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Aktuellzum Archiv:Ausstellung

Das Kölner Museum Ludwig nimmt die eigene Sammlung in den Blick. In einer konzentrierten, wie couragierten Schau entlarvt es viele Werke der russischen Avantgarde aus seinem Bestand als Fälschung. Für seinen Mut hat das Museum jetzt die Auszeichnung „Beste Ausstellung“ erhalten

Wenn Sammlerdrang Klarsicht ausschaltet



in der Ausstellung „Russische Avantgarde im Museum Ludwig – Original und Fälschung. Fragen, Untersuchungen, Erklärungen“

in der Ausstellung „Russische Avantgarde im Museum Ludwig – Original und Fälschung. Fragen, Untersuchungen, Erklärungen“

Der erste zu sein, wenn es darum geht, auf den Zug einer vermeintlichen späteren Welle aufzuspringen, hat schon vielen den Blick verstellt. So war es wohl auch beim Sammler Peter Ludwig. Immer wieder erregten Werke aus seiner russischen Avantgardekollektion hinsichtlich ihrer Authentizität und Autorenschaft starke Zweifel. Als er sie jedoch in der Nachkriegszeit erwarb, gab es kaum Experten, Vergleichsmöglichkeiten und Dokumente. In der Sowjetunion wurden jene Werke ab 1932 der vorherrschenden stalinistischen Staatsdoktrin wegen unter Verschluss gehalten. Die verzögerte Rezeption begünstigte das Fälscherhandwerk, denn im Westen wuchs ab den 1960er Jahren das Interesse an der russischen Avantgarde. Sie mutierte zur beliebten Schmugglerware ohne genaue Herkunftsnachweise. Der Kunstgenuss und die Magie großer Namen verfälschte oft das Feingefühl, und nur allzu gutgläubig verließen sich wohl auch Peter und Irene Ludwig auf fragwürdige Expertisen.


Neben Pop Art und Picasso stellt jene Richtung einen Schwerpunkt seines Fundus dar, der rund 600 russische Arbeiten aus der Zeit zwischen 1905 und 1930 umfasst, darunter 100 Gemälde. Heute ist er im Museum Ludwig beheimatet. Über zehn Jahre hinweg hat das Kölner Haus fast 50 Gemälde systematisch von einem internationalen Wissenschaftlerteam mit allen zur Verfügung stehenden Methoden auf Herz und Nieren untersuchen lassen. 22 davon wurden als nicht echt entlarvt. Derzeit präsentiert das Museum die Ergebnisse in der Schau „Russische Avantgarde im Museum Ludwig – Original und Fälschung. Fragen, Untersuchungen, Erklärungen“. Dafür darf es sich nun mit dem Titel „Beste Ausstellung“ schmücken. In der NRW-Kritikerumfrage der Welt am Sonntag lobte die Mehrzahl der Journalistinnen und Journalisten den „besonderen Mut“ der Kölner. Es sei ein Novum, dass ein Museum so kritisch seine eigene Sammeltätigkeit beleuchte. Damit werde es zum Ort der Aufklärung und Bildung, so Stefan Koldehoff vom Deutschlandfunk.

Am Beispiel von 27 Werken stellt die gut aufgearbeitete Präsentation drei Grundpfeiler zur allgemeinen Beglaubigung vor. Zunächst einmal wurden Herkunft, Vorbesitzer und Werklisten geprüft. Es folgte die kunstwissenschaftlich-stilistische Einordnung, bei der Komposition, Malweise, Motiv, Matt- und Glanzgrade oder Materialien im Fokus standen. Zum Dritten kamen kunsttechnologische Materialuntersuchungen hinzu. Das Röntgen, chemisch-physikalische Analysen des Bildträgers, Proben der Pigmente und Bindemittel sowie die C 14-Datierung mit der Radiokarbonmethode gehörten dazu. Schon vorweg wird allerdings das Fazit explizit als „nie endgültig“ klassifiziert. Auch den Ausdruck Fälschung vermieden die Ausstellungsmacher, da im juristischen Sinne eine Betrugsabsicht nachweisbar sein muss. „Zweifel an der Zuschreibung“ oder „die Künstlerin kann das Bild nicht gemalt gaben“ lauten die recht wagen seiltänzerischen Bilanzen am Ende.

Das trifft auch auf Olga Rosanowas „Landschaft (Zerlegung der Formen)“ zu, einer vorgeblich 1913 entstandenen kubofuturistischen Arbeit, die Peter Ludwig 1985 in der damals noch in Köln ansässigen Galerie Gmurzynska erwarb. Erst nach 1950 eingeführte synthetische Polyesterfasern in der Leinwand oder damals nicht marktgängige titanweiße Anteile bei den Pigmenten sind eindeutige Hinweise auf eine Nachbildung. Vorbild war eine in der Sammlung Thyssen-Bornemisza vorhandene subtilere Version, die direkt daneben gesichert mit Rahmen und Glas ausgestellt ist.

Noch deutlicher werden die Unterschiede beim anschließenden Vergleich. Peter und Irene Ludwig kauften Ljubow Popowas „Malerische Architektonik“ in selbiger Galerie. Bei der Röntgenuntersuchung des beim Verkauf in die Jahre um 1920 datierten Bildes kamen abweichende Grundierungen zutage, ebenso variierende Pinselführungen und Texturen im Vergleich zum Original. In akribisch geführten Werklisten taucht die zudem ohne Signatur und Datierung versehene Arbeit nirgendwo auf. Wiederholungen sind ohnehin im Œuvre der Künstlerin nicht nachweisbar. Schon bei der Betrachtung stechen deutlich die Unterschiede im Kolorit und in der Art des Auftrags ins Auge. Anders hingegen verhält es sich bei einem Glanzstück der Kollektion: „Supremus No. 38“ von Kasimir Malewitsch hat sich als echt erwiesen.

