Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Auktionsanzeige

Am 04.06.2021 Auktion 1174: Kunstgewerbe

© Kunsthaus Lempertz

Anzeige

Danae / Heinz Kreutz

Danae / Heinz Kreutz
© Döbele Kunst Mannheim


Anzeige

Nautiluspokal / Franz von  Stuck

Nautiluspokal / Franz von Stuck
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Anzeige

ohne Titel / Günther Uecker

ohne Titel / Günther Uecker
© Galerie Luther


Anzeige

Sauwetter am Stachus mit Nornenbrunnen im winterlichen München / Otto Pippel

Sauwetter am Stachus mit Nornenbrunnen im winterlichen München / Otto Pippel
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Anzeige

Ohne Titel - Chromatische Konstellation, 2015 / Heinz Mack

Ohne Titel - Chromatische Konstellation, 2015 / Heinz Mack
© Galerie Neher - Essen


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Bei der aufgeschobenen Dezemberauktion im Kinsky fielen die Hochkaräter der Alten Meister durch. Bei Bildern des 19. Jahrhunderts und den Antiquitäten lief es besser, aber auch hier verirrten sich einige Glanzstücke im Unterholz

Im Märchenwald



Karl Mediz, Der Birkenwald, 1894

Karl Mediz, Der Birkenwald, 1894

Ein Gewirr von weißen Stämmen, hell erleuchtet, sodass das Gras des aufgeräumten Waldbodens einen wunderbaren Fleckerlteppich ergibt. Kurz gesagt, eine Idylle von einem Birkenwald, in den der Maler Karl Mediz noch ein Faunenpaar integrierte. Sie, ein sitzender Rückenakt, scheint über die tadellosen Rinden der Birken zu philosophieren, während er mit gespanntem Bogen in die sich kreuzenden Kronen der Bäume zielt. Sein Pfeil muss sich in diesem Gestrüpp verirren und eine unvorhergesehene Flugbahn einschlagen. Ähnlich verschlungene Wege gingen auch die Gebote der Kunden bei der Dezemberauktion im Kinsky, denn nur selten wurden hohe Taxen bestätigt, und nur wenige Ausreißer fanden den Weg aus dem Dickicht in den Glanz der Wertsteigerungen: Beim zwischen 25.000 und 50.000 Euro geschätzten, symbolistischen Mediz-Gemälde von 1894 stockte das Handheben bereits bei 21.000 Euro, und die Nachverhandlungen sollen den Verkauf noch richten.


Den höchsten Preis, der allerdings wiederum unter Vorbehalt steht, gab es in Wien mit 450.000 Euro für die „Hortensien“ von Olga Wisinger-Florian. Die prächtigen, sich bis weit in die Bildtiefe ziehenden, weiß-violetten Blütendolden hat die Wiener Malerin mit pastos-impressionistischen Pinselstrich so realitätsnah auf die Leinwand gebannt, dass man meint, die Bienen summen zu hören. Hier zeigt es sich wieder einmal, dass das Tricksen mit der unteren Taxgrenze von 350.000 Euro nicht unbedingt mehr Interessenten anlockt; denn als Limit waren zwischen dem Einlieferer und dem Kinsky 500.000 Euro ausgemacht. Wisinger-Florians eher konventionell daherkommender „Gebirgsbach“ plätscherte mit 5.000 Euro dann am unteren Schätzpreis entlang. Das Symbol für Freiheit und Unabhängigkeit in den Bergen, Ferdinand Georg Waldmüllers „Zwey Tiroler auf einer Berghöhe ausruhend“ aus dem Jahr 1829, stieß auf keine Gegenliebe; die Erwartung von 250.000 bis 450.000 Euro hatte eigentlich Hoffnung auf den zweiten Platz gemacht. Auch Waldmüllers Jagdhund des Grafen Esterházy von 1823 musste bei 25.000 bis 50.000 Euro wieder an sein bisheriges Herrchen zurück.

