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Knieende(r), 1907/1908 / Ernst Barlach

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Das Clemens-Sels-Museum in Neuss hat sich der Hinterglasmalerei verschrieben und stellt moderne sowie zeitgenössische Positionen gegenüber

Leuchtende Präsenz auf fragilem Grund



Michael Jäger, Lester 4, 2019

Michael Jäger, Lester 4, 2019

Ob Steinmalerei oder Geweihmöbel, ob Eat Art oder Sepulkralskulptur – die Zahl vermeintlicher Randgebiete in der Kunstgeschichte ist breit gefächert. Dazu zählt auch die Hinterglasmalerei. Die im Grenzbereich zwischen Kunstgewerbe und Kunst angesiedelte Technik rückwärtiger Bemalungen von Glastafeln gründet zwar in der Volkskunst und wird daher eher mit Andachtsbildern oder Votivtafeln in Verbindung gebracht, doch stieg sie im beginnenden 20. Jahrhunderts zu einer maßgeblichen Gattung der klassischen Moderne auf. Gabriele Münter griff sie um 1908/09 auf und führte sie in der Gruppe des „Blauen Reiters“ ein. Bereits 1911 wurden Hinterglasbilder von Wassily Kandinsky, Franz Marc oder Heinrich Campendonk in München ausgestellt. Der 1912 erschienene Almanach „Der Blaue Reiter“ publizierte nahezu ein Dutzend Hinterglasbilder. Die erste Einzelausstellung von Campendonk 1923 im Krefelder Kaiser Wilhelm Museum enthielt ausschließlich Glasbilder. Darauf aufbauend, führte sie August Macke bei den Rheinischen Expressionisten ein. Die Berliner Avantgardegalerie „Der Sturm“ stellte sie ebenso aus, und selbst am Bauhaus entstanden Hinterglasbilder.


„Als wir bei Marcs in Sindelsdorf zu Besuch waren, saßen wir abends alle um den runden Tisch und malten Glasbilder. Franz und Maria, August und ich, und manchmal waren auch Helmuth Macke und Campendonk dabei, die damals in Sindelsdorf lebten. Überhaupt beschäftigten sich seinerzeit viele Maler mit dieser etwas primitiven Volkskunst“, beschrieb August Mackes Ehefrau Elisabeth die schöpferische Tafelrunde. Die Faszination dieser sogenannten „nicht-akademischen“, dem Kunsthandwerk entlehnten Nischentechnik lag in ihrem experimentellen Charakter, der ein neues Feld individueller künstlerischer Entfaltungen eröffnete. Besonders die Wirkung von extrem leuchtenden Farben gefiel den Künstlern. Dieser Aspekt beeinflusste die sonstige allgemeine Kunstentwicklung maßgeblich. Auch heute bedienen sich zeitgenössische Künstler dieser Randdisziplin. Das Neusser Clemens-Sels-Museum widmet sich diesem Genre nun in einer verdienstvollen konzentrierten Ausstellung, die einen Bogen von den Errungenschaften des „Blauen Reiters“ bis in die heutige Zeit spannt.

Dabei integrierte die Kuratorin Bettina Zeman die Exponate geschickt in die Dauerpräsentation und inszenierte sinnliche, wie informative Gegenüberstellungen älterer Werke mit gegenwärtigen Positionen, die ein mannigfaltiges Beziehungsgeflecht offenlegen. Eine enge Verbindung zum Niederrhein verkörpert in diesem Zusammenhang der aus Dülken stammende Werner Schriefers (1926-2003). Nach seiner Beschäftigung mit Werken Paul Klees und der Bewegung des „Blauen Reiters“ trat er in den 1960er und 1970er Jahren mit poetischen, bewegten und ausnehmend tiefenräumlichen Bildern an die Öffentlichkeit. Die „Hommage à Klimt“ aus dem Jahr 1971 verkörpert den unglaublichen Reiz seiner Werke mittels virtuoser Variation der angewandten Mittel.

