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Stehender Mädchenakt vor Rot, 1954 / Karl Hofer

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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Eine kapitale Spitzweg-Restitution mit präsidialen Weihen führt die Alte Kunst bei Neumeister in München an

Sissis Ausstatterin



Carl Spitzweg, Das Auge des Gesetzes (Justitia), 1857

Carl Spitzweg, Das Auge des Gesetzes (Justitia), 1857

Statisch steht sie da, erhöht auf ihrem Sockel, die Statue der Justitia, scheinbar unbeirrbar und unbestechlich ihres Amtes waltend. Doch wie immer bei den Gemälden Carl Spitzwegs lohnt sich nicht nur ein zweites Hinschauen, sondern auch ein zweites Nachdenken. Denn bald stellt man fest, dass die sonst so feste Augenbinde leicht nach oben gerutscht ist, die Allegorie der Gerechtigkeit also ein bisschen blinzelt. Eine der Waagschalen fehlt, ihre Brüste sind auffallend ausladend, und von Standfestigkeit kann in Wahrheit auch keine Rede sein: Auf Höhe der Unterschenkel weist die Steinfigur einen deutlich sichtbaren Bruch auf. 1857 schuf der Münchner Maler Spitzweg dieses Gemälde, und seine Kritik an Obrigkeit und staatlichem Justizwesen im nachrevolutionären Deutschland, vor denen sich sogar ein knollennasiger Polizeidiener ängstlich versteckt, dürfte, wenngleich mit einem gehörigen Schuss Ironie gewürzt, auch den damaligen Betrachtern der kleinen Leinwand nicht entgangen sein.


Traurig ist allerdings die Geschichte hinter dem Bild. Einst gehörte es dem jüdischen Tabakhändler und Kunstsammler Leo Bendel, der sich in Berlin als Geschäftsmann einen Namen gemacht hatte, bis 1933 die Nationalsozialisten an die Macht kamen. Bendel sah sich gezwungen, seine Kunstsammlung weit unter Wert zu verkaufen, wich 1937 nach Österreich aus, doch schon ein halbes Jahr später erfolgte der „Anschluss“, und kurz nach Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde Bendel inhaftiert. Er starb 1940 im Konzentrationslager Buchenwald. Der Spitzweg, den Hitler für sein Führermuseum haben wollte, ging nach dem Krieg in deutschen Staatsbesitz über und hing seit 1961 in den Büros von acht Bundespräsidenten. Erst 2007 wurde die Restitution an die Bendel-Erben beschlossen, deren Umsetzung sich allerdings bis 2019 verzögerte.

Nun ist das Gemälde Carl Spitzwegs das Hauptlos der Versteigerung Alter Kunst bei Neumeister in München, dramaturgisch geschickt am Ende der Veranstaltung platziert. Einen eigenen Katalog hat Firmenchefin Katrin Stoll, die sich schon vor längerer Zeit durch die schonungslose Aufarbeitung der Geschichte ihres Hauses im Dritten Reich einen Namen gemacht hatte, zu dem Gemälde herausgegeben. Den Schätzpreis erfährt man nur auf Anfrage, man gehe von „von einem schönen sechsstelligen Ergebnis aus“, so heißt es. Noch sieben weitere Spitzweg-Bilder hat man bei Neumeister im Programm, allesamt kleinere Arbeiten im Bereich zwischen 10.000 und 30.000 Euro. Die meisten davon wie eine dichte vorimpressionistische Waldlandschaft, eine Schildwache auf der Stadtmauer unter dem Titel „Lueg ins Land“ oder ein Gebirgspass mit Brücke wurden aus süddeutschem Privatbesitz eingeliefert und hingen bis 2019 dreißig Jahre lang als Dauerleihgaben im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg.

Starkes 19. Jahrhundert

Ursprünglich auf den 25. März angesetzt, findet die Versteigerung Alter Kunst nun am 6. Mai statt – als eine der ersten nach den strikten Corona-Beschränkungen wieder vor Saalpublikum, wenn auch unter Auflagen. Einige der besten Offerten liegen auch abseits von Spitzweg im 19. Jahrhundert, etwa eine betont überbelichtete, gestochen scharfe Szene mit rastenden Soldaten und Pferden vor einer Bauernkate von dem aus Polen nach München eingewanderten Alfred von Wierusz-Kowalski (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR) oder Alexander Koesters sieben weiße Enten an einem Ufer mit impressionistischen Lichtreflexen für 15.000 bis 18.000 Euro. Von dem aus der Pfalz stammenden Julius Exter kann Neumeister ein frühes Hauptwerk anbieten: Das Großformat „Sommer“ mit zwei weiblichen Akten auf einer prachtvollen Wiese am Flussufer entstand spätestens 1891, denn in jenem Jahr war es im Münchner Glaspalast öffentlich ausgestellt. Stilistisch ist der Einfluss des Symbolismus unverkennbar (Taxe 25.000 bis 30.000 EUR).

