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Das Belvedere in Wien widmet sich mit Zbynek Sekal einem großen Unbekannten der Kunst nach 1945 und stellt dessen Werk erstmals in einer umfangreichen Präsentation vor

Kunst ohne Eigenschaften



in der Ausstellung „Zbynek Sekal“

in der Ausstellung „Zbynek Sekal“

Mit der Ausstellung „Zbynek Sekal“ beweist das Belvedere 21 in Wien erneut, dass es neben den großen Namen auch wenig bekannte Avantgardekünstler pflegt. In der lichtdurchfluteten Ausstellungshalle im Erdgeschoss werden über siebzig Objekte des hierzulande kaum bekannten Künstlers inszeniert. Kuratiert wurde die Schau von Harald Krejci, der seit 2009 im Belvedere für die Kunst der Zwischen- und Nachkriegszeit bis 1960 sowie die österreichische Exilkunst des 20. Jahrhundert zuständig ist.


Seit der Niederschlagung des Prager Frühlings lebte Zbynek Sekal in Wien. 1923 in Prag geboren, verbrachte er zwischen 1941 und 1945 insgesamt dreieinhalb Jahre wegen der Verbreitung antinazistischer Flugblätter im berüchtigten Prager Gefängnis Pankrác und in den Konzentrationslagern Theresienstadt und Mauthausen. Er war Schüler von František Tichý und stand dem Reduktivismus Emil Fillas nahe. Ab 1945 studierte er Malerei an der Prager Akademie für Kunst, Architektur und Design. 1947 führte ihn eine Reise nach Paris, wo er die internationale Surrealismusausstellung besuchte und erstmals Werke von Jean Dubuffets sah, dessen Materialbilder nachhaltigen Einfluss auf seine weitere Arbeit ausüben sollten.

Prägend blieben aber vor allem die Erinnerungen an die Freiheitsberaubung und die existentielle Bedrohung, die Sekal während seiner Inhaftierung erleiden musste. Sie hinterließen tiefe seelische Narben. In seinen Werken versuchte der Künstler, die erschüttenden Erlebnisse zu verarbeiten. „Mrtvá hlava“ (Toter Kopf), entstanden 1957, ist ein Zeugnis dieser frühen Schaffensphase, in der er das Thema der Ausweglosigkeit wiederholt aufgreift.

Die 1960er Jahre markieren für Zbynek Sekal einen künstlerischen Neuanfang. Bereits 1959 kommt er das erste Mal nach Österreich zu Karl Prantls internationalem Bildhauersymposion in St. Margarethen. In der Folge wendet er sich verstärkt skulptural-architektonischen Fragestellungen zu. Daraus entstehen fragile „Bauten“, wie der Künstler sie nennt, stelenartige Behausungen etwa „Vratká stavba III“ (Wackeliger Bau) um 1964. Parallel zu den plastischen Werken entwickelt Sekal materialreiche Assemblagen aus gefundenen Werkstoffen wie Draht, Metall, Stein, Holz und Gips. Wiederkehrendes Sujet ist das Labyrinth. Als Metapher, Allegorie und architektonischer Raum wird es für den Künstler zum Ausdruck menschlicher Ver- und Entwicklungszustände, eine Thematik, die ihn auch nach seiner Emigration aus Prag 1969, die in zuerst nach Berlin führt, in Wien weiter beschäftigt.

In den 1980er Jahren entstehen räumliche, dreidimensionale Arbeiten, sogenannte „Schreine“, für die Sekal gefundene Gegenstände in gerüstartigen Verstrebungen arrangiert. Da ihnen keine Eigenschaften mehr anhaften, mit denen der Betrachter sich identifizieren kann, rufen die Gegenstände Grundgefühle hervor, die sich normalerweise nicht aus der Begegnung mit den Gegenständen ergeben, aber allen Begegnungen zugrunde liegen wie Nähe, Distanz, Wärme, Kälte, Ruhe und Stärke.

