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Knieende(r), 1907/1908 / Ernst Barlach

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Das Konstanzer Rosgartenmuseum feiert mit einer Jubiläumsschau seinen 150. Geburtstag. Dabei steht auch der fortwährende Wandel des Hauses im Fokus

Zunfthaus, Wunderkammer, Vergnügungsplatz



Marmorbüste von Ludwig Leiner, Gründer des Rosgartenmuseums in Konstanz

Marmorbüste von Ludwig Leiner, Gründer des Rosgartenmuseums in Konstanz

Ohne Stiftungen oder die Initiativen engagierter Idealisten wäre heute die Museumslandschaft deutlich ärmer. Dies gilt auch für Konstanz. Ludwig Leiner, Spross einer alten Patrizierfamilie, Inhaber einer florierenden Apotheke und dadurch finanziell unabhängig, war ein Botaniker und manischer Sammler. Schon bald begann der Allrounder, neben Herbarien und naturkundlichen Objekten gotische Skulpturen, Bilder, Mobiliar oder Chroniken vor der Zerstörung zu retten. Als die Bodenseestadt 1863 an das Eisenbahnnetz angebunden wurde, verstärkte sich das wirtschaftlich-industrielle Wachstum. Historische Quartiere mussten neuen Wohn- und Gewerbekomplexen weichen. Das grassierende „Pfahlbaufieber“ führte daneben zu einer Anhäufung ausgegrabener Relikte. Der Platz in Leiners Stadthaus war bald erschöpft, so dass ihm die Stadtväter im Jahr 1869 das ehemalige Zunfthaus der Metzger als Ausstellungshaus seiner Objekte zur Verfügung stellten. In dem 1454 errichteten „Haus zum Rosgarten“ eröffnete Leiner 1870 seine „Alterthumshalle“.


Heute ist die alte Versammlungsstätte das größte Exponat des Rosgartenmuseums in Konstanz. Quasi als Zeitkapsel musealer Präsentation und Ästhetik hat sich bis jetzt der holzvertäfelte Leiner-Saal unverändert erhalten. Die prächtigen, neugotischen Holzglasvitrinen wurden von Leiner entworfen und begeistern mit ihrer eigentlich überholten Exponatfülle noch heute die Besucher. Nur in ganz wenigen Museen haben sich derartige „Schneewittchensärge“ erhalten, die sich zahlreichen Leihanfragen als aller Welt erfreuen. Seinen 150 Geburtstag feiert das Museum nun mit der Ausstellung „Schätze des Südens. Kunst aus 1000 Jahren“.

Ludwig Leiner (1830-1901) bestückte als unbezahlter „Ehrenkonservator“ die Säle mit Waffen, Siegeln, Handschriften, Münzen, Urkunden, Bildern, Möbeln, Zeugnissen aus Geologie, Natur, Geschichte und Kunst. Sohn Otto Leiner (1856-1931) übernahm als Nachfolger seines Vaters das proppenvoll gestopfte Heimatmuseum, in dem sich Besucher kaum bewegen konnten. Schlechte Beschriftungen, dunkle Räume und fehlende Übersicht zwangen dessen Sohn und Nachfolger Bruno Leiner (1890-1954), die „überfüllte Rumpelkammer“ ab 1923 neu zu ordnen und Einzelexponate in den Fokus zu rücken. Der an Malerei, Musik und Literatur interessierte Bruno Leiner baute die grafische Sammlung auf und erwarb erstrangige Objekte ohne lokalen Bezug. Noch vor der Wiedereröffnung im Juli 1948 initiierte er 1946 die ersten spartenübergreifenden Konstanzer Kunstwochen.

Seine Tochter, Sigrid von Blankenhagen (1918-2005), folgte in der familiären Tradition ab 1848 ihrem Vater zunächst als teilzeitbeschäftigte Assistentin. 1955 wurde die studierte Kunsthistorikerin als erste hauptberufliche vollbeschäftigte Leiterin des Rosgartenmuseums eingestellt. Ihr bis 1983 währendes Direktorat stand einmal unter den Vorzeichen eines Wandels vom Familienbetrieb zum öffentlichen Museum. Sie steuerte das Haus weg vom Ort der alten Kunst zu einem Ort mit kunst- und kulturhistorisch profiliertem Sammlungskonzept, im Zuge dessen alle naturkundlichen Bestände ausgegliedert wurden. Von fundierten Katalogen begleitete Sonderschauen ließen die Besucherzahlen auf bis zu 40.000 im Jahr ansteigen. Mit künstlerisch bedeutenden Erwerbungen verschaffte sie dem Mehrspartenhaus regionales und kunstgeschichtliches Profil, adäquat dem Aufstieg der Stadt zu einem geistig-kulturellen Zentrum nach Gründung der Universität im Jahr 1966. Damit einher ging die thematische Öffnung des Museums für aktuelle Entwicklungen.

Der vormals an der Universität lehrende Ägyptologe Wilfried Seipel unterstützte als neuer Direktor ab 1984 mit Ausstellungsprojekten an verschiedenen Orten der Stadt die Öffnung des Museums. Doch schon im Frühjahr 1985 wechselte der Österreicher als Leiter des Landesmuseums nach Linz, bevor er zum Generaldirektor des Kunsthistorischen Museums in Wien aufstieg. Sein Nachfolger Björn Kommer verließ Konstanz enttäuscht im Frühjahr 1990 in Richtung Augsburg. Ohne Ausschreibung folgte ihm Elisabeth von Gleichenstein nach, die schon unter Sigrid von Blankenhagen in den 1970er Jahren als stellvertretende Leiterin eingestellt worden war.