Gemälde des 19. Jahrhunderts

So blieb es Markus Pernhart vorbehalten, in der Auktion mit Alter Kunst und Antiquitäten am 15. und 16. Dezember die Spitzenposition zu besetzen. Sein schneebedecktes, sich über den Dunst des Tals erhebendes „Glocknermassiv vom Matreier-Törl“ mit ein paar Reisenden im Vordergrund traf mit 55.000 Euro in etwa die Mitte der Schätzgrenzen. Seine übrigen Werke reüssierten gleichfalls, etwa sein Gemälde einer stillen Seelandschaft mit Kahn aus den 1850er Jahren bei 30.000 Euro (Taxe 20.000 bis 40.000 EUR), seine Zeichnung von Palazzi am Canal Grande in Venedig bei 4.500 Euro (Taxe 2.000 bis 4.000 EUR). Zu den wenigen Arbeiten, die im Kinsky Preissteigerungen verzeichnen konnten, gehörte der „Der Waschtag“ von Carl Moll aus dem Jahr 1895. Sein fleißiges Dienstmädel, das in einem gelb gehaltenen Interieur wasserspritzend wäscht, war wohl wegen seines ungewöhnlichen Sujets mit 10.000 bis 20.000 Euro niedrig veranschlagt und konnte sich über 27.000 Euro freuen. Auch der felsige, brandungsumwogte Küstenabschnitt auf Capri von Alfred Zoff um 1896 kam bei gleicher Preisvorstellung mit 24.000 Euro besser an, als erwartet. Seine „Faraglioni-Felsen vor der Küste von Capri“, die aus einem ruhigen Mittelmeer herausragen, bestätigten mit 16.000 Euro die Einschätzung des Auktionshauses.

Diese Bilder gehörten zu den gut 52 Prozent, die in der Abteilung „Gemälde des 19. Jahrhunderts“ beim Kinsky den Absprung schafften. Bei Rudolf von Alt war der Zuspruch geteilt. Gut behaupteten sich in der Auktion sein Aquarell der spätbiedermeierlichen, vollgestopften Zimmerfolge in der Wohnung der Gräfin Lanckoronska-Brzezie im Fries’schen Zinshaus in Wien von 1885 bei 17.000 Euro (Taxe 15.000 bis 30.000 EUR) und die nur behutsam mit Aquarellfarben übergangene Zeichnung aus dem Kurgarten in Bad Kissingen von 1864 bei 5.000 Euro (Taxe 1.000 bis 2.000 EUR), während seine beiden Italien-Veduten mit dem Canal Grande in Venedig und dem Titusbigen in Rom bis zum Nachverkauf warten mussten, um untertourig bei 15.000 Euro und 10.000 Euro übernommen zu werden. Sein nicht vollständig aquarelliertes Blatt mit dem „Rathaus in Mödling“ harrt noch bei 15.000 Euro unter Vorbehalt seiner endgültigen Erlösung (Taxe 25.000 bis 50.000 EUR), und für sein Ölgemälde mit einem venezianischen Blick nach San Giorgio Maggiore mochte sich bisher niemand erwärmen (Taxe 35.000 bis 60.000 EUR). Als Aquarellist war noch Josef Kriehuber mit seinem charmanten Doppelportrait der kleinen Prinzessinnen Elise und Fanny Liechtenstein aus dem Jahr 1835 bei 15.000 Euro in der Taxmitte erfolgreich. Bei gleicher Schätzung gab es diesen Preis zudem für Tina Blaus Waldlandschaft bei Mödling von 1869, die mit ihren pinienähnlichen, zerzausten und umgestürzten Krüppelkiefern an die Romantiker erinnert (Taxe 10.000 bis 20.000 EUR). Ihr weitaus impressionistischer gemalter „Sommerspaziergang“ um 1884 fuhr ebenfalls 15.000 Euro ein (Taxe 15.000 bis 30.000 EUR).

