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Am 08.12.2020 Auktion 1162: Evening Sale - Moderne und Zeitgenössische Kunst

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Sauwetter am Stachus mit Nornenbrunnen im winterlichen München / Otto Pippel

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Amazone, nach 1906 / Franz von  Stuck

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Knieende(r), 1907/1908 / Ernst Barlach

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Exzeptionelles bei Christie’s in Paris

André-Charles Boulle, Kabinettschrank „Aux Saisons“, um 1670/75

Der Name ist Programm: „The Exceptional Sale“ hat Christie’s seine kommende Auktion in Paris überschrieben und dort Highlights der europäischen Kunst und des Kunsthandwerks von der Antike bis ins frühe 20. Jahrhunderts versammelt. Die Auswahl der lediglich 26 Positionen hat der 1943 geborene Maler, Bildhauer und Designer Louis Cane besorgt und etwa André-Charles Boulles Kabinettschrank „Aux Saisons“ aus den 1670er Jahren aufgenommen. Die beiden Gottheiten Ceres und Bacchus stützen als Pilaster den Aufbau, bei dem die reiche und dichte Blumenmarketerie aus Edelhölzern besticht. Typisch für Boulle sind auch die Kupfer-, Zinn- und Elfenbeineinlagen und der schwere vergoldete Bronzeschmuck. Mit einer Schätzung von 500.000 bis 1 Million Euro nimmt das Kabinett aus der Aga Khan-Sammlung die Spitzenposition der Versteigerung vom 24. November ein. Auf selber Stilhöhe stehen vier silberne Kerzenleuchter von Nicolas Besnier, die der orfèvre du roi um 1717 mit antiken Profilköpfen in Medaillons verziert hat (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR).

Eine Saloneinrichtung mit vier Fauteuils, vier Stühlen und einem Kanapee hat Georges Jacob im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts für die Comtesse de Provence, Luise Maria Josepha von Savoyen, im klassizistischen Stil geschaffen (Taxe 300.000 bis 500.000 EUR). Als einziges Gemälde hat Cane Hubert Roberts über 2,6 Meter hohes Architekturcapriccio ausgewählt, auf dem der Maler die Trajanssäule, eine hohe steile Treppe und eine Arkadengalerie effektvoll kombiniert und mit Menschen bei alltäglichen Beschäftigungen belebt hat (Taxe 200.000 bis 300.000 EUR). In die Antike weist der Kopf des „Hercule Bibax“ mit markantem Bart. Die Skulptur aus rotem Kalkstein ist römischen Ursprungs und wird von den Experten auf die beiden Jahrhunderte vor und nach Christus datiert (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR). Beim Ritt durch die Epochen und Gattungen geht es im 19. Jahrhundert zu Henry Cros und seiner immerhin 130 Zentimeter hohen Keramikvase „Les Métaux“, die die Manufacture Nationale de Sèvres 1897 produzierte. Zu dem braunen Keramikgefäß, auf dem Cros die in der Erde ruhenden Metalle und Mineralien symbolisch dargestellt hat, kommt noch sein Keramikstand mit gut 80 Zentimetern Höhe (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR).

Ein weiteres Schmankerl ist eine querrechteckige Art Déco-Brosche mit zentraler Perle und funkelnden Diamanten von Joseph Chaumet um 1935 (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR). Ein Paar rotviolette Ziervasen aus ägyptischem Porphyr, wohl römischen Ursprungs aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, schlagen dann noch einmal mit 200.000 bis 300.000 Euro zu Buche. Etwas älter ist ein Weihwasserkessel, der im sizilianischen Trapani aufwändig im Stil einer barocken Kirchenfassade aus roten Korallen und vergoldetem Kupferblech in den Jahrzehnten nach 1600 gestaltet wurde; mittig schwebt Gottvater in einem Strahlenkranz (Taxe 100.000 bis 200.000 EUR). Aus dem fernen Osten hat sich eine japanische Eisenrüstung des Typus „uchidachi nimai-dô“ aus dem 17. oder 18. Jahrhundert eingestellt (Taxe 70.000 bis 100.000 EUR). Louis Cane kommt zum Schluss selbst zum Zug und stellt seinen Tisch „Bureau Est/Est“ von 2014 zur Verfügung, bei dem er in den japanischen Lackpaneelen Anleihen an der Möbelkunst des 18. Jahrhunderts genommen hat (Taxe 50.000 bis 80.000 EUR).

Die reguläre Auktion am 24. November listet unter dem Titel „The Collector: Le Goût Français“ weitere gut 250 Stücke vor allem der Angewandten Kunst. Mit von der Partie ist etwa ein massiger Konsoltisch des beginnenden Louis XVI. mit Akanthuszier und Blattgirlanden um 1770, der bis zum Jahr 2000 bei Karl Lagerfeld stand (Taxe 60.000 bis 100.000 EUR). Der Pariser Ebenist Pierre Macret ist für einen Secrétaire à abattant verantwortlich, den er um 1760/65 mit galanten, teils doch recht freizügigen chinoisen Szenen in Lackmalerei gestaltet hat (Taxe 30.000 bis 50.000 EUR). Für 4.000 bis 6.000 Euro ist ein Satz von Terrinen und Zierobst aus Delft zu haben, der im Trompe-l’œil Brombeeren, Hechte, Apfel und Birne nachahmt. Victor-Jean Nicolle steuert mehrere zart lavierte Zeichnungen des Klassizismus mit römischen und venezianischen Veduten bei, etwa das Quartett „L’Hôpital du Saint-Esprit et la coupole Saint-Pierre“, „Le Temple de Vesta“, „Le Temple de la Concorde“ und „La Basilique de Constantin“ (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR).


20.11.2020

Quelle: Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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