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Carl Spitzweg im Schweinfurter Museum Georg Schäfer

Ein gebildeter Postkartenmaler



Carl Spitzweg, Der abgefangene Liebesbrief, um 1850

Carl Spitzweg, Der abgefangene Liebesbrief, um 1850

Auf die Frage nach dem populärsten deutschen Maler würde Carl Spitzweg wohl mit Abstand am häufigsten genannt. Warum das so ist, kann man derzeit im Rahmen einer grossen Ausstellung im Schweinfurter Museum Georg Schäfer nachvollziehen, das mit 173 Gemälden sowie über 100 Zeichnungen von insgesamt ca. 1.500 Werken über den weltweit umfangreichsten Bestand dieses Künstlers verfügt.



Herausragend und von weltweiter Reputation sind Spitzwegs Studien nach bestimmten Typen oder Charakteren. Wie kaum einem zweiten gelang es ihm, Witz, Ironie und tiefere Bedeutung insbesondere in Pointenbildern zu demonstrieren, in denen scharf gesehene Einzelfiguren im Mittelpunkt der Bildgestalt stehen. Insbesondere bei Mönchen, Eremiten oder Pfarrherren werden allzu menschliche Verhaltensweisen thematisiert. Aber nicht nur bei den Geistlichen geht es Spitzweg darum zu zeigen, dass sie den hohen Ansprüchen und Verpflichtungen nicht immer gewachsen sind. Der Alchemist oder der Chemikus blicken erwartungsvoll auf das, was sich in ihren Apparaten zusammenbraut. Wissenschaftler lenken ihre Aufmerksamkeit auf das Nächstliegende und das Begrenzte. Den Blick für grössere Zusammenhänge haben sie bereits verloren. Sie verstehen mehr und mehr von immer weniger. Für den übergeordneten wie tieferen Sinn steht der Bibliothekar, der sich ins Bücherwissen vergräbt. Aber im „Bücherwurm“ ist der Stand des Bibliothekars auch gefährdet. Der Drang zu Höherem hat in auf die Leiter steigen lassen, deren fester Halt nur zu vermuten ist.

Spitzwegs Figuren an isolierten Standorten verkörpern in Aussehen und Haltung eine ironische oder witzige Pointe. Solche Bilder begründeten Spitzwegs Ruf als Humorist und fanden auch ihre Käufer. Deshalb hat er auch solche Pointen bis ins hohe Alter gemalt. Zwar waren ihm auch die Verkaufserlöse wichtig. Aber er wollte auch in seiner Künstlerexistenz bestätigt werden und versuchte, seine Kunst mit höchstem Ansprüchen zu betreiben. Zwar schickte er auch seine Werke zu Ausstellungen, aber Ruhm und grosse Öffentlichkeit bedeuteten ihm wenig - er kannte genau seine Grenzen.

Von Hause aus war der 1808 in München geborene Spitzweg Apotheker. 1832 bestand er das Universitätsexamen mit Auszeichnung. Eine Krankheit erleichterte den Berufswechsel ins künstlerische Fach, eine Erbschaft gab die nötige finanzielle Sicherheit. Als fleißiger Autodidakt mit guter Beobachtungsgabe – er schulte sich vor allem an den alten Niederländern in der Pinakothek und erhielt Anregungen von seinen Freunden Eduard Schleich d.Ä. und Christian Morgenstern - wagte er sich alsbald ans Malen: 1837 schon entstand die erste Fassung seines wohl bekanntesten Bildes: "Der arme Poet". Von nun an ließ er seine scharfen Beobachtungen wie umfassenden beruflichen wie allgemeinbildenden Kenntnisse in sein Werkschaffen einfließen. Die Wanderer, Reisenden, Postkutschen, Eisenbahnen demonstrierten seine leidenschaftliche Reiselust. Häufig war Spitzweg mit der Postkutsche im Fränkischen, Bayerischen oder Tiroler Alpenland unterwegs. So überrascht es nicht, dass sich bayerische Lebenswirklichkeiten auch in seinen Bildern widerspiegeln.

