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Kunst im Berghain

Rirkrit Tiravanija, Morgen ist die Frage, 2020

Der Berliner Techno-Club Berghain steht seit März still. Es läuft zwar immer noch keine Musik in dem ehemaligen Heizkraftwerk, dafür ab gestern allerdings die Kunstausstellung „Studio Berlin“. Das Sammlerehepaar Karen und Christian Boros hat in der Hauptstadt lebende Künstler eingeladen, aktuelle Arbeiten aus ihren Ateliers zu präsentieren. Unter den insgesamt 117 ausgestellten Künstlern sind etliche Szenelieblinge und sogar einige Stars von Olafur Eliasson bis Katharina Grosse, von Isa Genzken bis Wolfgang Tillmans. Die Kuratoren Karen Boros und Juliet Kothe haben gemeinsam mit der Berliner Senatsverwaltung, die das Projekt mit 250.000 Euro unterstützt, eine Schau auf die Beine gestellt, die spontaner kaum sein könnte. Beinahe alle Arbeiten stammen von Künstlern, die Berlin aufgrund der Pandemie nicht verlassen konnten. Die Ausstellung hat kein übergeordnetes Thema, aber viele Werke verarbeiten den coronabedingten Stillstand Berlins.

Die südkoreanische Künstlerin Jeewi Lee kam vor dem Lockdown nicht mehr in ihr Berliner Atelier und saß in Casablanca fest, wo sie eigentlich nur das Flugzeug wechseln sollte. Gestrandet in Afrika, schuf sie abstrakte Bilder aus Kaffee, deren Schimmern vielleicht an den marokkanischen Strand erinnert. Andere Arbeiten thematisieren die ehemals pulsierende Club-Kultur Berlins. So hat Rosemarie Trockel der Schau einen aufblasbaren Penis beigesteuert, Simon Fujiwara kreierte kleine Skulpturen zum Thema Syphilis, und Cyprien Gaillard hinterließ eine Gravur in einer der metallischen Toilettenwände mit dem Titel „The Land of Cockaigne“. Von weitem sichtbar ist eine Boje, die Julius von Bismarck in der Eingangshalle des Clubs installierte. Ihre tanzenden Bewegungen folgen denen von einer echten Boje auf dem Atlantik. Und Rirkrit Tiravanija hat das Ganze mit einem Großbanner auf der Fassade des Berghain gelabelt, auf dem „Morgen ist die Frage“ zu lesen ist.

Die Ausstellung „Studio Berlin“ läuft bis zur Wiedereröffnung des Berghains. Der Club kann mit einer Führung dienstags bis freitags zwischen 11:45 und 20 Uhr besucht werden. Der geführte Eintritt kostet regulär 20 Euro, ermäßigt 10 Euro. Ohne Führung kann die Schau samstags und sonntags von 11:45 bis 22 Uhr für 18 Euro, ermäßigt 9 Euro besichtigt werden. Die Eintrittsgelder fließen an den Club. Der Besuch muss online auf der Seite www.studio.berlin angemeldet werden. Aktuell sind sämtliche Eintrittstermine für September und Oktober ausgebucht.

Berghain
Am Wriezener Bahnhof
D-10243 Berlin


Infos: www.studio.berlin


10.09.2020

Quelle: Kunstmarkt.com/Maximilian Nalbach

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