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Winterlandschaft in Schreiberhau in Schlesien / Hans Purrmann

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Amazone, nach 1906 / Franz von  Stuck

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Knieende(r), 1907/1908 / Ernst Barlach

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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Die umfangreiche Offerte moderner und zeitgenössischer Kunst bei Lempertz gefiel dem Publikum. Das Kölner Auktionshaus konnte das Vorjahresniveau trotz Corona-Krise übertreffen

Trauriger Bahnwärter



Dieser „Bahnwärter“ ist schon ein Spitzenstück. 1927 malte Albert Birkle den älteren Mann mit waagrecht abstehendem, ausladendem Schnauzer und müden, fast schon gebrochenen blauen Augen, seiner Dienstmütze und Signalhörnern. Er steht an einer geschlossenen Bahnschranke mit bunten Signalleuchten, hinter ihm rauscht ein Zug vorbei. In seiner übergroßen Hand hält der Bahnwärter seine junge Tochter, die ebenso trostlos direkt zum Betrachter blickt. Die eigentlich reale Situation verschwimmt unter der Hand Birkles zu einer fantastischen Nachtlandschaft – mysteriös und mehrdeutig. In der Auktion mit Kunst des 20. und 21. Jahrhundert bei Lempertz schwang sich das veristische marktfrische Gemälde, in dem Düsternis und Ruhe Hand in Hand gehen, zum begehrten Kunstwerk auf. Ein minutenlanges Bietgefecht der internationalen Sammlerschar hob den Preis von 80.000 Euro auf 670.000 Euro, was deutlich über dem bisherigen Birkle-Rekord von 170.000 Euro aus dem Jahr 2006 liegt.


Mehre sechsstellige Preise, eine hohe losbezogene Verkaufsrate von über 70 Prozent und einige Wertzuwächse schmückten das Ergebnis der Versteigerung vom 19. Juni, das sich trotz Corona-Pandemie als krisenfest erwies. Mit einem Bruttoumsatz von über 11 Millionen Euro lag es sogar leicht über dem Vorjahresniveau. Erstmals hatte Lempertz rund 100 Positionen aus Moderne, Gegenwartskunst und Fotografie zum einem Reigen der Highlights in einem „Evening Sale“ zusammengestellt, auf den gut 8,6 Millionen Euro entfielen. Langjährigen Privatbesitz zeichnete zudem Lyonel Feiningers frühes „Stillleben auf blauem Tisch“ von 1911 aus, das mit einer Schätzung von 400.000 bis 600.000 Euro als der eigentliche Favorit galt, sich nun mit 560.000 Euro aber dem Birkle-Gemälde geschlagen geben musste. Juan Gris’ kubistische Nature morte „Raisins, Carafe et Livre“ in einem ungleichmäßigen Ovalformat von 1922 wanderte bei 340.000 Euro nahe am oberen Schätzrand in eine Schweizer Sammlung.

August Mackes „Blumenkasten mit Kaktus“ von 1912 in einem aquarellartigen lichten Farbauftrag folgte bei guten 320.000 Euro (Taxe 220.000 bis 250.000 EUR). Für seine gleichaltrige lockere Gouache eines „Orientalischen Liebespaars“ musste ein deutsches Museum 95.000 Euro hinlegen (Taxe 80.000 bis 100.000 EUR). Stillleben hatte dann noch Alexej von Jawlensky zu bieten. Während sein Ölgemälde mit zackigen Dahlien in getupftem Farbauftrag von 1932 bei 140.000 bis 160.000 Euro verschmäht wurde, freuten sich sein expressiveres „Großes Stillleben: Blumen in bauchiger Vase“ von 1936 über 60.000 Euro (Taxe 40.000 bis 50.000 EUR) und die abstrakte „Variation 1916 N. 4, die an Blüten- und Baumformen erinnert, über 90.000 Euro (Taxe 90.000 bis 120.000 EUR). Auch Rosemarie Trockels Wandobjekt mit zwei Herdplatten auf senfgelb lackiertem Stahl von 2000 kann man als zeitgenössisches Stillleben verstehen. Zahlreiche telefonische, schriftliche und Internetgebote trieben den Preis von 20.000 Euro auf 110.000 Euro.