Die Jubiläumsschau gestaltet sich als integraler Bestandteil der Dauerpräsentation. Hervorgehoben durch grüne Inseln in der Form von Stelen und Podesten, macht sie auf etwa 400 Highlights des insgesamt rund 200.000 Objekte umfassenden Museumsfundus aufmerksam. Wie im Titel angedeutet, bieten ausgewählte Stücke verschiedener Disziplinen einen Spaziergang durch 1000 Jahre Kunstgeschichte. Darunter findet sich Kurioses, Originelles, Mehrdeutiges und Hochkarätiges. Im Haus, dem größten Exponat, stößt man zu Beginn auf einen Wangenstuhl, auf dem mutmaßlich König Sigismund während des Konstanzer Konzils 1414 gesessen haben soll. Von erlesener Qualität hingegen ist die Elfenbeinfigur „Christus an der Martersäule“ von Christoph Daniel Schenck aus dem Jahr 1679 oder ein bemaltes Hochzeitsschränkchen aus Eichenholz von 1590.

Ähnlich einer barocken Fassade zeigt sich ein ins 17. Jahrhundert datierter Kabinettschrank, der erst im geöffneten Zustand die reiche Ausstattung mit silbernen Ranken und Arabesken auf den Schubladenflächen offenbart. Aufwendig gestaltet und ungewöhnlich bemalt offenbaren sich beim Ausfahren zwei Faltfächer aus dem Nachlass Konstanzer Familien, die sich diese Belüfter im 18. und 19. Jahrhundert zulegten. Unter den bibliophilen Kostbarkeiten ist vor allem das um 1455 entstandene Messbuch zu erwähnen. Ursprünglich war es in dem seit 1824 im Konzilsgebäude bestehenden „Kunst- und Alterthumskabinett“ zu bewundern, das Stücke aus der Konzilszeit versammelte. Es enthält ein prunkvolles, mit Blattgold belegtes Kanonblatt, das den Beginn des Hochgebetes während der Messfeier anzeigt.

Zu den Dependancen des Rosgartenmuseums gehört heute die Städtische Wessenberg-Galerie. Hervorgegangen aus der Kunstsammlung des letzten Konstanzer Bistumsverwesers Ignaz Heinrich von Wessenberg hat sie ihren Sitz in dessen einstigen Wohnräumen. Aus ihrem Bestand bereichern speziell Gemälde der bekannten Konstanzer Malerin Marie Ellenrieder die Ausstellung. Das großformatige Bildnis Mariens mit dem Jesuskind im Rosenbogen bietet mit seinem pudervergoldeten, affektierten, farblichen wie motivischen Duktus ein allzu liebreizendes Gespür für religiöse Sinnesempfindungen. Den Bogen in die Neuzeit schlagen am Schluss Werke aus dem frühen 20. Jahrhundert wie das den Geist des Jugendstils atmende Plakat für die Kindernothilfe, ein Werk des Berliner Illustrators Franz Stassen. Sepp Biehler, ein durch viele Wandmalereien an öffentlichen Gebäuden im süddeutschen Raum hervorgetretener Maler der Neuen Sachlichkeit, macht mit seinem Doppeltporträt deutlich, wie viel künstlerisches Potential noch entdeckt werden muss.

Die Ausstellung „Schätze des Südens. Kunst aus 1000 Jahren“ läuft bis zum 11. April 2021. Das Rosgartenmuseum hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, samstags, sonn- und feiertags bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 5 Euro, ermäßigt 3 Euro. Ein zur Ausstellung herausgegebenes Begleitbuch kostet im Museum 24,90 Euro.

Kontakt:

Rosgartenmuseum

Rosgartenstraße 3-5

DE-78462 Konstanz

Telefon:+49 (07531) 900 376



26.08.2020

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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02.07.2020, Schätze des Südens. Kunst aus 1000 Jahren. 150 Jahre Rosgartenmuseum Konstanz

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Rosgartenmuseum

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Der Leinersaal im Zustand um 1900
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Faltfächer aus dem Nachlass einer Konstanzer Familie, um 1778
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Einer der historischen Ausstellungsvitrinen
 im Rosgartenmuseum Konstanz
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Unbekannter wohl Konstanzer Künstler, Missale, um 1450/60
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in der Ausstellung „Schätze des Südens. Kunst aus 1000
 Jahren“
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Rudolf Stahel, Heiliger Augustinus mit dem
 Jesuskind, 1495/97
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Christoph Daniel Schenck, Christus an der
 Martersäule, 1679
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Der Leinersaal im Zustand um 1900

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Faltfächer aus dem Nachlass einer Konstanzer Familie, um 1778

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Einer der historischen Ausstellungsvitrinen im Rosgartenmuseum Konstanz

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Unbekannter wohl Konstanzer Künstler, Missale, um 1450/60

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in der Ausstellung „Schätze des Südens. Kunst aus 1000 Jahren“

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Rudolf Stahel, Heiliger Augustinus mit dem Jesuskind, 1495/97

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Christoph Daniel Schenck, Christus an der Martersäule, 1679

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Marie Ellenrieder, Porträt von Katharina Becht, geborene Bruderhofer, 1819

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Tonnenschwere Lasten füllten den damaligen „Steinsaal“ um 1900

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Der ehemalige „Steinsaal“ beherbergt heute die Exponate zum Thema „Stadtherrschaft“

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Der Leinersaal heute

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Kabinett-Schränkchen, Süddeutschland, 17. Jahrhundert

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