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NS-Raubkunst: Tagebücher von Hans Posse erschlossen

Das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg hat fünf Tagebücher von Hans Posse, Hitlers Sonderbeauftragten für das geplante „Führermuseum“ in Linz, wissenschaftlich aufgearbeitet und digitalisiert. Das Quellenmaterial liefert nun neue Erkenntnisse zum NS-Kunstraub sowie zur Museumspolitik der Nationalsozialisten. Die fünf Bände gelangten Mitte der 1980er Jahre ins Deutsche Kunstarchiv am Germanischen Nationalmuseum. „Es sind keine Tagebücher im klassischen Sinne. Es sind eher Arbeitsnotizbücher“, so Projektmitarbeiterin Frederike Uhl, die unter der Leitung von Susanna Brogi gemeinsam mit Juliane Hamisch und Birgit Schwarz den Nachlass erforscht hat.

Die handschriftlichen Notizen offenbaren die Bandbreite von Posses Tätigkeiten und belegen, dass er nicht nur der Chefankäufer für das „Führermuseum“ war, sondern auch Hitlers wichtigster Kunstraubmanager. Die Notizbücher dokumentieren zudem Posses Aktivitäten in den besetzten Gebieten, etwa in Polen und Frankreich, und seine Kontakte zu NSDAP-Organisationen, wie etwa den lokalen Gauleitungen, Gestapo-Dienststellen und zum militärischen Kunstschutz. Rekonstruierbar sind etwa seine Inspektionen beschlagnahmter Privatsammlungen sowie seine Verbindungen zum Kunsthandel und dem von ihm selbst aufgebauten Netz von Kunstagenten. Dabei werden regelmäßig auch konkrete Kunstwerke mit ihren Preisen und Ankaufs- bzw. Übernahmebedingungen genannt.

Von den ersten drei Bänden ist inzwischen jede einzelne Seite im Internet mit einer Transkription und einordnenden Kommentaren abrufbar. „Die Grundidee war, die Tagebücher für alle zugänglich und so verständlich zu machen, dass weitere Forschung daran möglich ist“, sagte Hamisch. Erschwert wurde die Arbeit durch den Umstand, dass Hans Posse seine Reiseaufzeichnungen direkt vor Ort anfertigte und nicht von seinem Schreibtisch aus. Wenn gleich Posse, der von 1910 bis zu seinem Tod im Dezember 1942 auch Direktor der Dresdner Gemäldegalerie war, seine Reisewege und -zeiten höchst akribisch dokumentierte, fallen viele der Notizen nur stichpunktartig aus. Zudem verwendete er ungebräuchliche Namensabkürzungen oder selbst vergebene Werktitel. Ohne entsprechende Erläuterungen sind die Aufzeichnungen deswegen nur schwer verständlich.


Infos: www.gnm.de/forschung/archiv-forschungsprojekte/reisetagebuecher-hans-posse

Quelle: Kunstmarkt.com/Maximilian Nalbach

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