Wie wechselnd die Bietergunst war, zeigen unter anderem die Bilder des Tiermalers Wilhelm Kuhnert. Sein mit 14.000 bis 28.000 Euro höher bewertetes Ölgemälde eines liegenden Nashorns kostete wie die Papierarbeit des sich vor einem Felsblock anpirschenden Löwen 16.000 Euro (Taxe 8.000 bis 16.000 EUR). Kuhnerts Herde von Straußen in der afrikanischen Savanne hingegen wurde bei 7.000 bis 14.000 Euro verschmäht. Im Gegensatz dazu schlugen sich die Bieter beinahe um den fast krachledern daherkommenden „Balzenden Auerhahn“ von Erich Dichtl. Das alpine Federvieh verfünffachte seinen Wert auf 5.500 Euro, seine drei Gämsen im verschneiten Hochgebirge versechsfachten den ihrigen sogar auf 6.000 Euro. Für Franz Xaver von Pausingers Kohlezeichnung eines Hirschrudels am Gebirgsbach musste die Kundschaft 7.000 Euro aufwänden (Taxe 3.500 bis 6.000 EUR). Allerdings waren Jagdmotive nicht immer ein Garant für gigantische Steigerungen. Carl von Dombrowskis „Gamswild im Gebirge“, das mehrere dieser famosen ‚Alpinisten‘ bei der verschneiten Dremelspitze in den Lechtaler Alpen zeigt, kletterte nur 500 Euro über die untere Schätzgrenze von 6.000 Euro. Die „Hexe von Harzloh“, eine von Paul Mathias Padua herzig gemalte, etwas skeptisch blickende Dackeldame, blieb ebenfalls mit 2.000 Euro auf dem Boden der Tatsachen (Taxe 1.000 bis 2.000 EUR). Alexander Koesters fünf Enten im Schilfwasser müssen bei anvisierten 20.000 bis 40.000 Euro allerdings noch einige Runden drehen.

Skulpturen und Antiquitäten

Die Skulpturen namhafter Bildhauer oder die Figuren, die berühmten Werkstätten zugeschrieben werden, machten einen Tag später wiederum kaum einen Stich. So blieben eine Erasmus Grasser nahestehende, ungefasste Verkündigungsgruppe (Taxe 15.000 bis 30.000 EUR), zwei Heiligenfiguren ohne erkennbare Attribute aus dem Umkreis von Lorenz Luidl, ein weiß und golden gefasstes Engelspaar aus dem Kreis von Johann Peter Wagner (Taxe je 10.000 bis 20.000 EUR), ein reizendes Puttoköpfchen mit Wolken aus der Werkstatt Ignaz Günthers (Taxe 2.500 bis 5.000 EUR), acht bewegte Apostel in originaler Fassung und Vergoldung aus dem Atelier Martin Zürns und eine herbe Anna Selbdritt-Gruppe aus dem Umfeld Lienhard Astls im Kinsky zurück (Taxe je 25.000 bis 50.000 EUR). Zwei gerahmte Hochreliefplatten aus Lindenholz, die Johann Georg Schwanthaler mit der Bergpredigt beziehungsweise der Taufe Christi geschnitzt hat, kamen beide für 6.000 Euro unter den Hammer (Taxe je 5.000 bis 10.000 EUR). Mehr Engagement legten die Kunden bei einem nicht näher bestimmten Relief mit der Himmelfahrt Mariens am Übergang von Gotik zu Renaissance an den Tag, das einer von ihnen erst für 16.000 Euro mitnehmen konnte (Taxe 8.500 bis 15.000 EUR). Eine Überraschung bot zudem ein schlichter, gut zehn Zentimeter hoher romanischer Christuskorpus im Viernageltypus. Die Bronze um 1200, deren linker überlanger Arm ab dem Ellenbogen fehlt, verneunfachte ihren unteren Schätzwert auf 4.500 Euro.

Bei den zerbrechlichen Objekten funkelten vor allem die Gläser mit höheren Preisen, obgleich kaum die obere Schätzgrenze geknackt wurde. So wurden eine Branntweinflasche (Taxe 7.000 bis 14.000 EUR) und eine Rippenflasche (Taxe 10.000 bis 20.000 EUR), beide mit zinnernen Mundstück, bernsteinfarben und aus Kramsach um 1700, mit 11.000 Euro respektive 15.000 Euro ihren Erwartungen gerecht. Ein schöner, venezianischer Kuttrolf aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, dessen gedrehter Hals mit drei blauen Hohlkugeln verziert ist, hielt sich mit 4.000 Euro ferner in den Grenzen der Schätzung auf. Ein circa 1730 in der Werkstatt von Ignaz Preissler geschliffenes Pokalpaar mit den in Schwarzlot ausgeführten Wappen der Grafen von Trauttmansdorff und Weinsberg wechselte taxkonform für 4.000 Euro den Besitzer. Ein Trichterpokal mit einem Wappen und einer Jagdszene, der bei Preissler gut zehn Jahre früher entstand, ging bei 15.000 bis 30.000 Euro leer aus. Dasselbe Schicksal ereilte zwei im maurischen Stil bemalte langhalsige Vasen Philippe-Joseph Brocards vom Ende des 19. Jahrhunderts (Taxen zwischen 7.000 und 20.000 EUR). Dafür überzeugte eine violettstichige Vierkantflasche aus Böhmen oder Nürnberg um 1700 bei 5.000 Euro, in die eine Jagdszene, das Wappen von Johann Wolfgang Freiherr von Neuhaus zu Greifenfels, eine Ansicht des Regensburger Doms St. Peter, die Burg und Stadt Donaustauf sowie Wörth an der Donau geschnitten sind (Taxe 3.000 bis 6.000 EUR).