Die erfreulich griffig arrangierte Schau konzentriert sich im Wesentlichen auf drei zeitgenössische Positionen und setzt sie mit Hochkarätern aus dem Eigenbestand sowie Leihgaben in einen Dialog. Im Museumsfoyer schreitet der Besucher direkt auf eine Lack- und Ölmalerei auf Acrylglas des 1956 in Düsseldorf geborenen Künstlers Michael Jäger zu. „Lester 4“, so der Titel, schuf Jäger speziell für das Museum. Seine computergenerierten Strukturen freier Malerei gehen mit den gleichfalls farbintensiven, aber blockhaft reduzierten, vor- und zurückspringenden geometrischen Strukturen der bemalten Museumwand eine kontrastierende Verbindung ein. Seitlich davon findet sich am Aufgang die Hinterglasarbeit „G1/17“ der 1960 geborenen Düsseldorferin Gaby Terhuven. Die aus zwei beidseitig partiell mit Ölfarbe bemalten Glasscheiben konzipierte Arbeit zeichnet sich durch rot-rosafarben abgetönte lineare Strukturen aus. In sie hinein arrangierte Terhuven Halbkreisformen, die nicht nur das genau kalkulierte Zusammenspiel unterstützen, sondern auch den Betrachter je nach Bewegung, Licht- und Raumeinwirkungen in Schwingung versetzen. Eine Serie von beiseite gestellten Zeichnungen dokumentiert, wie präzise Terhuven ihre visuellen Phänomene konstruiert.

In den Obergeschossen erwartet den Betrachter eine Reihe von gedankenreichen Korrespondenzen. Leihgaben wie Heinrich Campendonks um 1922 entstandene „Frau am Spiegel“, Gabriele Münters „Motiv aus Herford“ aus den Jahren um 1910 oder ein Hinterglasaquarell von Paul Klee führen überlappende Aspekte vor Augen. Dazu gehören die bestechend kräftige und intensiv leuchtende Farbgebung, die plakativen Verallgemeinerungen oder die erstaunlichen formalen wie motivischen Überschneidungen.

Raumgreifender gestalten sich die quasi als schwebende Kreaturen ersonnenen Glasobkjekte des 1953 geborenen, in Stuttgart lebenden Camill Leberer. Anfangs wirken sie verschlossen, doch öffnen sie sich nach einiger Betrachtungszeit und offenbaren je nach Blickwinkel zwischen und durch die bemalten Glaspartien Vor- und Rücksprünge, Ecken und Kanten, kippende Flächen oder räumliche Vertiefungen. Eingebaute Leuchtröhren unterstützen das Abtauchen in nach und nach sich erschließende Zwischenwelten, die sich in begleitend zur Seite gestellten Gemälden älterer und moderner Meister passend fortsetzen.

Die Schau „Vorsicht Glas. Hinterglasmalerei von August Macke bis heute“ ist bis zum 30. August zu sehen. Das Clemens-Sels-Museum hat dienstags bis samstags von 11 bis 17 Uhr, sonntags von 11 bis 18 Uhr und jeden letzten Donnerstag im Monat bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 5 Euro, ermäßigt 2,50 Euro. Zur Ausstellung wird Anfang August ein Katalog erscheinen.

Kontakt:

Clemens-Sels-Museum

Am Obertor

DE-41460 Neuss

Telefon:+49 (02131) 90 41 41

Telefax:+49 (02131) 90 24 72

E-Mail: service@clemens-sels-museum-neuss.de



17.07.2020

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Veranstaltung vom:


23.05.2020, Vorsicht Glas. Hinterglasmalerei von August Macke bis heute

Bei:


Clemens-Sels-Museum

Kunstsparte:


Hinterglasmalerei

Stilrichtung:


Moderne Kunst

Stilrichtung:


Expressionismus

Stilrichtung:


Nachkriegskunst

Stilrichtung:


Zeitgenössische Kunst

Variabilder:

Paul Klee, Ohne Titel, 1908
Paul Klee, Ohne Titel, 1908

Variabilder:

Camill Leberer, Tauchbad, 2018/19
Camill Leberer, Tauchbad, 2018/19







Paul Klee, Ohne Titel, 1908

Paul Klee, Ohne Titel, 1908

Camill Leberer, Tauchbad, 2018/19

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Gabriele Münter, Motiv aus Herford, um 1910

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Werner Schriefers, Hommage à Klimt III, 1971

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Gaby Terhuven, G1/17, 2017

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Heinrich Campendonk, Frau am Spiegel, um 1922

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in der Ausstellung „Vorsicht Glas! Hinterglasmalerei von August Macke bis heute“

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in der Ausstellung „Vorsicht Glas! Hinterglasmalerei von August Macke bis heute“

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in der Ausstellung „Vorsicht Glas! Hinterglasmalerei von August Macke bis heute“

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