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Das Berner Zentrum Paul Klee zeigt die erste Retrospektive der amerikanischen Künstlerin Lee Krasner in der Schweiz: Das Porträt einer Unbeirrbaren

„Ich habe vor Pollock, während Pollock, nach Pollock gemalt“



Lee Krasner, Prophecy, 1956

Lee Krasner, Prophecy, 1956

Aus dem übermächtigen Schatten ihres prominenten Ehemanns Jackson Pollock hervorzutreten, mit dem sie von 1945 bis zu dessen tragischem Tod 1956 verheiratet war, fiel Lee Krasner nie leicht. Ihr trotziger Ausspruch weist auf eines schnell hin: Sie wollte als eigenständige Künstlerpersönlichkeit gesehen werden und ist dies in jedem Fall, wie nun eine umfassende Retrospektive im Zentrum Paul Klee in Bern klar vor Augen führt. Mit Werken der 1920er bis 1970er Jahre sortiert die Schau in chronologischen Schaffensphasen das Œuvre der 1908 in New York geborenen Malerin und führt dabei eindrucksvoll vor allem die Wandelbarkeit der sich stets neu erfindenden energetischen Kreativen vor. Ein „Signature Style“ ist vergeblich zu suchen, aber dafür ermöglicht die Präsentation ein spannendes Eintauchen in die verschiedenen, oft eng mit der Biografie verknüpften künstlerischen Phasen eines ereignisreichen Lebens.


Die Akte der National Academy of Design, an der sie seit 1929 studierte, stellt Lee Krasner als schwierige Schülerin vor; demnach bestehe sie mehr „auf ihren eigenen Willen, anstatt Schulregeln zu befolgen“. Tatsächlich hatte die junge Malerin vor allem mit dem favorisierten akademisch-realistischen Stil ihrer Lehrer Probleme und rebellierte gegen deren traditionelle Lehrmethoden. Die europäische Avantgarde fand in New York vor der Eröffnung des Museum of Modern Art im Jahr 1929, das bereits in seiner ersten Ausstellung unter anderem Werke von Paul Cézanne, Paul Gauguin, Georges Seurat und Vincent van Gogh vorstellte, kaum Beachtung. Krasner war in jenen Jahren auf der Suche nach sich selbst, wie die in Bern gehängten Selbstporträts beweisen.

Verloren hat sie sich dabei nicht, wie schon eine um 1928 entstandene Eigendarstellung im Freien nahelegt, die als Bewerbungsstück Krasner den Zugang zur National Academy of Design ermöglichte. Im Garten ihrer Eltern auf Long Island malte sich Krasner vor dickem saftigem Grün bei der Arbeit. Selbstbewusst schaut sie im blauen Hemd und mit Schürze aus der Leinwand und hält in ihrer linken Hand die Malutensilien. Der Blick der jungen Frau verrät bereits einen wachen und fokussierten Geist, der die optischen Reize ihrer Umwelt scharfsinnig verarbeitet. Sujet und Stil der frühen figürlich-realistischen Arbeit machen Krasners Auseinandersetzung mit der europäischen Kunst in der treffend „Becoming Lee“ betitelten Rubrik des Rundgangs deutlich. Zahlreiche Studien und Aktzeichnungen folgen ihrem Werdegang zur Abstraktion, der eng mit der von Hans Hofmann gegründeten School of Fine Arts und der Kontakte zu den Kubisten verbunden ist.

Little Images

Mit dem Börsencrash und dem Ausbrechen des Zweiten Weltkriegs hatte Lee Krasner nach ihrer Ausbildung einige Startschwierigkeiten. Heute nicht mehr erhaltene Aufträge etwa für Kaufhäuser, die auf staatliche Förderprogramme für Künstler zurückzuführen sind, kann die Schau – deren Verlust geschuldet – nur in wenigen Fotoreproduktionen anreißen. Der Bruch mit dem Kubismus, Malblockaden und die anschließende Hinwendung zu einer radikal neuen Bildsprache werden aber durch diese Leere und den zeitlichen Abstand umso deutlicher. Die von Lee Krasner selbst als „Little Images“ benannte Gruppe steht ab 1945 somit in großem Kontrast zur vorausgegangenen figürlichen Sektion.

Eine unbetitelte kleine Leinwand von 1947 zeigt, was Krasners Arbeitsweise jener Jahre ausmacht. In vielen übereinander gelagerten Schichten führt der dicke Farbauftrag zu einer abstrakten flächendeckenden Komposition, die unendlich über die Bildränder hinaus fortzusetzen wäre. Bunte Tupfer und Linien brechen durch das darüber liegende, teils matte und teils glänzende Schwarz, dessen Nuancen nur im Original erfahrbar sind. Später ordnete Krasner ihr Vorgehen und strukturierte die „Little Images“ stärker. Das Rundformat „Stop and Go“ von 1949/50 mit seinen hieroglyphenhaften Zeichen in krummen Zeilen steht exemplarisch für diese Entwicklung.

