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Amazone, nach 1906 / Franz von  Stuck

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Knieende(r), 1907/1908 / Ernst Barlach

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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Die Fotografie bei Grisebach lief erfreulich. Das Publikum folgte der hochwertigen Auswahl und war für Überraschungen gut

Formentdecker der Fotografie



Karl Blossfeldt gilt als einer der wichtigsten Vertreter der Neuen Sachlichkeit in der Fotografie. Dabei waren gerade seine heute berühmten und beliebten Nahaufnahmen von Pflanzen ursprünglich zumeist Studienarbeiten. Nichtsdestoweniger begeistern die freigestellten skurrilen Formen, eindrucksvollen Geometrien und verborgenen Einblicke in die Flora bis heute: Ein Konvolut von 24 Abzügen von Originalnegativen der Jahre 1915/25 schoss bei Grisebach von geschätzten 5.000 bis 7.000 Euro auf ungeahnte 37.000 Euro. Damit war in der Auktion „Photographie“ aber noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. Eine etwas jüngere Arbeit von Werner Mantz übertraf Blossfeldts „Urformen der Kunst“ sogar noch. 1928 nahm der rheinische Fotograf das „Haus der Kölnischen Zeitung auf der Internationalen Presse-Ausstellung ‚Pressa’ bei Nacht“ in den Fokus und lichtete den Bau als leuchtend skulpturale Inszenierung ab. Die strenge Symmetrie und sachliche Linienführung ließ das Vintage mit 38.000 Euro auf das Vielfache der anvisierten 4.000 bis 6.000 Euro steigen. Inspiriert von seiner Umwelt fand Otto Steinert zu seiner abstrakten Fotomontage „Aggression II“, für die 1966 die Umgebung Westerlands auf Sylt Vorlage war. Immerhin 26.000 Euro war das Werk einem Schweizer Sammler wert, der somit deutlich mehr als die Schätzung von 3.500 bis 5.500 Euro ausgab. Die drei teuersten Stücke der Berliner Auktion beweisen: Fotografen sind auch Formentdecker, und die ungewohnten Beobachtungen ihrer Augen faszinieren bis heute.


Die Begeisterung flachte im Saal nach diesen drei sprunghaft gestiegenen Publikumslieblingen aber nicht ab. Bei einer losbezogenen Zuschlagsquote von 70 Prozent erwirtschaftete Grisebach am 9. Juli immerhin 640.000 Euro brutto. Einige Künstler kamen gleich mehrfach zum Zug: Von Otto Steinert war etwa noch eine verfremdete Version eines „Schwarzwaldhangs“ von 1956 für taxkonforme 7.000 Euro zu haben. Ein besonderes Highlight platzierte der Versteigerer noch prominenter: Peter Beards Collage „Elephant and Kilimanjaro“ aus Fotografien und Zeitungsausschnitten, überarbeitet mit Blut und blauer Farbe, kam in der Auktion „Von Dürer bis Balkenhol – Ausgewählte Werke“ zum Zug. Das assoziationsreiche Unikat von 1984/2005, das der titelgebende, um sein Elfenbein beraubte Elefant mit dem Berg in der Mitte füllt, während ihn zahlreiche weitere Verfehlungen des Menschen an der Natur umgeben, brachte 120.000 Euro ein (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR).

Prominenz aus Kunst und Musik

Auch für Beard war dies nicht der einzige Auftritt. Für den Geburtstag Andy Warhols setzte er den berühmten Pop Art-Protagonisten als Porträtserie mit verschiedenen schnellen Bewegungen und entsprechender Unschärfe nebeneinander. Dazwischen zeichnete Beard auf das 20.000 Euro schwere Blatt von 1975 in seiner vermeintlich unschuldig kindlichen Manier farbenfrohe Tiere und Pflanzen (Taxe 20.000 bis 25.000 EUR). Ähnlich dynamisch ist das Bild des Architekten Hannes Meyer, das Lotte Stam-Beese 1929 diagonal von oben schoss. Das Gesicht schwebt ohne sichtbaren Körper im schwarzen Raum und blickt einer mystischen Lichtquelle entgegen. Die ungewöhnliche Pose nahmen die Sammler zum unteren Taxwert von 8.000 Euro mit. Eindringlich ist gleichfalls der Blick zusammen mit dem nach unten geneigten Kopf und leicht nach oben starrenden Augen, mit dem sich Richard Oelze 1925 selbst ablichtete und unerwartete 5.000 Euro erntete. Genauso erfolgreich war sein „Doppelbildnis“ des selben Jahres (Taxe je 1.000 bis 1.500 EUR).