Nach 1850 häufen sich die Motive einer friedlichen Welt. Die Schauplätze scheinen allen Konfliktherden weit entrückt. Aber so einfach zu konsumieren sind Spitzwegs Bilder keineswegs. Hinter der meist idyllischen Oberfläche verbarg Spitzweg auch seinen Schmerz. War er doch als junger Mann unglücklich verliebt und hat darauf hin sein Leben als Junggeselle verbracht. Dafür steht in der Ausstellung „Der abgefangene Liebesbrief“, eines seiner populärsten Gemälde. Vom Fenster des oberen Stockwerks lässt der Student einen Werbebrief an seine Angebetete hinab. Sie, vertieft über ihre Handarbeit, merkt davon nichts. Dafür entdeckt die fromme Tante den Brief und kann sich nicht erklären, was das soll. Dass seine Werbung in die Irre läuft, sieht auch der Student nicht. Allein der Betrachter wird zum allwissenden Beobachter. Wie nun die Liebelei ausgeht, lässt Spitzweg offen. Ein schnäbelndes Taubenpärchen auf der Dachrinne gibt jedoch Grund zur Hoffnung.

Auswegloser aber immer noch mit versöhnlichem Humor gestaltet Spitzweg seine unerfüllte Liebe im „Kaktusliebhaber“: Einsam hinter Stapeln von Akten verbarrikadiert blickt der Amtmann in seiner Stube auf einen dicken Kaktus, der auf dem Fensterbrett vielleicht nach vielen Jahren gerade eine rote Blüte treibt. Innig wie in einer Liebesbeziehung lässt Spitzweg Mensch und stachelige Pflanze sich einander zuneigen. Aber wie enttäuscht von den Menschen muss der Amtmann sein, dass er sich den stummen Kaktus zum Objekt seiner Liebesgefühle ausgewählt hat?

Aber nicht nur das Private lotet Spitzweg in seiner Kunst aus. Auch die Auswirkungen politischer Ereignisse auf das kleinbürgerliche Milieu thematisiert er. Häufig malt er friedliche Soldaten – schon ein Widerspruch in sich. In dem um 1850 entstandenen Bild „Es war einmal – Der strickende Wachtposten“ sitzt ein Soldat auf einer alten Bastion und beschattet mit der rechten Hand seine Augen, um in der Ferne eine zart aufsteigende Rauchwolke schärfer zu beobachten. In seiner linken Hand hält er einen blauen Strumpf, an dem er gerade strickt. Nichts scheint den Wachposten aus der Ruhe zu bringen, auch nicht die Wolke, die drohende Gefahr andeutet. Sein Gewehr hat er an die Bastionsmauer gelehnt, der Tschako ruht neben ihm im Gras. Auch die Natur macht sich nichts aus der Bedrohung: Gelassen überwuchert Gras und Buschwerk die zerfallene Bastei. Plädiert Spitzweg hier nach der Revolution von 1848, die auch in München zu Verfolgungen und Erschiessungen führte, für eine Streitmacht, die nicht zerstört oder zu Tode bringt? Auch seine Zeitkritik kleidet er in Humor und biedermeierliche Zurückhaltung.

Nach seinem Tod 1885 mussten rund 40 Jahre vergehen, ehe Spitzweg nach dem ersten Weltkrieg als Schilderer deutschen Fühlens, Humors und tiefblickender Innerlichkeiten, als allzu menschliche Schwächen fast liebevoll festhaltender Künstler dauerhaften Ruhm ernten konnte. Mit der Expansion der konsumorientierten Vereinnahmung seiner Motive mittels werbeträchtiger Verwertung auf allen nur denkbaren Artikeln von Postkarten bis bin zu Keksdosen begann die bis heute ungebrochene Popularität des Künstlers.

Die Sommerausstellung „Carl Spitzweg - Gemälde und Zeichnungen im Museum Georg Schäfer“ ist noch bis zum 6. Oktober in Schweinfurt zu sehen. Geöffnet ist von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr, donnerstags darüber hinaus bis 21 Uhr. Zur Ausstellung ist ein Katalog von Jens Christian Jensen mit dem gesamten Spitzweg-Bestand des Museums Georg Schäfer erschienen, der zur Ausstellung 25 Euro kostet.

Kontakt:

Museum Georg Schäfer

Brückenstraße 20

DE-97421 Schweinfurt

Telefon:+49 (09721) 519 19

Telefax:+49 (09721) 513 71

E-Mail: info@mgs-online.de



10.07.2002

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke/Ulrich Raphael Firsching

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