Zahlreiche Landschaften zieren den Auktionskatalog, etwa Heinrich Bürkels bislang unbekannte Ölstudie einer winterlichen „Rückkehr von der Bärenjagd“ auf fast quadratischer Leinwand für 8.000 bis 10.000 Euro oder Josef Wopfners „Netzziehende Fischer am Chiemseeufer“ unter stürmisch bewegtem Himmel für 20.000 bis 24.000 Euro. Die französische Schule von Barbizon repräsentiert Stanislas Lépines duftige helle „Bords de Seine. Les peupliers“ (Taxe 11.000 bis 14.000 EUR). Mondän wird es mit Franz von Lenbach: In rundem Format portraitierte er 1899 Marie Barkany, einen Weltstar unter den seinerzeitigen Schauspielerinnen mit Auftritten von Moskau bis New York (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR). Für die akribische Stilllebenmalerei des Wiener Biedermeier steht ein prachtvoller Blumenstrauß mit Schmetterling und Maikäfer von Anton Hartinger für 10.000 bis 12.000 Euro.

Die Arbeiten der Alten Meister reichen bis ins 15. Jahrhundert zurück, etwa eine heilige Ursula aus dem Salzburger Raum, deren Provenienz sich bis zum Kaufmann Carl von Frey im 19. Jahrhundert zurückverfolgen lässt (Taxe 12.000 bis 14.000 EUR). Früher als Werk Peter Paul Rubens’, dann als Werkstattarbeit gehandelt, gilt eine Heilige Familie mit Johannesknaben inzwischen nur noch als ein Werk der Nachfolge des flämischen Meisters (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR). Wohl eine Gemeinschaftsarbeit von Jan Breughel d.J. und Cornelis Schut I. wohl um 1630 ist die Darstellung einer Muttergottes in einem bunten Blumenkranz (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR). Von Hendrick Gerritsz Pot stammt das Tronie eines bärtigen Herrn mit langen Haaren und Pelzmütze, das auch durch die ungewöhnliche Übereckstellung der Holztafel auffällt (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR).

Strauss’ bukolische Tragödie

Eine italienische Architekturlandschaft mit Figurenstaffage ordnete der renommierte Kunsthistoriker Rodolfo Pallucchini anfangs der 1970er Jahre noch dem Frühwerk Giovanni Antonio Canals zu. Inzwischen aber tendiert man aber zu dem nicht ganz so berühmten Francesco Battaglioli (Taxe 15.000 bis 18.000 EUR). Bei den Papierarbeiten erregt neben klassischen Zeichnungen, wie einer impressionistischen Kaffeehausszene Giovanni Boldinis (Taxe 4.000 bis 5.000 EUR) oder einem Entwurf zu der Bildergeschichte „Maler Klecksel“ von Wilhelm Busch (Taxe 1.500 bis 2.000 EUR), auch ein Notenmanuskript des Komponisten Richard Strauss Aufmerksamkeit. Es handelt sich um einen Ausschnitt seiner 1938 in Dresden uraufgeführten drittletzten Oper „Daphne“. Im Handel findet man gelegentlich noch andere Blätter desselben Werkes, so vor zwei Jahren bei Ader Nordmann in Paris. Die beiden mit 19 und 20 nummerierten Partiturausschnitte der „bukolischen Tragödie“ sollen bei Neumeister nun 5.000 bis 7.000 Euro einspielen.

Unter den Skulpturen sind einige spätgotische Arbeiten des 15. und frühen 16. Jahrhunderts zu nennen, etwa zwei thronende Muttergottesfiguren aus dem Schweizer und dem Salzburger Raum (Taxen zwischen 18.000 und 24.000 EUR), eine schöne Barbara aus Süddeutschland mit ihrem Attribut, einem kleinen Turm (Taxe 12.000 bis 14.000 EUR), oder eine heilige Agnes von dem im Bodenseeraum tätigen Augustin Henckel aus der Zeit um 1520/25 (Taxe 10.000 bis 12.000 EUR). Dem Umkreis des um 1450 in der Oberpfalz geborenen, später in München wirkenden Meisters Erasmus Grasser wird das Relief einer Grablegung Christi zugeschrieben (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR). Bestes Art Déco repräsentiert eine schwungvolle Tänzerin aus der zweiten Hälfte der 1920er Jahre. Geschaffen wurde sie von der damals kaum zwanzigjährigen Österreicherin Gerda Iro, die sich auch Gerdago nannte und eigentlich Gerda Gottstein hieß. Später wurde die 2004 hochbetagt verstorbene Künstlerin unter anderem als Kostümbildnerin der Sissi-Filme bekannt und trug mit ihren eleganten Uniformen und rauschenden Ballroben nicht unwesentlich zum Erfolg der Streifen bei (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR).