Künstlerklassiker setzte Candida Höfer 2000 dann anders ins Bild: Zwei Druckgrafiken einer Kölner Privatsammlung neben einer Tür am Treppenaufgang formen ihre nüchterne Ästhetik für 6.000 Euro (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR). Zwei Jahre später inszenierte Steven Klein eine Ikone der Popkultur. Madonna liegt im 7.000 Euro teuren Farbfoto der Serie „X-STaTIC PRO=CeSS“ in typisch jugendlich gymnastischer Pose mit einem ihrer beliebten extravaganten Kostüme rücklings auf einem Tisch, An ihrer verrenkten Gestalt kann man sich kaum sattsehen (Taxe 7.000 bis 9.000 EUR). Nicht mehr ganz so jung ist der Rockstar Keith Richards, den Mark Seliger 2011 freundlich dreinschauend in einer Nahaufnahme beim Rauchen verewigte. Die Bieter bewilligten beachtenswerte 15.000 Euro für den gealterten Rolling Stones-Mitbegründer (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR).

Die Unbekannten

Nicht nur Prominenz sorgte für gute Ergebnisse, sondern auch unbekannte Figuren, die trotz ihrer Anonymität eine Aussage tragen. Diane Arbus richtete ihre Linse 1956 auf den „Boy in the Subway, N.Y.C.“, der aus der dicht gedrängten Menschenmenge direkt zum Betrachter schaut. Der in der stummen Masse verloren, aber zugleich selbstsicher wirkende Junge erreichte 6.000 Euro (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR). Einen ähnlichen Effekt in Farbe erzielt vor monochromen Grund „Sharbat Gula, Afghan Girl, Pakistan“ mit ihren stechend blauen Augen sowie rotem Schleier. Steve McCurrys berühmter fesselnder Blick von 1984 rechtfertigte schnell Gebote bis zur oberen Taxe der vermuteten 10.000 bis 15.000 Euro. Für seine kühlen, aber charakterstarken Porträts ist Thomas Ruff bekannt. Elf kleinformatige Arbeiten dieser Stücke aus den Jahren 1983/98 kamen auf 7.500 Euro (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR). Mit zunehmenden Alter sind die Gesichter der vier arabischen Frauen immer stärker verhüllt, die die Marokkanerin Lalla Essaydi 2004 nebeneinander stellte. Arabische Schrift überzieht ihre Gewänder und die Rückwand, sodass die Persönlichkeiten zu verschwinden drohen. Die tiefsinnige Arbeit, die mit dem Wechselspiel von Nähe und Distanz agiert, respektierte mit 5.000 Euro die untere Schätzgrenze von 6.000 Euro.

Körper im Fokus

Viel freizügiger ist Germaine Krulls „Daretha Albu. Kostümentwurf: Lotte Pritzel“, bei der das federartige Kleidungsstück gerade genug Haut abdeckt, dass sich das Modell mit geschlossenen Augen dem Betrachter noch sinnlich entziehen kann. Das Aktfoto aus der Mitte der 1920er Jahre verabschiedete sich für hohe 7.000 Euro (Taxe 3.000 bis 5.000 EUR). Subtile erotische Anklänge wohnen ebenso Nobuyoshi Arakis Platinabzug aus der Serie „Erotos“ von 1993 inne. Im Zentrum stehen in vertikaler Nahansicht die vollen Lippen eines weiblichen Mundes, der sich mit drei schwarzen Haaren dem Betrachter für 5.000 Euro halb öffnet (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR). Auf die sadomasochistische Seite der Japaner spielt Araki in der Serie „Tokyo Novelle“ an. Ein Silbergelatineabzug mit expliziertem Seilbondage von 1995 kostete 3.200 Euro (Taxe 2.400 bis 3.600 EUR). Als selbstbewusster Akt mit hohen Handschuhen und Zigarette tritt dem Betrachter dagegen Kristen McMenamy bei Peter Lindbergh frontal entgegen, dessen 1995 entstandenes Foto mit 14.000 Euro überraschte (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR). Beinahe aus der Zeit gefallen wirkt dagegen Ellen von Unwerths „Isabelle“ des Jahres 2002, die als Rückenakt mit enger Wäsche und Korsett zu sehen ist. Dennoch zog das Foto viel Aufmerksamkeit auf sich, so dass der Hammer erst bei 9.500 Euro fiel (Taxe 2.500 bis 3.000 EUR).

Während Horst P. Horsts kopfloser Akt „Lisa on Silk“ von 1940, ebenso wie sein skulpturales Blütenstillleben „Calla Lily“ von 1944 für Schätzungen zwischen 8.000 und 12.000 Euro keine Abnehmer fanden, schnellte seine dynamische Komposition „Hands, Hands, Hands“ von 1941 in die Höhe. Der diagonal angelegte Bogen aus drei weißen Kunsthänden, der von zwei Händen einer dunkelhäutigen Frau unterbrochen wird, verbuchte 12.000 Euro (Taxe 3.000 bis 5.000 EUR). Körper, deren Bewegung und die daraus entstehenden Linien beeindruckten in Laurent Rochs „Le Plongeoir, Nice, Côte d’Azur“ von 2011. Die von einer im Meer frei stehenden Plattform springenden jungen Männer spülten gute 4.600 Euro in die Kassen (Taxe 2.000 bis 3.000 EUR). Das Wasser hat bei Ren Hangs titellosem Farbabzug von 2014 eine ruhige, aber gleichsam bedrohliche Wirkung: Seine Protagonistin liegt nackt und versunken in einer Badewanne und kommt lediglich durch einen dünnen roten Strohhalm an Luft. Das für offizielle Stereotypen Chinas ungewöhnliche Menschenbild honorierten die Fotofreunde mit 12.000 Euro (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR).

Urbane Landschaften

Die Kunden bei Grisebach entdeckten auch die Frankfurter Fotografin Ilse Bing für sich. Für 24 Vintages einer fast grafisch beobachteten Baustelle ihrer Heimatstadt bewilligten sie 8.000 Euro (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR). Bei ihrem Blick auf Stromleitungen im Himmel der Mainmetropole, die ein Flugzeug durchkreuzt, betonte Bing 1930 ebenfalls die diagonalen und vertikalen Linien, was ihr nun 4.500 Euro einbrachte (Taxe 800 bis 1.000 EUR). Albert Renger-Patzsch machte mit einer seiner beliebten Industriefotografien auf sich aufmerksam. Die „Zeche Germania in Dortmund-Marten“ um 1944 überzeugte als Vintage für 4.800 Euro (Taxe 2.500 bis 3.500 EUR), während das steinerne Halbrund im gut zehn Jahre älteren „Amphitheater Verona“ leer ausging (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR). Dem Klassiker näherte sich Ruth Hallensleben mit einem Preissprung an, die sich in den 1950er Jahren in drei Fotografien vor allem den Rohr- und Stahlrahmenkonstruktionen zweier Gasanlagen sowie der Fenstersituation der Firma „Schmöle Menden“ widmete. Die erhofften 1.200 bis 1.800 Euro waren mit 4.400 Euro schnell überschritten. Ein Prunkstück der vom Menschen geprägten Landschaft war William Egglestons „Rowan Oak Oxford Miss.“ von 1982. Über einen alten roten Transportwagen hinweg in Farbe fotografiert, greift die Natur scheinbar schon wieder auf die einfache ländliche Bebauung über. Das Bietergefecht endete erst 10.000 Euro über der höheren Taxe von 3.000 Euro.

Alle Preise verstehen sich als Zuschläge ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Grisebach

Fasanenstraße 25

DE-10719 Berlin

Telefon:+49 (030) 885 91 50

Telefax:+49 (030) 882 41 45

E-Mail: auktionen@grisebach.com



18.09.2020

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jan Soldin

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Karl Blossfeldt, Konvolut, 1915/25
Karl Blossfeldt, Konvolut, 1915/25







Karl Blossfeldt, Konvolut, 1915/25

Karl Blossfeldt, Konvolut, 1915/25

Taxe: 5.000 - 7.000 EURO

Zuschlag: 37.000,- EURO

Losnummer: 2174




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