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Erstmals widmet sich eine umfassende Ausstellung dem Lebenswerk des Oberhausener Fotografen und Bildjournalisten Rudolf Holtappel

Im Spannungsfeld des Zeitgeschehens



Rudolf Holtappel, Oberhausen vor Zeche Sterkrade, 1960

Rudolf Holtappel, Oberhausen vor Zeche Sterkrade, 1960

„Grau – nur dreimal im Jahr eine klare Sicht“, so beschrieb Rudolf Holtappel das Wetter im Ruhrgebiet. Auf vielen seiner Fotos kann man diesen Zustand nachvollziehen. Aus der ersten Hälfte der 1960er Jahre, als Bergbau und Industrie eine Blüte erlebten, stammt eine Reihe von Stadtansichten, über denen ein grauer Schleier liegt. Aus hohen Schornsteinen und Hauskaminen steigen dicke Qualmschwaden auf. Die Sujets verschwimmen bei zunehmender Ferne in helle und graue Dünste. Holtappels Meisterschaft liegt im Einfangen dieser Hell-Dunkel-Reflexe. Der Rauch verleiht vielen seiner Motive eine fast schon surreale Ästhetik, oft gepaart mit einer sentimentalen Stimmung. Anderswo faszinierten den Fotografen gewaltige technische Anlagen. Der Luftverschmutzung trotzend, spazieren auf einem Bild vor dunklen Stahlkolossen hell gekleidete Personen, die zu Miniaturen werden, sich aber auffallend von der düsteren Fabrikkulisse abheben.


Die Gigantomanie und Energieverschleuderung im Ruhrgebiet, die Massen von Werktätigen und Bewohnern, die die Einkaufsstraßen und Fabriken bevölkern, andererseits die Umweltschäden und die Ausbeutung der Arbeiter ohne Perspektive im Strukturwandel – Rudolf Holtappel nahm alles subtil wahr und beobachtete „sein“ Revier genau. „Rekorde in der Produktion – kein Angebot, das ist der Lohn“ heißt es auf einem Transparent bei einer Streikversammlung im Jahr 1964. Holtappels Fotografien sind mal nachdenklich, mal liebe- oder humorvoll, aber auch ausgesprochen kritisch mit dem Fokus auf oft beiläufigen Begebenheiten.

Auf einem Bauernhof entdeckte er 1966 gerupfte, an einer Leine hängende Gänse mit verbundenen Augen. Darunter stolziert ein Hahn vorbei. Wie so oft versah er auch dieses Foto mit einem Titel: „Die Zukunft hat schon begonnen“ benannte er das Motiv. Wegen dessen Offenheit wurde er auch zum Titel der Schau auserkoren, mit der die Ludwig Galerie Schloss Oberhausen nach den Einschränkungen durch die Corona-Krise am vergangenen Wochenende wieder ihren Ausstellungsbetrieb aufgenommen hat. Was sich eigentlich auf das Schicksal des Huhnes bezieht, soll Gedanken über Vergangenes, Gegenwart und Zukunft evozieren. Wie rasend schnell Ereignisse die Welt verändern können, zeigt momentan die aktuelle Situation, auf der die Ausstellung geschickt Bezug nimmt.

Rudolf Holtappel wurde am 3. Januar 1923 in Münster geboren und musste kriegsbedingt 1937 die Fotografenlehre abbrechen. Erst 1950 konnte er die Meisterprüfung im Fotografenhandwerk ablegen und arbeitete fortan als freier Fotograf und Bildjournalist für Tages- und Werkszeitungen, Verlage, Industrieunternehmen, Fernsehen und Rundfunksender. Ab 1960 wohnte Holtappel in Oberhausen und agierte seit dieser Zeit als umtriebiger Meister seines Metiers. Allein bei 13 Städtefotobänden des Mercator-Verlages trat er mit seinen Architekturaufnahmen als alleiniger Bildlieferant auf; bei weiteren steuerte er Aufnahmen bei. Über 60 Jahre lang brachte er mit eindrucksvollen Sujets das Ruhrgebiet den Menschen nahe und fing den Strukturwandel und das Alltagsleben mit der Kamera ein. Hochbetagt und bis zuletzt tätig verstarb er am 21. November 2013 in Duisburg.

Im Jahr 2017 erwarb die Stadt Oberhausen seinen Nachlass aus 360.000 Negativen in über 80 Ordnern, dazu weit über 1000 Dias und Fotoabzüge, Dokumente, Kameras und weitere Materialien. Schon zuvor hatte das Ruhr Museum ein Konvolut von 30.000 Bildern angekauft, das sich teilweise mit dem Oberhausener Korpus überschneidet. Nachdem erstmals 1998 Fotografien Holtappels in einer Ausstellung des Ruhr Museums museale Weihen errangen, wartet die Ludwig Galerie in Oberhausen nun mit einer umfassenden Retrospektive zum Œuvre des Fotografen auf. Im Rahmen der wissenschaftlichen Erschließung, Katalogisierung und Archivierung des Nachlasses stellte die Kuratorin Miriam Hüning eine Auswahl von 280 Fotografien zusammen. Ergänzt wird sie durch Publikationen, Dokumente und weitere Objekte.

