euro statt 600 Euro an ihr Ziel.

Eine süddeutsche Sammlung

Bei den Gemälden überzeugten ebenfalls bunte und abstrakte Kompositionen. Zu den Bestsellern gehörten drei informelle Arbeiten Heinrich Wildemanns aus der unmittelbaren Nachkriegszeit. Seine mehrfarbigen geometrischen Flächen vor grauem Hintergrund von 1950 schwangen sich von 1.800 Euro zu 3.400 Euro auf. Die gelbe, an Streichholzhäuschen erinnernde Komposition, die Rot, Grün oder Braun hinterlegt ist, verdreifachte beinahe ihren Wert auf 2.400 Euro. Wildemanns rot-braune Mischtechnik von 1947 mit gekratzten Umrisslinien und Parallelschraffuren schaffte mit 900 Euro eine Punktlandung. Für Karl Friedrich Brusts pastos auf einen blauen Hintergrund gespachtelte Farbflächen in Weiß, Orange und Schwarz der reliefhaften Malerei „A/XI/59“ von 1959 ließ ein Käufer mit 3.600 Euro über das Zweifache der Erwartungen springen.

Die Spitze bei den Skulpturen der süddeutschen Sammlung markiert das dreiteilige Werk „Vertical Red Space“ des japanischen Konzeptkünstlers Keiji Uematsu aus einem roten Kegel, einem Stein, und einem schwarzen Eisenwinkel. Der spannungsvolle Balanceakt von 2000 fand für 1.700 Euro einen Abnehmer (Taxe 500 EUR). Eine geometrische Konstruktion aus blau, gelb und rot lackierten Holzbalken wurde 1990 anlässlich einer Ausstellung über Andor Weininger im Ulmer Museum neu aufgelegt. Die posthume Konstruktion aus rechten Winkeln, Quadraten und Kreis blieb mit 400 Euro hinter ihrem Schätzpreis von 600 Euro zurück. Willi Sibers blau gefasste, grob gesägte und geschnitzte Holzarbeit „Angenabelt ans wirtliche Blau“ in Form einer überdimensionierten Sicherheitsnadel von 1989 vollzog einen Sprung von 900 Euro auf 1.500 Euro, der 2007 teils in Bronze gegossene und teils aus Pappelholz derb gehauene „Stehende im Anzug“ von Clemens Heinl wurde für 1.300 Euro an den Mann gebracht (Taxe 700 EUR).

Moderne

Charlotte Berend-Corinth stellte die in Berlin, später in New York tätige Kunsthändlerin Kate Born Schaeffer zu Beginn der 1920er Jahre verhältnismäßig klassisch mit schwarzem hochgeschlossenem Kleid und Goldschmuck dar. Die Porträtierte, die den Betrachter aufmerksam mustert, konnte sich bei 3.400 Euro über mangelnden Zuspruch nicht beklagen (Taxe 1.800 EUR). Das Doppelporträt, das Helmut Märksch um 1930/35 von sich und seinem Bruder vor einer Hügellandschaft im Stil der Neuen Sachlichkeit mit Braun- und Grüntönen angefertigt hat, blieb mit 4.500 Euro dagegen hinter den Preisvorstellungen von 6.000 Euro zurück. Ernst Bischoff-Culms nach vorne gebeugte Landfrau macht ihre ältere Begleiterin in der sonnenverbrannten, impressionistischen Landschaft auf eine kleine Pflanze und einen größeren Preissprung von 4.500 Euro auf 16.000 Euro aufmerksam. Das Fernweh ließ die sommerliche bunte italienische Landschaft mit Palme des Matisse-Schülers Hans Purrmann um 2.000 Euro auf 47.000 Euro vorrücken, ebenso Josef Eberz’ rot leuchtendes expressives Aquarell mit einem Blick auf Assisi von 3.000 Euro auf 4.400 Euro.