Zum Schluss hat die Kuratorin Rita Kersting einen aktuelleren Fall aufgegriffen. Das „Stillleben mit Flusskrebs“ von Michail Larionow, das das Aachener Sammlerpaar Ludwig wiederum über die Galerie Gmurzynska seiner Sammlung einverleibte, diente vermutlich als Vorlage für ein identisches Bild, das im Jahr 2007 in der Auktion „Russische Kunst des 20. Jahrhunderts“ vom Stuttgarter Auktionshaus Nagel angeboten wurde. Die im Kontrast zum Vorbild viel räumlicher und konventioneller gehaltene Zweitfassung gehörte zu den fast 2.000 Bildern der russischen Avantgarde, die vom Bundeskriminalamt im Jahr 2013 beschlagnahmt wurden. Die Betreiber der Wiesbadener SNZ Galeries wurden nach jahrelangem Prozess wegen Betrugs verurteilt. Der Fall „Stillleben mit Hummer“ ist derweil verjährt. Die schnelle Verjährung sowie die unabhängige Beurteilung von Experten bereiten Juristen immer wieder beträchtliche Probleme.

Schon das gerichtliche Scheitern der von der Züricher Galerie Gmurzynska angestrebten Herausgabe von Vorabinformationen über die Forschungsergebnisse sorgte bereits im Vorfeld der Schau für Aufsehen. Die transparent und extrem präzise aufgearbeiteten Resultate der Analysen stehen stark im Gegensatz zu der nach Museumsangaben mangelnden Kooperation der Galerie. Deren sachfremde Vorwürfe und Erklärungen hätten nichts mit der objektiven Vorstellung wissenschaftlich gesicherter Fakten zu tun, so das Museum Ludwig. Das einzige Desiderat an der verdienstvollen Museumsarbeit ist eine deutlichere Klassifizierung der als falsch entlarvten Gemälde, etwa als „Nachbildung“ oder „Imitation“. Auch die klare Benennung des monetären Schadens wäre schön gewesen. Als einzig mögliche Schlussfolgerung bleibt nun, die Werke aus dem Korpus der Sammlung zu entfernen.

Die Ausstellung „Russische Avantgarde im Museum Ludwig – Original und Fälschung. Fragen, Untersuchungen, Erklärungen“ wird nach dem Lockdown voraussichtlich bis zum 2. Februar 2021 zu sehen sein. Das Museum Ludwig hat dann täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, jeden ersten Donnerstag im Monat bis 22 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 11 Euro, ermäßigt 7,50 Euro. Zur Ausstellung ist eine Begleitpublikation erschienen, die im Museum 25 Euro kostet. Filme und Informationen zur Schau und den einzelnen Bildern sind auf der Webseite des Museums abrufbar.

Kontakt:

Museum Ludwig Köln

Heinrich Böll Platz

DE-50667 Köln

Telefax:+49 (0221) 221 241 14

Telefon:+49 (0221) 221 261 65



04.01.2021

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Veranstaltung vom:


26.09.2020, Russische Avantgarde im Museum Ludwig – Original und Fälschung. Fragen, Untersuchun gen, Erklärungen

Bei:


Museum Ludwig Köln

Kunstsparte:


Malerei

Stilrichtung:


Konstruktivismus

Stilrichtung:


Kubo-Futurismus

Stilrichtung:


Futurismus

Stilrichtung:


Suprematismus

Stilrichtung:


Moderne Kunst

Bericht:


Eintauchen in die Avantgarde







Frühere Zuschreibung: Olga Rosanowa, Landschaft (Zerlegung der Formen), 1913

Frühere Zuschreibung: Olga Rosanowa, Landschaft (Zerlegung der Formen), 1913

Olga Rosanowa, Mann auf der Straße (Analyse von Volumen), 1913

Olga Rosanowa, Mann auf der Straße (Analyse von Volumen), 1913

in der Ausstellung „Russische Avantgarde im Museum Ludwig – Original und Fälschung. Fragen, Untersuchungen, Erklärungen“

in der Ausstellung „Russische Avantgarde im Museum Ludwig – Original und Fälschung. Fragen, Untersuchungen, Erklärungen“

Kasimir Malewitsch, Supremus Nr. 38, 1916

Kasimir Malewitsch, Supremus Nr. 38, 1916

Ljubow Popowa, Porträt einer Frau (Relief), 1915

Ljubow Popowa, Porträt einer Frau (Relief), 1915

in der Ausstellung „Russische Avantgarde im Museum Ludwig – Original und Fälschung. Fragen, Untersuchungen, Erklärungen“

in der Ausstellung „Russische Avantgarde im Museum Ludwig – Original und Fälschung. Fragen, Untersuchungen, Erklärungen“

Frühere Zuschreibung: Kliment Redko, Suprematismus, 1921/22

Frühere Zuschreibung: Kliment Redko, Suprematismus, 1921/22

Kliment Redko, Suprematismus, 1921

Kliment Redko, Suprematismus, 1921

in der Ausstellung „Russische Avantgarde im Museum Ludwig – Original und Fälschung. Fragen, Untersuchungen, Erklärungen“

in der Ausstellung „Russische Avantgarde im Museum Ludwig – Original und Fälschung. Fragen, Untersuchungen, Erklärungen“

Frühere Zuschreibung: El Lissitzky, Proun, 1923

Frühere Zuschreibung: El Lissitzky, Proun, 1923

Frühere Zuschreibung: El Lissitzky, Proun, 1923

Frühere Zuschreibung: El Lissitzky, Proun, 1923

Nadezhda Udaltsova, Weiblicher Akt, 1912/13

Nadezhda Udaltsova, Weiblicher Akt, 1912/13




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