Keramik im Aufwind

Eine hohe Abnahmedichte verbuchten die sonst eher schwergängigen Keramikobjekte. Herausragend waren hier zwei hellbraune Altenburger Walzenkrüge aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts mit ihrem charakteristischen Perlen- und Reliefdekor eines höfischen Paares beziehungsweise eines Stiefels als Zunftkrug der Schuster für 3.800 Euro und 2.800 Euro (Taxe je 1.000 bis 2.000 EUR) und der Nürnberger Enghalskrug von 1704 bei 14.000 Euro, auf dessen weißem Fayencegrund das Wappen der dortigen Patrizierfamilie Kreß von Kressenstein in Blau prangt (Taxe 10.000 bis 18.000 EUR). Auch einen Gmundener Walzenkrug, um 1760 bunt mit den Heiligen Georg und Anna bemalt, konnte das Kinsky bei 10.000 Euro gewinnbringend an einen Sammler vermitteln (Taxe 3.500 bis 7.000 EUR).

Der Glanz des Silbers reizte die Bieter wieder weniger; wenn sie überhaupt zuschlugen, hielten sie sich meist an die Vorgaben des Hauses. Ein kleiner Nürnberger Kugelfußbecher mit barocker Akanthus- und Blütenzier des Meister Johann Höfler und ein schlichter Augsburger Schlangenhautbecher mit der Marke Georg Lotters I. kamen beide nicht über 1.200 Euro hinaus. Genauso wenig Auftrieb verspürte ein historistisches Kaffee- und Teeservice der Wiener Goldschmiedefirma Josef Carl Klinkosch. Das vollständig erhaltene Geschenk aus dem englischen Königshaus an den österreichischen Admiral Hermann Freiherr von Spaun brachte 6.500 Euro (Taxe 5.000 bis 10.000 EUR). Auch eine neogotische vergoldete Turmmonstranz, entworfen von dem Belgier Léon Bressers im Jahr 1892, konnte trotz ihrer hochstrebenden Formen bei 20.000 Euro nicht die Decke durchstoßen (Taxe 15.000 bis 30.000 EUR). Fortuna lächelte nur einem spätbarocken schlichten Kerzenleuchterpaar des Wiener Meisters Fabian Sebastian Feywary von 1752 bei 6.000 Euro (Taxe 2.500 bis 5.000 EUR).

Bei den wenigen Möbeln gab es wieder eine Überraschung. Ein Braunschweiger Tabernakelsekretär aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, dessen üppiger floraler und Rocaille-Dekor im Gegensatz zu den klaren geraden Linien des Nussholzkorpus steht, versetzte die Bieter in Aufregung und knüpfte mit einem Zuschlag bei stolzen 50.000 Euro an alte Glanzzeiten der Möbelkunst an (Taxe 10.000 bis 20.000 EUR). Ebenso erfolgreich waren Objekte, die gut in Kuriositätenkabinette passen, beispielsweise eine Salzburger Tabatiere, die Ende des 18. Jahrhunderts aus dem Horn eines Steinbocks geschnitzt worden war. Das gute Stück mit Jagdszenen übersprang seine Taxe von 3.500 bis 7.000 Euro um weitere 2.000 Euro. Ein stattlicher Serpentinhumpen aus Sachsen um 1700 orientierte sich bei 18.000 Euro an seiner oberen Schätzung von 20.000 Euro. Ein etwa gleichaltriger deutscher Pokal, bei dem eine Kokosnuss zur Trinkschale umgearbeitet und wohl später noch einmal reich gefasst worden war, schlug sich mit 12.000 Euro wacker (Taxe 4.000 bis 7.000 EUR). Ein makabres Memento Mori, ein in einem Eisenkäfig eingesperrter Totenschädel aus dem 17. Jahrhundert, verbesserte sich von 1.000 Euro auf 3.200 Euro.