Zurückgezogen im Wiener Gemeindeatelier arbeitet Zbynek Sekal bis zu seinem Tod 1998, geschätzt von einigen wenigen, jedoch prominenten Befürwortern, wie Werner Hofmann, Alfred Schmeller, Otto Breicha und Kristian Sotriffer. Eine der letzten Arbeiten des Künstlers von 1993 trägt den Titel „Schránka s dvaadvaceti hrebíky“. Sekal, der sich selbst als „Sammler“ und „Werkmann“ bezeichnet, hat mit dem kleinen Holzschrein, der einen Holzbock mit zweiundzwanzig eingeschlagenen Nägeln umfängt, ein verschlüsseltes Werk geschaffen, das vom Interesse des Menschen an Ordnungssystemen und von der Suche nach persönlicher Freiheit innerhalb dieser Systeme zeugt. Sekals Freude am Material und am Werkprozess unendlicher Verklammerungssysteme zeigt, wie der Kunstkritiker Kristian Sotriffer notiert, die Eigenheiten eines „angereicherten Minimalismus“, die auch für die experimentellen Gerüste oder Schreine aus Stäben gelten.

Mit der Ausstellung zollt das Belvedere einem Künstler Respekt, dessen Werke bisher zu wenig beachtet wurden. Selten ist der wegen seiner gläsernen Außenwände schwierig zu bespielende Saal des 21er Hauses so gut zur Geltung gekommen und das so adäquat zu einem künstlerischen Werk. Die Schau glänzt in chronologischer Übersichtlichkeit. Die schwierige Aufgabe der Auswahl wurde von Kurator Harald Krejci stimmig bewältigt. Die Plastiken und Objekte sind locker im Raum verteilt, Reliefs und Materialbilder zu mehrteiligen Blöcken arrangiert. Unschön ist nur das aus Metallgittern und Holzplatten gebaute Kabinett, in dem drei frühe Arbeiten präsentiert werden.

Allerdings entsteht die kühle Schönheit des Parcours auf Kosten der Persönlichkeit Sekals. Denn weder seine Tagebücher, in denen er philosophische Gedanken notierte, noch seine Schriften – er übersetzte Franz Kafka, Georg Büchner, Günter Grass, Ludwig Feuerbach und Karl Marx aus dem Deutschen –, noch andere Zeugnisses seines Schaffens werden gezeigt. Verpasst wurde auch die Chance, die Arbeiten in einen kunsthistorischen Zusammenhang einzubetten. Allein im Vergleich zu Werken von Jean Dubuffet, den Künstlern der Arte Povera, zu Alberto Giacometti und Joseph Beuys gäbe es zahlreiche Anknüpfungspunkte. Das ergibt in Summe eine schöne Schau. Zbynek Sekal, dieser außergewöhnliche tschechische Künstler, bleibt aber auch nach dieser Ausstellung ein großer Unbekannter.

Die Ausstellung „Zbynek Sekal“ ist bis zum 6. Januar 2021 zu sehen. Das Belvedere 21 hat täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr, donnerstags und freitags zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 9 Euro, ermäßigt 7 Euro. Für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre ist er frei.

Kontakt:

Belvedere 21 - Museum für zeitgenössische Kunst

Arsenalstraße 1

AT-1030 Wien

Telefon:+43 (01) 795 577 00

Telefax:+43 (01) 79 557 136



06.09.2020

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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in der Ausstellung „Zbynek Sekal“
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Zbynek Sekal, Schema eines zweckgemäßen Betriebs, 1964
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Zbynek Sekal, Ohne Titel, undatiert
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Zbynek Sekal, Ohne Titel, undatiert
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Zbynek Sekal, Kupferschrein I-IV, 1991
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Zbynek Sekal, Kreuz, nach 1975
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Zbynek
 Sekal, Kopf, 1962
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in der Ausstellung „Zbynek Sekal“
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Zbynek Sekal, Schrein mit Glied, 1987

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Zbynek Sekal, Stillstand, 1966

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in der Ausstellung „Zbynek Sekal“

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Zbynek Sekal, Schema eines zweckgemäßen Betriebs, 1964

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Zbynek Sekal, Ohne Titel, undatiert

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Zbynek Sekal, Ohne Titel, undatiert

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Zbynek Sekal, Kupferschrein I-IV, 1991

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Zbynek Sekal, Kreuz, nach 1975

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Zbynek Sekal, Kopf, 1962

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