Jenseits der Marke von 100.000 Euro reihten sich bei der modernen Kunst noch Paula Modersohn-Beckers „Kinder zwischen Birkenstämmen“ in braunem Kolorit bei 270.0000 Euro aus der Hand eines deutschen Sammlers (Taxe 180.000 bis 220.000 EUR) oder Max Ernsts dunkel leuchtende Farberscheinung „Le Gulf Stream“ um 1954 bei 110.000 Euro an der unteren Schätzgrenze ein. Genau 100.000 Euro erreichte Raoul Dufys leicht kubistisch aufgefasster, grün dominierter „Jardin à Munich“ von 1909/10 (Taxe 100.000 bis 130.000 EUR). Mit einem Zuschlag von 260.000 Euro platzierte sich auch Pablo Picassos etwas steife Studienzeichnung „Deux femmes nues se tenant“ von 1906 in dieser Kategorie, jedoch musste das Blatt vom Ende der Rosa Periode einen deutlichen Abschlag zum unteren Taxrand von 400.000 Euro hinnehmen. Überhaupt keinen Abnehmer fand Edgar Degas’ Pastellzeichnung einer ihr Haar richtenden Ballerina um 1900 bei 180.000 bis 200.000 Euro.

Einige schöne Wertsteigerungen gab es im fünfstelligen Bereich. Dazu gehören Paul Klees lustiges Tuschfederaquarell „Geister als Akrobaten“ von 1918 bei 66.000 Euro (Taxe 40.000 bis 45.000 EUR) oder Gert Heinrich Wollheims bewegt ausgeführte und koloristisch ausgefeilte „Zirkusreiterin“ von 1923 zum neuen Rekordpreis von 68.000 Euro (Taxe 25.000 bis 30.000 EUR). Mit den unteren anvisierten 80.000 Euro gaben sich die beiden traurigen „Kellerkinder“ von Mela Muter aus dem Jahr 1916 zufrieden. Bei den Skulpturen glänzten dann Ewald Matarés elegant stilisiertes „Tänzelndes Pferd (Chinesisches Pferd)“ von 1943 bei 86.000 Euro (Taxe 35.000 bis 45.000 EUR) und Fritz Klimschs verhaltener Frauenakt „Jugend“ von 1940/41, der bei 90.000 Euro ebenfalls in eine deutsche Sammlung einging (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR). Diesen Wert spendierten die Kunden zudem für Ernst Barlachs sitzende wiegende Bronzegestalt „Singender Mann“ von 1928 (Taxe 80.000 bis 100.000 EUR). Ebenfalls in einem posthumen Guss stand Barlachs 1925 konzipierter, in sich ruhender „Asket“ bereit, der erst bei 50.000 Euro weitermeditieren durfte (Taxe 35.000 bis 40.000 EUR).

In der unmittelbaren Nachkriegszeit war erst einmal die Abstraktion angesagt. Serge Poliakoff fand hier zu seinen charakteristischen verzahnten Farbflächen, wie in der farbenfrohen Gouache „Composition aux traits“ von 1952, die sich erst bei 53.000 Euro verabschiedete (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). Schon zuvor war Jean-Michel Atlan mit seiner titellosen Leinwand, auf der Binnenstrukturen ein kettenartiges Gefüge ausbilden, auf diesen Wert gekommen (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR). In Per Kirkebys Schaffen gehen Naturmotive nahtlos in abstrakte Strukturen über, so auch in einem unbetitelten Ölgemälde von 1977, bei dem sich der Käufer erst mit 190.000 Euro gegen die Konkurrenz durchsetzen konnte (Taxe 120.000 bis 150.000 EUR). Eine weitere Überraschung der Auktion war Heinz Macks großformatige Leinwand „Lichtfelder“ von 1992 aus der Werkreihe „Chromatische Konstellationen“, die ein deutscher Kunsthändler erst bei 240.000 Euro übernehmen konnte (Taxe 40.000 bis 50.000 EUR).

Ähnlich erfolgreich war die „Série de neuf tableaux en langue allemande, Die Welt“ von Marcel Broodthaers. Die neun typographisch bedruckten Schriftbilder von 1973 mit ihren Reminiszenzen an berühmte deutsche Komponisten, Philosophen und Schriftsteller avancierten unter Einsatz New Yorker Handels zum teuersten Los der Zeitgenossen bei Lempertz und besetzen nun den zweiten Platz im Auktionsranking Broodthaers’. Gelungen war auch der Auftritt der CoBrA-Künstler Karel Appel und Asger Jorn aus einer Privatsammlung; alle fünf Gemälde gingen weg wie warme Semmeln. Ein norwegischer Bieter investierte 110.000 Euro in Jorns bunte archaische Kopfform „En place pour le rite“ von 1975 (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR), ein Schweizer Kunsthändler sogar 225.000 Euro in Appels kindlich gekritzelte Reiterszene von 1955 (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR).

