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Rafman-Schau in Hannover verschoben

Mit seinen digitalen Traumwelten aus „Dream Journal“ hätte Jon Rafman ab September den Kunstverein Hannover bespielen sollen

Der Kunstverein Hannover verschiebt eine geplante Ausstellung zu Jon Rafman. Grund dafür sind Missbrauchsvorwürfe gegen den kanadischen Künstler. Seit einigen Wochen beschuldigen ihn drei Frauen des Machtmissbrauchs und der emotionalen Manipulation. Laut ihren Instagram-Posts soll der 1981 geborene Rafman mit ihnen ungeschützten Sex gehabt haben und bei dabei manipulativ und aggressiv gewesen sein. Außerdem habe er seinen internationalen Bekanntheitsgrad als Druckmittel verwendet. Die Vorfälle liegen Jahre zurück, juristische Schritte gegen Rafman gibt es offenbar nicht. Die ursprünglich für September terminierte Hannoveraner Ausstellung wird nun nicht wie geplant stattfinden. Direktorin Kathleen Rahn gab gegenüber der „Hannoverschen Allgemeinen“ bekannt, dass die Schau nicht abgesagt sei und man warten wolle, bis die Vorwürfe geklärt seien.

Der „Montreal Gazette“ sagte Jon Rafman, er sei „unglaublich bestürzt“. In dem Interview dementiert er nicht, die Frauen zu kennen, habe allerdings nichts unrechtes getan: „Obwohl es für die Frauen, die sich meldeten, bedauerliche Erfahrungen waren, möchte ich sehr deutlich machen, dass es sich um einvernehmliche Aktionen zwischen Erwachsenen handelte.“ Ungeachtet dessen gab auch das Washingtoner Hirshhorn Museum bekannt, die Vorbereitungen einer geplanten Rafman-Ausstellung vorerst auf Eis zu legen. In Kanada beendete das Musée d’art contemporain de Montréal am 15. Juli vorzeitig seine Rafman-Schau, und die dort ansässige Galerie Bradley Ertaskiran nahm den Künstler aus ihrem Programm. Der 38jährige Rafman studierte Bildende Kunst am Art Institute of Chicago sowie Philosophie und Literatur an der McGill University in Montreal, wo er bis heute lebt und arbeitet. Mit seinem Projekt „9 Eyes“, für das er seit 2008 Bilder von Google Street View sammelt und im Internet ausstellt, erlangte er internationale Bekanntheit.


29.07.2020

Quelle: Kunstmarkt.com/Maximilian Nalbach

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