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Trauer um Siah Armajani

Siah Armajani, Bridge/Ramp, 1994

Der Architekt, Bildhauer und Filmemacher Siah Armajani ist tot. Der iranischstämmige, in den USA lebende Künstler starb Ende August in Minneapolis mit 81 Jahren. Das teilte das Metropolitan Museum of Art mit, das Armajani gemeinsam mit der Walker Art Center 2018/19 eine umfangreiche Retrospektive mit dem Titel „Follow this line“ ausrichtete. Mit seinen großen Installationen im öffentlichen Raum, die zwischen Architektur, Kunst und Technologie angesiedelt sind, ist Armajani international bekannt geworden. Seine erste Schau in Europa wanderte 1987 von der Kunsthalle Basel über das Stedelijk Museum in Amsterdam bis zum Frankfurter Portikus. In Stuttgart schuf er 1994 für den Innenhof der Landesbank Baden-Württemberg die Arbeit „Bridge/Ramp“ als architektonisch-künstlerisches Konstrukt in leuchtendem Gelb, 1970 und 2019 war seine „Bridge over a tree“ in Brooklyn Bridge Park in New York zu sehen. Er nahm an den wichtigsten internationalen Ausstellungen teil, etwa an der Documenta 5, 7 und 8 in Kassel oder 1987 an den Skulptur Projekten Münster und bespielte 1980 den US-amerikanischen Pavillon auf der Biennale in Venedig. Seine Werke sind konzeptionell und verweisen mal deutlicher mal zurückhaltender auf politische Inhalte.

Der 1939 in Teheran in eine wohlhabende Kaufmannsfamilie geborene Siah Armajani studierte Philosophie und Kunst. Als überzeugter Demokrat und politischer Aktivist wanderte er 1960 in die USA aus und lebte seither in Saint Paul im Bundesstaat Minnesota. Schon zwei Jahre später kaufte das Walker Art Center als erstes Museum in den USA seine große Leinwand „Prayer“, die Armajani mit Gedichten in Farsi überzogen hatte. 1967 nahm er die amerikanische Staatsbürgerschaft an. Von 1968 bis 1974 unterrichtete Siah Armajani am Minneapolis College of Art and Design. Er gehörte zu den ersten amerikanischen Künstlern, die den Computer für ihre Arbeit nutzten. Mit Hilfe des Hybrid Computer Laboratory der University of Minnesota schuf er generierte Filme und Drucke oder erstellte 1968 sein gigantomanisches, aber nicht realisiertes Projekt für den North Dakota Tower.

Eine seiner bedeutendsten Werkreihen ist „Bridge“, deren erstes Exemplar 1968 als „First Bridge“ in White Bear Lake in Minnesota zu sehen war. Hier verdeutlichte Siah Armajani die perspektivische Wahrnehmung, indem er die Brücke von anfänglichen drei Metern sukzessive auf 1,2 Meter verjüngte. 1988 erhielt er den Auftrag für die etwa 115 Meter lange „Irene Hixon Whitney Bridge“, die den Minneapolis Sculpture Garden mit dem Loring Park verbindet. Internationale Projekte führten ihn nach Nizza für den Pavillon „Round Gazebo“, nach Basel für den „Sacco and Vanzetti-Leseraum“ in der Kunsthalle, den Jean-Christophe Ammann 1990 für das Museum für Moderne Kunst in Frankfurt erwarb, oder nach Münster zu den Skulptur Projekten für den „Study Garden“.

In jüngeren Arbeiten thematisierte Siah Armajani Konflikte im Nahen Osten, etwa in „Fallujah“ von 2005. Hier bezog er sich auf Pablo Picassos „Guernica“ und schuf eine moderne Version des bekannten Antikriegsbilds. Mit der Installation „Seven Rooms of Hospitality: Room for Deportees“ wollte er 2017 auf den Tod der Migranten aus Syrien, Afghanistan und dem Irak aufmerksam machen, die in einem verlassenen Tiefkühltransporter in Österreich erstickt waren. 2011 wurde Armajani von Frankreich zum „Chevalier de L’Ordre des Arts et des Lettres“ ernannt und erhielt den Distinguished Artist Award der McKnight Foundation.


08.09.2020

Quelle: Kunstmarkt.com/S. Hoffmann

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