Eine aufwändig mit Wappen sowie Blüten- und Blattwerk verzierte, sechskantige Schraubflache des Nürnberger Zinngießers Jobst Sigmund Geisser, datiert auf das Jahr 1681, vervierfachte ihren Wert auf 10.000 Euro. Fast alle 21 Zunftzeichen und Aushängeschilder liefen gut. Den höchsten Wert erzielte – nomen est omen – der Aushänger „Zur Goldenen Sau“ mit 6.000 Euro (Taxe 2.500 bis 5.000 EUR). Der „Goldenen Sau“ folgend, schlug sich auch das signierte Netsuke eines Wildschweins aus Buchsbaum mit Hauern aus Elfenbein bei 3.200 Euro sehr gut. Diesen Wert maß ein Bieter einem ebenfalls um 1800 aus den gleichen Materialien geschnitzten Bohnenschoten-Netsuke bei. Die größte Steigerung schaffte allerdings ein Figürlein in der Gestalt eines Ronin, eines herrenlosen Samurais. Der elfenbeinerne, schwertziehende Krieger, dessen Katana aus echtem Metall gefertigt ist, verelffachte seine Schätzung auf beeindruckende 11.000 Euro (Taxe je 1.000 bis 2.000 EUR).

Gemälde Alter Meister

Auf Befehl der soldatisch gekleideten Vernunft legt Mäßigung der nackten und reizenden Habgier Zügel an. Diese barocke Allegorie von Giovanni Segala, die für 7.500 Euro unter den Hammer kam (Taxe 3.000 bis 6.000 EUR), beschreibt gut das traurige Kapitel der Alten Meister im Kinsky. Denn die Sammler hielten sich auffallend zurück und nahmen von den Gemälden vor 1800 losbezogen nur schlappe 35 Prozent mit, mit dem Nachverkauf stieg dieser Wert wenigstens noch auf 43 Prozent. Wie bei den Skulpturen zogen auch hier die großen Namen mit den hohen Einschätzungen nicht. Für Frans Franckens II. mythologische Waldlandschaft mit drei Wesen der Göttin Diana (Taxe 100.000 bis 200.000 EUR), die „Lustige Bauerngesellschaft“ von Jan Massys (Taxe 30.000 bis 60.000 EUR), das Treffen von Salomon mit der Königin von Saba des Rubens-Schülers Erasmus Quellinus II. (Taxe 50.000 bis 100.000 EUR), Martin van Meytens’ d.J. Kinderportrait des späteren Kaisers Joseph II. (Taxe 15.000 bis 30.000 EUR) und die beiden Bilder, bei denen Jan Brueghel d.Ä. und sein gleichnamiger Sohn mit anderen Malern zusammen gearbeitet hatten (Taxe 80.000 bis 150.000 EUR bzw. 250.000 bis 500.000 EUR), fanden sich bis dato keine Käufer.

Deutlich besser erging es Lavinia Fontana. Ihre bewegte, in manieristisch leuchtenden Farben gehaltene „Darstellung des Herrn“, die vor allem durch das nach seiner Mutter tastende Jesuskind ergreift, erreichte 50.000 Euro (Taxe 35.000 bis 70.000 EUR). 24.000 Euro spendierten die Sammler für Domenico Maria Canutis „Mystische Vermählung der heiligen Katharina“. Bei diesem Werk um 1670 sieht man am von Links kommenden Schlaglicht den Nachhall Caravaggios (Taxe 20.000 bis 40.000 EUR). Mit 11.000 Euro musste sich Adriaen van Stalbemts unspektakuläre, grün dominierte „Weite Hügellandschaft mit Reisenden“ um 1605/10 begnügen (Taxe 12.000 bis 20.000 EUR), mit 9.000 Euro lag Johan Pietersz Schoeffs dann schon brauntonige Flusslandschaft um 1649 wenigstens 1.000 Euro über der unteren Schätzgrenze. Das symbolgeladene und nur schwer in allen Feinheiten zu deutende Gemälde „Amor als Sieger“ mit Laute in der Hand, das dem Frühbarockmeister Astolfo Petrazzi aus Siena zugeschrieben wird, behauptete sich mit 14.000 Euro klarer innerhalb der Schätzwerte von 10.000 bis 20.000 Euro. Diese ließ eine auf die Personen konzentrierte „Anbetung der Könige“ aus dem Umkreis Andrea Mantegnas mit 16.000 Euro hinter sich. Mal sehen, ob die mit 5.000 bis 10.000 Euro veranschlagte, arg ramponierte Holztafel nach einer Restaurierung wieder auf dem Kunstmarkt auftaucht.