Die Abteilung Kunsthandwerk enthält Klassiker wie eine Meißner Stierhatz nach einem Modell Johann Joachim Kändlers (Taxe 3.800 bis 4.000 EUR), die von Susi Singer für die Wiener Werkstätte entworfene Keramikfigur eines „Chinesen mit Pferd“ aus den frühen 1920er Jahren (Taxe 3.500 bis 4.000 EUR) oder ein Exemplar des 13flammigen Messingleuchters Modell Nummer 58, der 1901 nach einer Idee Bruno Pauls in den Vereinigten Werkstätten für Kunst im Handwerk vom Band lief (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR). Als bedeutendstes Möbelstück tritt ein Dresdner Aufsatzschreibschrank von etwa 1730 mit geschmackvoller Akanthusblattzier an. Der Name des Meisters ist leider nicht überliefert (Taxe 28.000 bis 30.000 EUR). Französischer Herkunft des mittleren 19. Jahrhunderts sind zwei große Zierleuchter aus vergoldeter Bronze auf Säulenschäften mit gemalten Malachitimitationen. Die 13 Tüllen für die Kerzen muss man zwischen den überbordenden Rosen- und Lilienblüten fast suchen (Taxe 14.000 bis 16.000 EUR).

Die Auktion beginnt am 6. Mai um 14 Uhr. Die Besichtigung der Objekte ist nur nach individueller Terminvereinbarung vom 27. April bis zum 4. Mai täglich von 10 bis 17 Uhr, am 1., 2. und 3. Mai von 10 bis 13 Uhr möglich. Zum Schutz von Kunden und Personal ist das Tragen von Gesichtsmasken verpflichtend. Der Internetkatalog ist unter www.neumeister.com abrufbar.

Kontakt:

Neumeister Münchener Kunstauktionshaus

Barer Straße 37

DE-80799 München

Telefax:+49 (089) 23 17 10 55

Telefon:+49 (089) 231 71 00

E-Mail: auctions@neumeister.com



27.04.2020

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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Kunstwerk:

Carl Spitzweg, Das Auge des Gesetzes (Justitia), 1857
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Alexander Koester, Enten am Ufer (Sieben weiße Enten)
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Johann Joachim Kändler, Große Stierhatz, 3. Viertel 18. Jahrhundert
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Josef Wopfner, Netzziehende Fischer am Chiemseeufer
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Franz von Lenbach, Bildnis der Schauspielerin Marie Barkany, 1899
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Carl Spitzweg, Fränkische Landschaft mit Wirtshaus, um 1875
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Heilige Barbara, Süddeutschland, um 1500

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Taxe: 12.000 - 14.000 EURO

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Carl Spitzweg, Am Marterl, um 1875/80

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Taxe: 20.000 - 25.000 EURO

Zuschlag: 35.000,- EURO

Losnummer: 406

Stanislas Lépine, Bords de Seine. Les peupliers

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Taxe: 11.000 - 14.000 EURO

Zuschlag: 17.000,- EURO

Losnummer: 284

Aufsatzschreibschrank, Dresden, um 1730

Aufsatzschreibschrank, Dresden, um 1730

Taxe: 28.000 - 30.000 EURO

Losnummer: 123

Josef Wopfner, Netzziehende Fischer am Chiemseeufer

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Taxe: 20.000 - 24.000 EURO

Zuschlag: 20.000,- EURO

Losnummer: 332

Julius Exter, Sommer. Blühende Wiese am Flussufer mit zwei weiblichen Akten

Julius Exter, Sommer. Blühende Wiese am Flussufer mit zwei weiblichen Akten

Taxe: 25.000 - 30.000 EURO

Losnummer: 354

Carl Spitzweg, Waldlandschaft, um 1839/40

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Taxe: 20.000 - 25.000 EURO

Zuschlag: 22.000,- EURO

Losnummer: 402

Franz von Lenbach, Bildnis der Schauspielerin Marie Barkany, 1899

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Taxe: 6.000 - 8.000 EURO

Losnummer: 345

Wilhelm Busch, Maler Klecksel bei Susanna, vor 1884

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Taxe: 1.500 - 2.000 EURO

Zuschlag: 7.500,- EURO

Losnummer: 161

Carl Spitzweg, Moorlandschaft

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Taxe: 10.000 - 12.000 EURO

Zuschlag: 11.000,- EURO

Losnummer: 407

Carl Spitzweg, Fränkische Landschaft mit Wirtshaus, um 1875

Carl Spitzweg, Fränkische Landschaft mit Wirtshaus, um 1875

Taxe: 25.000 - 30.000 EURO

Zuschlag: 45.000,- EURO

Losnummer: 401

 Vereinigte Werkstätten für Kunst im Handwerk München, Bruno Paul, 13flammiger Leuchter (Modell-Nr. 58), 1901

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Taxe: 10.000 - 15.000 EURO

Zuschlag: 11.000,- EURO

Losnummer: 78

Anton Hartinger, Blumenstillleben mit Schmetterling und Maikäfer

Anton Hartinger, Blumenstillleben mit Schmetterling und Maikäfer

Taxe: 10.000 - 12.000 EURO

Losnummer: 241




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