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Knieende(r), 1907/1908 / Ernst Barlach

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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Trotz der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie konnte sich Irene Lehr in Berlin für ihre Auktion mit moderner und zeitgenössischer Kunst über mangelnden Zuspruch nicht beklagen

Blonder Kamerad kostet Geld



Theo von Brockhusen, Gardone VII, um 1911

Theo von Brockhusen, Gardone VII, um 1911

Eine Traumquote von 94 Prozent der zugeschlagenen Losnummern und ein Nettogesamtumsatz von gut 2,5 Millionen Euro waren das erfreuliche Ergebnis, mit denen die Berliner Auktionatorin Irene Lehr in ihrer aktuellen Versteigerung moderner und zeitgenössischer Kunst der Corona-Krise trotzte. Überdies prangten gleich vier sechsstellige Zuschlagswerte auf der Ergebnisliste des Hauses, an der Spitze Günther Förgs fünfteilige Wandinstallation „Metro 3“, die 2001 für ein Treppenhaus im Konzernhaus der Düsseldorfer Metro AG entstand. Wenig überraschend war freilich, dass die angegebenen 150.000 Euro für die insgesamt zehn Meter langen, jeweils quadratischen Tafeln aus Anthrazit-, Rot- und Grüntönen nicht reichen würden, hatten doch erst im vergangenen Oktober zwei andere Teile aus diesem monumentalen Schmuckensemble insgesamt 740.000 Euro erzielt. Diesmal waren 460.000 Euro fällig.


Noch viele weitere Offerten hatte Lehr am 25. April mit betont niedrigen Schätzpreisen versehen, um die Kauflust der Kunden anzuregen. Das klappte zum Beispiel bei Rudolf Auslegers abstraktem Flickenteppich „Suchender“ von 1919, der ein Gesicht erahnen lässt und dessen Wert sich von 5.000 Euro auf 18.000 Euro steigerte, oder bei Theo von Brockhusen, dessen postimpressionistische Öllandschaft „Gardone VII“ an der Westküste des Gardasees von 1911 sich auf 40.000 Euro verdoppelte. Eine trotz harten Pinselstrichs duftige Freiluftszene, die Franz Heckendorf 1911 in einem Lokal am Wannsee aufnahm, schoss von 8.000 Euro auf 30.000 Euro. Eine abendliche, beinahe schwere „Sächsische Landschaft bei Sonnenuntergang“ von Ernst Bursche aus das Jahr 1941 verabschiedete sich erst bei 4.400 Euro (Taxe 1.800 EUR). Als ein weiteres Hauptlos der Veranstaltung wurde bei 80.000 Euro schon im Vorfeld Hermann Glöckners ungegenständliche Collage „Drei gefaltete weiße Papier auf Blau“ von 1934 gehandelt. Auch sie konnte ihren Wert auf 130.000 Euro deutlich steigern. Fritz Winters frühes Gemälde von 1931 mit organischen Formen in einem schwarzen Liniengerüst honorierten die Bieter mit 19.000 Euro (Taxe 6.000 EUR).

Bei den kleinen Preisen gab es ebenfalls manche Überraschung, etwa die 6.000 Euro für Amédé Barths 1923 in neusachlicher Nüchternheit angelegten menschenleeren „Industriehafen an der Seine“ (Taxe 1.800 EUR), 11.500 Euro für Max Radlers „Untermühle“ wohl aus demselben Zeitraum (Taxe 2.000 EUR) oder 8.000 Euro für Heinrich Ehmsens „Im Hafen“, auch „Armenier in Batum“ betitelt, von 1932/34 (Taxe 4.000 EUR). Eine explizit sozialkritische Kunstrichtung vertrat in der Weimarer Republik Bruno Voigt, dessen aquarellierte Tuschezeichnung „Der Ständestaat“ von 1933 mit überzeichnetem Figurenpersonal gute 4.800 Euro einspielte (Taxe 2.000 EUR). William Wauers zackiger „Blitzreiter“ von 1923 aus versilberter Bronze sprintete von 3.000 Euro auf 8.000 Euro. Nicht ganz die Erwartungen erfüllte Heinrich Campendonks 1912 aquarellierte „Ernte“, die statt 60.000 Euro nur 50.000 Euro einholte, ebenso wie Theodore Lux Feiningers gefällige Wiedergabe des Raddampfers „Keansburg Boat“ von 1940 für 14.000 Euro (Taxe 15.000 EUR) und Carl Lohses „Bildnis Pianistin There Sita“ von 1920 für 20.000 Euro (Taxe 25.000 EUR). Zu den wenigen hochpreisigen Rückgängen zählten Conrad Felixmüllers sonnige Landschaft „Heuernte in Klotzsche“ von 1931 und eine sperrige Raumskulptur Norbert Krickes, die je 30.000 Euro bringen sollten.