Das zarte Stillleben mit Zweigen eines Zitronenbaums des Franzosen René-Ernest Huet von 1914 beeindruckt durch seinen subtilen, weichen Zeichenstil und die von Paul Cézanne beeinflussten einfachen Formen und brillierte mit 2.200 Euro (Taxe 1.200 EUR). Ein deutlicher Anstieg von 600 Euro auf 4.400 Euro gelang Max Liebermanns „Kastanienbaum“ von 1916, der wie die beiden beigegeben Blätter – eine Bedienung und die große Seestraße – am Wannsee entstand. Die linke Hälfte der Kaltnadelradierung von 1916 mit dem Garten der Liebermann-Villa nimmt der Baum ein, während rechts eine weibliche Person auf einer Bank Platz genommen hat. Auf Alfred Kubins aquarellierter Federzeichnung reißt ein Mann erschrocken seine Arme empor, wobei er seinen Hut verliert, und macht einen Schritt nach links, als sein nächtlicher Gang am Wasser von einer Eule gekreuzt wird. Das Blatt um 1930 verdoppelte seinen Wert auf 4.800 Euro. Paul Kleinschmidts maskiertes Faschingspaar aus Harlekin und freizügiger Kolumbine mit Sektglas und Fächer auf einem farbenfrohen Aquarell von 1944 kann sich bei einem Zuschlag von 7.000 Euro weiterhin prächtig amüsieren (Taxe 5.000 EUR).

Gesucht waren alle 30 Druckgrafiken Käthe Kollwitz’, unter anderem zwei Blätter aus dem Zyklus „Bauernkrieg“. Die Strichätzung „Beim Dengeln“ von 1905, auf der sich eine verhärmte Gestalt müde auf ihre Sense lehnt, schnitt mit 4.000 Euro gewinnbringend ab, wurde jedoch von „Bewaffnung in einem Gewölbe“ mit 4.400 Euro noch übertroffen (Taxe je 1.200 EUR). Teuerste Kollwitz-Grafiken waren das frühe „Selbstbildnis am Tisch“ wohl von 1893 für 5.000 Euro (Taxe 4.500 EUR) und der markante Holzschnitt „Das Opfer“ von 1922 aus der Folge „Krieg“ für 5.500 Euro (Taxe 3.000 EUR). Von dem Expressionisten Emil Nolde veräußerte Bassenge unter anderem den groben Holzschnitt eines müden Hengstes vor wolkenverhangenem Himmel für 1.200 Euro (Taxe 750 EUR) und die Radierung eines Segelbootes im Hafen von Flensburg für 3.600 Euro (Taxe 1.800 EUR). Die nun 2.000 Euro teure Ansicht des Walchensees hat Lovis Corinth 1923 in einem ähnlich gratigen Stil angelegt (Taxe 800 EUR).

Während Lyonel Feininger seine maritime Radierung „The Privateer“ und den prismatischen Holzschnitt „Houses in Paris“ auf 3.000 Euro und 3.200 Euro leicht erhöhen konnte, blieb bei George Grosz doch einiges liegen, etwa seine pornografische Zeichnung „Im Atelier“ um 1950 (Taxe 12.000 EUR). Grosz’ politische Mappe „Gott mit uns“, die unter dem Wahlspruch des preußischen Königshauses den Militarismus auf die Schippe nimmt, konnte ihren Wunschwert von 15.000 Euro verteidigen. Mit der nächtlichen Szene „Whiskey“ aus seiner nicht weniger skandalträchtigen Mappe „Ecce Homo“ von 1922 kam ein weiteres gesellschaftskritisches und kubistisch beeinflusstes Blatt für 4.200 Euro unter den Hammer (Taxe 2.200 EUR). Etwas ernst blickt Peter August Böckstiegels ausgeprägter „Frauenkopf“, der sich über 2.250 Euro – angesetzt waren 600 Euro – eigentlich nicht ärgern dürfte. Der melancholische Junge auf Pablo Picassos Lithografie von 1945 stellt laut eigener Aussage ihn selbst dar. Der Druck des letzten, dunkelsten Zustandes konnte sich um 3.000 Euro auf 7.500 Euro verbessern.