Die Preise verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

im Kinsky - Kunst Auktionen GmbH

Freyung 4

AT-1010 Wien

Telefax:+43 (01) 532 42 00-9

Telefon:+43 (01) 532 42 00

E-Mail: office@imkinsky.com



05.01.2021

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Jörg Berghammer

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Gesamt Treffer 46

Seiten: 1  •  2  •  3  •  4  •  5  •  6

Events (2)Adressen (1)Kunstsparten (12)Berichte (1)Kunstwerke (30)

Veranstaltung vom:


15.12.2020, Alte Meister - Gemälde des 19. Jahrhunderts

Veranstaltung vom:


16.12.2020, Antiquitäten - Jugendstil & Design

Bei:


im Kinsky - Kunst Auktionen

Kunstsparte:


Skulptur

Kunstsparte:


Silber

Kunstsparte:


Kunstkammerobjekte

Kunstsparte:


Antiquitäten

Kunstsparte:


Asiatika

Kunstsparte:


Netsuke







Adriaen van Stalbemt, Weite Hügellandschaft mit Reisenden, um 1605/10

Adriaen van Stalbemt, Weite Hügellandschaft mit Reisenden, um 1605/10

Taxe: 12.000 - 20.000 EURO

Zuschlag: 11.000,- EURO

Losnummer: 84

Markus Pernhart, Seelandschaft mit Kahn, um 1850/57

Markus Pernhart, Seelandschaft mit Kahn, um 1850/57

Taxe: 20.000 - 40.000 EURO

Zuschlag: 30.000,- EURO

Losnummer: 251

Deckelhumpen, Sachsen, um 1600

Deckelhumpen, Sachsen, um 1600

Taxe: 12.000 - 20.000 EURO

Zuschlag: 18.000,- EURO

Losnummer: 647

Netsuke als Wildschwein, Japan, um 1800

Netsuke als Wildschwein, Japan, um 1800

Taxe: 1.000 - 2.000 EURO

Zuschlag: 3.200,- EURO

Losnummer: 866

Markus Pernhart, Venedig. Canal Grande

Markus Pernhart, Venedig. Canal Grande

Taxe: 2.000 - 4.000 EURO

Zuschlag: 4.500,- EURO

Losnummer: 252

Ignaz Preissler, Paar Pokale mit den Wappen des Grafen von Trauttmansdorff und Weinsberg, um 1730

Ignaz Preissler, Paar Pokale mit den Wappen des Grafen von Trauttmansdorff und Weinsberg, um 1730

Taxe: 3.000 - 6.000 EURO

Zuschlag: 4.000,- EURO

Losnummer: 520

Alfred Zoff, Felsküste bei Capri, um 1896

Alfred Zoff, Felsküste bei Capri, um 1896

Taxe: 10.000 - 20.000 EURO

Zuschlag: 24.000,- EURO

Losnummer: 418

Tina Blau, Motiv bei Mödling, 1869

Tina Blau, Motiv bei Mödling, 1869

Taxe: 10.000 - 20.000 EURO

Zuschlag: 15.000,- EURO

Losnummer: 394

Domenico Maria Canuti, Die mystische Vermählung der heiligen Katharina, um 1670

Domenico Maria Canuti, Die mystische Vermählung der heiligen Katharina, um 1670

Taxe: 20.000 - 40.000 EURO

Zuschlag: 24.000,- EURO

Losnummer: 31

Johann Georg Schwanthaler, Bergpredigt, um 1790

Johann Georg Schwanthaler, Bergpredigt, um 1790

Taxe: 5.000 - 10.000 EURO

Zuschlag: 6.000,- EURO

Losnummer: 772

Léon Bressers, Neogotische Turmmonstranz, 1892

Léon Bressers, Neogotische Turmmonstranz, 1892

Taxe: 15.000 - 30.000 EURO

Zuschlag: 20.000,- EURO

Losnummer: 694

Carl Moll, Der Waschtag, 1895

Carl Moll, Der Waschtag, 1895

Taxe: 10.000 - 20.000 EURO

Zuschlag: 27.000,- EURO

Losnummer: 393




Copyright © '99-'2021
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce