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Die Münchner Galerien starten nach einem schwierigen Pandemie-Halbjahr an diesem Wochenende ihre Herbstsaison. Die altbewährte „Open Art“ und das frische Format „Various Others“ ziehen dabei an einem Strang und wollen München als Galerienstadt zu mehr Ausstrahlung verhelfen

Besuch aus Berlin



Gabriel Kuri, Privacy Standards, 2015

Gabriel Kuri, Privacy Standards, 2015

Nach Düsseldorf, Köln und Frankfurt öffnen am Wochenende auch Münchens Galerien ihr Tore ganz weit, um die neue Saison einzuläuten. Vor zwei Jahren hat „Various Others“ erstmals frischen Wind in das populäre, aber auch zur Erstarrung neigende Galerienwochenende gebracht. Und nicht nur das. Das junge und offene Format gab der Kunstszene der Stadt neue Energie und neuen Input. Dabei forcierten die „Various Others“-Macher um den Galeristen Johannes Sperling, den Jahn und Jahn-Mitarbeiter Tim Geißler und Sarah Haugeneder vom Espace Louis Vuitton nur eine kunsthändlerische Idee, die in den 1920er Jahren schon genauso üblich war, wie in den 1970ern: den kooperativen Austausch unter den Galeristen.


In diesem Jahr hat die Corona-Pandemie die Kooperation mit einigen Partnern in New York und London jedoch platzen lassen. Aber das Programm der 26 teilnehmenden Galerien, Museen und Off-Spaces ist spannungsreich, anspruchsvoll und voller künstlerischer Brisanz. Einigen ist dennoch gelungen, den Blick über die nationalen Grenzen hinweg zu werfen. Trotz Corona hat die Galerie Jahn und Jahn gemeinsam mit der Thomas Dane Gallery in London und der Madrider Garcia I Galería die Ausstellung „Joker“ zusammengestellt. Zeichenhafte Arbeiten von Marcel Broodthaers, der Belgierin Caragh Thuring, Rasmus Nilausen und Troels Wörsel reflektieren über das Thema Malerei und Sprache. Die Galerie Klüser hat mit der Christine König Galerie aus Wien die Themenschau „Il Mondo Umano“ erstellt, in der Zeichnungen von Joseph Beuys, Gemälde von Alex Katz sowie Skulpturen von Olaf Metzel und Fotografien von Juergen Teller bis Cindy Sherman das weite Feld der Menschheit ergründen.

Auffällig ist, dass gleich sechs Berliner Galerien die Gunst der Stunde wahrgenommen haben. Bei Rüdiger Schöttle gibt Berlins umtriebigster Galerist Johann König ein Gastspiel und zeigt neue Keramikskulpturen von Michael Sailstorfer, mit denen der Berliner an dessen Metallmasken von 2015 anknüpft. Auch Esther Schipper, ansonsten auf Messen in Basel, Hongkong und Madrid unterwegs, reizte ein Auftritt in München. Sie folgte der Einladung der Storms Galerie. Im letzten Jahr noch zaudernd, hat auch Walter Storms das Konzept überzeugt: Münchner Händler laden andere Galeristen ein, um aufstrebende, internationale Positionen in München zu zeigen und zugleich die Strahlkraft der örtlichen Galerienszene zu erhöhen. Mit den Installationen des Mexikaners Gabriel Kuri ergänzt Esther Schipper die Stormsche Präsentation an neuen Arbeiten Gerold Millers und Katja Strunz’ und bringt zugleich einen Künstler mit, der bestens den Ideen dieses festivalähnlichen Events entspricht, der Globalisierung des Kunstmarktes Rechnung zu tragen.

Der Grund für die stake Berliner Präsenz dürfte auch in der Absage der Messe Art Berlin liegen. Daher sind Kooperationen sind derzeit für Galerien ein guter Weg, wieder aktiv zu werden. Und München ist als Verkaufsplattform eine viel versprechenden Alternative. Johann König, der im Oktober 2019 im Auktionshaus Ketterer eine museumsreife Verkaufsschau inszenierte, beschrieb den damaligen Umsatz als ein bisschen weniger als auf der Art Basel. Die nächste Pop Up-Präsenz Königs dürfte programmiert sein.

Bislang pflegt das Format „Various Others“ das beste Modell, um Münchens Attraktivität als Galerienstadt, als Wunschdestination für eventverwöhnte Sammler zu erhöhen. Aber ohne die „Open Art“, die zeitgleich mit „Various Others“ in den großen Galerienmarathon startet, bliebe das junge, experimentelle Format ein Leichtgewicht. Fast 50 Galerien haben sich auch nach mehr als 30 Jahren wieder unter diesem Label vereint. Zu den jüngeren Teilnehmern zählt hier Fenna Wehlau, die mit Margit Hartnagel eine Malerin kontrolliert abstrakter Farbräume präsentiert. Fast 40 Jahre ist hingegen Andreas Binder als Galerist aktiv. Er stellt die neusten Bilder von Matthias Meyer vor, die mit ihren Schichten und Schlieren den Meisterschüler von Gerhard Richter nicht verhehlen können.

Während „Various Others“ die Münchner Verknüpfungen im internationalen Kunstmarkt deutlich macht, zeigt die „Open Art“, dass die Galerieszene hier gar nicht so still steht, wie oft behauptet. Mit der Galerie Belleparais hat Julia Lachenmann einen Kunstraum geschaffen, der bewusst auf die Interaktion von verschiedenen Künsten setzt. Zwei Konzerte mit Neuer Musik werden auch ihre derzeitige Doppelausstellung mit Werken von Esther Rutenfranz, einer Malerin spröder Gegenständlichkeit, und Doris Maximiliane Würgert bereichern, deren unscharfe, verschwommene fotografische Reflexion über das Erinnern gerade mit dem Kallmann-Preis ausgezeichnet wurde. Max Goelitz, einst Direktor bei Häusler Contemporary, lenkt inzwischen die Geschicke seiner eigenen Galerie. Zur Open Art ist bei ihm die multimediale, sozialkritische Installation „NExECON“ des preisgekrönten Münchners Niko Abramidis & NE zu entdecken, der die Galerie in ein fiktives Headquarter der Machtbesessenheit verwandelt hat. Noch nicht lange ist Wolfgang Jahn in München zugegen, der nach dem Tod des Galeristen Karl Pfefferle im vergangenen Jahr dessen Nachfolge angetreten hat. Das Profil zeigt Kontinuität. Ganz in der Tradition seines Vorgängers präsentiert die Galerie Wolfgang Jahn neue Arbeiten des „Junge Wilde“-Malers Rainer Fetting.

Münchens Start in die neue Saison hat zum Glück noch ein Nachspiel. Alle Ausstellungen reichen bis in den Oktober hinein. Informationen zu Teilnehmern, Ausstellungen und Veranstaltungen sind über www.variousothers.com und www.openart.biz abrufbar.



10.09.2020

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Sabine Spindler

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