Kunst seit 1945

„Der schwarze Schwan“ flog zum Tageshöchstpreis von 150.000 Euro davon, jedoch nicht ganz so majestätisch, wie die Schätzung von 180.000 Euro träumen ließ. Für seinen Vogel hämmerte Günther Uecker 1980 schwarz lackierte Nägel auf eine runde, mit schwarzer Leinwand überzogene Holzplatte. Dagegen überzeugte Ueckers weißer Prägedruck von 1971 durch seine strenge Nagelreihung bei 2.400 Euro (Taxe 1.500 EUR). Durch ihre grellen Farben regte die gepunktete Leuchtkugel „Rot-Grün-Vio“ auf schwarzem Samt von Kuno Gonschior aus dem Jahr 1968 die Kunden dazu an, 13.500 Euro auf den Tisch zu blättern (Taxe 8.000 EUR). Auch seine frühe Gouache mit sich überlagernden Punkten in den Farben Rot, Blau und Grau von 1965/70 verfehlte mit 4.200 Euro ihre Wirkung nicht (Taxe 2.500 EUR). Dem in gelben und braunen Streifen changierenden Werk „D352N“, für das Herbert Hamak 1999 Kunstharz, Pigment und Wachs zu einem hochreckteckigen Block formte, war das Glück nicht ganz so hold. Von den veranschlagten 2.400 Euro bewilligte ein Sammler nur 1.600 Euro.

Auch die in einem Luxusappartement 1968 abgehaltene „Party“ von Matthias Koeppel legte mit ihren bereits lethargisch alkoholisierten Menschen und einem Kaufpreis von 4.000 Euro wenig Dynamik an den Tag (Taxe 6.000 EUR). Die salutierenden Can-Can-Tänzerinnen in grünen Husarenuniformen des Tschechen Vlastimil Beneš von 1971 schwangen ihre Beine dann zu 15.500 Euro auf (Taxe 15.000 EUR). Noch weiter in den Ostblock ging es bei Bassenge schon tags zuvor bei den niedrigen Preisen mit Petar Lubarda. Der Bulgare orientierte sich 1954 bei seiner abstrakten Komposition mit verzahnten Farbformen auf grauem Grund nicht am Sozialistischen Realismus, sondern an der westlichen Malerei jener Jahre und wurde dafür nun mit überragenden 41.000 Euro entlohnt (Taxe 500 bis 750 EUR). Auch der DDR-Künstler Hermann Glöckner scherte sich wenig um die Kunstdoktrin seines Heimatstaates und arbeitete bevorzugt konstruktivistisch. Seine gelben Dreiecke auf der „Faltung in Gelb und Weiß“ von 1977 spielten mit ihrer stillen Eleganz 5.000 Euro ein (Taxe 4.000 EUR), seine 1963/86 im rechten Winkel ineinander verklammerten Kreisscheiben in Schwarz und Weiß 7.000 Euro (Taxe 5.000 EUR).

Die flimmernden, konzentrischen Kreise in Peter Sedgleys Gemälde „Polaris“ von 1972 aus der Serie der „Target-Paintings“ scheinen die Nordlichter direkt in das traute Heim zu bringen und entlockten ihrem neuen Besitzer 34.000 Euro (Taxe 9.000 EUR). Die beinahe menschenleere Ansicht eines Zirkuszeltes an einer Straßenkreuzung schilderte Karl Horst Hödicke in monochromen Rot; die aquarellierte Zeichnung kam auf 2.800 Euro (Taxe 1.500 EUR). Ein anheimelndes Werk schuf A.R. Penck mit der seltenen Farbaquatinta „Mutter mit Kind“ für 2.000 Euro. Die Personengruppe hebt sich in warmem Rot von dem kühlen Blau des Hintergrundes ab (Taxe 900 EUR). Eine surreale Landschaft mit Phallus von Horst Janssen, geträumt von einem alten Japaner auf einer Farbradierung des Jahres 1988, machte sich erst bei 3.800 Euro davon (Taxe 1.500 EUR). Weniger gut kamen die bunt gesprenkelten Farblithografien von Sam Francis aus den 1970er Jahren an: „For James Kirsch (SF-121)“ für 1.800 Euro (Taxe 2.400 EUR) und „Paper Weight (SF-109) für 2.600 Euro (Taxe 3.000 EUR). Dafür reüssierte ein Aquarell Mark Tobeys in kleinteiliger Gesteinsstruktur von 1957 bei 7.500 Euro (Taxe 6.000 EUR).