Bei Maria Lassnigs farbintensivem Gemälde „Der Tod ist eine Sphinx“ von 1985 langte dann der österreichische Handel zu und zahlte für die etwas schüchterne Selbstverwandlung der Künstlerin 220.000 Euro (Taxe 180.000 bis 200.000 EUR). Neun Telefone lieferten sich bei William Nelson Copleys stilisiertem Aktbild mit einem weiblichen gesichtslosen Geschwader beim „Coffee Break“ von 1963 ein heftiges Bietgefecht, das erst bei 87.000 Euro beendet war (Taxe 40.000 bis 50.000 EUR). Für Nobert Biskys homoerotisches Jungmännerbild „Abfall“ standen schließlich 54.000 Euro auf der Rechnung (Taxe 35.000 bis 40.000 EUR), für Jonas Burgerts dunkle Gestalt in „Schliss“, die vor einer Wand mit absonderlichen Figuren über einem Abgrund sinniert, mochte sich niemand erwärmen (Taxe 200.000 bis 250.000 EUR).

Auch die zeitgenössische Fotokunst tat sich etwas schwer. So blieben etwa Hiroshi Sugimotos grauschwarze Schattenwürfe im „Tempelhof Airport“ von 2000 liegen (Taxe 10.000 bis 12.000 EUR), gleichfalls Andreas Gurskys großformatiges Nachtbild „Heidelberg Ost“ von 1993, das die Stadt als feinen Lichtstreifen unter dem schwarzen Sternenhimmel zeigt (Taxe 100.000 bis 120.000 EUR). Da hatte es Peter Roehrs annähernd quadratische, serielle Fotomontage mit einem einsamen Auto auf weiter Landstraße von 1965 einfacher: die bewilligten 65.000 Euro sind internationaler Rekordpreis (Taxe 35.000 bis 40.000 EUR). Während Robert Indianas Skulpturenziffer „Six“ aus rot-grünem Aluminium von 1980/2001 mit einem Vorbehaltszuschlag von 190.000 Euro noch auf ihre endgültige Übernahme warten muss (Taxe 200.000 bis 230.000 EUR), reüssierten Fausto Melottis kleines spielerisches Objekt „Dissonanze Armoniose“ aus Gold und Silber von 1972/73 bei 44.000 Euro (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR) und Carl Andres minimalistische Bodenarbeit „Bend Smithson (The Old Rattler)“ von 1997 aus 48 Stahldreiecken bei 86.000 Euro (Taxe 45.000 bis 50.000 EUR).

Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Kunsthaus Lempertz

Neumarkt 3

DE-50667 Köln

Telefon:+49 (0221) 92 57 290

Telefax:+49 (0221) 92 57 296

E-Mail: info@lempertz.com



19.08.2020

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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Alexej von Jawlensky, Großes Stillleben: Blumen in bauchiger Vase, 1936

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Taxe: 40.000 - 50.000 EURO

Zuschlag: 60.000,- EURO

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Ernst Barlach, Der singende Mann, 1928

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Alexej von Jawlensky, Variation 1916 N. 4, 1916

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Taxe: 90.000 - 120.000 EURO

Zuschlag: 90.000,- EURO

Losnummer: 53

Paula Modersohn-Becker, Kinder zwischen Birkenstämmen, 1904

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Taxe: 180.000 - 220.000 EURO

Zuschlag: 270.000,- EURO

Losnummer: 22

August Macke, Orientalisches Liebespaar, 1912

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Taxe: 80.000 - 100.000 EURO

Zuschlag: 95.000,- EURO

Losnummer: 48

Ernst Barlach, Der Asket (Der Beter), 1925

Ernst Barlach, Der Asket (Der Beter), 1925

Taxe: 35.000 - 40.000 EURO

Zuschlag: 50.000,- EURO

Losnummer: 91

August Macke, Blumenkasten mit Kaktus, 1912

August Macke, Blumenkasten mit Kaktus, 1912

Taxe: 220.000 - 250.000 EURO

Zuschlag: 320.000,- EURO

Losnummer: 46

Juan Gris, Raisins, Carafe et Livre, 1922

Juan Gris, Raisins, Carafe et Livre, 1922

Taxe: 300.000 - 350.000 EURO

Zuschlag: 340.000,- EURO

Losnummer: 61




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