Wieder Krise, wieder Neuerfindung

Lee Krasners erste Einzelausstellung 1951 in der New Yorker Betty Parsons Gallery nahm die Kritik zwar positiv auf, dennoch verkaufte sich keines der Bilder. In Selbstzweifeln begann die Künstlerin, Schwarz-Weiß-Zeichnungen, die sie im Atelier kombinierend befestigte, wieder abzureißen, zu zerfetzen oder auf dem Fußboden zu lagern. Die zufälligen Arrangements erregten ihr Interesse und führten zu Experimenten mit der Technik der Collage. „Shattered Light“ von 1954 repräsentiert ihre künstlerische Entwicklung hin zu dieser Technik, die von einem malerischen Umgang geprägt war. Auf der verworfenen Leinwand nahtlos und überlagernd eingefügt, stehen Pinsel und Klebearbeit nicht im Kontrast, sondern verschwimmen vielmehr zu einer neuen abstrakten Einheit.

Mit „Prophecy“ folgt zeitlich das nächste Schlüsselwerk. In der fleischigen Darstellung von 1956 fand Lee Krasner – für sie selbst überraschend – zu einer an die europäischen Traditionen und Pablo Picasso angelehnten Figürlichkeit zurück. Ihre Ehe war zu dieser Zeit schon schwer vom Alkoholismus Pollocks geprägt, der kurz nach dem Entstehen dieses ersten Bildes aus Krasners neuer Phase bei einem schweren Autounfall verstarb. Ihren Drang, im Malen Ausdruck zu finden, schmälerte die Trauer nicht. Auch der Tod ihrer Mutter kurze Zeit später ließ die ab 1959 folgenden monochromen „Night Journeys“ nicht zu rückwärtsgewandten Trauerbildern verkommen. Vielmehr erklärt sich das gedeckte Kolorit auch aus der chronischen Schlaflosigkeit Krasners, die damals nachts bei Kunstlicht arbeitete. Die riesigen Formate überzeugen mit einer noch expressiveren, stimulierenderen und wilderen Komposition als ihre Vorgänger.

Die Buntheit, um deren Einschätzung Willen sie gerne im Freien und bei Tageslicht arbeitete, holte Krasner fand Anfang der 1960er Jahre in ihr Œuvre zurück. Metergroße Leinwände gestischer Malerei der „Primary Series“ mit leuchtendem Kolorit beeindrucken im Zentrum Paul Klee schon allein wegen ihrer Monumentalität, die den Besucher zwingt, Abstand zu halten, aber genauso einlädt, die vielen Details und Strukturen aus der Nähe zu erkunden. Kleine intime Blätter teils kalligrafischen Charakters weisen zudem daraufhin, dass Krasner nicht nur durch Größe auffallen wollte, sondern genauso im Kleinen hervorragende Werke schuf.

Formstrenge und Selbstbezüge

Mit „Lee Krasner. Large Paintings“ widmete ihr das New Yorker Whitney Museum of American Art Anfang der 1970er ihre erste Einzelschau in einer bedeutenden Institution. Auf diesem Erfolg ruhte die umtriebige Malerin jedoch nicht aus. Krasners Aussage „Entwicklung, Wachstum und Veränderung gehen weiter. Wandel ist Leben“ von 1972 subsummiert die vorangegangenen Schaffensabschnitte, lässt aber genauso auf einen erneuten Umschwung schließen. Diesen leitete sie mit „Palingenesis“, der „Wiedergeburt“, ein. Klare Kanten und geschlossene Formen charakterisieren das Querformat von 1971. Bis zu „Olympic“ aus dem Jahr 1974 schärfte sie diese geometrische Ausrichtung weiter, die nicht völlig neu ist, sondern sich schon in den Collagen der 1950er Jahre fand.

Mit Bezügen über die verschiedenen Stile und Zeiten hinweg schließt die Präsentation in Bern: Wiederentdeckte und auf andere Blätter schemenhaft abgedrückter Kohlezeichnungen aus ihrer Studienzeit brachten Krasner zu jener Technik zurück. Diesmal schnitt sie harte Kanten mit der Schere und setzte die Blätter im Stile ihrer geometrischen Gemälde der 1970er Jahre zusammen. Die reife und die junge Künstlerin verschmelzen damit in der letzten Ausstellungssektion und gehen wieder in einer neuen Ausdrucksweise auf. Krasner bleibt dem Besucher als starke Persönlichkeit und unbeirrbar suchende Künstlerin im Gedächtnis.

Die Ausstellung „Lee Krasner. Living Colour“ ist bis zum 16. August zu sehen. Das Zentrum Paul Klee hat dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt regulär 20 Franken, ermäßigt 18 Franken, 10 Franken bzw. 7 Franken. Der reich bebilderte Ausstellungskatalog aus dem Hirmer Verlag kostet 48 Franken.

Kontakt:

Zentrum Paul Klee

Monument im Fruchtland 3

CH-3006 Bern

Telefon:+41 (031) 359 01 01

Telefax:+41 (031) 359 01 02

E-Mail: kontakt@zpk.org



27.07.2020

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jan Soldin

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