Sechs Kapitel verdeutlichen die Schwerpunkte während der Kernzeit seines Schaffens zwischen 1950 und 1990. Vielgestaltig sind seine Stadtbilder. Mal nüchtern, mal in belebten Szenen skizzieren die Straßenfluchten, Ensembles, Arbeitsplätze, öffentliche Einrichtungen oder Transportmittel die Stadtentwicklung über die Jahrzehnte. Unter der Ära von Günther Büch (1961-1970) und Klaus Weise (1992-2003) arbeitete Rudolf Holtappel für das Theater Oberhausen als Dokumentarist. Für Programmhefte oder Presseveröffentlichungen stellte er sich den Herausforderungen, trotz schwieriger Bedingungen von Bewegung oder Belichtung auf Theaterbühnen die Anordnung von Personen harmonisch in symmetrischem Aufbau einzufangen. Ein weiteres Thema sind seine dienstlich wie privat unternommenen Reisen durch Europa und in die USA. Der Betrachter erhält Einblick in die Arbeit einer schottischen Whiskyfabrik oder schaut – wie auch bei Holtappels Ruhrgebietsaufnahmen üblich – von erhöhten Standpunkten in die Avenues von New York.

Die Gutehoffnungshütte Oberhausen, die Ruhrchemie oder das Unternehmen Babcock dokumentierte er unter Einsatz von Panoramaformaten. Hier standen der Mensch bei der Arbeit oder neue Techniken der Fabrikation besonders im Fokus, ebenso wie bei den Tätigkeiten für die Unternehmenskommunikation des Düsseldorfer Henkel-Konzerns, dessen Außenwahrnehmung Holtappel maßgeblich mitprägte. Zwischen 1974 bis 2002 fertigte er über 2500 Aufnahmen von Produkten, Mitarbeitern, Besuchern, Veranstaltungen und Firmeneinrichtungen. Schon 1964 begann Holtappels bis 1995 bestehende Tätigkeit für die Essener Kaufhauskette Karstadt. Für das Mitarbeitermagazin und Publikationen hielt er einfühlsam Kunden beim Aussuchen der Waren, Produkte, Dekorationen oder die Architektur fest. Bedingt durch das spartenübergreifende Arbeitspensum zeigt sich mit den Jahren eine unglaubliche Perfektion seiner Bilder. Ab den 1990er Jahren entdeckte Holtappel sein Interesse am Experimentieren, speziell an den Edeldruckverfahren, etwa an Salzprints, Cyanotypien oder Bromöldrucken.

Holtappel verharrte nahezu ausschließlich in der Schwarz-Weiß-Fotografie. Farbe interessierte ihn nicht sonderlich, die Lichtempfindlichkeit war ihm zu schlecht und die Produktion immens teuer. Holtappels Fotografie war durchgängig beseelt von einer Nähe zum Geschehen. Er tauchte ein in verschiedene Milieus – von spielenden Kindern in Arbeitersiedlungen, Skatkloppern, Taubenzüchtern, den Bereichen Wohnen bis hin zur Arbeit unter Tage oder Ereignissen, wie dem legendären Beatles-Konzert in der Essener Grugahalle 1966. Neben dem Aspekt des Chronisten verdient vor allem Holtappels stilistische Note Beachtung, die sich in einer ausnehmend malerischen Anmutung der Fotografien äußert. Fast wehmütig schlagen sie den Bogen in die Gegenwart. Schreitet man heute durch die Straßen Oberhausens, fragt man sich, wo die vielen Menschen, prosperierenden Geschäfte oder rauchenden Fabriken mit ihren vielen Arbeitsplätzen geblieben sind.

Die Ausstellung „Rudolf Holtappel – Die Zukunft hat schon begonnen“ ist bis zum 6. September unter den üblichen Corona-Vorschriften zu sehen. Die Ludwig Galerie Schloss Oberhausen hat dienstags bis sonntags sowie feiertags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 4 Euro. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, der im Museum 29,80 Euro kostet.

Kontakt:

Ludwig Galerie Schloss Oberhausen

Konrad-Adenauer-Allee 46

DE-46049 Oberhausen

Telefax:+49 (0208) 412 49 13

Telefon:+49 (0208) 412 49 28

E-Mail: sekretariat.ludwig-galerie@oberhausen.de



11.05.2020

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Rudolf Holtappel, Therachemie für Henkel, 1994
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 Detektive. Szenenfoto mit Herrn Grundeis, 1966
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Rudolf Holtappel, Essener Straße mit HOAG,
 Oberhausen, 1960
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Rudolf Holtappel, Selbstporträt, o.J.
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Rudolf Holtappel, Ruhrchemie. Oberhausen, 1977
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Rudolf Holtappel, Megaperlfabrik Henkel, 2000
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Rudolf Holtappel, Therachemie für Henkel, 1994

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Rudolf Holtappel, Emil und die Detektive. Szenenfoto mit Herrn Grundeis, 1966

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Rudolf Holtappel, Karstadt Hutkauf, Essen, 1964

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Rudolf Holtappel, Essener Straße mit HOAG, Oberhausen, 1960

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Rudolf Holtappel, Selbstporträt, o.J.

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Rudolf Holtappel, Der alte Kaufhof Oberhausen, 1960

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Rudolf Holtappel, Firma Böker. Essen, 1984

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