Kleiner Reiter und hungriger Bär

Die Skulptur verzeichnete teils hohe deutliche Preiszuwächse. Renée Sintenis’ „Pferdejunge“ von 1934, die Bronze eines nackten Knaben auf einem Pony mit lebendig gestalteter Oberfläche und effektvoll differenzierter Patina, gewann das Rennen mit 22.000 Euro (Taxe 9.000 EUR). August Gauls kleine Skulptur „Fressender Bär“ von 1895 hatte bei 7.500 Euro ebenfalls reichlich Appetit (Taxe 3.000 EUR). Die kantige, anthropomorphe Silhouette der kubistischen Skulptur „Hommage an Schlemmer und Baumeister“ von Herbert Strässer von 1957 verließ das Haus für das Doppelte der angesetzten 7.000 Euro. Strässers schlanke, aus konkav gewölbten Gliedern mit ellipsoiden Durchblicken zusammengesetzte Plastik „Vegetative Form“ wanderte dagegen schon bei 10.000 Euro statt der erhofften 15.000 Euro ab. Hofiert wurde mit 2.800 Euro die „Sonne und Wind“ ausgesetzte Bronze einer Dame von 1980, die der Natur in tänzelnder Haltung trotzt. Gerd Ewel rekurrierte dafür auf zwei Gipsmodelle seines Sujets „Frau mit Hut“, deren raue Oberfläche er für die Ausführung glättete, um das Licht zu bündeln (Taxe 1.500 EUR).

Das kleine Konvolut an Künstlerkeramik führt mit 5.000 Euro die bauchige, weiß-grau glasierte Vase des Dänen Svend Hammershøi aus den 1920er Jahren an, die ihre Taxe von 2.500 Euro damit verdoppeln konnte. Ferdinand Liebermanns Jugendstilfigur „Lustiger Ritt“ eines Porzellanakts auf einem Strauß von 1910 machte sich gleichfalls erfolgreich bei 2.800 Euro davon (Taxe 2.400 EUR). Die Objekte des unteren Preissegments mussten leichte Abschläge hinnehmen, so die schwarz und weiß gefasste „Sich Ankleidende“ von Matthias Jackisch aus dem Jahr 2012 mit netzartiger Oberflächenstruktur bei 600 Euro (Taxe 800 EUR) oder Gerda Lepkes flache Deckelvase von 2016 mit Figuren in dynamischer Strichführung bei 900 Euro (Taxe 1.200 EUR).

Höppeners Röntgenaugen

So dynamisch wie auf seinem Ölgemälde „Nachtflutwellen am Moldefjord“ rollten auch die Wogen der Begeisterung für die Werke des Lebensreformers und Symbolisten Fidus heran, die mit einer Verkaufsquote von 84 Prozent geradezu glänzten. Mit dem Nachverkauf schlug Bassenge bis auf eine Position alle 129 Arbeiten Hugo Höppeners los, die der Berliner Versteigerer in einem eigenen Katalog zusammengefasst hatte. Die „Nachtflutwellen“ in tiefen Blau- und Grüntönen mit einer schlanken, auf einem schroffen Felsen liegenden nackten Gestalt türmten sich von 12.000 Euro zu 22.000 Euro auf. Doch auch das stimmungsvolle Gegenprogramm „Märkischer Abend“, eine stille, romantisch angehauchte Novemberlandschaft mit Birken bei Sonnenuntergang, bezauberte die Kundschaft zu 3.400 Euro (Taxe 2.400 EUR).

Als Teilentwurf des „Tempels der Erde“ hat Fidus das Aquarell „Halle der Ergebung“ 1897 der Hinwendung an die Natur und dem menschlichen Geist gewidmet. Eine von Karyatiden gestützte Kolonnade, in deren Interkolumnien sitzende Figuren verzweifelt ihr Gesicht in den Händen verbergen, gibt den Blick in eine nächtliche kahle Baumlandschaft frei. Das triste Sujet vervierfachte die Bewertung von 3.500 Euro auf 13.000 Euro. Mit 30.000 Euro bereits als Hochkaräter der Auktion eingestuft, konnte die in Öl und Tempera ausgeführte Idee für das Wandprogramm eines Konzert-, Tanz- oder Theatersaales unter dem Titel „Im Tempel der Ausgießung“ sogar 54.000 Euro einfahren. An den von Schwingungen der Erde und des Himmels hervorgerufenen zeremoniellen Tanz um eine Priesterfigur in figürlich gestaltetem Rahmen schließt Höppeners Gouache „Luftträger“ an. Die durch Röntgenaufnahmen angeregte Darstellung zweier transparenter Körper ließ die Schätzung von 3.500 Euro mit einem Zuschlag von 17.000 Euro weit zurück. Auch Pläne für Denkmäler kamen bei den Käufern an. Der für ein Grabrelief erdachte Engel mit strahlender Aureole über einem liegenden männlichen Körper schwebte für 3.000 Euro davon (Taxe 900 EUR).