Nicht zuletzt Künstlerinnen machten auf sich aufmerksam. 20.000 Euro statt 15.000 Euro schaffte etwa Kate Diehn-Bitt mit ihrem einfühlsamen, um 1936 erstellten Doppelportrait „Mutter mit Kind“, vereinsamt zwischen schirmenden Bäumen sitzend, 17.000 Euro eine schlanke überlängte bronzene „Tänzerin“ aus dem Jahr 1922 von Katharina Heise, die ihre künstlerische Ausbildung an der Kunstgewerbeschule in Magdeburg erhalten hatte (Taxe 9.000 EUR). Eine neusachliche „Großstadtszene“ vom Potsdamer Platz in Berlin, 1928 von Elisabeth Kallen in einem Close-up auf vier Gesichter gemalt, erlöste 9.500 Euro (Taxe 8.000 EUR), Gerta Overbecks 1928 nicht ganz proportionsgetreu aquarellierter „Kanalhafen“ 6.000 Euro (Taxe 4.000 EUR) und Anita Rées circa 1915 datierte Aquarell-Gouache „Knabe mit blauen Augen“ in sanfter Melancholie 20.000 Euro (Taxe 14.000 EUR).

Gut kam ferner das Angebot von weniger bekannten Künstlern der ehemaligen DDR an. Dazu gehörten Winfried Dierskes betont vereinfacht wiedergegebenes „Schaufenster“ mit Küchenutensilien von 1959 für 9.500 Euro, Peter Grafs im selben Jahr festgehaltener graubrauner Lastwagen „SYS vor Kneipe“ für 10.000 Euro (Taxen je 3.000 EUR) und Otto Möhwalds barbusige Frau „Beim Haareaufstecken“ von 1957 für 9.000 Euro (Taxe 2.200 EUR). Der 1928 geborene Herbert Kitzel, der 1958 die DDR verließ, in Karlsruhe eine Professur annahm und 1978 durch Suizid starb, gab seine beiden grüblerisch traurigen Jahrmarktbilder „Sitzender, aufgestützter Harlekin“ und „Das Spiel beginnt“ aus den 1950er Jahren für jeweils 9.500 Euro ab (Taxen je 3.600 EUR). 11.000 Euro und 13.000 Euro erreichten Wilhelm Lachnits „Stillleben mit Eule“ und „Grüner Tag (An der Ostsee)“, beide von 1954 (Taxen 14.000 EUR und 5.000 EUR). Der inzwischen über neunzigjährige Harald Metzkes konnte sich über 15.000 Euro für seine neoexpressionistische Schlechtwetterlandschaft „Küste mit Bootsschuppen“ aus dem Jahr 1959 freuen (Taxe 8.000 EUR).

Werke bekannter Größen im sozialistischen Staat der Arbeiter und Bauern hatten noch weniger Absatzprobleme, wie 22.000 Euro für Bernhard Heisigs Gemäldeentwurf für das Foyer des Leipziger Gewandhauses von 1978 (Taxe 15.000 EUR) und 16.000 Euro für Willi Sittes „Wächter mit Lanzen“ von 1951 (Taxe 12.000 EUR) oder 4.500 Euro für seine Tuschezeichnung mit der Entführung der Europa dokumentieren (Taxe 2.400 EUR). Unter den jüngeren Arbeiten von Künstlern aus der DDR reüssierte Karl-Heinz Adlers abstrakte „Farbschichtung“ in zahlreichen schlierigen Grüntönen von 1985/86 bei 4.200 Euro (Taxe 2.000 EUR). Die eher seltene Variante abstrakter Malerei in Ostdeutschland vertrat gleichfalls Willy Wolff mit seiner bunten, fluchtpunktartig auf das obere rechte Viertel der Hartfaserplatte ausgerichteten Ölmalerei „Der gerade Weg“ von 1964 für 17.000 Euro (Taxe 12.000 EUR).