Weitere übernatürliche Erscheinungen weckten ebenfalls das Interesse. Der edle Recke Parsifal, den Fidus abweichend von seinem üblichen, auf Konturen basierenden Zeichenstil durch Schraffuren plastisch herausgearbeitet hat, streckte dem Betrachter mit dem Ausspruch „Nur eine Waffe taugt“ den heiligen Speer entgegen und stachelte den Kampfeswillen der Bieter zu 17.000 Euro an (Taxe 4.000 EUR). Das Brustbild des Astronomen und italienischen Priesters Giordano Bruno konnte nicht so strahlend glänzen, der Hammer fiel bereits bei 6.000 Euro (Taxe 7.500 EUR). Nicht nur der glühende Blick der vollbusigen, majestätisch auf einem Felsen über dem verängstigten Ödipus thronenden Sphinx treibt einem die Schweißperlen auf die Stirn. Auch die gebotene Summe von 16.000 Euro für die mit 7.500 Euro bewertete Kohlezeichnung lässt den Atem stocken.

Beliebt waren zudem Höppeners in kräftigen Farben leuchtende Aquarelle. Insbesondere der Kopf eines weiblichen „Eros“, durch schlängelnde Haarpracht und starre, rot geränderte Augen einem Medusenhaupt ähnlich, trumpfte mit 11.000 Euro auf (Taxe 2.200 EUR). Zwei theosophische Blätter konnten ihren Wert ebenfalls verfünffachen: Den „Luziferischen Willen“ visualisierte Fidus in einer modernen Auslegung als rötliche Lichtgestalt, die ähnlich einer Lavawolke in den Himmel steigt und ihre Strahlkraft von 9.000 Euro in roten und blauen Spiralformen an die Atmosphäre abgibt (Taxe 1.800 EUR). Nicht nur durch den Aufprall des gleißenden Lichtstrahls auf ihre Unterarme konnte sich die junge Frau auf der mit der Aufschrift „Karma“ betitelten farbigen Kreidezeichnung ekstatisch nach hinten beugen, sondern auch auf Grund des Zuschlags von 3.800 Euro (Taxe 750 EUR). Auch die kometenähnlichen Formen der „Astralpsychologischen Versuchsstation“ für 9.000 Euro (Taxe 2.400 EUR) und die an Feuerwerkskörper erinnernden, prismatischen Lichtsymbole des „Astral-kosmischen Motivs“ für 3.200 Euro legten preislich gehörig zu (Taxe 750 EUR).

Überraschungen hielten Fidus’ Autografen und Postkarten an die Familie oder an den Komponisten Arno Rentsch, seinen Hausnachbarn in Woltersdorf bei Berlin, für 1.600 Euro und 1.200 Euro sowie an den Mäzen Klaus Wieben, denen eine handschriftliche Preisliste und zwei weitere Postkarten beigegeben waren, für 4.200 Euro bereit (Taxe je 240 EUR). Auch Fotografien von Hugo Höppener konnten ihre Preisangaben vervielfachen. So verfehlten beispielsweise drei auf 180 Euro geschätzte Abzüge, die zum Tode des Künstlers 1948 entstanden und Höppener etwa auf dem Totenbett zeigten, für 550 Euro ihre Wirkung nicht.

Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Galerie Bassenge

Erdener Straße 5a

DE-14193 Berlin

Telefon:+49 (030) 893 80 290

Telefax:+49 (030) 891 80 25

E-Mail: info@bassenge.com



08.01.2021

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Amanda Bischoff

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