Auf westdeutscher Seite zur Zeit des Eisernen Vorhangs war Markus Lüpertz’ ährengelber „Sandhaufen, dithyrambisch“ von 1966/67 für 100.000 Euro das Hauptlos (Taxe 50.000 EUR). Den proportional größten Preissprung von 2.200 Euro auf sagenhafte 46.000 Euro machte Mac Zimmermanns surreales „Familienleben“ in einer von Wänden und Gittern verstellten Wüstenlandschaft aus dem Jahr 1955 – Rekordansage für den 1912 in Stettin geborenen Maler. Zu nennen sind außerdem Christa Dichgans, deren Pop Art-artige Aquatecmalerei „Die Suppe“ von 1977 für 15.000 Euro den Besitzer wechselte (Taxe 9.000 EUR), und Bernd Koberling, dessen extrem abstrahiertes Landschaftsbild „Rosa Birken“ auf dem Jahr 1967 bei 12.000 Euro wegging (Taxe 10.000 EUR). Ein unbetiteltes Frühwerk Günter Fruhtrunks aus den 1950er Jahren mit informell übereinandergelegten Farbschichten für 16.000 Euro (Taxe 14.000 EUR), Georg Karl Pfahlers Hard Edge-Komposition „S-KLB II“ in kräftigem Rosa-Rot-Blau-Grün für 12.500 Euro (Taxe 4.000 EUR) und Lothar Quintes wie durch einen Vorhang schimmernde „Stele farbig über Grau“ von 1977 für 10.500 Euro repräsentierten den Erfolg der ungegenständlichen Malerei (Taxe 6.000 EUR). Im plastischen Bereich bewies dies Thomas Lenks serielle grau-schwarze Quadratschichtung um 1970 für 6.000 Euro (Taxe 4.000 EUR).

Gewissermaßen zwischen Ost und West steht ein unbetiteltes farbintensives Zeichenbild A.R. Pencks, war es doch 1980 das erste Gemälde, das der damals etwa vierzigjährige Künstler nach seiner Flucht aus der DDR gemalt hat. Seit dem Entstehungsjahr im Besitz des Einlieferers, wurde es jetzt für stolze 205.000 Euro verkauft (Taxe 80.000 EUR). Fünf weitere Arbeiten des 2017 verstorbenen Individualisten gingen für bis zu 17.000 Euro ebenfalls großenteils weit über den Schätzungen weg. Zum Höhepunkt der jüngsten Kunst – neben Förgs „Metro“ – schritt Norbert Biskys blonder „Kamerad 4326“ mit blauen Augen aus dem Jahr 2002 für stolze 55.000 Euro (Taxe 30.000 EUR). Ein tänzerisch geschwungenes Mädchen mit Zöpfen im Bastrock, das 1996 Cornelia Schleime vor schwarzem Hintergrund bannte und „Havanna“ nannte, schloss für 22.000 Euro neue Bekanntschaft (Taxe 9.000 EUR).

Lutz Friedels graue Ansicht des Brandenburger Tores, die 1993 wenig Zuversicht verbreitete, schaffte trotzdem 8.000 Euro (Taxe 1.000 EUR), Clemens Gröszers im Dix-Stil gehaltener Akt „Hieke-Yellow“ von 1999 verdoppelte seinen Wert auf 10.000 Euro, und Walter Libudas fantastischer „Blindschäfter“ von 1998/2005 entlockte einem Kunden 6.500 Euro (Taxe 2.500 EUR). Von dem Österreicher Arnulf Rainer stammt die abstrakt-informelle Komposition „Garten (Stück 4)“ aus dem Jahr 1981. 2004 war sie in der Galerie Zulauf im pfälzischen Freinsheim ausgestellt, ein Jahr später ging sie in den Besitz des Einlieferers über, der dafür jetzt 34.000 Euro einstreichen konnte (Taxe 30.000 EUR). Den Abschluss der Versteigerung bildeten knapp siebzig Arbeiten Joseph Beuys’ für bis zu 4.200 Euro aus der Sammlung des Mediziners und Kunsthistorikers Axel Hinrich Murken.

Alle Zuschläge verstehen sich als Zuschläge ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Dr. Irene Lehr Kunstauktionen

Sybelstraße 68

DE-10629 Berlin

Telefon:+49 (030) 881 89 79

Telefax:+49 (030) 881 89 95



04.05.2020

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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